Der Ärger über Amazons Absetzung der neuen Stargate-Serie von Showrunner Martin Gero mitten in der Pre-Production ist nach wie vor groß. Dabei stößt vor allem der Grund für den plötzlichen Axthieb, der noch dazu möglicherweise irreparablen Schaden angerichtet hat, auf heftigen Unmut und blankes Unverständnis.
Bisher hat der IP-Inhaber zwar keine eigene, offizielle Stellungnahme hierzu herausgegeben. Medienberichte deuten jedoch darauf hin, dass die ausgeprägte Fan-Nähe des Projekts in Manager-Kreisen die Sorge auslöste, die neue Serie könne über die bereits bestehende Stargate-Fanbase hinaus kein größeres Publikum ansprechen und für sich gewinnen.
Dabei konzipierte Martin Gero die Serie von Anfang an ganz bewusst als ein eigenes Kapitel mit ganz neuen Charakteren, das aber im existierenden Stargate-Universum angesiedelt sein und den bekannten Canon in Ehren halten sollte. Für zahhlose Fans ein vielversprechendes, wenn nicht sogar das bestmögliche Szenario, das auch genau so öffentlich kommuniziert wurde.
Schon die Zusammensetzung des Kreativteams spiegelte diese Herangehensweise wider: Gero, selbst ein "alter Hase" im Franchise, griff nicht nur auf die Stargate-Veteranen Brad Wright und Joseph Mallozzi zurück, auch hochkarätige Neuzugänge wie Nathan Crowley, Mohen Leo und weitere wurden für die Serie angeheuert, die frische Ideen in das Produktionsdesign und den "Look" der neuen Serie eingebracht hätten.
Und es mutet als bittere Ironie an, dass ausgerechnet Stargate-Ikone Richard Dean Anderson (der selbst ausdrücklich NICHT Teil der neuen Serie gewesen wäre) nur einen Tag vor dem frühen Aus auf der Metz'Torii den Sorgen der Amazon-Verantwortlichen womöglich allen Wind aus den Segeln hätte nehmen können.
Mit den Worten "Es ist anders - es ist das neue [Stargate]. Ich bin der alte Typ!" könnte der Jack O'Neill-Darsteller während seines Panels in Metz den vielleicht entscheidenden Hinweis gegeben haben, dass die neue Serie eben doch für ein größeres Publikum geeignet war und nicht bloß die seit Jahrzehnten treuen Gater als reiner Fanservice abgeholt hätte.
Ein anderes, neues Stargate - das bedeutet eine frische, eigenständige Version und neue Akteure. Aber vor allem impliziert es, dass Bekanntes nicht einfach wiederaufgewärmt wird, und Offenheit für eine breite Zuschauerschaft auch ohne Vorwissen.
Während eine neue Story mit bisher unbekannten Charakteren den Einstieg in die IP ohne Vorkenntisse gestattet hätte, wären die Autoren mit der von Martin Gero immer wieder betonten Ansiedlung im bestehenden Stargate-Serienuniversum zugleich in der Lage gewesen, tiefergehende Bezüge zum etablierten Canon herzustellen und so die Mythologie weiter auszubauen.
Und allein die Tatsache, dass man für das Casting nicht an die alte Besetzung herangetreten ist (wobei mit Blick auf Richard Dean Anderson natürlich auch sein Ruhestand eine nicht unbedeutende Rolle spielen könnte), spricht in diesem Sinne bereits Bände.
Aber das werden wir dank unbegründeter Besorgnis um den "broad appeal" der neuen Stargate-Serie nun wohl leider nie wirklich erfahren.