Review - Star Wars: Andor Season 1

Sci_Fi-Dave   |   Ferne Welten   |   vom 23.11.2022

Star Wars: Andor - Review - Teaser Bildnachweis:

© 2022 Disney and its related entities


Andor ist die neueste und bislang umfangreichste der Live-Action-Serien aus dem Star Wars-Universum auf Disney+. Autor Tony Gilroy konzipierte die Serie als Prequel zu Rogue One: A Star Wars Story und von Anfang an über zwei Staffeln hinweg, um den Werdegang von Cassian Andor zum Helden der Rebellenallianz nachzuzeichnen.

Season 1 steht seit heute komplett zum Streamen bereit, aber ist die Rückkehr in die raue Welt des ersten Star Wars-Spin-offs gelungen? Wir haben den Hyperantrieb aktiviert und uns für eine (wie immer spoiler-freie) Review erneut in die weit, weit entfernte Galaxis begeben!


Charaktere & Story

Andor spielt (mit Ausnahme einiger Rückblicke) 5 Jahre vor der Schlacht von Yavin gegen den ersten Todesstern. Im Zentrum der Handlung steht Cassian Andor (erneut verkörpert von Diego Luna) als Titelfigur, dessen persönliche Heldenreise jedoch mit dem Aufkeimen der Rebellion verwoben ist: So spielt auch Senatorin Mon Mothma (Genevieve O'Reilly, ebenfalls bekannt aus Rogue One sowie aus Episode 3: Die Rache der Sith und Rebels) eine tragende Rolle, die sowohl auf der politischen Bühne als auch privat einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen das Establishment führt.

Als Dreh- und Angelpunkt der Story und Figuren fungiert der mysteriöse Luthen Rael (Stellan Skarsgård in einer seiner bisher besten Rollen): Nachdem Cassian auf der Suche nach seiner Schwester mit dem Gesetz in Konflikt gerät und auf der Flucht ist, heuert Luthen ihn für eine Rebellentruppe unter der Führung von Vel Sartha (Faye Marsay) an, die einen Schlag gegen eine imperiale Garnison plant. Derweil machen der Corporate Security-Offizier Syril Karn (Kyle Soller) und die skrupellose, aufstrebende ISB-Aufseherin Dedra Meero (Denise Gough) Jagd auf Andor und die beginnende galaxieweite Rebellion.

Aber nicht nur Cassian selbst erlebt im Laufe der Handlung die Mühlen und Schrecken der imperialen Herrschaft am eigenen Leib, auch seine gute Freundin und Ex-Flamme Bix Caleen (Adria Arjona) und seine Adoptivmutter Maarva (Fiona Shaw) geraten auf dem Planeten Ferrix ins Visier des Imperiums.

Kritik


Wie schon Rogue One bringt auch Andor frischen Wind in das Star Wars-Universum: Vom Spiel mit negativem Raum im Titellogo über den Soundtrack bis hin zum gänzlichen Verzicht auf das "Volume" - das durch The Mandalorian revolutionierte virtuelle Set - für die Dreharbeiten ist die Serie von Grund auf bewusst anders und macht dabei vieles besser.

Die Handlung und das Skript sind deutlich erwachsener, die Schauplätze und die Welt fast schon brutal realistisch - gerade beim letzten Aspekt helfen die "echten" Location- und Studio-Sets enorm. 

Aber nicht nur im Bezug auf Realismus lehnt sich Andor mehr an das erste Star Wars-Spin-off an, sondern ebenso mit Blick auf die Charaktere. Obwohl die Serie letztlich auch wieder in die Kategorie der Prequels und Midquels fällt, liegt das Hauptaugenmerk auf neuen oder überwiegend aus Rogue One bekannten Figuren - es gibt so gut wie keine Bezüge zur "Skywalker-Saga", von der sich bisherige Star Wars-Produktionen aus dem Hause Disney über kurz oder lang noch kaum lösen konnten.

Außerdem gelingt es Andor, einige der bisher facettenreichsten und differenziertesten Einblicke in das Star Wars-Universum zu geben, seien es interne Machtspielchen im Imperialen Sicherheitsbüro oder das alltägliche Leben auf Coruscant. Die Serie besucht noch dazu spürbar mehr neue Planeten und Schauplätze als ihre Vorgänger.

Dabei wird auch deutlich, dass der Fokus der Story ganz klar auf den Charakteren und deren Entwicklung liegt - bei den "Guten" wie den "Bösen" (eine Grenze, die schon Rogue One aufweichte und hier ebenfalls geschickt verwischt wird, insbesondere aus der Perspektive der Schurken). Und die Darsteller, allen voran Diego Luna und Genevieve O'Reilly, nutzen die Chance sichtlich, ihre Figuren in der Serie feiner zu zeichnen und auszufüllen als nur über die Spiellänge eines Films hinweg.

Nicht jeder Charakterbogen ist nach Season 1 komplett, das ist allerdings mitunter dem Umstand geschuldet, dass die Serie von Anfang an für zwei Staffeln ausgelegt wurde.

Erzähltechnisch kann sich Andor ebenso sehen lassen, in dieser Hinsicht gibt es jedoch ein paar kleine Stolpersteine: Der Serienstart erzählt zwar überzeugend die Geschichte des jungen Cassian nach, ist zugleich aber etwas holprig, vor allem im Zeitenwechsel. Außerdem geht der Charakterfokus oft zu Ungunsten des Erzähltempos, der Plot schreitet teilweise nur sehr langsam voran.

Schließlich funktioniert auch der Wechsel zwischen den beiden zentralen Rebellenfiguren in Andor - Cassian und Mon Mothma - leider nicht immer gut. Denn Andors Backstory wird über kleinere Handlungsbögen sozusagen in Blöcken erzählt: Cassian muss sich in immer neuen Situationen mit neuen Charakteren beweisen und wird sich dabei seiner Fähigkeiten als Rebellenanführer bewusst. Mon Mothmas Storyline hingegen zieht sich eher linear und parallel dazu durch die Staffel hindurch.

Das sind aber Aspekte, die in Andor Season 2 durchaus ausgebügelt werden könnten: Insgesamt kann die erste Staffel qualitativ überzeugen und funktioniert absolut als charaktertechnisch und visuell beeindruckende Origin Story nicht nur Cassian Andors, sondern auch der Rebellenallianz als Ganzes.

Fazit


Andor orientiert sich als Prequel sichtbar an Rogue One, ist wie das erste Spin-off der Star Wars-Filmreihe auch deutlich mutiger, Neuland zu betreten (etwa auch durch das Überwinden von Genre-Grenzen und die Verwendung von Elementen des Spionage- oder Politthrillers) - und macht dabei vieles besser als die Vorgängerserien. 

Das Skript aus der Feder von Serienschöpfer Tony Gilroy schafft eine erwachsene, teilweise recht düstere Story und erzählt die Vorgeschichte Cassian Andors und das Aufkeimen der Rebellion überzeugend nach. Die Schauspieler liefern überwiegend gute, zum Teil brillante Darbietungen ab, und noch dazu ist der Plot gespickt mit visuellen und dramatischen Highlights insbesondere am Ende der einzelnen Handlungsblöcke.

Zwar ist nicht jeder Charakter- oder Handlungsbogen komplett, allerdings muss hierbei beachtet werden, dass Andor von Vornherein für zwei Staffeln konzipiert war.

Für Season 2 bleibt zwar zu hoffen, dass ein paar (wenige!) erzähltechnische Stolpersteine ausgebügelt werden und das Erzähltempo etwas schneller wird, ohne die in Season 1 so stark fokussierte und gut ausgearbeitete Charakterentwicklung für alle wichtigen Figuren aus den Augen zu verlieren.

Dennoch hat Andor definitiv das Potenzial, die bislang beste Live-Action-Serie aus dem Star Wars-Universum zu werden, wenn sie das nicht schon ist - das Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall.

Übrigens: Das Staffelfinale hat eine Post-Credits-Szene, die man nicht verpassen sollte!

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