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Thema: [Flash] Durch die Zeit

  1. #21
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von Chayiana Beitrag anzeigen
    Mist! Ich hab jetzt keine Zeit zu lesen, muss gleich los und komme spaet nach Hause. Aber dafuer freu ich mich schon jetzt auf morgen! Bis denne!
    Ich freu mich auch auf morgen - da gibt's die neue Flash-Folge!
    Schönen Abend wünsch ich dir noch.

  2. #22
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    hatte dann aber die gewonnenen Minuten mit der zeitraubenden Frage „Was ziehe ich an?“ vor dem Spiegel wieder verloren.
    Süß, Barry will für Len gut aussehen.

    Snart sah verflucht gut aus, in dem schlichten dunkelblauen Hemd, das die Farbe seiner Augen betonte.
    Und wieder ärgere ich mich, dass ich Prison Break nicht geschaut habe.

    „Wie unhöflich, jemanden schon bei der Begrüßung zu beleidigen.“ Snart zeigte eine zahme Form seines üblichen sardonischen Grinsens. „Ich bin kein Held.“
    Typisch Snart, bloß nicht zugeben, etwas gutes zu tun.

    wie Stein es ausgedrückt hatte: „Ich würde ihm zwar nicht mein Geld anvertrauen, aber ohne zweimal darüber nachzudenken, mein Leben.“ Es tat einfach gut, zu wissen, dass Barry sich nicht in Snart getäuscht hatte, dass das, was er in ihm gesehen hatte, nicht nur Einbildung gewesen war.
    Ja, Barry hat sich Gott sei Dank nicht geirrt.

    Aber Snart hatte bewiesen, dass sich Menschen ändern können, dass sich sogar ein Captain Cold ändern kann, denn er war durchaus zu selbstlosen Taten fähig, wie Stein und Jax berichtet hatten. Alles andere lag in der Vergangenheit. Barry würde sich davon ganz bestimmt nicht den Nachmittag vermiesen lassen.
    Gestern habe ich gerade wieder die Folge gesehen, wo Snart von Cisco den Namen verpasst bekommen hat.
    Passt echt wie Faust aufs Auge.

    Snart zog seine Hand sofort zurück und seine Miene wurde ausdruckslos. „Sorry.“
    Uiii... Hautkontakt, Frau/Mann nimmt was sie/er kriegen kann.


    „Sna…“ Oh, verflucht! „Es ist okay. Wirklich. Ich hätte nicht … ich wollte nicht ...“ Barry holte tief Luft. „Ich war nur … überrascht.“ Und wie lächerlich war das denn? Sie hatten immerhin ein Date! Berührungen sollten ihn nicht überraschen, denn darauf lief das Ganze schließlich hinaus.
    Ich will doch hoffen, dass es genau darauf hinausläuft.

    Snart musterte ihn, runzelte die Stirn und fragte dann langsam und mit Bedacht: „Um alle Missverständnisse auszuräumen, Barry - wir sind auf einer Wellenlänge, was unser … Treffen hier angeht, oder?“

    „Ein … ein Date?“ Barry schluckte und rieb sich den Nacken. „Hoffe ich“, fügte er rasch hinzu.

    „Ja, das ist es.“ Snart entspannte sich sichtlich und zeigte den Hauch eines Lächelns.
    Puuhh... endlich! Alle evtl. Missverständnisse aus dem Weg geräumt.

    „Timing. Denn das hatte bisher nicht wirklich gestimmt.“
    Aber jetzt - hoffe ich!

    die Situation nicht überanalysieren sondern einfach genießen, dass jemand, der aussah wie Snart, ganz offensichtlich auf ihn stand
    Hey, Barry braucht sich ja nun wirklich auch nicht zu verstecken.

    „Ich bin mit Detective West einer Meinung? Das kann nur bedeuten, die Apokalypse ist nahe“, erwiderte Snart trocken.
    Hihi, die Welt geht unter. Ich kann seine Mimik gerade genau vor mir sehen.

    Oh, du wolltest ihm Iron Hights ersparen, richtig?“

    Snart schwieg einen Moment und als er weitersprach, war seine Stimme kalt und hart. „Ich wollte mir und Lisa das Monster ersparen, das dadurch aus ihm geworden ist. Aber der Scheißkerl hat auch das vermasselt.“ Er hob die Schultern in eindeutig gespielter Gleichgültigkeit. „Sollte wohl so sein.“
    Snart und Lisa haben wirklich sehr unter ihrem Alten gelitten. Kein Wunder, dass sie geworden sind, was sie sind.

    Erst dann zog er langsam seine Finger zurück und ließ sie dabei sanft über Barrys Handrücken gleiten. Barry spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, wegen dieser simplen Berührung, wegen dieses Hauchs Verletzlichkeit, den Len ihn sehen ließ. Die Atmosphäre zwischen ihnen war plötzlich ernster, geladen mit Emotionen, die Barry vorher nie mit Leonard Snart in Verbindung gebracht hätte und er wusste nicht wie er damit umgehen, oder auch nur zu dem scherzhaften Geplänkel von vorhin zurückfinden sollte.

    Als Len sich zurücklehnte, scheinbar völlig entspannt und überall hinsah, nur nicht in seine Augen, wurde Barry klar, dass es Len ähnlich ging.
    Endlich, richtiger, gefühlter Hautkontakt.

    Er war davon ausgegangen, dass es Len um etwas Spaß ging, dass dieses Kaffee-Date ihr erstes und letztes war, bevor sie irgendwie im Bett landen würden und … ja, Barry war bereit, sich darauf einzulassen, weil es anscheinend alles war, was er bekommen konnte
    Ich hätte im Zusammenhang mit Snart genauso gedacht.

    Denn im Moment hatte er keine Ahnung ob er, so kurz nachdem Patty Schluss gemacht hatte, schon dazu bereit war.
    Also wirklich Barry, natürlich bis du so was von bereit!

    „Oder unterbreche ich gerade ein heißes Date?“, fragte Cisco und Barry hörte das Grinsen in seiner Stimme.
    Oh man Cisco, was für ein besch... Timing.

    „Komm her“, sagte Len plötzlich rau, aber mit Wärme in der Stimme, zog Barry mit einem Arm um die Taille an sich und küsste ihn.
    *seufz* Wurde ja auch mal Zeit!


    „Ich …“, Barry schluckte, sein Herz schlug schnell und hart und er spürte, wie sich ein – sicherlich absolut idiotisches – Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. „Ich melde mich. Nachher. Definitiv.“
    Oh ja, Barry wird sich melden und wenn ich persönlich dort auftauchen muss, um ihn zu Len zu bringen.
    Es wird Zeit, dass sie sich näher kommen. Wer weiß, wann Len wieder weg muss oder Barry ...

    Dankeschön für das tolle Kapitel!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  3. Danke sagten:


  4. #23
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    So, nachdem ich erst mal die neue Folge geguckt habe (sorry, aber das musste gleich sein *gg*), hatte ich jetzt richtig schoen Ruhe, dein neues Kapitel zu lesen. Und es war wieder mal ein Kapitel, in dem einfach alles stimmte. Von Barrys Aufdecken von Snarts "geheimen" Aktivitaeten, ueber die Klarstellung, dass es sich hier wirklich um ein Date handelt, die allseits beliebte Weigerung Snarts, sich selbst als Held zu sehen, bis hin zu den kleinen Beruehrungen und Annaehrungen der beiden.

    Aber natuerlich konntest du uns nicht einfach mit einem "Friede, Freude, Eierkuchen" sitzen lassen, nein, Cisco muss stoeren! *AAARRRRGGHHH* Aber immerhin hat es am Ende fuer einen kleinen, ersten Kuss gereicht. Endlich! Und nun sitze ich hier wieder und warte gespannt, aber nicht geduldig auf die Fortsetzung. Allerdings befuerchte ich, dass es nicht geradewegs in ein naechstes Date geht, sondern dass ich und die beiden Jungs darauf noch ein wenig warten muessen. Schliesslich kommt ja jetzt erst mal Lisas Raubzug mit all seinen eventuellen Katastrophen.

    Tolles Kapitel! Hat mir viel Spass gemacht zu lesen ... wie immer!

  5. Danke sagten:


  6. #24
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    @John's Chaya
    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Süß, Barry will für Len gut aussehen.
    Aber natürlich! Und Barry, der sich auf ein Date vorbereitet, hatten wir im Canon ja schon ein paar Mal, das musste also - wenigstens angedeutet - mit rein.

    Und wieder ärgere ich mich, dass ich Prison Break nicht geschaut habe.
    Kannst du doch immer noch. Es lohnt sich wirklich, (vor allem Staffel 1+2) nicht nur wegen Wentworth Miller.
    Puuhh... endlich! Alle evtl. Missverständnisse aus dem Weg geräumt.
    *g* Naja, was das angeht schon.

    Snart und Lisa haben wirklich sehr unter ihrem Alten gelitten. Kein Wunder, dass sie geworden sind, was sie sind.
    Ja, das stimmt.

    Ich hätte im Zusammenhang mit Snart genauso gedacht.
    Es ist auch naheliegend.
    Oh man Cisco, was für ein besch... Timing.
    Der arme Cisco, musste hier für eine plot-relevante Unterbrechung sorgen und kriegt's jetzt von allen Seiten ab.

    Oh ja, Barry wird sich melden und wenn ich persönlich dort auftauchen muss, um ihn zu Len zu bringen.
    Barry muss jetzt erstmal auf Erde2 (auch wenn ich das nur kurz erwähnen werde).

    Dankeschön für das tolle Kapitel!
    Danke dir für deinen netten Kommentar.

    @Chayiana

    Zitat Zitat von Chayiana Beitrag anzeigen
    Und es war wieder mal ein Kapitel, in dem einfach alles stimmte. Von Barrys Aufdecken von Snarts "geheimen" Aktivitaeten, ueber die Klarstellung, dass es sich hier wirklich um ein Date handelt, die allseits beliebte Weigerung Snarts, sich selbst als Held zu sehen, bis hin zu den kleinen Beruehrungen und Annaehrungen der beiden.
    Vielen Dank!

    Allerdings befuerchte ich, dass es nicht geradewegs in ein naechstes Date geht, sondern dass ich und die beiden Jungs darauf noch ein wenig warten muessen. Schliesslich kommt ja jetzt erst mal Lisas Raubzug mit all seinen eventuellen Katastrophen.
    Oh ja, der kommt und noch so ein paar andere Unerfreulichkeiten ...

    Tolles Kapitel! Hat mir viel Spass gemacht zu lesen ... wie immer!
    Danke sehr, freut mich, dass es dir gefällt.

  7. #25
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Anmerkung: Sooo, mit dem Ende des Kapitels bin ich nicht ganz zufrieden, weil es vielleicht falsche Erwartungen weckt, aber spätestens im nächsten Kapitel dürfte deutlich werden, in welche Richtung die Geschichte weitergeht und in welche eben nicht. Und irgendwo musste ich eben einen Schnitt machen und das Kapitel beenden.
    Ach ja, was den Legends-Seriencanon angeht – da streue ich nur ab und zu mal ein paar Verweise in die Story ein, halte mich aber sonst kaum an den Canon (wie man sicher merkt ).
    Was The Flash angeht, sind wir jetzt ganz grob mitten in den Ereignissen von 2x12, Fast Lane (mit einigen Veränderungen meinerseits) und ich hangele mich auch weiterhin halbwegs am Canon entlang, bis etwa 2x18 Versus Zoom. Ab da wird alles anders.
    Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!


    Kapitel 6 – Intermezzo

    Len sah Barry nach, bis der orangerote Streifen am Ende der Straße verschwunden war.

    Der Kuss eben war nicht geplant gewesen, Len hatte einfach das getan, was der Moment ihm diktiert hatte. Und Barrys Miene nach zu urteilen, war es genau das Richtige gewesen.

    Len lächelte und machte sich auf den Weg zu seinem Auto.

    Im Grunde genommen war das ganze Date eine Aneinanderreihung ungeplanter Wendungen gewesen, von der Richtung, die ihre Gespräche genommen hatten, bis zu dem, was er ungewollt über sich selbst und über seine beschissene Kindheit preisgegeben hatte.

    Nichts Neues für Barry, er wusste sicher mehr darüber als jeder andere, außer Lisa und Mick, doch es war eine Sache, die Fakten zu kennen, aber eine ganz andere, ihm anzusehen, was die Erinnerung mit ihm machte. Nach wie vor.

    Schon der Gedanke an seinen alten Herrn war nur dann erträglich, wenn er sich innerlich davon distanzierte, seine Gefühle auf Eis legte, sich hinter einer Wand aus Taubheit zurückzog. Nicht wirklich der ideale Gemütszustand bei einem Date. Und Barry hatte das gesehen, etwas davon zumindest und hatte reagiert.

    Barrys Hand auf seiner und das, was diese Geste ausdrückte, hatte sich gut angefühlt und erinnerte Len an ihre Begegnung in der Zukunft, an das Durcheinander von ungewohnten Empfindungen und Wünschen, die sie in Len ausgelöst hatte. Nichts, was er plante zu analysieren, er wusste nur, dass es das war, was er von Barry wollte, auch wenn er selber nicht benennen konnte, was genau das war.

    Das Date war jedenfalls fantastisch gelaufen und selbst wenn Barry sich heute nicht mehr melden würde, weil Ciscos Test ihn beschäftigt hielten – es war glasklar, dass sie sich so schnell wie möglich wiedersehen würden.

    ***

    „Hm“, meinte Cisco und starrte Stirnrunzelnd auf die schematische Darstellung des Flash- Anzuges auf dem Computermonitor.

    „Was heißt ‚hm‘?“, fragte Barry, sah ihm neugierig über die Schulter und wickelte einen Energieriegel aus. Seit Stunden schon hatte Cisco Barry und den Anzug durch alle möglichen und unmöglichen Testreihen gejagt. Hier im Labor und draußen auf den Straßen der Stadt. Es war offensichtlich - Barry wurde kontinuierlich langsamer. Er selber merkte es nicht, wie die Konfrontation mit dem Taschendieb, den er vorhin mühelos wie immer erwischt und beim CCPD abgeliefert hatte, bewies. Die Messergebnisse waren allerdings eindeutig.

    „Es ist nicht der Anzug“, stellte Cisco fest. „Und es ist auch kein Fehler in den Messungen.“

    Barry seufzte, ließ sich in den freien Stuhl neben Ciscos fallen und nahm einen Bissen von dem Energieriegel. „Was dann?“, fragte er, kaute, schluckte und verzog das Gesicht. Nicht nur, dass er sein Date mit Len hatte sausen lassen müssen, nein, er hatte auch auf ein sicher fantastisches Abendessen verzichtet und sich dafür mit ein paar trockenen Sandwiches, die er vorhin noch besorgt hatte und diesen Dingern begnügt, die nach Stroh mit Vanillearoma schmeckten. Wenigstens hatte er Len noch schnell, bevor er seine Straßenkleidung gegen den Flash-Anzug getauscht hatte, eine Sms geschickt und geschrieben, dass nicht abzusehen war, wie lange es noch dauern würde.

    „Keine Ahnung, Mann.“ Cisco zuckte ratlos mit den Schultern. „Es muss an dir liegen. Caitlin checkt dich am besten gleich nochmal durch, sobald sie da drüben fertig ist.“ Er machte mit dem Kopf eine Geste in Richtung des angrenzenden Labors, wo Caitlin und Jay ins Gespräch vertieft waren.

    Barry beobachtete die beiden für einen Moment durch die Glasscheibe, die die beiden Räume voneinander trennte. Sie standen sehr nahe beieinander, Jay sah Caitlin über die Schulter, während sie mit einer Pipette und einem Reagenzglas hantierte. Dann drehte sie sich zu ihm um und lachte, vermutlich über irgendetwas, das Jay gerade gesagt hatte. Sie wirkte so glücklich, wie schon lange nicht mehr. Barry lächelte. Er gönnte es ihr und er hoffte wirklich, dass sie einen Weg finden würde, Jay zu heilen.

    Wie gut, dass sich sein anfängliches Misstrauen gegen ihn als unbegründet erwiesen hatte. Jay war nicht nur eine Hilfe im Kampf gegen Zoom, sondern auch sonst ein feiner Kerl. Etwas Vertrauensvorschuss war manchmal eben genau das richtige. Len war das beste Beispiel dafür. Barrys Lächeln vertiefte sich. Ob er schon auf die Sms geantwortet …?

    „Ja, ja, waaahre Liebe“, sagte Cisco in dem Moment in einer perfekten Imitation des Geistlichen aus „Die Braut des Prinzen“ und Barry verschluckte sich beinahe an den letzten Krümeln des Energieriegels. Er hustete. Cisco wandte seinen Blick von Caitlin und Jay ab – klar, den beiden galt der Kommentar und nicht etwa … – und musterte Barry besorgt. „Alles okay?“

    „Ja, sicher.“ Barry winkte ab. „Hab’ mich nur verschluckt.“ Er räusperte sich. Jetzt war wirklich nicht der passende Zeitpunkt sich Tagträumen über Len hinzugeben. „Ich weiß zwar nicht, was die Untersuchung bringen soll, ich fühle mich toll, aber okay.“ Er stand auf und streckte sich. „Wo steckt eigentlich Harry? Vielleicht hat er eine Idee, die uns weiterbringt.“

    „Der hat sich vorhin verzogen, kurz bevor du aufgetaucht bist. Offensichtlich nerven wir ihn und er kann nicht arbeiten, wenn ihm ständig jemand wie ein übereifriges Hündchen hinterherrennt. Seine Worte, nicht meine“, bemerkte Cisco mit einem Augenrollen. „Ich verstehe ja, dass das er unter einer Menge Stress steht, wegen seiner Tochter, aber gerade in der Situation wäre Teamwork angebracht.“

    „Ja, aber das ist nicht sein Ding.“ Barry runzelte die Stirn. Harry war seltsam drauf, die letzte Zeit, keine Frage, er schien immer nur dann im Cortex zu sein, wenn niemand sonst da war und verkroch sich ansonsten in seinem Labor. „Okay, dann lassen wir ihn erstmal in Ruhe.“ Er nickte Cisco zu. „Ich zieh mich eben mal um.“

    „Jepp“, bemerkte Cisco nur abwesend, den Blick schon wieder auf den Monitor gerichtet. Sekunden später war Barry zurück, hängte den Flash-Anzug an seinen Platz und warf einen Blick auf sein Handy. Eine Sms von Len, direkt als Antwort auf seine vorhin, geschrieben vor gut zwei Stunden.

    Len: Ok. Seid ihr der Ursache für das Problem auf der Spur?

    Rasch antwortete er:

    Barry: Nein, immer noch nicht.

    Barry: Haben alles Mögliche getestet. Caitlin untersucht mich jetzt noch.

    Die Antwort kam sofort.

    Len: Du bist aber doch ok?

    Barry: Ja, ich fühle mich gut.

    Barry: Wenn ich die Ergebnisse habe, sag ich Bescheid.

    Kaum, dass er auf ‚senden‘ gedrückt hatte, wünschte er, die Sms wieder zurücknehmen zu können. Klar, dass Len nachfragte, immerhin war dieses ganze Problem der Grund dafür, dass er ihn heute hatte sitzen lassen. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass Len sich sorgte und brennend an Updates über seinen Gesundheitszustand interessiert war.

    Len: Unbedingt. Bin noch eine Weile wach.

    Barry starrte überrascht auf sein Handy. Offensichtlich war Len besorgt. Der Gedanke verursachte ein angenehmes Flattern in seinem Magen und er musste unwillkürlich lächeln.

    „Also doch ein heißes Date, Mann?“, riss ihn Ciscos Stimme aus seinen Gedanken.

    „Wie?“ Barry sah auf.

    Cisco nickte in Richtung des Handys. „Du hattest eben diesen … diesen Blick.“

    Barry spürte, wie ihm Wärme den Nacken hochkroch. Rasch schob er das Handy in seine Jeanstasche. „Welchen Blick?“

    Cisco hob die Schultern und grinste. „Naja, so wie du eben aussiehst, wenn du in jemanden verschossen bist. Also, spuck‘s aus, wer ist es?“

    Verschossen? Barry schluckte. War er wirklich …? Egal, jedenfalls hatte er jetzt wirklich keine Lust auf die Diskussion, die es definitiv geben würde, wenn er mit der ganzen Wahrheit herausrückte, nämlich, dass es Leonard Snart war, in den er … der sein Date für den heutigen Abend gewesen war. Cisco direkt anlügen wollte er aber auch nicht. Barry fuhr sich mit der Hand durchs Haar und sagte ausweichend: „Es ist noch nicht wirklich spruchreif, okay, und deswegen will ich lieber noch nichts sagen. Ich will … ich muss erst sehen, wie sich das entwickelt und selber sicher sein, was ich will. Ob wir beide wirklich dasselbe wollen.“ Er zuckte hilflos mit den Achseln. „Es ist kompliziert“, schloss er schließlich.

    „Okay.“ Cisco grinste. „Dann viel Glück mit Miss Kompliziert.“

    Barry holte tief Luft. „Mister Kompliziert“, gestand er. Wenigstens den Teil des Geheimnisses konnte er jetzt schon lüften.

    „Oh.“ Cisco riss die Augen auf. „Okay.“ Er nickte, runzelte die Stirn und zielte mit einem anklagenden Zeigefinger auf Barry. „Hey, du denkst aber hoffentlich nicht, dass du das deswegen verheimlichen musst? Weil es ein Mann ist? Denn ich habe damit absolut kein Problem und Caitlin auch nicht. Ich meine, ich bin überrascht, klar, ich dachte, dass du nur auf Frauen stehst, wegen Iris und Linda und Patty und weil du nie etwas in die Richtung gesagt oder angedeutet hast.“

    Barry ließ sich auf den Stuhl neben Ciscos fallen und legte den Kopf in den Nacken. „Ganz ehrlich, Cisco? Ich bin selber etwas überrascht.“ Er rieb sich mit den Händen über’s Gesicht und seufzte. „Mir ist erst klar geworden, dass ich anscheinend auf einen ganz speziellen Typ stehe, wenn es um Männer geht und er, Mister Kompliziert, entspricht exakt diesem Typ.“

    „Und was genau ist dann so kompliziert?“

    Barry rieb sich den Nacken. „Ich … ähm ...“

    „Sorry, sorry.“ Cisco hob begütigend die Hände. „Du wolltest dir ja erst selber drüber klar werden.“ Er rollte mit seinem Stuhl näher an Barry heran und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Aber ernsthaft, Alter, wenn dein Bauchgefühl ‚ja‘ sagt, dann hör darauf. Überanalysiere das nicht und steh‘ dir vor allem nicht selber im Weg. Denn so wie‘s aussieht, hat es dich echt erwischt.“

    Barry dachte an Len, ihre Gespräche, die kleinen Berührungen, den Kuss und lächelte. „Ja, schon möglich.“ Er holte tief Luft. „Danke, Mann“, sagte er aufrichtig.

    „Nichts zu danken.“ Cisco klopfte ihm kurz auf die Schulter und ließ die Hand dann wieder sinken. „Hey, Mister Kompliziert hat nicht zufällig eine hübsche Schwester, die noch Single ist und der du mich mal vorstellen könntest?“

    Barry blieb das Auflachen buchstäblich im Hals stecken, er verschluckte sich und begann zu husten. „Ich … ich frage ihn mal“, presste er hervor. Glücklicherweise tauchten in dem Moment Jay und Caitlin auf und erlösten ihn von der Notwendigkeit dieses Thema weiter zu erörtern.

    Caitlin untersuchte ihn in den nächsten 45 Minuten von Kopf bis Fuß. Er war vollkommen gesund, fit und es gab keinen ersichtlichen medizinischen Grund dafür, dass er langsamer wurde. Was natürlich einerseits beruhigend, andererseits frustrierend war, denn laut Ciscos Hochrechnung würde Barry etwa morgen um diese Zeit so langsam sein, dass er es auch ihm auffallen würde und in gut einer Woche „… kannst du dann Zoom nur noch hinterherwinken“, beendete Cisco seine Ausführungen.

    Barry schloss kurz die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Scheiße. Und was jetzt?“

    Caitlin warf ihm einen mitfühlenden Blick zu. „Ich habe noch nicht alle Ergebnisse der Blutuntersuchungen ausgewertet. Vielleicht finden wir da noch einen Hinweis. Morgen wissen wir sicher mehr.“

    „Hoffentlich.“ Barry schüttelte resigniert den Kopf. „Verdammt, gerade jetzt. Was, wenn Zoom wieder zuschlägt?“

    „Mir kam neulich ein Gedanke, was die Möglichkeit angeht, Zoom aufzuhalten“, warf Jay ein. „Wobei es vermutlich etwas ist, was sowieso nicht funktioniert, sonst hättest ihr das sicher auch schon in Erwägung gezogen.“

    „Nun, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Worum geht es, Jay?“, fragte Caitlin und lächelte ihm zu.

    „Hey, wir sind für alle Vorschläge offen“, bestätigte Cisco.

    „Diese Coldgun. Könnte man damit Zoom stoppen?“ Jays Blick wanderte vom einen zum anderen und blieb schließlich an Cisco hängen. „Du hast sie konzipiert, um damit Speedster aufzuhalten, richtig? Wie stark ist sie?“

    Cisco schüttelte den Kopf. „Daran hatte ich auch schon gedacht, aber, nein, die Coldgun selber, so wie ich sie entwickelt habe, wäre als alleinige Waffe gegen Zoom nicht sehr wirkungsvoll. Klar, wenn man ihn mit dem Strahl erwischt, wird er sicher langsamer, aber ich würde nicht riskieren, Zoom nur mit der Coldgun bewaffnet gegenüberzutreten.“ Er zuckte die Schultern. „Mit etwas Modifikation würde das vielleicht anderes aussehen, aber das ist wohl nicht drin. Schließlich hat Snart das Teil.“

    „Und der wird sicherlich nicht bereit sein, uns sein Lieblingsspielzeug einfach auszuhändigen“, warf Caitlin mit mehr Kälte in der Stimme ein, als Barry je von ihr gehört hatte. „Jedenfalls nicht, ohne einen horrenden Preis dafür zu verlangen.“

    Barry öffnete den Mund um zu widersprechen, schloss ihn aber sofort wieder. Denn was konnte er sagen? Das einzige Mal, als Len mit ihnen zusammengearbeitet hatte, war es tatsächlich zu einem horrenden Preis gewesen. Noch dazu hatte er sie dann hintergangen.

    „Er spielt doch jetzt bei den Guten mit“, warf Cisco ein.

    „Ja, und ich vermute „spielen“ ist hier das Schlüsselwort“, sagte Caitlin hart. „Wenn er und dieser kranke Pyromane genug von diesem Spiel haben, suchen sie sich ganz bestimmt ein anderes, besser bezahltes.“

    Barry presste die Lippen zusammen und schwieg. Natürlich, für Caitlin war Len in erster Linie Captain Cold, der Mann, der sie entführt, eingeschüchtert und in Todesangst versetzt hatte. Dass er sich seitdem geändert hatte, konnte sie nicht sehen. Wie auch?

    All das, was Barrys Bild von Len geprägt hatte, waren Ereignisse, die sich nur zwischen ihnen beiden abgespielt hatten. Nicht einmal so sehr ihre Treffen jetzt, oder das Date, oder dass Len zu den Legends gehörte, sondern auch das, was vorher schon gewesen war. Len mit seinem Vater, Len in mühsam unterdrückter Angst um das Leben seiner Schwester, Len der ihn vor dem Trickster und Mardon gewarnt hatte, Len der sich, trotz allem, immer an ihren Deal gehalten hatte, den sie damals im Wald geschlossen hatten. Und es waren nicht die reinen Fakten, die Barry berührten, die ihn an das Gute in Len glauben ließen, sondern die Nuancen, die Zwischentöne, nicht nur das, was Len gesagt hatte, sondern der Tonfall, seine Mimik und Körpersprache.

    Wenn Barry jetzt an Captain Cold dachte, dachte er an Len und spürte diese kribbelnde Wärme in seinem Innern, Aufregung und Glück und das Gefühl, alles erreichen zu können, auch wenn die Chancen noch so schlecht standen.

    Aber all das ließ sich nur schwer in Worte fassen, oder gar jemandem wie Caitlin erklären. Zumindest jetzt nicht, da sie alle gerade dringendere Probleme hatten. Aber er schuldete seinen Freunden die ganze Wahrheit. Bald, bei passender Gelegenheit. Denn Cisco hatte absolut recht, es hatte ihn wirklich erwischt.

    Und als wäre das sein Stichwort, sagte Cisco in dem Moment: „Tja, Cold ist eben nicht über den Weg zu trauen.“

    „Scheint so“, bemerkte Barry, einfach um irgendetwas zu dem Gespräch beizutragen, auch wenn er sich bei dem Kommentar ein bisschen wie ein Verräter fühlte.

    „Also, die einzige Waffe, die vielleicht - und auch nur vielleicht - das Potenzial hätte, Zoom aufzuhalten, ist in der Hand eines unserer Feinde?“ Jay seufzte. „Das sind wirklich keine guten Aussichten.“

    ***

    Schlaftrunken tastete Len nach seinem Handy. Er lag mehr auf dem Sofa, als dass er saß und der Summton einer Sms hatte ihn aus dem Halbschlaf gerissen. Offensichtlich war er irgendwann während der durchaus interessanten Dokumentation über Fischer im Senegal eingedöst, denn im Fernsehen lief inzwischen eine dieser albernen Sitcoms. Das eingespielte, künstliche Lachen des nichtvorhandenen Publikums zerrte an seinen Nerven, aber die Fernbedienung war weiß Gott wo.

    Stöhnend setze er sich auf und rollte seine Schultern, spürte, wie verspannte Muskeln unter der Bewegung protestierten. Im flackernden Fernsehlicht entdeckte er Handy und Fernbedienung am Boden neben dem Sofa, schnappte sich beides, schaltete den Fernseher aus und warf einen Blick aufs Display des Handys. Dreiundzwanzig Uhr fünfzig. Die Sms war von Barry, vor einer Minute angekommen.

    Barry: Hey, bist du noch wach?

    Len grinste, rieb sich die Augen und tippte die Antwort:

    Len: Nein. Ich schlafe tief und fest.

    Nur Sekunden später rief Barry an und Len hörte das Lächeln in seiner Stimme: „Redest du denn wenigstens im Schlaf? Sonst wird das jetzt ein sehr langweiliges Gespräch.“

    Len lehnte sich in die Kissen zurück und zog die Decke, die am Fußende des Sofas lag, über seine Beine. Es war das vertraute Halbdunkel seines Wohnzimmers, erleuchtet nur von den Lichtern der Stadt, die durchs bodentiefe Fenster fielen, und die Tatsache, dass er noch immer nicht ganz wach war, die ihn, halb im Scherz, halb ernsthaft erwidern ließ: „Keine Ahnung, Barry. Komm und finde es heraus.“

    Schweigen. Dann ein etwas verlegenes Lachen. „Ähm, so … so verlockend die Idee auch ist, aber ich bin todmüde und gerade auf dem Weg nach Hause und ich denke, ich schlafe ein, sobald ich mein Bett nur sehe und …“

    Len zog die Decke enger um sich und musste lächeln. Barry Allen hatte offensichtlich diese Wirkung auf ihn, denn er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal an einem Tag so viel gelächelt hatte.

    „Und …“ Ein tiefes Atemholen. „Du hast das gar nicht ernst gemeint, richtig?“

    Len rieb sich mit der Hand übers Gesicht. „Nicht wirklich. Zumindest jetzt nicht. Ich bin selber vorhin vor dem Fernseher eingeschlafen“, gestand er, auch wenn das verdächtig danach klang, dass er nicht ins Bett gegangen war, weil er auf Barrys Rückmeldung gewartet hatte. „Aber zu einem passenderen Zeitpunkt wäre ich nicht abgeneigt. Ganz im Gegenteil.“

    Ein Klirren und ein unterdrückter Fluch antworteten ihm.

    „Barry?“

    „Sorry, ich habe die Schlüssel fallen lassen. Ich stehe gerade vor der Haustüre und schließe auf.“ Ein dumpfer Knall Sekunden später deutete darauf hin, dass die Türe jetzt wieder geschlossen war.

    Len verzog kurz das Gesicht. Lautlosigkeit war offensichtlich nicht gerade Barrys Stärke. „Wird bei dem Lärm niemand wach?“

    „Nein, keiner da. Joe hat Nachtschicht und Iris ist bei einer Freundin. Sekunde …“ Ein eigenartiges Rauschen, dann ein Klappern und dann wieder Barrys Stimme. „So. Besser.“

    „Was war das?“
    „Ich habe mich umgezogen, Zähne geputzt und bin jetzt in meinem Zimmer.“

    Len grinste in sich hinein. Superspeed war offensichtlich auch bei den kleinen Dingen des Alltags nicht zu verachten. Apropos Superspeed … „Und? Was sagt der Doc? Alles okay?“

    „Ja, ich bin fit und gesund, daran liegt es also nicht. Caitlin hat noch ein paar Testergebnisse auszuwerten. Hoffentlich findet sie die Ursache für das Problem. Morgen weiß ich mehr.“ Barry gähnte. „Und Len …“

    „Hm?“

    „Ich wollte vorhin noch sagen: Geht mir genauso. Ich hätte auch bei passender Gelegenheit nichts dagegen herauszufinden ob …“ Seine Stimme bekam einen verschmitzten Unterton. „Ob du im Schlaf redest.“

    „Gut zu wissen“, erwiderte Len warm. „Da lässt sich bestimmt eine Gelegenheit finden.“ Er hielt die Bemerkung absichtlich vage, wollte Barry zu nichts drängen, wozu er nicht bereit war.

    „Wann?“, erwiderte Barry prompt. „Oh verdammt, nein, so hatte ich das nicht gemeint.“ Barry lachte. „Ich hatte gerade an unsere Verabredung fürs Kino gedacht und daran, dass ich dich heute Nachmittag hatte sitzen lassen und dass wir das unbedingt nachholen müssen, also das Kino, und daher wollte ich wissen, wann.“ Er klang etwas atemlos.

    Lächelnd erwiderte Len: „Mach einen Vorschlag. Solange Hunter nicht überraschend einfällt, dass er dringend in der Zukunft oder Vergangenheit irgendwo einbrechen oder etwas stehlen muss, habe ich diese und die nächste Woche frei.“ Bis auf den „Termin“ den Lisa für ihn vereinbart hatte, natürlich. Len schob den Gedanken an den bevorstehenden Überfall rasch beiseite.

    „Okay, wie wär’s am Sonntag? Samstag ist Familienabend mit Pizza und Basketball im Fernsehen, aber Sonntag klappt.“

    Len schloss kurz die Augen. Barry hatte mit seinen Leuten gemütliche Familienabende vor dem Fernseher. Treffen mit seiner Familie bedeuteten hingegen Verbrechen und Überfälle. Wie bizarr.

    „Dann am Sonntag“, bestätigte Len. „Wo?“ Dass er Barry von zu Hause – Joe Wests Haus – abholte, stand nicht zur Debatte. Dass sie sich hier trafen … ebenfalls nicht. Wenn diese Sache zwischen ihnen so weiterging, würden sie irgendwann hier landen, in Lens Wohnung, das war ihm klar, denn die Vorstellung mit Barry in einem seiner Unterschlupfe oder in einem Hotel zu schlafen, wie er es mit den seltenen One-Night-Stands in der Vergangenheit getan hatte, fühlte sich falsch an.

    Aber diese Wohnung hier war sein Rückzugsort, den nur Lisa und Mick kannten, hier waren Dinge, Erinnerungsstücke, die ihm tatsächlich etwas bedeuteten, Kunst, die ihn berührte, unabhängig von ihrem Verkaufswert. Diese Wohnung war sein Zuhause und Barry hierher zu führen, würde bedeuten, ihn wirklich in sein Leben zu lassen. Ein verdammt großer Schritt. Noch zu groß, im Moment.

    „Direkt beim Kino?“, fragte Barry gerade. „Ich hab‘ eben nachgesehen, Star Trek läuft im ‚Moviestar‘ um viertel nach sechs. Danach können wir immer noch überlegen, wo wir essen.“

    „Abgemacht.“

    „Klasse.“ Barry gähnte. „Oh Mann, ich laufe ja generell nicht wenig, aber heute habe ich vermutlich meinen persönlichen Rekord geknackt. Zumindest fühlt es sich so an.“ Er gähnte erneut und das Rascheln und Knarzen im Hintergrund ließen vermuten, dass er im Bett lag oder sich gerade hinlegte.

    Len schob sich ein Kissen in den Nacken, so dass er bequemer liegen konnte und zog die Decke etwas höher. Barry erzählte von den Tests, einem Taschendieb, den er nebenbei gestellt hatte, davon, dass er Len eigentlich schon gegen einundzwanzig Uhr hatte anrufen wollen, das Handy schon in der Hand und S.T.A.R. Labs im Rücken, als ihn ein weiterer Notfall zurückgeholt hatte. Len hörte zu und steuerte nur ab und zu eine passende Bemerkung bei. „Zum Glück“, schloss Barry den Bericht über seinen Abend mit einem müden Auflachen, „geht das nicht jeden Tag so.“

    „Beruhigend“, bemerkte Len. Ihm fielen die Augen zu. Es wäre überraschend einfach und angenehm so einzuschlafen, Barrys Stimme im Ohr, als wäre er direkt neben ihm. Er suchte nach etwas, das er sagen konnte, um das Gespräch in Gang zu halten, als tiefe, gleichmäßige Atemzüge an sein Ohr drangen.

    „Barry?“, flüsterte er.

    „Hey“, murmelte Barry. „Sorry, ich bin, glaube ich, gerade eingeschlafen.“

    Len lächelte. „Gute Nacht, Barry.“

    „Nacht, Len. Bis Sonntag.“

    ***

    Natürlich funkte Hunter dazwischen.

    Als dieses kleine Kommunikator-Ding, das Rip Hunter jeden von ihnen mitgegeben hatte - Damit ich Sie in einem Notfall sofort – und ich meine sofort, das gilt auch für Sie Mr. Snart und Mr. Rory – erreichen kann - das erste Mal quiekte, war es fünf Uhr achtundzwanzig und Len entschied, es einfach zu ignorieren, drehte sich um und schlief weiter.

    Um sieben Uhr zweiundzwanzig, nach einer Dusche und einer Tasse Kaffee, beschloss er die Nachricht zumindest abzuhören. Wäre es wirklich so wichtig gewesen, wie Hunter immer tat, hätte er sich bestimmt nochmal gemeldet. Kaum, dass er das handtellergroße Gerät vor sich auf den Tisch gelegt hatte, erwachte es von selber mit einem erneuten Quieken zum Leben und Len sah sich kurz darauf Auge in Auge mit Rip Hunters Mini-Hologramm, das zwischen Kaffeetasse und Milchpackung erschien. „Oh, guten Morgen, Mr. Snart, gerade wollte ich zu etwas drastischeren Maßnahmen greifen, um Sie zu wecken. Glücklicherweise ist das doch nicht nötig. Ich gehe davon aus, Sie sind aufbruchsbereit.“

    „Nein“, erwiderte Len knapp. „Worum geht es?“

    Hologramm-Hunter seufzte und ließ für einen Moment theatralisch den Kopf hängen, dann blickte er wieder auf. „Warum schicke ich Ihnen eigentlich Informationen zu bevorstehenden Missionen, hm?“

    Len neigte den Kopf etwas zur Seite und grinste süffisant. „Ich habe keine Ahnung.“ Tatsache war, dass er die Infos jedes Mal, sobald er sie erhielt, nicht nur las, sondern quasi studierte. Sein Leben und das des Teams konnte schließlich davon abhängen. Aber es machte definitiv Spaß, Hunter den Ignoranten vorzuspielen.

    „Ja, ich auch nicht“, murmelte Hunter, mehr zu sich selbst. „Also, unser Ziel ist nach wie vor das Jahr 1871, nur dass wir etwas früher als geplant abreisen müssen. Eine Anomalie im Zeitstrom ist die Ursache für dieses eingeschränktere Startfenster. Aufbruch ist in 37 Minuten, am üblichen Landeplatz der Waverider. Ich erwarte Sie …“

    „Sekunde“, warf Len ein. „Wann sind wir zurück?“

    „Wie üblich werde ich versuchen, Sie etwa eine Stunde nachdem wir aufgebrochen sind, wieder abzuliefern.“

    Was noch nie funktioniert hatte. „Mit anderen Worten: Irgendwann, aber ganz sicher nicht eine Stunde, nachdem wir aufgebrochen sind“, entgegnete Len und ließ eine Welt von Sarkasmus in seine Stimme fließen. „Vielen Dank, Time-Master.“ Mit einer heftigen Handbewegung unterbrach die Verbindung. Sein Date mit Barry am Sonntag konnte er mit ziemlicher Sicherheit vergessen.

    Er gönnte sich noch ein paar Minuten Ruhe und eine zweite Tasse Kaffee, ging in Gedanken das durch, was er über die Mission bereits wusste, rief Barry an, und ließ es Klingeln, bis die Verbindung automatisch unterbrochen wurde. Dann holte er seine längst gepackte Reisetasche aus dem Schrank, vergewisserte sich, dass alle Fenster in der Wohnung geschlossen waren und rief Barry erneut an. Nach dem vierzehnten Klingeln legte er auf. Barry war um diese Uhrzeit vermutlich auf der Arbeit und würde später zurückrufen, aber dann wäre Len schon nicht mehr erreichbar.

    Er tippte eine Sms, vom Wortlaut her möglichst unverfänglich, falls Barrys Handy irgendwo lag, wo andere einen Blick darauf werfen konnten.

    Len: R.H. braucht mich doch. Muss sofort los und bin vermutlich erst nächste Woche zurück. Ich melde mich. Tut mir leid!

    Er war nie so versucht gewesen, eine Mission sausen zu lassen, wie gerade jetzt, aber sein Team zählte auf ihn. Er steckte sein Handy an das Ladegerät und ließ es auf dem Tisch liegen. 1871 würde er ganz sicher keinen Empfang haben.

    ***

  8. Danke sagten:


  9. #26
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Also wirklich, wie gemein von Hunter. Da hätte es endlich ein romantisches Kino Date gegeben und er/du schmeißt alles über den Haufen. Hoffentlich lässt du sie überhaupt zusammenkommen. Ich habe da so die Ahnung, dass dem nicht so ist. Es knistert so schön zwischen ihnen, dass verlangt nach mehr, viel mehr ...

    „Barry?“, flüsterte er.
    „Hey“, murmelte Barry. „Sorry, ich bin, glaube ich, gerade eingeschlafen.“
    Len lächelte. „Gute Nacht, Barry.“
    „Nacht, Len. Bis Sonntag.“
    Zwischen den Zeilen kann man sooo... viele Gefühle lesen. Ich bin ja so gespannt wie es weitergeht, ob du Erbarmen mit ihnen hast. Dankeschön für dieses tolle Kapitel!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  10. Danke sagten:


  11. #27
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Danke sehr, Saffier und John's Chaya fürs Danke.

    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Also wirklich, wie gemein von Hunter. Da hätte es endlich ein romantisches Kino Date gegeben und er/du schmeißt alles über den Haufen. Hoffentlich lässt du sie überhaupt zusammenkommen.
    Klar doch! Keine Sorge, Happy-End ist garantiert. Aber ohne Konflikte und Probleme wär's langweilig. Und die kommen auch noch. Es gibt Schlimmeres als geplatze Dates, wart's ab ...

    Zwischen den Zeilen kann man sooo... viele Gefühle lesen.
    Das freut mich! Danke dir für deinen lieben Kommentar.

  12. #28
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    So, endlich wieder in heimatlichen Gefilden habe ich mich fast sofort deinem neuen Kapitel gewidmet. Warum postest du eigentlich immer dann neue Kapitel, wenn ich keine Zeit habe sie zu lesen?

    Ich finde, dass dir diese ganzen Interaktionen zwischen den beiden wirklich toll gelungen sind. Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich immer das Gefuehl habe, einem oder beiden ueber die Schulter zu gucken und direkt dabei zu sein. Aber keine Sorge, das schlechte Gewissen haelt sich definitiv in Grenzen.

    Gespannt bin ich auch, was du meinst, das Ende koennte falsche Erwartungen wecken? *g* Vielleicht bin ich zu muede, aber die einzige Erwartung, die ich habe, ist, dass es so interessant weitergeht und dass wahrscheinlich irgendwas irgendwann ganz gehoerig schief geht.

    Ueber eine Stelle habe ich mich koestlich amuesiert:
    „Nichts zu danken.“ Cisco klopfte ihm kurz auf die Schulter und ließ die Hand dann wieder sinken. „Hey, Mister Kompliziert hat nicht zufällig eine hübsche Schwester, die noch Single ist und der du mich mal vorstellen könntest?“
    Ach, Cisco, wenn du wuesstest ... Aber irgendwann wird er ja sicher erfahren, dass "Mister Kompliziert" tatsaechlich eine huebsche Schwester hat, die obendrein sogar in gewissen Momenten an ihm interessiert ist, richtig?

    Auf jeden Fall vielen Dank fuer dieses weitere schoene Kapitel!

  13. Danke sagten:


  14. #29
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von Chayiana Beitrag anzeigen
    Ich finde, dass dir diese ganzen Interaktionen zwischen den beiden wirklich toll gelungen sind. Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich immer das Gefuehl habe, einem oder beiden ueber die Schulter zu gucken und direkt dabei zu sein. Aber keine Sorge, das schlechte Gewissen haelt sich definitiv in Grenzen.
    Das hoffe ich doch! Freut mich aber sehr, dass du dich quasi mittendrin fühlst.
    Gespannt bin ich auch, was du meinst, das Ende koennte falsche Erwartungen wecken? *g*
    Naja, im Grunde genommen wollte ich mit der letzten Szene nur sagen: Len muss mal wieder weg und das Date wird wohl nix. *g* Das hätte ich auch so oder ähnlich in einem Satz abhandeln können, das war mir aber zu langweilig (und ich wollte auch ein kleines bißchen Len-Rip-Interaktion schreiben). So wie ich's jetzt geschrieben habe und weil das Kapitel eben genau an dieser Stelle aufhört, könnte der Eindruck entstehen, dass diese Mission super-wichtig ist oder da etwas plotrelevantes passiert, oder oder ... *g* Das tut es aber nicht. Gar nicht.
    dass wahrscheinlich irgendwas irgendwann ganz gehoerig schief geht.
    Das wird es! Ganz bald!
    Und dass dir Ciscos Bemerkung über die Schwester von Mr. Kompliziert aufgefallen ist, freut mich echt! Und er wird es erfahren! Hehe.
    Auf jeden Fall vielen Dank fuer dieses weitere schoene Kapitel!
    Danke dir für dein Feedback!

  15. #30
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Kapitel 7 - … und zwei zurück

    Nachdem Barry am nächsten Morgen vom Kaffeeholen in sein Labor zurückkam, musste er feststellen, dass Len ihn in den paar Minuten, in denen er weggewesen war, zweimal angerufen und dann schließlich ihr Date per Sms – mehr oder weniger – gecancelt hatte. Aus gutem Grund, natürlich, aber es war trotzdem verdammt enttäuschend. Barry versuchte noch ihn zu erreichen, erwischte aber nur die Mailbox. Er legte wieder auf, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

    Danach überschlugen sich die Ereignisse. Tar Pit, das Metawesen der Woche, tauchte auf und hielt Barry und Team Flash einen ganzen Abend lang in Atem, nur um ihnen wieder zu entkommen. Am nächsten Tag waren Barry und Harry gerade dabei alle Portale zu Erde 2, bis auf das in S.T.A.R. Labs, zu schließen, als Iris‘ Hilferuf kam.

    Barry schaffte es gerade noch Wally aus dem Auto zu retten, das Tar Pit in die Luft geschleudert hatte, aber er spürte, dass er langsamer war als üblich. So, als würde er sich durch zähen Sirup bewegen. Objektiv betrachtet war er noch immer pfeilschnell, das war ihm klar, aber er fühlte sich dennoch, wie in einem dieser Alpträume, in denen er rannte und rannte und trotzdem nicht vorwärts kam. Er war langsamer als die Trümmerteile, Glas und Stahl, die um ihn herum zu Boden regneten und vor allem war er zu langsam, um Iris vor dem messerscharfen Metallsplitter zu retten, der sich in ihre Schulter bohrte.

    Iris lag im Krankenhaus, Len war nach wie vor nicht erreichbar und als Krönung dieser beschissen Woche gestand Harry, dass er es gewesen war, der Barry die Geschwindigkeit gestohlen hatte, um sie ausgerechnet Zoom zu geben.

    Mal wieder von jemandem getäuscht worden zu sein, dem er vertraut hatte, war ernüchternd und tat weh. Okay, Harry hatte es getan, um seine Tochter zu retten - und auch wenn das die Tat an sich nicht besser machte, so wurde sie dadurch aber zumindest verständlich. Barry selber war schließlich ausgezeichnet darin, schlimme Dinge aus den besten Motiven heraus zu tun. Wer war er also, Harry genau deswegen zu verurteilen? Harry gehörte zu ihrem Team und sie würden ihm helfen, seine Tochter vor Zoom zu retten.

    ***

    Barry fuhr sich durch die Haare und betrachtete ratlos den Inhalt seines Kleiderschrankes. Was war angemessen für eine Reise in eine Parallelwelt? Wenn er sich an Harry orientierte, müsste er ganz in schwarz gehen – aber sicherlich war Harrys bevorzugte Farbe in Punkto Kleidung kein Hinweis darauf, wie sich der Rest der Bevölkerung auf Erde 2 kleidete.

    Nach kurzem Zögern wählte er das, was er auch an jedem anderen Tag auf die Arbeit angezogen hätte, legte die Kleidung und ein paar Kleinigkeiten, die er mitnehmen wollte, auf sein Bett und versuchte nochmals Len zu erreichen. Wie erwartet, schaltete sich nach ein paar Mal Klingeln die Mailbox ein.

    Barry holte tief Luft. „Hey“, begann er. „Ich bin’s. Ich wollte dir nur sagen, dass ich ein paar Tage weg bin, weil … okay, das klingt jetzt verrückt.“ Er lachte kurz auf. „Die Sache ist die, ich gehe durch ein Portal in eine Parallelwelt, nach Erde 2, Zooms Erde, und ich wollte einfach, dass du es weißt. Falls …“ Er biss sich auf die Lippe. Verdammt, das sollte keine melodramatische Abschiedsbotschaft werden, er würde schließlich zurückkommen, auch wenn das ganze Unternehmen sicherlich gefährlich war. „Falls es doch länger dauert. Okay, ich melde mich, wenn ich wieder da bin. Hoffentlich bist du dann auch zurück. Bis dann.“

    Er legte auf, mit dem Gefühl zu viel und doch lange nicht das gesagt zu haben, was er eigentlich sagen wollte.

    Dann gesellte er sich zu Joe und Iris. Es war ihr letztes gemeinsames Essen, bevor er zu Erde 2 aufbrechen würde.

    Den ganzen Abend spürte er Iris‘ besorgt-fragenden Blick auf sich und als Joe sie alleine ließ um Kaffee zu kochen, lächelte Barry ihr beruhigend zu. „Hör zu, Iris, ich weiß, dass das hier … irre ist, mir fällt kein anderes Wort dafür ein, aber es ist ja nicht so, als ob ich noch nie etwas Gefährliches gemacht hätte.“

    Iris seufzte und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. „Okay, ich … ich verstehe, warum du das tust. Unschuldige sind in Gefahr. Ihnen zu Hilfe zu eilen lag dir schon immer am Herzen, auch wenn du früher noch nicht so schnell unterwegs warst.“

    Sie lächelten beide.

    „Ich, ähm …“ fuhr Iris wieder ernster fort. „Ich möchte nur nicht dass du das machst, weil du vielleicht denkst, dass dich hier bei uns nichts mehr hält.“

    Barry sah sie einen Moment fragend an und runzelte die Stirn. Warum dachte Iris, dass er …? Oh natürlich! Er schüttelte den Kopf. „Nein, es geht nicht um Patty. Wirklich nicht.“

    Er zögerte kurz, horchte in sich hinein und sagte dann: „Ich vermisse sie.“ Was stimmte. Er vermisste ihr Lachen und ihre Wärme, das Gefühl, zu jemandem zu gehören, mit dem er eine Zukunft haben konnte.

    Diese Sache mit Len war im Augenblick in erster Linie Herzklopfen, Abenteuer aber letztlich Ungewissheit, denn auch wenn es so schien, als könnte es auf eine Beziehung hinauslaufen, war dennoch die Vorstellung, dass Len tatsächlich daran interessiert war, nach wie vor unwirklich. Wenn er allerdings an ihr abendliches Telefonat vor ein paar Tagen dachte … Er musste unwillkürlich lächeln. Ja, er hatte so viel Gutes in seinem Leben, gerade jetzt, so viel, was er nicht verlieren wollte. „Ich weiß, was ich habe. Ich liebe mein Leben, meine Arbeit, ich liebe es Flash zu sein.“ Er suchte Iris‘ Blick. „Ich liebe dich und Joe. Ich versuche nicht wegzulaufen. Versprochen.“

    Iris nickte und sagte warm: „Dann geh und gewinne. Und dann komm wieder nach Hause.“

    ***

    Sie hatten gewonnen – sie hatten Jesse befreit – aber Barry fühlte sich trotzdem nicht wie ein Sieger, als er von Erde 2 zurückkehrte. Er hatte Joe sterben sehen, Joes Doppelgänger natürlich, aber der Schmerz den er spürte, die Schuld und Iris‘ Tränen waren absolut real und die Tatsache, dass Joe auf seiner Erde nach wie vor gesund und munter war, war nur ein schwacher Trost. Die Begegnung mit Killer Frost und ihr Potenzial zu töten, das vielleicht auch die Caitlin, die er kannte, in sich trug, war ein weiterer Schock gewesen.

    Zu erfahren, dass sein und Iris‘ Erde 2-Gegenstücke miteinander verheiratet waren und dass seine Mutter am Leben war und dann auch noch ihre Stimme zu hören, fühlte sich so an, als wolle ihm das Schicksal plötzlich all die Dinge unter die Nase reiben, die er in diesem Leben nicht hatte. Es war wie der dumpfe Schmerz einer längst verheilt geglaubten Wunde.

    Und kaum waren sie zurück, verloren sie Jay.

    Im letzten Moment, kurz bevor das Portal komplett geschlossen war, griff Zoom nach ihm, wie ein Dämon aus den Tiefen der Hölle und tötete ihn vor ihren Augen.

    Cisco blieb bei Caitlin, die nicht einfach nur traurig, sondern gebrochen war und sich weigerte, nach Hause zu gehen. Barry wechselte rasch vom Flash-Anzug in seine Alltags-Kleidung, suchte sein Handy und schaltete es ein. Sein Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen, als das Display einen Anruf in Abwesenheit anzeigte, aber als er kurz darauf sah, dass es eine unbekannte Rufnummer war und auch niemand eine Nachricht hinterlassen hatte, schob er das Handy mit einer heftigen Bewegung in seine Jeanstasche.

    Kein Anruf, keine Sms von Len.

    Er rieb sich mit den Händen übers Gesicht und atmete tief durch. Es war irrational deswegen sauer zu sein, Len konnte schließlich auch nichts dafür. Wenn er schon zurück wäre, hätte er sich gemeldet. Er zog das Handy wieder hervor, tippte rasch eine „Bin wieder da“- Sms und schickte sie an Len.

    Dann suchte er Cisco und fand ihn schließlich in einem der unbenutzten Laboratorien, wo er bei Caitlin saß, die jetzt wenigstens auf einer der Liegen dort eingeschlafen war. Leise, um sie nicht zu stören, beriet er sich mit Cisco und Harry und sie einigten sich darauf, weder Joe noch Iris und vor allem nicht Caitlin von ihren Erde 2 Doppelgängern zu erzählen. Wozu auch? Es würde niemandem etwas nützen. Alle Portale zu Erde 2 waren geschlossen, Zoom konnte nicht zu ihnen gelangen und sie konnten nicht zu ihm. Aber es fühlte sich so verdammt falsch an, einfach einen Schlussstrich unter das Kapitel Zoom zu ziehen und irgendwie mit den Verlusten zu leben. Es fühlte sich so an, als hätte er all die Bewohner von Erde 2 im Stich gelassen und sie Zoom ausgeliefert.

    Barry versuchte sich mit Arbeit und Flash-Business abzulenken, kämpfte gegen Metawesen, allen voran King Shark, wünschte Iris, die sich neuerdings mit ihrem Chef Scott traf, alles Gute und meinte es und jagte diesen weiblichen Speedster, Trajectory, die seit kurzem die Stadt aufmischte.

    Am Abend nach einem dieser langen, anstrengenden Tage rief er bei Len an und ließ es klingeln, bis er Lens kühles, knappes „Hinterlasse mir Name und Nummer, ich rufe vielleicht zurück.“ hörte, legte wieder auf und widerstand der Versuchung direkt noch einmal anzurufen. Es war genau eine Woche her, dass er mit Lens Stimme im Ohr eingeschlafen war und ihm kam es vor wie ein Monat. Es erschreckte Barry selber etwas, wie sehr er Len vermisste.

    ***

    Len hasste Rip Hunters Unfähigkeit mit diesem verfluchten Zeitschiff auch nur ansatzweise pünktlich zu sein. Nachdem sie zwei lange Tage im Jahr 1871 in einem gottverlassenen Kaff verbracht hatten, in dem es nur Steine, Staub und grauenvollen Schnaps in rauen Mengen gab, musste er, wieder in 2016 angekommen, feststellen, dass er eine ganze Woche verloren hatte.

    Es war Donnerstagabend, 20.35 Uhr, Len hatte seit 22 Stunden nicht geschlafen und schon morgen war dieser verdammte Überfall, für den Lisa ihm eine Art Logenplatz mit optionaler Beteiligung am Programm zugedacht hatte. Fantastisch.

    Er wollte gerade die Tür zu seinem Apartment aufschließen, als sie sich wie von selber vor ihm öffnete und Lisa ihn mit einem zuckersüßen und eindeutig falschen Lächeln im Gesicht gegenüberstand. „Willkommen zu Hause, Lenny. Komm doch rein.“

    Weder das Lächeln noch die Tatsache, dass Lisa überhaupt hier war, verhieß Gutes. Sie hatte einen Schlüssel, für Notfälle, aber sie wusste ganz genau, dass Len kein Fan von Überraschungsbesuch war.

    „Was tust du hier?“, fragte er knapp anstelle einer Begrüßung, ging an ihr vorbei, stellte seine Reisetasche ab, zog den Mantel aus und warf ihn achtlos über die Rückenlehne der Couch. Er wollte nur noch unter die Dusche und dann ins Bett.

    Lisa machte die Tür zu und zuckte mit den Achseln. „Deine Blumen gießen?“

    „Welche?“, fragte Len, während er die Coldgun aus der Reisetasche holte, auf den Tisch legte und kurz inspizierte. Er warf Lisa einen spöttischen Blick zu. „Den künstlichen Kaktus im Schlafzimmer?“

    Lisa warf ihr Haar über die Schulter. „Ich wollte nachsehen, ob du noch lebst“, erwiderte sie scharf und alles Süßliche war aus ihrer Stimme verschwunden. „Du bist seit einer Woche nicht erreichbar, du hast keinen Ton gesagt, dass du verschwindest und das kurz vor einem Coup.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Das sieht dir nicht ähnlich, Lenny, also habe ich wirklich gedacht, ich komme hier rein und finde …“ Sie unterbrach sich und sah kurz zu Boden. „Egal. Du bist morgen wie verabredet zur Stelle?“ Der Blick, mit dem sie ihn taxierte war unnachgiebig, ihr Tonfall hart, aber das Schimmern in ihren Augen und die Art, wie sie die Lippen zusammenpresste, verrieten sie. Sie hatte sich wirklich, wirklich Sorgen um ihn gemacht.

    Es war zwar nicht so, dass Len ihr jedes Mal Bescheid gab, wenn er mit den Legends unterwegs war, oder dass er zu jeder Zeit wusste, wo sie gerade war – aber sie hatte recht, es passte nicht zu ihm, kurz vor einem geplanten Coup zu verschwinden, ohne sich abzumelden. Kein Wunder, dass sie hier her gekommen war, um nachzusehen, was los war, ob er okay war.

    Len rieb sich mit den Händen übers Gesicht und lehnte sich mit der Hüfte gegen die Tischkante. „Sorry, Lisa. Ich dachte, ich wäre früher zurück.“ Er nickte ihr zu. „Und morgen bin ich dabei, wie besprochen.“

    „Okay.“ Sie schnappte sich ihre Handtasche, die sie auf die Couch gelegt hatte und kramte darin. „Hier“, sie zog ein einfaches, billiges Handy heraus und gab es ihm. „Ich habe uns allen Wegwerfhandys besorgt. Ab jetzt bis alles vorbei ist, bin ich nur noch unter der Nummer erreichbar, die ich dir hier schon einprogrammiert habe.“

    Len lächelte schmal und schob das Handy in die Tasche seiner Jeans. „Okay.“ Lisa hatte wirklich an alles gedacht.

    Sie nickte ihm zu. „Wir sehen uns dann.“ Kurz bevor sie nach ihrer Jacke griff, die an der Garderobe neben der Tür hing, drehte sie sich nochmal zu ihm um. Nach einer kurzen Kunstpause, als wollte sie sicher sein, seine volle Aufmerksamkeit zu haben, fragte sie betont beiläufig: „Ach ja, wer ist eigentlich Barry?“

    Len spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Er zwang sich zu einer ausdruckslosen Miene und musterte Lisa mit leicht schräggeneigtem Kopf. „Warum?“

    „Weil du sechs Anrufe in Abwesenheit von ihm hast.“ Sie deutete mit dem Kopf auf Lens Handy, das noch genau dort lag, wo er es vor seinem Aufbruch hatte liegenlassen. Mitten auf dem Tisch. Verdammt!

    „Ist was Geschäftliches.“

    „So?“ Lisa lächelte süffisant. „Danach klang seine Mailboxnachricht aber ganz und gar nicht.“ Sie hängte ihre Handtasche zu ihrer Jacke an die Garderobe und drehte sich dann wieder zu Len um. „Eher nach einem … Freund.“

    „Du hast meine Mailbox abgehört?“, fragte Len kalt und zog drohend die Brauen zusammen.

    Sichtlich unbeeindruckt rollte Lisa die Augen. „Ja, habe ich. Also, wer ist Barry? Immerhin hast du ihm Bescheid gesagt, als du weg bist. Ist es etwas Ernstes zwischen euch beiden?“

    Wortlos griff Len nach seinem Handy und warf einen Blick aufs Display. Neun Anrufe in Abwesenheit, drei von Lisa, sechs von Barry, eine Sms von Lisa mit „Wo steckst du? Ruf zurück!“, eine von Barry, die nur aus den Worten „Bin wieder da“ bestand und besagte Mailboxnachricht. Hoffentlich hatte Barry nichts erwähnt, was darauf hindeutete, dass er Flash war.

    Len ließ Lisa nicht aus dem Augen, die sich gerade auf der Couch niederließ, ihn mit einem amüsierten Lächeln musterte und die Situation sichtlich genoss, während er seine Mailbox anwählte.

    Mit einem Stirnrunzeln lauschte er Barrys Nachricht. Was, zum Teufel …? Erde 2? Zoom? War das nicht dieses schwarz gekleidete Monster, das Barry vor nicht allzu langer Zeit vor laufenden Kameras fast umgebracht hatte? Rasch überprüfte Len den Zeitstempel der Sms. Okay, Barry war also zurück von diesem Wahnsinnstrip in eine Parallelwelt und anscheinend ging es ihm gut. Er ließ den angehaltenen Atem entweichen und legte das Handy wieder auf den Tisch.

    „Oh, Lenny, es ist etwas Ernstes, richtig?“ Lisas Tonfall war leicht neckend, aber ihr Blick wurde weich.

    Etwas Ernstes? Er schob die Frage in seinem Kopf hin und her, ging zum angrenzenden Küchenbereich und öffnete den Kühlschrank, in der Hoffnung, ein Bier zu finden, auch wenn er sich ziemlich sicher war, dass er keines mehr hatte. Doch er entdeckte nicht nur eine Flasche Budweiser – seine Lieblingsmarke – sondern auch zwei verpackte Sandwiches von dem Feinkostladen eine Straße weiter. Überrascht sah er zu Lisa hinüber.

    Sie zuckte betont gleichgültig die Achseln und inspizierte dann ihre Fingernägel. „Ich war vorhin schon Mal hier und habe dir dann ein paar Sachen besorgt. Was da sonst noch im Kühlschrank war, sah nicht mehr genießbar aus. Ich hab’s weggeworfen.“

    Das war … unerwartet. „Danke.“ Len öffnete das Bier, trank einen Schluck, schlenderte zur Couch hinüber und setzte sich neben Lisa.

    „Also?“ Sie stieß ihren Fuß leicht gegen seinen. „Spuck’s aus, Lenny. Du und dieser Barry?“

    Len seufzte, lehnte den Kopf zurück und schloss kurz die Augen. Es hatte etwas mit seiner Müdigkeit zu tun und vor allem damit, dass Lisa sich um ihn gesorgt hatte, dass er sie nicht mit einem kalten ‚Geht dich nichts an‘ abspeiste. „Ich hoffe, es kann etwas Ernstes werden“, erwiderte er ehrlich.

    Ihre Augen weiteten sich und sie rückte erwartungsvoll näher. „Okay, das heißt also, du willst das, er aber nicht? Oder noch nicht? Oder …?“

    „Kein Kommentar“, unterbrach er sie kühl. Natürlich, reiche Lisa den kleinen Finger und sie nimmt die ganze Hand. Ein Hauch Bereitschaft seinerseits über wirklich Privates zu reden und schon ließ sie nicht mehr locker.

    „Wann lerne ich ihn kennen?“, hakte sie nach.

    Er quittierte die Frage mit dem eisigen Starren, das schon Mafiabosse und ehemalige Komplizen hatte erschaudern lassen. Lisa rollte lediglich völlig unbeeindruckt die Augen. „Woher kennst du ihn? Er hat eine Parallelwelt erwähnt. Was soll das sein? Gehört er zu dieser Zeitreise-Helden-Clique mit der du neuerdings abhängst?“

    Len nahm einen Schluck Bier und versteckte sein unwillkürliches Lächeln hinter der Flasche. Wenn sie wüsste … „Nein.“ Mit einer endgültigen Bewegung stellte er die Flasche auf dem Couchtisch ab. „So, Ende der Fragestunde. Ich werfe dich jetzt raus und geh schlafen.“

    „Ohhh.“ Lisa grinste, stand aber auf und holte Tasche und Jacke von der Garderobe. Wenigstens wusste sie, wann genug war. Meistens, jedenfalls. „Ich versteh‘ schon. Du willst alleine sein, wenn du mit Barry telefonierst und ihm sagst, dass du gut wieder nach Hause gekommen bist. Wie süß.“

    „Verzieh dich, Nervensäge.“

    „Träum was Schönes, Idiot.“ Sie zwinkerte ihm zu.

    Kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, nahm Len sein Handy und wählte Barrys Nummer. Nach fünfmal Klingeln schaltete sich die Mailbox ein. Enttäuscht hinterließ Len eine Sms, über deren Wortlaut er ein paar Minuten grübelte, dann packte er die Reisetasche mit frischen Sachen, duschte, aß eines der Sandwiches und schaltete das Handy nach einem Blick aufs Display aus, bevor er ins Bett ging. Barry hatte die Sms noch nicht gelesen und Len konnte jetzt nicht warten, bis Barry es tat und sich meldete, er brauchte ein paar Stunden ungestörten Schlaf. Und morgen musste er sich ganz auf Lisas Coup konzentrieren. Barry war eine Ablenkung, die er sich dabei nicht leisten konnte.

    ***

    Es war mitten in der Nacht als Barry endlich nach Hause kam. Er hatte Elizas – Trajectorys – Anzug und Maske, das einzige, was von ihr übrig geblieben war, nachdem sie sich vorhin vor seinen Augen aufgelöst hatte, im Cortex abgeliefert. Dann hatte er sich umgezogen und Caitlin, Cisco und Harry nach Hause geschickt. Für die Lagebesprechung war auch morgen noch Zeit.

    Zu Hause angekommen galt sein erster Blick dem Handy, das er auf dem Nachttisch hatte liegen lassen. Ein entgangener Anruf und eine Sms. Von Len. Endlich! Mit breitem Lächeln schnappte Barry sich das Handy und spürte, wie die Anspannung, deren Existenz er sich nicht wirklich bewusst gewesen war, von ihm abfiel. Rasch öffnete er die Sms.

    Len: Ich bin gerade zurückgekommen. Gut zu wissen, dass du auch zurück bist. Bin jetzt noch ein bisschen wach, morgen aber nicht erreichbar, bin viel unterwegs. Ich melde mich am Samstag. Gute Nacht.

    Barry runzelte die Stirn. Schlecht erreichbar? Viel unterwegs? Zu viel, um wenigstens mal kurz anzurufen? Er tippte nach kurzem Überlegen eine Antwort, die ihn nicht übereifrig und klammernd wirken ließ, aber trotzdem andeutete, dass er absolut nichts dagegen hätte morgen schon von Len zu hören.

    Barry: Schade, morgen habe ich frei … Aber wenn es nicht geht, dann bis Samstag.

    Trotz seiner Müdigkeit dauerte es sehr lange, bis Barry in einen unruhigen Schlaf fiel. Er hatte wirre Träume von Zoom und von Trajectory, sah ihre letzten Momente wie im Zeitraffer, wie sie in einem Aufleuchten von blauen Blitzen schließlich zu Staub zerfiel. Er sah Len, der im Parka und mit aktivierter Coldgun vor ihm stand, auf den Lippen das sardonische Captain-Cold -Grinsen. Als Barry schließlich schweißgebadet und mit wild pochendem Herzen hochschreckte, war es schon später Vormittag und höchste Zeit, sich mit den anderen bei S.T.A.R Labs zu treffen.

    ***

    Es war ausgerechnet Trajectorys Tod und diese blauen Blitze, die den Stein ins Rollen brachten und den entscheidenden Hinweis lieferten, wer Zoom wirklich war. Ciscos Visionen waren dann der endgültige Beweis.

    „Jay ist Zoom“, flüstere Cisco und ließ Jays Helm, den er in den Händen gehalten hatte, um eine Vision auszulösen, einfach zu Boden fallen. „Ich habe ihn gesehen.“

    Barry spürte, wie etwas in ihm gefror. Er hielt es keine Sekunde länger im Cortex aus, rannte los, rannte zu der Schlucht, wo er erst vor wenigen Tagen trainiert hatte, um schneller zu werden, er schrie seine Wut und seine Enttäuschung hinaus, rannte weiter, durch die Straßen der Stadt, bis er so erschöpft war, dass er nichts mehr fühlte, außer bleischwerer Müdigkeit. Jay hatte ihn - sie alle - belogen, betrogen und manipuliert.

    Ein Knacken im Comm-System des Anzugs und kurz darauf hatte er Ciscos Stimme im Ohr. „Hey, Mann, ähm, alles okay soweit?“ Cisco, Caitlin und auch Joe und Iris hatten ihn dankenswerter Weise in den letzten Stunden einfach in Ruhe gelassen und keinen Versuch unternommen, ihn zu kontaktieren.

    „Ja, ich … ich hab nur etwas Bewegung gebraucht. Ich bringe den Anzug gleich zurück.“

    „Du solltest dir lieber etwas ansehen, Barry, wenn du nichts gegen etwas Action hast? Meine Metawesen-App spielt gerade verrückt. Sieht so aus, als würde da auf dem Bellman-Anwesen eine große Sache laufen.“

    Barry holte tief Luft. Auch wenn er im Moment völlig fertig war, aber das war es, was er jetzt brauchte. Etwas Ablenkung, das Gefühl etwas Nützliches tun zu können. „Okay, ich bin unterwegs.“

    „Ich lotse dich.“ Das war Caitlin.

    Barry folgte ihren Anweisungen, als Cisco plötzlich völlig entgeistert rief: „Das darf doch nicht wahr sein! Heilige Scheiße!“

    „Cisco, was ist?“

    „Wenn die eingehenden Meldungen stimmen, dann sind ein paar gute alte Bekannte dort und haben gerade die Apokalypse eingeläutet. Bivolo, Shawna Baez, sogar Li… Golden Glider und natürlich Captain Cold.“

    Barry spürte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte. „Was hast du gesagt? Cold?“

    „Ja, Mann. Die Meldungen sind eindeutig und die Signatur seiner Coldgun wird dort mitten im größten Chaos angezeigt. Sieht so aus als hätte unser guter Captain Cold die Elemente gewechselt und ein paar Bomben gelegt. Bei den Bellmans fliegt gerade alles in die Luft. Feuerwehr und Rettungskräfte sind auch alarmiert worden.“

    „Es kann nicht Le… Snart sein“, erwiderte Barry fassungslos.

    „Tja, manches ändert sich anscheinend nie und bei den Bellmans ist schließlich echt was zu holen. Wer weiß, wie lange er das schon geplant hat.“ Cisco klang tatsächlich ein wenig enttäuscht.

    Wie lange …? Seit Wochen? Monaten? Bestimmt schon, seitdem er Barry vor ein paar Wochen „zufällig“ beim Einkaufen begegnet war. Bedeutete das etwa, ihre von Len inszenierten Begegnungen waren Teil dieses Plans – der Coup bei den Bellmans - gewesen? Genauso wie … ihr Date? Dieses langsame Sich-Kennenlernen, was so gar nicht zu Snart passen wollte? Aber es passte zu ihm, zu Barry. Es war der ideale Köder für ihn und Snart wusste das und hatte es benutzt um … um was genau zu erreichen? Barry spürte einen kalten Druck in seinem Innern, wie ein Eisklumpen, dessen Kälte ihm den Atem nahm und er wurde unwillkürlich langsamer, hielt in einer verlassenen Seitengasse kurz an, um nach Luft zu schnappen. Es war, als würde ein Stein auf seiner Brust liegen.

    Warum diese Show wegen eines Überfalls? Was hatte Barry mit den Bellmans zu tun? Oder war das alles nur Teil eines viel größeren Planes? Ging es Len, nein, Captain Cold darum, Flash zu manipulieren, einzuwickeln, in Sicherheit zu wiegen, hinter seine Geheimnisse zu kommen, um dann irgendwann richtig zuzuschlagen? So wie … wie Eobard Thawne und wie Jay es getan hatten, nur auf eine ganz andere, viel persönlichere und zerstörerische Tour?

    Es ergab nicht wirklich hundertprozentig Sinn, aber es ergab so viel mehr Sinn, als zu glauben, dass Leonard Snart tatsächlich an einer Beziehung mit ihm interessiert war. Leonard Snart, der laut Jax ein verdammt guter Schauspieler war und sich mehr als einmal auf ihren Missionen durch die Zeit erfolgreich an Frauen herangemacht hatte, um an ihre Geheimnisse zu kommen. Der Mann, der sich damit brüstete ein Dieb und Lügner zu sein und andere zu verletzen. Offensichtlich hatte sich das nicht wirklich geändert.

    Barry holte tief und zitternd Atem. Verdammt, er hatte es so satt von Menschen benutzt und aufs Kreuz gelegt zu werden, die er für echte Freunde oder für … für viel mehr gehalten hatte. Aber anscheinend war ihm ‚leicht zu manipulierender, naiver Idiot‘ auf die Stirn geschrieben. Doch damit war jetzt Schluss!

    „Barry?“, drang Caitlins besorgte Stimme an sein Ohr. „Was …?“

    „Alles okay“, erwiderte Barry rasch und war selber überrascht, wie ruhig und normal er klang. „Hab kurz die Orientierung verloren. Weiter auf der Main Richtung Fluss?“

    „Genau.“

    Wie auf Autopilot folgte Barry Caitlins Richtungsanweisungen, während seine Gedanken sich weiter im Kreis drehten. Egal was Snarts großer Plan noch beinhaltete, es war eine Tatsache, dass er sich mit Barry verflucht nochmal zum Kaffee getroffen und gleichzeitig einen Überfall geplant hatte, bei dem er jedes Versprechen, das er ihm je gegeben hatte, zu brechen gedachte. Und allein dafür würde Barry ihm sein verdammtes Captain-Cold-Grinsen aus dem Gesicht schlagen, sobald er ihn in die Finger bekam.

    „Du bist gleich da. Sei vorsichtig, Barry“, hörte er Caitlins Warnung und schon kam er mit einem leichten Schlittern in dem riesigen Park, kurz vor dem Haus der Bellmans zum Stehen.

    Es war, als wäre er direkt in eine Hölle aus Hitze, Qualm und Tod gerannt.

    ***

    Anmerkung:
    Eigentlich wollte ich deutlich früher wieder updaten. Aber, was soll ich sagen? Manche Kapitel schreiben sich wie von selbst – dieses hier aber nicht.
    Und keine Sorge, dieses nacherzählende ‚Durch den Serien-Canon‘-Hetzen, was ich in diesem Kapitel tue, ist die Ausnahme und wird in diesem Maße nicht mehr vorkommen.
    Der Dialog zwischen Barry und Iris stammt, mit winzigen Anpassungen, aus der Folge „Willkommen auf Erde 2“.


  16. #31
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Auch wenn ein Grossteil des Kapitels an eine Recap-Episode erinnerte, war es trotzdem nicht langweilig (keine Sorge! *gg*), sondern vielmehr notwendig, um zu wissen/sich zu erinnern, zu welcher Zeit dein Kapitel spielt. Und das in erster Linie, um zu verstehen und nachvollziehen zu koennen, warum Barry am Ende so reagiert und so schockiert ist. Gerade, nachdem Harry ihn hintergangen hat, kommt auch noch Jays unverzeihlicher Verrat dazu ... kein Wunder, dass Barry - als er das Geschehen auf dem Bellman-Anwesen realisiert - denkt, dass auch Snart ihn nur benutzt hat. Der Arme! Gott sei Dank, wissen wir als Leser da mehr und koennen nur hoffen, dass auch Barry bald wieder klar sieht.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht einfach war zu schreiben, aber ich finde, du hast diesen Balanceakt prima bewaeltigt.

    Und mir gefaellt ausserdem ganz toll, wie du Snart und Lisa schreibst. Die Kabbeleien mit der mehr oder weniger versteckten geschwisterlichen Liebe dahinter sehe ich genau vor. Im ersten Moment wollte ich laut protestieren, dass sie so einfach Lens Mailbox abhoert, aber das ist einfach etwas, das sie genau so tun wuerde. *gg*

    Tolles Kapitel mit einem mehr als fiesen Cliffhanger, den du hoffentlich in nicht ganz so entfernter Zukunft (dieses Jahr? ) aufloest ...

  17. Danke sagten:


  18. #32
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Ich kann mich in allem nur Chayiana anschließen. Barry tut mir echt leid, aber Len wird ihm später sicher alles erklären.
    Die Zwei haben aber auch ein Pech, nie genug Zeit zu Zweit, es wird wirklich mal mehr als Zeit dafür. Huhu Sinaida ... *wink* gönn ihnen doch mal ein paar intime Momente.
    Bin schon sehr auf das nächste Kapitel gespannt, hoffentlich haben sie endlich mal Glück und die Welt kommt mal eine Zeitlang ohne sie zurecht.
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  19. Danke sagten:


  20. #33
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von Chayiana Beitrag anzeigen
    Auch wenn ein Grossteil des Kapitels an eine Recap-Episode erinnerte, war es trotzdem nicht langweilig (keine Sorge! *gg*),
    Das freut mich!
    sondern vielmehr notwendig, um zu wissen/sich zu erinnern, zu welcher Zeit dein Kapitel spielt. Und das in erster Linie, um zu verstehen und nachvollziehen zu koennen, warum Barry am Ende so reagiert und so schockiert ist. Gerade, nachdem Harry ihn hintergangen hat, kommt auch noch Jays unverzeihlicher Verrat dazu ...
    Ja, genau, da musste ich irgendwie hin.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht einfach war zu schreiben, aber ich finde, du hast diesen Balanceakt prima bewaeltigt.
    Danke!!

    Und mir gefaellt ausserdem ganz toll, wie du Snart und Lisa schreibst. Die Kabbeleien mit der mehr oder weniger versteckten geschwisterlichen Liebe dahinter sehe ich genau vor. Im ersten Moment wollte ich laut protestieren, dass sie so einfach Lens Mailbox abhoert, aber das ist einfach etwas, das sie genau so tun wuerde. *gg*
    Das ist auch meine Lieblingsszene in diesem Kapitel und hat mir richtig Spaß gemacht!

    Tolles Kapitel mit einem mehr als fiesen Cliffhanger, den du hoffentlich in nicht ganz so entfernter Zukunft (dieses Jahr? ) aufloest ...
    Ich habe es fest vor. Vielen Dank für dein Feedback!

    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Ich kann mich in allem nur Chayiana anschließen. Barry tut mir echt leid, aber Len wird ihm später sicher alles erklären.
    Sofern Barry ihn etwas erklären lässt. Im Moment ist er nicht in der Stimmung sich Erklärungen anzuhören.
    Die Zwei haben aber auch ein Pech, nie genug Zeit zu Zweit, es wird wirklich mal mehr als Zeit dafür. Huhu Sinaida ... *wink* gönn ihnen doch mal ein paar intime Momente.
    Jetzt gibt's erstmal Drama, sorry. Was die intimen Momente angeht, die kommen auch noch, aber alles was über PG-13 ist, muss sich der Leser selber dazudenken. *gg*
    Bin schon sehr auf das nächste Kapitel gespannt, hoffentlich haben sie endlich mal Glück und die Welt kommt mal eine Zeitlang ohne sie zurecht.
    Im nächsten Kapitel haben sie, was das angeht, noch kein Glück. Aber ich habe ja ein Happy-End versprochen ...
    Vielen Dank für dein Feedback!

  21. #34
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Kapitel 8 – Murphys Gesetz

    Len kauerte im Gebüsch, nahe dem Elektrozaun, der das Anwesen der Bellmans vom Rest der Welt trennte. Das unverwechselbare, hochfrequente Summen zeigte an, dass der Zaun ganz ausgezeichnet funktionierte. Wenige Meter dahinter befand sich das Gebäude mit dem Yellow Sun, dem Diamanten, auf den Lisa so scharf war. Das pompöse Haupthaus lag weiter nördlich. Mit seinen Zinnen und Türmchen, die sich gegen den blassen Mond erhoben, wirkte es eher wie ein mittelalterliches Spukschloss und nicht wie ein mit modernster Technik ausgestatteter Firmensitz mit Wohnung. Lediglich die hellerleuchteten Fenster im Erdgeschosses und die Musik, die immer dann nach draußen drang, wenn sich die Flügeltür öffnete, passten nicht zu dem Bild.

    „Die beiden Ladies sind spät dran“, wisperte Bivolo neben ihm und rieb sich die Hände, als sei ihm kalt. Dabei war es eine eher laue Nacht.

    „Nein, sind sie nicht“, erwiderte Len kühl und fügte mit einem spöttischen Grinsen hinzu: „Kein Grund nervös zu werden.“

    Bivolo erwiderte nichts, er rückte lediglich seine Brille mit den getönten Gläsern gerade und presste die Lippen zusammen.

    Len wandte den Blick wieder den beiden Wachen zu, die den Eingang des Nebengebäudes sicherten. Sechs weitere patrouillierten in Zweiergruppen regelmäßig über das von altmodisch anmutenden Straßenlampen und dem Mondlicht sanft erleuchtete Gelände.

    Unauffällig lockerte er den verkrampften Griff um seine Coldgun. Diese Anspannung hatte nichts mit dem üblichen Nervenkitzel zu tun, den er früher immer bei seinen Überfällen gespürt und genossen hatte. Sonst hatte er sich dabei lebendig gefühlt, hellwach, high vom Adrenalin. Jetzt war alles was er spürte ein bleischwerer Druck in seinem Magen und den irrationalen Wunsch ganz woanders zu sein. Vielleicht, weil es nicht wirklich sein Plan war, oder weil er Bivolo nicht über den Weg traute, oder … oder weil das alles nicht mehr das war, was er tatsächlich wollte.

    Eine Erkenntnis, die ausgerechnet jetzt, mitten in einem Coup, zur absolut falschen Zeit kam. Er schob den Gedanken in den hintersten Winkel seines Geistes und ging stattdessen den Zeitplan nochmals im Kopf durch.

    Es waren jetzt genau zwölf Minuten und vier Sekunden vergangen, seitdem Lisa und Shawna Baez, dank ihrer gefälschten Einladungen und Ausweise, problemlos zu der Party dort drüben im Hauptgebäude eingelassen worden waren. Bei etwa 150 geladenen Gästen – meist lokale B- und C-Promis, von denen viele den Gastgebern nicht persönlich bekannt waren – konnten sie einfach in der Menge untertauchen.

    Sie benötigten etwa acht Minuten, um sich unauffällig in Richtung des für die Partygäste nicht zugänglichen Treppenhauses zu bewegen und dort zu verschwinden. Egal wie gut verschlossen und gesichert die Treppenhaustüren waren, sie alle hatten Sichtfenster aus Panzerglas, genauso wie die Tür zu dem Technikraum, auf den die beiden es letztlich abgesehen hatten. Das bedeutete also freien Zutritt für Shawna, dank ihrer Fähigkeit sich so weit zu teleportieren, wie sie sehen konnte.

    Weitere drei bis fünf Minuten, bis sie im Technikraum angekommen waren – sie mussten darauf achten, von niemandem entdeckt zu werden - und dann nochmals etwa vier Minuten, um den extra dafür entwickelten Virus in das Bellman’sche Heimnetz-Sicherheitssystem einzuspeisen, der es nach einem genau abgestimmten Muster umschrieb.

    „Sicher, dass ihre Funkheadsets da drin funktionieren?“, fragte Bivolo. „ Was, wenn …?“

    „Klappe“, fiel Len ihm ins Wort. Verdammt, er hasste unnötiges Gerede während eines Überfalls. Sie hatten im Vorfeld bereits über die Möglichkeit gesprochen, dass die Funkheadsets im Bellman’schen Haupthaus nutzlos sein könnten, solange der Virus nicht aktiv war. Was sollte also jetzt diese Frage?

    Plötzlich ertönte vom Hauptgebäude her das Schrillen eines Alarms. In die Wachleute kam Bewegung. Sie stimmten sich offensichtlich per Funk mit den Patrouillen im Gelände ab und formierten sich neu. Drei blieben beim Nebengebäude, die anderen rannten zum Haupthaus und verschwanden darin. Nur noch ein paar Sekunden und sie saßen dort in der Falle.

    Schritt eins hatte also funktioniert. Len spürte, wie etwas von der Anspannung von ihm abfiel.

    „Es geht los!“, stellte Bivolo überflüssigerweise fest und sprang auf.

    Mit einer heftigen Bewegung packte Len ihn am Ärmel und zog ihn wieder neben sich. „Wir warten auf das Zeichen und ich sage, wann es losgeht“, zischte er. Typisch Metas, die meisten, mit denen Len bisher zusammengearbeitete hatte, hatten keine Ahnung von Planung und Strategie, verließen sich nur auf ihre Fähigkeiten.

    Gleißende Helligkeit ließ ihn für einen Moment die Augen schließen. Die Flutlichtanlage tauchte das komplette Gelände für Sekunden in blendendes Licht, dann war es plötzlich dunkel. Das Summen war verstummt, sämtliche Beleuchtung auf dem Gelände erloschen, nur im Hauptgebäude brannte noch Licht und auch nur dort gab es noch Strom. Die elektronischen Schlösser der Türen dort waren für die nächsten Minuten verschlossen, niemand kam hinein und vor allem niemand hinaus. Perfekt!

    „Jetzt!“ Len sprang auf, zog die Coldgun, vereiste eine mannshohe Stelle des Elektrozauns und trat das spröde gewordene Metall mit dem Fuß ein, das zersplitterte wie Glas. Er aktivierte sein Funkheadset, während er durch die Lücke ins Gelände einstieg, Bivolo dicht hinter ihm.

    „Kaprinsky, wir sind drin.“

    „Okay, ich warte dann am Treffpunkt“, meldete sich Kaprinsky vom Fluchtwagen aus.

    Len unterbrach die Verbindung. Die drei verbliebenen Wachleute rannten gerade mit erhobenen Waffen auf ihn und Bivolo zu. Mit einem Schuss aus der Coldgun verwandelte Len den Boden zu ihren Füßen in eine Eisbahn, auf der sie ausrutschten und wie in einer Slapstick-Komödie übereinander fielen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Bivolo seine Brille abnahm und die Wachen direkt anblickte, bis ihre Augen in zornigem Rot aufleuchteten. Nur Sekunden später rannte einer der Männer in Richtung Hauptgebäude und schrie: „Bellman, du Bastard, ich bring‘ dich um! Ich bring‘ euch alle um!“ während die zwei anderen schon dabei waren, sich gegenseitig in haltloser Wut die Gesichter blutig zu schlagen.

    Bivolo setzte die Brille wieder auf und ging mit leisem Lachen an ihnen vorbei, zum Nebengebäude.

    Len schloss mit langen Schritten zu Bivolo auf. „Das war nicht der Plan, Raider!“ Es war vereinbart gewesen, dass der Rainbow Raider Furcht in den Wachleuten auslöste, so dass sie, buchstäblich starr vor Angst, nicht mehr in der Lage wären, etwas Sinnvolles zu tun.

    „Nein“, erwiderte Bivolo lässig. „Aber Wut zu erzeugen ist für mich am einfachsten und es hat funktioniert. Sie sind beschäftigt.“ Er deutete mit dem Kopf auf die zwei Wachleute, die sich noch immer gegenseitig die Seele aus dem Leib zu prügeln. Mit einem verächtlichen Zucken um die Mundwinkel fragte er: „Zu viel Gewalt für dich, Cold?“

    Len musterte ihn mit kaltem Starren, während er ein paar Knicklichter aus der Tasche seines Parkas zog, aktivierte und in der Nähe des Eingangs zu Boden warf. Das Zeichen für Shawna und Lisa. „Wer für mich arbeitet, hält sich an Absprachen.“

    Bivolo zuckte mit den Schultern und ging an Len vorbei zum Eingang des Nebengebäudes. „Zu dumm, ich arbeite aber nicht für dich. Du bist hier nicht der Boss, vergessen?“

    Verdammt, er hatte es tatsächlich für einen Moment vergessen! Es war Lisas Überfall und es war daher Lisas Sache, sich mit Bivolo auseinanderzusetzen. Wo steckte sie eigentlich? Len sah sich suchend um. Durch die Knicklichter konnte Shawna sich trotz der Dunkelheit orientieren und sich selber und Lisa aus dem Hauptgebäude hierher teleportieren. Sie sollten eigentlich jetzt hier ankommen.

    „Mach schon!“, drängte Bivolo und deutete auf die Tür des Nebengebäudes, deren elektronische Schlösser durch den Stromausfall zwar deaktiviert waren, die aber durch einen schweren Sicherheitsbolzen nach wie vor verriegelt war.

    Mit einer raschen Bewegung zog Len die Coldgun und vereiste den Bolzen, der kurz darauf brach. Bivolo öffnete die Türe, ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen, als wäre das eben sein Werk gewesen. Idiot. Len sah sich um. Noch immer keine Spur von Lisa und Shawna. Rasch tippte er sein Funkheadset an. „Lisa? Shawna? Wo steckt ihr?“ Ihm antwortete nur Rauschen. Verflucht, was war da los? Natürlich war es möglich, dass …

    Ein dumpfer Knall durchbrach die Stille, irgendwo splitterte Glas. Ein blendender Lichtblitz ließ Len die Augen schließen und die Arme schützend vors Gesicht reißen. Grollen lag in der Luft, schien sich auch im Boden fortzupflanzen wie unterirdischer Donner. Wieder ein Knall, hell und pfeifend diesmal, ein Prasseln wie von Starkregen und - Len ließ langsam die Arme sinken und starrte zum Hauptgebäude hinüber.

    Was auch immer dort gerade explodiert war – es hatte einen Teil des nördlichen Anbaus des Gebäudes weggerissen. Flammen leckten an den Hauswänden und tauchten die Umgebung in ein groteskes Flackerlicht mit gespenstisch lebendig wirkenden Schatten. Alle Lichter im Haus waren erloschen - kompletter Stromausfall vermutlich – und panische Schreie drangen durch die geborstenen Scheiben der Fenster.

    Lisa! Lens Magen krampfte sich zusammen.

    Er aktivierte ein weiteres Knicklicht, warf Bivolo ein rasches „Hol dir den Stein und warte am Treffpunkt“, über die Schulter zu und rannte los, direkt auf die Flammen zu. Glas knirschte unter seinen schweren Stiefeln, der Boden war übersät mit Trümmern und Splittern. Durch den Qualm und Staub sah er, dass sich die große Flügeltür des Hauses öffnete und Menschen in Panik herausrannten. Lisa war nicht dabei. Shawna auch nicht.

    Die meisten schienen unverletzt, einige stützten sich gegenseitig, andere bahnten sich rücksichtlos den Weg und stießen Langsamere zu Boden. Ein paar hielten ihre Handys in der Hand, die leuchtenden Displays wie überdimensionale Glühwürmchen. Also nur eine Frage von Minuten, bis Feuerwehr und Polizei hier wären. Verflucht, sie mussten schnellstens hier weg. Er musste Lisa …

    Shawna stand plötzlich vor ihm, buchstäblich aus dem Nichts und sah ihn mit großen, schreckgeweiteten Augen an. Ihr Gesicht war tränenverschmiert, ihr schwarzes Abendkleid an der Schulter zerrissen und Blut sickerte aus einer Wunde über der rechten Schläfe. Ihr Headset war verschwunden.

    Er packte sie an den Schultern. „Wo ist Lisa?“

    „Ich weiß nicht, ich … “, schluchzte sie. „Einer der Wachleute ist reingekommen, durch den Keller, gerade als ich mit ihr rausteleportieren wollte. Er war völlig durchgedreht und hat um sich geschossen. Alle sind in Panik geraten, jemand hat mich geschubst und … “ Sie tastete mit bebenden Fingern nach der Verletzung an ihrem Kopf, ließ die Hand wieder sinken, starrte auf ihre blutigen Finger und flüsterte: „Und dann … dann ist alles in die Luft geflogen.“

    „Wo hast du Lisa zuletzt gesehen?“, fragte Len mit mühsam erzwungener Ruhe.

    Shawna holte zitternd Atem. „Der Seiteneingang, linke Seite vom Haus.“

    Lens Blick schoss zu besagtem Seiteneingang. Die Tür war geschlossen, entweder weil sie sich nicht öffnen ließ oder weil – er schluckte – weil dahinter niemand mehr in der Lage war, sie zu öffnen.

    Er sah Shawna fest an. „Warte bei Bivolo am Treffpunkt. Ich hol Lisa, dann hauen wir ab.“

    Sie nickte und teleportierte davon. Len rannte zum Seiteneingang, versuchte nochmals vergeblich Lisa über Funk zu erreichen und löschte brennende Trümmerteile, die ihm im Weg lagen mit gezielten Schüssen aus der Coldgun.

    Die Tür war verschlossen. Von innen waren dumpfe Rufe und Pochen zu hören. Keine Zeit sich mit dem Mechanismus des Schlosses zu beschäftigen. Len trat einmal heftig gegen die Tür, brüllte: „Aus dem Weg!“ und ließ dann den Kältestrahl seiner Waffe die Türzarge entlangwandern, bis ihm das schwere Türblatt einfach entgegenfiel. Menschen stolperten ihm entgegen, sechs, acht, zehn, hustend und nach Luft schnappend. Lisa war nicht zu sehen. „Danke“, murmelte eine junge Frau, die, von einem Mann gestützt, an ihm vorbei hinkte. Der Mann warf Len einen Blick über die Schulter zu und sagte dann: „Ist das nicht dieser … Cold? Ich hab ihn mal in den Nachrichten gesehen.“

    Len ignorierte die Menschen um ihn, versuchte in den dunklen, verrauschten Raum zu spähen. Der Qualm brannte in seinen Augen. „Lisa?“, rief er und begann sofort zu husten.

    Jemand packte ihn am Arm und versuchte ihn von der Tür wegzuzerren. „Kommen Sie, Sie können da nicht rein.“

    „Le… Lenny“, ertönte es in dem Moment schwach aus dem Innern, gefolgt von Husten und Röcheln.

    Len riss sich los, presste sich den Ärmel seines Parkas vor Mund und Nase, setzte seine Schutzbrille auf, zündete sein letztes Kicklicht und ging gebückt, um dem Qualm so gut wie möglich zu entgehen, in den Raum hinein. Nach nur ein paar Sekunden stieß er buchstäblich auf Lisa. Sie lag auf der Seite, das Gesicht ihm zugewandt, ihr linkes Bein unter Trümmerteilen eingeklemmt. Das mit goldenen Pailletten besetzte Kleid war zerrissen und rußgeschwärzt. Sie hatte die Augen geschlossen und er konnte nicht erkennen, ob sie noch atmete. Len spürte das schwere Pochen seines Herzens in seinen Schläfen, diese namenlose Angst, zwang sich ruhig zu bleiben, nichts zu fühlen, nicht zu denken, es zählte nur die Aufgabe. Er hob die Trümmer von Lisas Bein, hob Lisa vorsichtig hoch und trug sie die paar wenigen Schritte, die ihm endlos erschienen, zum Ausgang. Er stolperte mehr ins Freie, als dass er ging. Sie schrie auf, als er sie behutsam auf den Boden legte und zur Seite drehte.

    Mit der rechten Hand strich er ihr vorsichtig das Haar aus dem Gesicht, mit der linken aktivierte er sein Headset. „Kaprinzky, kleine Planänderung.“

    Bivolo war in der Leitung. „Snart? Kaprinsky fährt gerade, ich möchte ihn nur ungern ablenken.“

    Alles in Len wurde eiskalt. „Wo seid ihr?“

    Bivolo lachte. „Auf der Landstraße in Richtung unermesslichen Reichtum, dank dieses funkelnden Steinchens hier. Den ich mir jetzt übrigens nur mit Kaprinsky teilen muss, also werden wir ganz sicher nicht umdrehen und dich abholen, falls du das gerade vorschlagen wolltest.“

    „Du machst einen Fehler, Bivolo“, erwiderte Len eisig.

    Der Rainbow Raider lachte erneut. „Kommt jetzt die Ansprache, in der du ankündigst, mich zu finden und zu töten? Weißt du, seit einiger Zeit macht das Gerücht die Runde, dass du deinen Biss verloren hast, Cold. Ich wollte es zuerst nicht glauben, aber ich denke, da ist was dran und …“

    „Spar dir das. Ist Shawna bei euch?“

    „Nein“, erwiderte Bivolo gleichgültig. „Sie ist nicht aufgetaucht.“

    Vermutlich waren Bivolo und Kaprinsky schon längst mit dem Diamanten auf und davon gewesen, als Shawna beim Treffpunkt angekommen war. Nicht anzunehmen, dass Bivolo auch nur eine Sekunde auf irgendeinen von ihnen gewartet hatte. Der Unterschied zwischen einem Team und Komplizen. Mit einer heftigen Bewegung riss Len sich das Headset vom Ohr und steckte es ein.

    In dem Moment sah er den orangeroten Streifen, der über das Gelände schoss, ins Gebäude hinein, mit einem Verletzten herauskam und wieder verschwand, um Sekunden später wieder aufzutauchen. Flash! Erleichtert schloss er kurz die Augen. Er war noch nie so froh gewesen, Barry zu sehen, wie in diesem Moment.

    Ein Schatten fiel über ihn. Barry stand plötzlich vor ihm und fragte gepresst: „Was ist das hier für ein Scheiß? Was hast du dir dabei gedacht? Wir hatten einen Deal!“

    Len sah zu ihm auf, registrierte Barrys geballten Fäuste, den deutlichen Zorn in seinem Blick, seine geröteten Augen und stieß hervor: „Lisa. Sie ist verletzt.“ Nur das zählte jetzt, alles andere konnte warten.

    Len wusste nicht, was Barry in dem Moment in seinem Gesicht sah, aber es milderte die Wut in Barrys Zügen etwas. Er blinzelte, als würde er jetzt erst bemerken, dass jemand – Lisa – vor ihm am Boden lag. Er ging neben ihr in die Knie, hob sie in seine Arme, behutsam, als sei sie wichtig. Dann sagte er: „Warte hier, wir sind noch nicht fertig.“ Damit verschwand er.

    Warten, natürlich. Wo sollte er auch hin? Vor allem – womit? Len setzte sich einfach ins Gras, da seine Beine ihm plötzlich nicht mehr gehorchten, versuchte so wenig wie möglich zu husten und das Zittern seiner Hände unter Kontrolle zu bekommen. Lisa war in Sicherheit, Barry würde dafür sorgen. Er konnte Barry vertrauen.

    In der Ferne hörte er bereits Sirenen und das sich nähernde Geräusch eines Hubschraubers. Kurz darauf war Barry zurück und Len beobachtete seltsam teilnahmslos, wie er in nur wenigen Sekunden alle Schwerverletzten evakuierte. Schließlich kam er mit einem Schlittern vor ihm zu stehen, packte ihn ohne ein weiteres Wort und keineswegs behutsam, hielt ihn fest und rannte. Len schloss die Augen gegen die leichte Übelkeit und als er sie wieder öffnete, war er irgendwo in einem Wald, stand mit dem Rücken an einem Baumstamm. Die Luft war wunderbar klar und roch nach Moos und Laub und es tat verdammt gut, einfach Durchatmen zu können ohne das Gefühl zu haben, ersticken zu müssen. Er hustete.

    Barry stand vor ihm und zog sich die Haube vom Kopf.

    „Lisa? Wohin …?“, begann Len und musste erneut husten.

    „Memorial Hospital.”

    „Danke“, erwiderte Len aufrichtig und rang nach Atem. Seine Beine waren noch immer wie Gummi und er war froh, über den massiven Baumstamm in seinem Rücken.

    Barry schnaubte nur. „Wir hatten eine Abmachung, du und ich. Schon bevor wir …“ Barry unterbrach sich, blinzelte und sah zu Boden. Als er Lens Blick wieder suchte, schimmerten seine Augen feucht, aber seine Stimme war kompromisslos hart. „Dieser Überfall heute, die Toten, die Verletzten, du hast … du hast diese Abmachung gebrochen.“

    Len lehnte den Kopf an den Baumstamm und schloss kurz seine noch immer brennenden Augen. „Ich habe keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, Barry, denn so war das definitiv nicht geplant.“

    „Ja, ihr habt es nicht mehr rausgeschafft, bevor ihr alles hochgejagt habt“, erwiderte Barry bitter. „Schlampige Planung, Snart, allerdings. Du warst schon mal besser.

    Snart …

    „Das war nicht …“, begann Len, doch Barry ließ ihn nicht zu Wort kommen.

    „Wie lange hast du diese Sache heute schon vorbereitet? Hast du … hast du überlegt, wie du am effektivsten ein Gebäude mit 200 Menschen in die Luft jagen kannst, während du verflucht nochmal mit mir Kaffee getrunken hast?“ Barrys Atem ging stoßweise und plötzlich landete seine Faust mit einem dumpfen Knall am Baumstamm, direkt neben Lens linkem Ohr. Len zuckte unwillkürlich zusammen. Rindenstückchen splitterten ab und trafen seine Wange. Er hatte Barry nie so wütend erlebt, hatte genaugenommen nicht gedacht, dass Barry so wütend werden konnte. Unter anderen Umständen hätte er das unglaublich sexy gefunden – die blitzenden Augen, das wirre Haar, die geröteten Wangen, diese Energie, wie ein Sommergewitter – aber da er offensichtlich das alleinige Ziel dieser Wut war – weniger.

    „Nein“, erwiderte Len fest und suchte Barrys Blick, versuchte zu ihm durchzudringen. „Heute Abend ist nichts nach Plan gelaufen. Diese Explosion war nicht geplant, weder von mir noch von Lisa.“

    Barry schien ihn nicht zu hören, schien nicht einmal zuzuhören. „War das alles Teil des Plans? Mir näher zu kommen? Um … um meine Schwachstellen herauszufinden, Flashs Schwachstellen?“ Er rieb sich mit einer ärgerlichen Geste mit dem Handrücken über die Augen, seine Lippen eine weiße zornige Linie. „Dein Interesse an Ciscos Tests mit meinem Anzug, mit meiner Geschwindigkeit … und ich Idiot, ich habe dir auch noch alles erzählt.“

    „Ich habe absolut keine Ahnung, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll“, erwiderte Len langsam und betont ruhig. Wenigstens er musste ruhig bleiben, denn Barry wirkte im Moment so, als hätte er eine Überdosis von Bivolos Kur abbekommen und eine Portion Paranoia obendrein. Dass Barry nicht begeistert war, ihn bei einem Überfall vorzufinden – okay, aber Len hatte nie versprochen, dem Verbrechen den Rücken zu kehren. Und was diese verfluchte Scheiße heute Abend anging, wenn Barry ihn nur erklären lassen würde …

    Barry holte tief Luft, trat etwas zurück und murmelte mit einem kleinen, bitteren Auflachen, wie zu sich selbst: „Eobard Thawne, Harry, Jay und jetzt du.“ Er schüttelte ungläubig den Kopf, wandte sich wieder direkt an Len und stieß hervor: „Was willst du, Snart? Was willst du von mir? Warum ziehst du diese … diese Show ab? Mit Kaffeetrinken und Dates und … ? Alles nur wegen eines beschissenen Diamanten?“

    Oh. Oh! Auch wenn Len nicht wusste, wer diese Leute waren, von denen Barry gerade gesprochen hatte, aber wenigstens verstand er jetzt zumindest ansatzweise, was Barry sich da zusammenspann.

    Was er von ihm dachte.

    Er spürte wie es in ihm zu brodeln begann. Er hatte gerade beinahe Lisa verloren und er wollte verdammt nochmal bei ihr sein und wissen wie es ihr ging. Ihm war übel und schwindlig, sein Kopf hämmerte - vermutlich eine leichte Rauchgasvergiftung - und er hatte jetzt keine Nerven für … für das hier, für Barrys Paranoia, dafür als Blitzableiter für Barrys Wut auf sich selbst und andere Leute zu dienen. Hatte Barry eigentlich eine Ahnung, was er ihm da gerade unterstellte? Für welche Art Monster hielt er ihn?

    Der Gedanke war ernüchternd und schmerzhaft, wie ein Stich in seiner Brust. Und er konnte sich damit jetzt keine Sekunde länger auseinandersetzen. Er konnte einfach nicht. Len ballte die Hände zu Fäusten und öffnete sie langsam wieder, ignorierte den Schmerz, die Aufruhr in seinem Innern, die Tränenspuren auf Barrys Wangen. Er zwang sich ruhig zu bleiben, kühl, eiskalt, gefühllos. Nur so war er in der idealen Position zurückzuschlagen. Wie von selbst verzogen sich seine Lippen zu einem süffisanten Grinsen. Er musterte Barry aus schmalen Augen, neigte den Kopf etwas zur Seite und erwiderte spöttisch: „Oh, nicht irgendein Diamant. Für den Yellow Sun kann man schon ein paar … Opfer bringen.“

    Barry wurde blass und zuckte zusammen, als hätte Len ihn tatsächlich geschlagen. Aha, jetzt hatte er also zugehört. Gut.

    „Und jetzt“, sagte Len langsam und betonte jedes Wort: „Jetzt wäre ich dir sehr verbunden, wenn du mich zu meiner Schwester bringen würdest, denn dieses Gespräch ist beendet, Flash.“

    Der Ausdruck in Barrys Gesicht verwandelte sich von Wut in schockierte Enttäuschung, er schluckte hart und wirkte so, als wolle er etwas sagen. Doch dann nickte er nur kurz, eine seltsam abgehackte Bewegung, packte Len an den Schultern und lief. Len sah die Bäume auf sich zu und an sich vorbeirasen, kniff rasch die Augen zu und wandte den Kopf ab. Barrys Haar kitzelte ihn. Er hatte seine Haube nicht aufgesetzt. Unter dem allgegenwärtigen Gestank nach Ruß und Feuer nahm Len den Geruch von Barrys Haut wahr, presste sein Gesicht enger an Barrys Hals und spürte wie für Bruchteile von Sekunden etwas in ihm zur Ruhe kam.

    Nur Augenblicke später fand Len sich in einer schmalen Gasse wieder. Noch bevor er sich orientiert hatte und feststellte, dass er tatsächlich direkt hinter dem Central City Memorial Hospital stand – und nicht etwa mitten im Police Department – war Barry wieder verschwunden.

    Len holte tief Luft. Das war’s dann wohl. Er zwang sich, das leere, hohle Gefühl in seinem Innern nicht weiter zu analysieren, während er die Coldgun unter seinem Parka verschwinden ließ und ein Taxi rief.

    Er zählte die Sekunden, bis er zu Hause war, eine erprobte Methode seinen Geist beschäftigt zu halten und nicht ins Grübeln zu verfallen. In seinem Apartment angekommen verstaute er mit routinierten Bewegungen die Coldgun, zog sich um und saß kurz darauf im Auto, wieder auf dem Weg zum Krankenhaus.

    Er dachte an Lisa, versuchte sich an das Ausmaß ihrer Verletzungen zu erinnern, eine Diagnose und die Heilungschancen zu erahnen. Aber so sehr er sich auch beschäftigt hielt, er konnte diesen bestimmten Gedanken, der sich immer wieder an die Oberfläche schob, nicht ignorieren. Die Erkenntnis, dass der einzige Moment, in dem er sich an diesem beschissenen Abend halbwegs gut und ironischerweise im Gleichgewicht gefühlt hatte, diese wenigen Sekunden waren, als Barry mit ihm durch die Nacht gerannt war.

    ------

    Es tut mir ja fast leid, dass ich euch mit einem solchen Kapitelende in die Feiertage schicke. Und das nächste Kapitel gibt es erst nächstes Jahr. Aber ich verspreche, dass diese Story ein Happy-End hat. Es dauert nur noch ein bisschen …
    Schöne Feiertage, euch allen!


  22. #35
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    So ... das Kapitel hatte ich heute Morgen schon gelesen (und dich ein bisschen verflucht ), aber jetzt muss ich mal meinen Senf dazu loswerden.

    Herrgott! Wie kannst du nur? Das war nicht nur der mieseste Cliffhanger bisher, sondern IMO auch das am intensivsten geschriebene Kapitel ueberhaupt. Es war ja schon beim letzten Kapitel schlimm zu lesen, wie betrogen Barry sich vorkam, aber Snart konnte einem hier echt nur noch leid tun. Da wird ihm endlich bewusst, dass er gar nicht mehr auf Gewalt und Gaunereien steht, freut sich, dass Barry zu Hilfe kommt und kriegt dann das serviert. Das hat ja fast koerperlich weh getan das zu lesen. Irgendwie kein Wunder, dass er da am Ende blockiert und lieber wieder zum "alten" Snart zurueckkehrt ... den kennt er, da weiss er, wie er reagieren soll. Nur leider macht es das fuer mich als Leser nicht besser.

    Die ganze (missglueckte) Raubaktion hast du prima beschrieben, ich konnte mir alles genau vorstellen. Ich steh ja mit Actionszenen ein bisschen auf Kriegsfuss, aber wie gesagt, hast du das toll hinbekommen!

    Einzig das Ende hat mich ein kleines bisschen irritiert. Barry bringt Snart zum Krankenhaus, klar, schliesslich wollte Len zu seiner Schwester. Aber dann faehrt Len erst mal nach Hause, um sich umzuziehen. Im Grunde ist auch das voellig nachvollziehbar, er wird ja erkannt wie man vorher gesehen hat, aber da hab ich mich dann doch gefragt, wie weit wohl Lens Zuhause vom Krankenhaus entfernt ist und wie lange er fuer alles gebraucht hat. Ich meine, er wollte doch nichts anderes als zu seiner Schwester ... hat das nicht alles viel zu lange gedauert? Waere es nicht einfacher gewesen, den Parka und die Coldgun irgendwo zu verstecken sich zur Not nen Kittel oder Pflegerkleidung als Tarnung zu besorgen, um gleich zu Lisa zu koennen?

    Keine Sorge, das ist keine grosse Sache. Das ist mir nur waehrend des Lesens durch den Kopf gegangen.

    Ansonsten kann ich jetzt nur hoffen, dass du mich nicht allzu lange warten laesst ... diese Spannung haelt ja keiner aus!

  23. Danke sagten:


  24. #36
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von Chayiana Beitrag anzeigen
    So ... das Kapitel hatte ich heute Morgen schon gelesen (und dich ein bisschen verflucht ),
    Jaaa, sorry.

    Herrgott! Wie kannst du nur? Das war nicht nur der mieseste Cliffhanger bisher, sondern IMO auch das am intensivsten geschriebene Kapitel ueberhaupt.
    Oh, vielen Dank! *freu*
    Das hat ja fast koerperlich weh getan das zu lesen.
    Schön! Also, nein, natürlich nicht, *g* aber es freut mich echt, dass das Kapitel auf diese Weise berührt hat, denn das wollte ich erreichen.
    Irgendwie kein Wunder, dass er da am Ende blockiert und lieber wieder zum "alten" Snart zurueckkehrt ... den kennt er, da weiss er, wie er reagieren soll.
    Richtig, genau! Freut mich, dass das auch wie beabsichtigt ankam. Das ist seine Abwehrreaktion.

    Die ganze (missglueckte) Raubaktion hast du prima beschrieben, ich konnte mir alles genau vorstellen. Ich steh ja mit Actionszenen ein bisschen auf Kriegsfuss, aber wie gesagt, hast du das toll hinbekommen!
    Ich auch! Ich schreibe die so ungern. Aber ganz ohne geht es eben in dem Fall nicht.

    Einzig das Ende hat mich ein kleines bisschen irritiert. Barry bringt Snart zum Krankenhaus, klar, schliesslich wollte Len zu seiner Schwester. Aber dann faehrt Len erst mal nach Hause, um sich umzuziehen. Im Grunde ist auch das voellig nachvollziehbar, er wird ja erkannt wie man vorher gesehen hat, aber da hab ich mich dann doch gefragt, wie weit wohl Lens Zuhause vom Krankenhaus entfernt ist und wie lange er fuer alles gebraucht hat. Ich meine, er wollte doch nichts anderes als zu seiner Schwester ... hat das nicht alles viel zu lange gedauert? Waere es nicht einfacher gewesen, den Parka und die Coldgun irgendwo zu verstecken sich zur Not nen Kittel oder Pflegerkleidung als Tarnung zu besorgen, um gleich zu Lisa zu koennen?
    Guter Einwand! Snart hat zwar zu Barry gesagt "bring mich zu meiner Schwester" und er will auch so schnell wie möglich zu ihr, aber ihm ist auch klar, dass er nicht einfach in komplettem Captain Cold Outfit ins Krankenhaus marschieren kann. Also "so schnell wie möglich" beinhaltet für ihn erstmal seine Coldgun sicher loszuwerden. Dass er sie irgendwo versteckt, hatte ich auch für einen Moment erwogen, aber ich finde es passt nicht zu ihm, das Teil einfach irgendwo abzulegen, wo es doch entdeckt werden könnte.
    Er kann zu Barry aber schlecht sagen: "Bring mich nach Hause" denn Barry weiß ja nicht, wo das ist. Und ihm einfach eine Adresse zu nennen (in der Nähe seiner Wohnung) hätte wohl eher dazu geführt, dass Barry in seiner momentanen Stimmung gesagt hätte: "Ich bin kein Taxi, schau selber wie du dahin kommst." Mit "bring mich zu meiner Schwester" sind seine Chancen am besten, dass Barry genau das tut, weil das der Punkt ist, an dem Barry immer weich wird - wenn Snart Sorge um andere zeigt. Für einen kleinen Moment hat er zwar befürchtet, dass es ganz anders ausgeht und Barry ihn direkt im CCPD abliefert, aber das hat er dann ja doch nicht getan.

    Keine Sorge, das ist keine grosse Sache. Das ist mir nur waehrend des Lesens durch den Kopf gegangen.
    Und ich freu mich sehr, dass du das erwähnt hast, denn mit sind beim Schreiben ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen und ich liebe solche Diskussionen über die Charaktere (und meine Geschichte ).
    Vielen lieben Dank für dein Feedback, gerade bei dem Kapitel war ich sehr gespannt, wie es ankommt und freu mich besonders über die ausführliche Rückmeldung!

  25. #37
    Brigadier General Avatar von stargatefan74
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    Im Juli hattest du angefangen, die Geschichte zu posten? Hammer, wie die Zeit vergeht. Aus vielerlei Gründen hatte ich keine Zeit, mich großartig im Forum zu betätigen, aber jetzt habe ich mich endlich rangehalten, die Geschichte nochmals von Anfang an zu lesen, denn bislang hatte ich, glaube ich, eh nur die ersten beiden Kapitel gelesen.

    Das du Ausschnitte der Folgen kurz und knapp in die Kapitel einfügst, finde ich persönlich sehr gut, um mich zu orientieren, wo wir gerade ungefähr in der Zeitlinie sind.
    Etwas, nein eigentlich stark irritiert war ich, dass Barry nicht wusste, dass Snart mit den Legends unterwegs ist bzw. dass es die Legends überhaupt gibt!?
    Wann und in welcher Folge hat er davon erfahren? Irgendwie habe ich gerade keine entsprechende Folge vor Augen und Flash habe ich nun wirklich sehr sehr oft wiederholt. Er müsste doch, genauso wie Oliver von Anfang an darüber Bescheid wissen?

    Bevor ich gestern mit dem Lesen angefangen haben, hatte ich gesehen, dass du dich für das Ende entschuldigst. Ich hatte ja wirklich mit dem allerschlimmsten Cliffhanger gerechnet, aber so schlimm ist es nun doch nicht. Also ich kann meine Weihnachtstage und die nächste Woche ruhig überstehen, bitte aber um Weiterführung Anfang Januar.

    Das die Geschichte mit einem Happy End endet, daran habe ich keinen Zweifel.

    Frohe Weihnachten!

  26. Danke sagten:


  27. #38
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von stargatefan74 Beitrag anzeigen
    Im Juli hattest du angefangen, die Geschichte zu posten? Hammer, wie die Zeit vergeht.
    Ja, gell? Mir war selber nicht bewusst, dass ich schon so lange an der Geschichte schreibe.

    Das du Ausschnitte der Folgen kurz und knapp in die Kapitel einfügst, finde ich persönlich sehr gut, um mich zu orientieren, wo wir gerade ungefähr in der Zeitlinie sind.
    Das freut mich.
    Etwas, nein eigentlich stark irritiert war ich, dass Barry nicht wusste, dass Snart mit den Legends unterwegs ist bzw. dass es die Legends überhaupt gibt!?
    Wann und in welcher Folge hat er davon erfahren? Irgendwie habe ich gerade keine entsprechende Folge vor Augen und Flash habe ich nun wirklich sehr sehr oft wiederholt. Er müsste doch, genauso wie Oliver von Anfang an darüber Bescheid wissen?
    Das ist völlig offen. Es wurde nie gesagt, dass Barry von Anfang an informiert war, da die Legends in den Flash-Folgen nie erwähnt wurden. Erst in 3x4 haben wir erfahren, dass Barry wusste, dass es die Legends gibt und dass Snart mit von der Partie ist. Er kann es also von Anfang an gewusst haben, muss aber nicht so sein. Vielleicht hat er es irgendwann zwischen den Folgen off-screen erfahren - und genau davon bin ich ausgegangen und diese Szene habe ich geschrieben.

    Ich hatte ja wirklich mit dem allerschlimmsten Cliffhanger gerechnet, aber so schlimm ist es nun doch nicht.
    Na, dann ist ja gut.

    Frohe Weihnachten!
    Danke, dir auch!

  28. #39
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Jetzt war alles was er spürte ein bleischwerer Druck in seinem Magen und den irrationalen Wunsch ganz woanders zu sein. Vielleicht, weil es nicht wirklich sein Plan war, oder weil er Bivolo nicht über den Weg traute, oder … oder weil das alles nicht mehr das war, was er tatsächlich wollte.
    Ich glaube, es ist nicht mehr das, was er tatsächlich wollte.

    Vermutlich waren Bivolo und Kaprinsky schon längst mit dem Diamanten auf und davon gewesen
    Mit Sicherheit.

    Barry stand plötzlich vor ihm und fragte gepresst: „Was ist das hier für ein Scheiß? Was hast du dir dabei gedacht? Wir hatten einen Deal!“
    Oh man, war ja klar, dass auch von der Seite Probleme kommen.

    „War das alles Teil des Plans? Mir näher zu kommen? Um … um meine Schwachstellen herauszufinden, Flashs Schwachstellen?“
    Kein Wunder, dass Barry diese Gedanken hat, liegt ja nahe.

    „Was willst du, Snart? Was willst du von mir? Warum ziehst du diese … diese Show ab? Mit Kaffeetrinken und Dates und … ? Alles nur wegen eines beschissenen Diamanten?“
    Oh man, wenn er Len mal ausreden lassen würde, hätte er seine Antwort. Typisch Mann!

    „Jetzt wäre ich dir sehr verbunden, wenn du mich zu meiner Schwester bringen würdest, denn dieses Gespräch ist beendet, Flash.“
    Kein Wunder, dass jetzt auch Len angepisst reagiert, wieder typisch Mann!

    Aber so sehr er sich auch beschäftigt hielt, er konnte diesen bestimmten Gedanken, der sich immer wieder an die Oberfläche schob, nicht ignorieren. Die Erkenntnis, dass der einzige Moment, in dem er sich an diesem beschissenen Abend halbwegs gut und ironischerweise im Gleichgewicht gefühlt hatte, diese wenigen Sekunden waren, als Barry mit ihm durch die Nacht gerannt war.
    Und was sagt uns das jetzt? Len vermisst Barry und wird so leicht nicht über ihn hinwegkommen. Er hat sich verliebt und weiß jetzt nicht was er machen soll. Barry wird es nicht anders ergehen. Sie müssen endlich reden und dann ...

    Oh man, ich bin sooo... gespannt wie es weitergeht! Dankeschön für das spannende Kapitel!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  29. Danke sagten:


  30. #40
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Oh man, wenn er Len mal ausreden lassen würde, hätte er seine Antwort. Typisch Mann!

    Kein Wunder, dass jetzt auch Len angepisst reagiert, wieder typisch Mann!
    *kicher* Obwohl wir Frauen das ja auch ganz gut können.

    Und was sagt uns das jetzt? Len vermisst Barry und wird so leicht nicht über ihn hinwegkommen. Er hat sich verliebt und weiß jetzt nicht was er machen soll. Barry wird es nicht anders ergehen. Sie müssen endlich reden und dann ...
    Genau. Sie müssen erst mal ihre Probleme miteinander klären, damit sie dann mit dem fertig werden können, was da sonst noch auf sie zukommt. Ich habe noch einiges in Petto, was das angeht.

    Oh man, ich bin sooo... gespannt wie es weitergeht! Dankeschön für das spannende Kapitel!
    Danke dir für dein liebes Feeback.

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