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Thema: [Flash] Durch die Zeit

  1. #101
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Oh man, wie konnte ich nur vergessen, dass ich noch ein Feedback zu diesem tollen Kapitel schreiben wollte. Tut mir leid. Aber hier kommt es, mit etwas Verspätung.
    dass Len genau wie der „Playboy-Sohn des Bürgermeisters“ auf seiner Erde aussah. Len hatte darauf verzichtet, weiter nachzufragen.
    Kann ich mir irgendwie sogar vorstellen.

    Barry liebte ihn. Es war nicht unerwartet, schließlich hatte er selber erlebt, wie der Barry in der Zukunft ihn angesehen hatte. Aber er hatte nicht damit gerechnet, diese Worte jetzt schon von Barry zu hören. Besser gesagt, er hatte ganz generell nicht mit Worten gerechnet und Barrys Geständnis hatte ihn kalt erwischt. Was im Nachhinein schlampige Planung war, nichts weiter, denn es ging hier um Barry, der mit derselben Selbstverständlichkeit über Gefühle redete, mit der Len es eben nicht tat.
    Ich glaube, Len hat nicht damit gerechnet überhaupt einmal von jemanden geliebt zu werden. Das hat ihn echt kalt erwischt. Da er nie Liebe erfahren hat, weiß er nicht so recht wie es geht, dass mit den Gefühlen und der Liebe. Aber ich denke, er liebt Barry.

    Es wäre ein Leichtes für ihn, dieser Sache genau jetzt ein Ende zu bereiten und Zoom zu töten.

    Es wäre eine glatte Lösung, eine nach Lens Geschmack, aber keine, mit der Barry leben konnte – auch wenn er das gerade vielleicht glaubte.
    Ich kann Barry Gedanken sehr gut verstehen und ich hätte wohl an seiner Stelle Zoom ein Ende bereitet, denn er wird weiter töten. Gefangenhalten werden sie ihn nicht für ewig können, er ist eben Zoom. Der hat bestimmt ein Hintertürchen bereit. Um ihn wäre es wirklich nicht schade.

    Len drehte den Kopf etwas und streifte mit seinen Lippen Barrys Schläfe. Es war einer der besten Momente in den letzten Tagen.
    Jeder innige Moment zählt, sei er noch so klein.

    Len stieß sich von der Wand ab und wollte gerade in Richtung des kleinen Grüppchens hinüberschlendern, als er eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm. Wie ein huschender Schatten am Ende des gebogenen Ganges.
    Blitzschnell.
    Oh weh, das ist bestimmt besagtes Hintertürchen von Zoom.

    „Hat Zoom eben auf euch wie jemand gewirkt, der besiegt wurde?“
    Nein, leider nicht. Da kommt noch etwas.


    „Zeitphantome?“ Len hob fragend die Augenbrauen.
    Die mag ich überhaupt nicht, sind voll gruselig. Kann man die nicht irgendwie auf Zooms Fährte locken?
    Wäre eine Überlegung wert.

    Dicht an seinem Ohr flüsterte er: „Wie wäre es mit einem Köder, den er auf jeden Fall schluckt?“
    Auf keinen Fall! Das genau wird Barry sagen. Doch ich schätze, Len wird sich durchsetzen und von den anderen kann Barry keine Hilfe erwarten, die mögen Len eh nicht. Hoffentlich geht das gut aus.

    Ach man, Barry und Len haben es einfach verdient, endlich miteinander glücklich zu sein. Barry kann Len ja zeigen, wie das mit den Gefühlen und der Liebe so geht. Er hat genug für zwei davon.
    Das war wieder ein tolles, spannendes Kapitel und hat mir wieder supergut gefallen - Dankeschön!
    Geändert von John's Chaya (11.02.2018 um 21:05 Uhr)
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  2. Danke sagten:


  3. #102
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Oh man, wie konnte ich nur vergessen, dass ich noch ein Feedback zu diesem tollen Kapitel schreiben wollte. Tut mir leid. Aber hier kommt es, mit etwas Verspätung.
    Hey, das kommt vor. *knuddel* Ich nehme auch verspätetes Feedback sehr gerne und abgesehen davon, habe ich mir ja auch Zeit gelassen, mit dem Kapitel (und mit dem nächsten :)und freue mich umso mehr, dass hier überhaupt noch jemand mitliest.

    Ich glaube, Len hat nicht damit gerechnet überhaupt einmal von jemanden geliebt zu werden. Das hat ihn echt kalt erwischt. Da er nie Liebe erfahren hat, weiß er nicht so recht wie es geht, dass mit den Gefühlen und der Liebe. Aber ich denke, er liebt Barry.
    Ja, das denke ich auch. Allerdings würde ich schon sagen, dass seine Schwester ihn liebt (und er sie) und er das auch weiß, aber er hat sicherlich keine Übung darin, solche Gefühle in Worte zu fassen, jedenfalls nicht mit der Leichtigkeit mit der z.B. Barry das kann.

    Die mag ich überhaupt nicht, sind voll gruselig. Kann man die nicht irgendwie auf Zooms Fährte locken?
    Wäre eine Überlegung wert.

    Auf keinen Fall! Das genau wird Barry sagen. Doch ich schätze, Len wird sich durchsetzen und von den anderen kann Barry keine Hilfe erwarten, die mögen Len eh nicht. Hoffentlich geht das gut aus.
    Ja, dem Plan kann Barry nichts abgewinnen. Was die anderen angeht - ich denke schon, dass zumindest Cisco Len inzwischen mag und die anderen würden ganz sicher auch nicht wollen, dass jemand draufgeht, den Barry ganz offensichtlich liebt. Und - klar geht das gut aus! Solange ich bei der Geschichte was zu sagen habe, garantiere ich das. *gg*

    Das war wieder ein tolles, spannendes Kapitel und hat mir wieder supergut gefallen - Dankeschön!
    Vielen lieben Dank für dein Feedback!

  4. #103
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Kapitel 19 - Köder und Falle

    Barry wich einen halben Schritt zurück und starrte Len mit zusammengezogenen Brauen an. Es war offensichtlich, welchen Köder er meinte. „Vergiss es! Auf keinen Fall“, stieß er hervor.

    Len musterte ihn einen Moment lang wortlos, sah sich kurz um und bedeutete Barry dann mit einer Geste ihm ans andere Ende des Raumes zu folgen. Dort waren sie außer Hörweite der anderen, aber auch möglichst weit von den Glaswänden des benachbarten Labors entfernt. Glaubte Len wirklich, Zoom lauerte dort und las ihnen die Worte von den Lippen ab?

    Schließlich wandte Len sich ihm wieder zu und fragte ruhig: „Hast du eine bessere Idee?“

    „Ich benutze dich nicht als Köder, Len. Ich kann nicht …“

    „Wen dann, wenn nicht mich? Iris? Joe?“

    „Niemanden, okay?“ Barry rieb sich mit den Händen übers Gesicht. Verdammt, warum konnte nicht einmal etwas nach Plan laufen? Es wäre so einfach gewesen – Zoom hierherlocken, mit Hilfe des Coldfields in Schach halten, ihn in die Zelle stecken und dann Lyla übergeben, die ihn im A.R.G.U.S. Gebäude festsetzen würde, bis ein Mittel gefunden war, das ihn seiner Kräfte beraubte. Oder bis er starb. Oder – Barry schluckte hart – oder bis er einen Weg fand, aus diesem Gefängnis zu entkommen und jeden zu töten, der Barry etwas bedeutete. Er ballte seine Hände zu Fäusten um das Beben seiner Finger zu unterdrücken.

    „Barry“, drang Lens Stimme in seine Gedanken, „wir wissen, was Zoom will und wir wissen, auf welche Weise er höchstwahrscheinlich vorgehen wird. Wir müssen jetzt die Regeln des Spiels vorgeben. Sonst tut er es.“

    „Aber sicher nicht, indem ich dich in Gefahr bringe, das ist Schwachsinn“, schnappte Barry. „Ich lasse nicht zu, dass er dir etwas antut, nicht noch einmal.“ Er biss sich auf die Lippe und sah kurz zu Boden, verdrängte die Erinnerungen an Lens leblosen, kalten Körper aus seinen Gedanken.

    „Ich weiß“, sagte Len ruhig und suchte seinen Blick. „Darauf baue ich. Ich würde das nicht vorschlagen, wenn ich nicht absolut darauf vertrauen würde, dass du alles tust, damit mich dieser Scheißkerl nicht erwischt.“

    Len vertraute ihm mit seinem Leben. Es tat einerseits unglaublich gut das zu hören, andererseits – war dieses Vertrauen überhaupt gerechtfertigt? Verdammt, die Ereignisse der letzten Stunden hatten doch gezeigt, dass Zoom ihm immer einen Schritt voraus war. „Alles was ich tun kann, ja“, bemerkte Barry bitter. „Und wenn das nicht reicht? Wenn …“ Er unterbrach sich. Dieser Gedankengang führte zu nichts. Und immerhin hatte er selber vorhin vorgeschlagen, Zoom eine Falle zu stellen und ein Köder gehörte schließlich dazu. Er holte tief Luft. „Okay, und wie soll das praktisch ablaufen?“

    „Oh, dieser Teil des Plans wird dir gefallen.“ Len lächelte schief. „Zuerst geben wir Zoom noch ein paar Gelegenheiten mehr zu sehen, dass ich ein verflucht gutes Druckmittel bin.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, trat er näher und zog Barry an sich, in seine Arme „Und dann liefern wir ihm das passende Stichwort für seinen Auftritt. Wir locken ihn genau dorthin, wo wir ihn haben wollen und lassen die Falle zuschnappen.“

    „Und welche Falle? Vielleicht sollten wir das zuerst klären. “ Barry seufzte und erwiderte die Umarmung, lehnte sich an Len, genoss die Nähe und die Wärme von Lens Körper so dicht an seinem. Es tat gut, einfach festgehalten zu werden. Ihm wurde bewusst, wie sehr er das die letzten Tage vermisst hatte und wie sehr er das genau jetzt brauchte. Er wusste zwar, dass er nicht alleine war in diesem Kampf gegen Zoom, dass er ein Team hatte, Freunde, Familie, dass er Len hatte, aber diese Berührung zementierte dieses Wissen für ihn, machte es greifbar. Es war als könnte er etwas von der Last, die auf seinen Schultern lag, teilen, als würde Len ihm etwas davon abnehmen. Er legte seine Wange an Lens Schulter und atmete den vertrauten Duft seiner Haut ein.

    „Ich wette Cisco und Harry arbeiten schon an einer Idee“, murmelte Len in sein Haar und streichelte seinen Rücken. „Du hast ein Team, vergiss das nicht.“

    Als hätte Len seine Gedanken gelesen. Barry schloss kurz die brennenden Augen. „Ich weiß“, erwiderte er nach einem Moment rau. „Aber danke für die Erinnerung. Und hierfür“, fügte er hinzu und zog Len nochmals an sich.
    „Hm, was soll ich sagen, Barry? Ich berühre dich einfach gerne. Reiner Eigennutz.“ Die Wärme in Lens Stimme wollte nicht so ganz zu seinen Worten passen.

    Am anderen Ende des Raumes fiel etwas klirrend zu Boden, gefolgt von einem unterdrückten Fluch. Richtig, sie waren alles andere als alleine. Mit einem Seufzen löste Barry sich aus der Umarmung, sah über die Schulter und bemerkte, dass Harry und Joe den Cortex inzwischen wieder betreten hatten. Harry war dabei, eines der Geräte, das er mitgebracht hatte, mit dem Hauptterminal zu verkabeln, was anscheinend nicht ganz problemlos verlief. Gemeinsam mit Iris sammelte er gerade irgendwelche Kleinteile vom Boden auf. Cisco saß an seinem Arbeitstisch und telefonierte angeregt, während Caitlin sich Notizen auf ihrem Pad machte. Joe stand mitten im Raum und sah mit einer steilen Falte zwischen seinen Augenbrauen zu ihm und Len herüber.

    Aha! Nicht anzunehmen, dass Len das entgangen war. Barry warf Len einen halb belustigt, halb anklagenden Blick zu. „Und dass Joes Blutdruck jedes Mal fast durch die Decke geht, wenn er uns so zusammen sieht, ist ein Bonus, ja?“

    „Konfrontationstherapie.“ Len zeigte einen Hauch seines sardonischen Grinsens. „Alles zu seinem besten. “ Doch er nahm Barrys Hand und streichelte sanft mit dem Daumen über sein Handgelenk, etwas, das Joe gerade unmöglich sehen konnte.

    Barry musste lächeln und schüttelte leicht den Kopf. „Klar.“

    „Hey, ähm, wir sind gleich soweit“, rief Cisco, steckte sein Handy wieder ein und deutete auf den Aufbau am Hauptterminal.

    „Okay.“ Barry nickte ihm zu. Zu Len sagte er: „Wenn wir sicher wissen, dass Zoom noch hier ist, müssen wir etwas tun, das sehe ich auch so. Aber …“ Er sah ihm fest in die Augen. „ich werde weder dich, noch sonst jemanden den Köder spielen lassen, verstanden? Was das angeht, bin ich nicht zu Kompromissen bereit.“

    Len hielt seinem Blick stand, schien noch etwas sagen zu wollen, doch dann nickte er nur bestätigend.

    Barry holte tief Luft. „Dann sehen wir mal, was Harry mit seinem Funklock-Detektor herausfindet.“ Der Gedanke, dass Zoom, hier irgendwo im Gebäude lauerte, verursachte Barry eine Gänsehaut. Eigentlich musste Zoom nur auf das Versagen des Eindämmungsfeldes warten, das sie jetzt noch vor ihm schützte. Sie mussten handeln, bevor ihnen die Zeit davonlief und Zoom am längeren Hebel saß.

    ***

    „So, Leute, gleich wissen wir, wo Zoom steckt“, erklärte Cisco, ließ seine Finger über die Tastatur fliegen und betätigte auf Harrys auffordernde Geste hin die Entertaste. Auf dem Bildschirm erschien eine Karte Central Cities und der näheren Umgebung. Rotblinkende Punkte waren wie Warnsignale über die Karte verteilt.

    „Das sind die Funklöcher, die Zoom, genauso wie jeder andere Bewohner meiner Erde, hier erzeugt“, erläuterte Harry.

    „Hier ist das alte Krankenhaus, wo ich das Portal zu Erde 2 geöffnet hatte.“ Cisco wies auf die Darstellung des Gebäudes. „Und wenn wir die Funklöcher von dort beginnend miteinander verbinden, sehen wir, wo Zoom überall war.“ Er verband die leuchtenden Punkte, die im Zick-zack durch die Straßen der Stadt führten, mit dem Finger zu einer imaginären Linie, die sich an einem Punkt – Union Street – gabelte und zu zwei Spuren wurde. „Hier, das ist die Stelle, an der er das Zeitrelikt geschaffen hat.“

    Barry nickte. „Ja, in der Gegend habe ich gemerkt, dass er kurzzeitig nicht mehr dicht hinter mir war.“ Er verfolgte die beiden Spuren der Punkte mit den Augen. Beide führten zuerst zu S.T.A.R. Labs, eine endete dort, während die die andere einen Abstecher in eines der Wohnviertel Central Citys machte, bevor sie ebenfalls wieder S.T.A.R. Labs erreichte. So hatte Zoom es geschafft, wieder einmal an zwei Orten zur gleichen Zeit zu sein, genau wie damals, als er aus dem Portal heraus „Jay“ ermordet hatte.

    An zwei Orten zur gleichen Zeit … Lens Vorschlag mit dem Köder … Barry rieb sich mit den Fingerspitzen die Stirn, als sich aus dem vagen Geistesblitz eine konkretere Idee formte. Nicht ganz dasselbe, nicht wirklich an zwei Orten zur gleichen Zeit, aber vielleicht gab es ja doch eine Möglichkeit, das Zoom zumindest glauben zu machen.

    „Er war in unserem Viertel!“, bemerkte Iris in dem Moment. Sie stand neben Barry und blickte stirnrunzelnd auf den Monitor, der Zooms Weg durch die Stadt anzeigte. „War er etwa in unserem Haus?“

    „Vermutlich, ja. Wie in der anderen Zeitlinie. Er hatte es auf Wally abgesehen“, bestätigte Barry. „Mit dem Unterschied, dass er dieses Mal keine Chance hat, ihn zu kriegen.“

    „Ja, er ist okay und dort, wo Zoom ihn sicher nicht finden wird. Er hat mir vorhin erst eine Sms geschrieben“, warf Joe ein.

    „Von euch aus ist Zoom dann direkt hierher gerannt“, sagte Caitlin und deutete auf die zweite Spur der Funklöcher.

    „Und er ist noch immer hier“, ergänzte Cisco. „Wir haben hier gerade drei Funkloch-Störfelder.“ Mit dem Zeigefinger zielte er auf die drei blinkenden Punkte, die auf der Karte teilweise miteinander verschmolzen. „Zoom 1 in seiner Zelle, Harry und Zoom 2, der sich offensichtlich noch immer hier aufhält.“ Er lächelte. „Also, Leute, zwei wichtige Informationen: Zoom 2 ist noch irgendwo hier im Gebäude und es gibt außer ihm keine weiteren Zeitrelikte. Was echt eine gute Nachricht ist.“

    Barry nickte ihm zu. „Ja, immerhin.“

    „Wir sehen aber nicht, wo genau im Gebäude der Bastard ist, oder?“, fragte Joe und trat näher. „Oder welcher dieser Punkte wer ist?“

    „Ich hatte gehofft, es wäre möglich, aber – nein“, erwiderte Harry. „Diese Darstellung ist alles, was wir haben.“

    „Er ist also hier irgendwo und muss eigentlich nur abwarten, bis das Eindämmungsfeld zusammenbricht. Und das dauert nicht mehr lange, weil uns einfach die Energie fehlt, es über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten“, sagte Caitlin und spielte nervös mit dem Saum ihrer Bluse.

    „Weiß Zoom das?“, warf Len ein. Er hatte nur einen kurzen Blick auf die Darstellung geworfen und lehnte jetzt an Ciscos Arbeitstisch.

    „Jay weiß mehr über die Vorgänge hier, als uns lieb ist, also – ja, vermutlich weiß er, dass er einfach nur abwarten muss“, bestätigte Barry.

    „Aber auch er hat nur begrenzt Zeit, da er die Zeitphantome fürchten muss“, warf Iris ein.

    „Okay.“ Barry begann auf und ab zu gehen – ein kläglicher Ersatz dafür, zu rennen, was er jetzt am liebsten tun würde, um seinen Kopf frei zu bekommen. „Wir wissen, dass er noch hier ist und dass wir schnell handeln müssen. Außerdem können wir davon ausgehen, dass er uns beobachtet hat und weiß, auf welche Weise wir Zoom 1 erwischt haben. Also, welche Falle könnten wir ihm stellen? Wie schaffen wir es, auch ihn sicher festzusetzen?“ Er blieb stehen, sah von einem zum anderen und hob hilflos die Schultern. „Ideen? Vorschläge? Denn, ehrlich, ich habe nichts.“

    „Schall“, warf Harry in den Raum und sah Cisco auffordernd an.

    „Genau“, begann Cisco und strich sich sein Haar aus dem Gesicht. „Diese Erde 2- Frequenz-Sache … es gäbe einen Weg, diese unterschiedlichen Frequenzen als Grundlage für eine Waffe zu verwenden, mit der wir Zoom buchstäblich lahmlegen können. Denn, stört man die Frequenz, mit der die Materie schwingt, stört man auch die Materie selber.“

    „Wie eine Opernsängerin, die mit ihrer Stimme ein Glas zerspringen lässt“, bemerkte Iris.

    „Exakt.“ Cisco deutete mit dem Finger bestätigend auf sie. „Ich habe da eine Idee und …“

    „Wir“, korrigierte Harry ihn.

    Cisco rollte die Augen. „Okay, okay, wir haben eine Idee. Ich habe gerade mit unserem Experten in Sachen Sound und Schallwellen telefoniert und das mit ihm durchgesprochen …“

    „Dem Drummer von Anthrax?“, warf Len trocken ein, was Joe mit einem nur mühsam unterdrückten Grinsen quittierte. Okay, wenigstens er schien eine Ahnung zu haben, wovon Len sprach.

    „Hartley Rathaway“, fuhr Cisco unbeirrt fort und schenkte Len ein Stirnrunzeln für die Unterbrechung. „Und er ist auch der Meinung, dass es funktionieren könnte. Wir müssen eine Art interdimensionale Stimmgabel konstruieren – keine große Sache, das kriegen wir hin – und dann einen Raum hier so präparieren, dass die Wände wie ein Brechungsfeld wirken. Wir senden in diesem Raum einen Impuls aus, der von den Wänden abprallt, sich aufteilt, immer wieder mit sich selbst kollidiert und sich verstärkt …“

    „Bis hin zu der höheren Frequenz von Erde 2“, fiel Caitlin ein. Sie lächelte. „Ja, das könnte wirklich funktionieren.“

    „Okay, und wenn dieser Impuls auf jemanden von Erde 2 trifft, dann …?“ Barry sah fragend von Cisco zu Harry.

    „Stört er dessen Nervensystem“, gab Harry die Antwort.

    „Was bedeutet: Gute Nacht, Zoom“, schloss Cisco die Ausführungen und verschränkte zufrieden die Arme vor der Brust.

    „Er klappt also einfach zusammen? Ist bewusstlos?“, vergewisserte Joe sich.

    Caitlin nickte. „Ja, so würde sich das auswirken.“

    „Klingt gut.“ Iris lächelte. „Aber wie bringen wir ihn dazu, in diesen Raum zu gehen?“

    Barry suchte Lens Blick und sagte langsam: „Da hätten wir eine Idee, Len und ich.“

    ***

    Etwa zwei Stunden später schallte Ciscos Stimme mit einem leicht panischen Unterton über die interne Lautsprecheranlage, die überall im Gebäude eingeschaltet war. „Hey, Leute, schlechte Nachrichten, ich muss gleich das Eindämmungsfeld auf den Cortex beschränken, sonst bricht uns hier die komplette Energieversorgung zusammen. Also alle hierher, aber pronto!“ Nach einem Moment fügte er hinzu: „Snart, das gilt vor allem für dich. Falls du noch immer in dem Lagerraum im Keller bist, dann verschwinde von dort, es ist höchste Zeit.“

    Barry spürte, wie sich sein Magen in Anspannung zusammenzog. Rasch justierte er die letzten Einstellungen an dem Projektor, den Cisco und Harry vorhin gründlich durchgecheckt hatten und bestätigte Cisco mit einem knappen „Okay“ über das Mikro in seinem Anzug, dass er verstanden hatte. Es konnte losgehen.

    Der große Lagerraum im Untergeschoss, in dem er sich jetzt alleine mit Len befand, war der perfekte Ort, um ihren Plan durchzuziehen. Nicht nur die Akustik des Raumes war ideal, hier waren sie auch weit genug vom Cortex entfernt, um Zoom eine echte Chance zu geben, den Köder zu schlucken. Zudem befand sich der Raum noch innerhalb des Eindämmungsfeldes – zumindest bis Cisco es gleich abschalten würde. Cisco und Harry waren bis vor ein paar Minuten damit beschäftigt gewesen, den Impulsgeber – die „Stimmgabel“ - zu installieren und einen Teil der Wände des Raumes entsprechend zu präparieren. Inzwischen waren sie mit den anderen im Cortex und damit erst einmal vor Zoom sicher.

    Len lehnte in der geöffneten Tür und beobachtete den langen Gang draußen. Solange das Eindämmungsfeld noch aktiv war, musste auch Zoom sich damit begnügen, die üblichen Wege in normalem Tempo zu nehmen und konnte nicht einfach durch Wände phasen und mitten im Raum auftauchen. Nur noch ein paar Minuten, dann sah das ganz anders aus.

    „Hey, Barry“, hallte Ciscos Stimme erneut über den Lautsprecher. „Ist Len noch immer da unten? Alle anderen sind schon hier, nur er fehlt noch und ich muss das Feld da unten jetzt abschalten. Ich gebe ihm noch eine Minute, Mann, mehr ist echt nicht drin, sorry.“

    Barry antwortete nicht. Eine Minute reichte nicht aus, um von hier unten in den Cortex zu kommen, selbst nicht, wenn Len sofort lossprinten und rennen würde. Er sah angespannt zu Len hinüber, der den Blick unverwandt auf den Gang gerichtet hielt. Hoffentlich hielt Zoom sie alle nur für entsetzlich leichtsinnig und naiv und merkte nicht, wie verdammt durchsichtig dieser ganze Plan war.

    „Wie steht‘s?“, ertönte Ciscos Stimme, dieses Mal direkt in seinem Ohr. „Ist Zoom schon zu sehen?“

    Len machte keine Anstalten sich von seiner Position wegzubewegen, also nein. Gerade als Barry Cisco antworten wollte, trat Len einen halben Schritt in den Gang hinaus, nur um sich gleich darauf wieder in den Lagerraum zurückzuziehen. Mit langen Schritten kam er auf Barry zu. „Er ist gerade am Ende des Ganges aufgetaucht.“
    „Sicher, dass er dich gesehen hat?“

    Len nickte knapp. „Definitiv.“ Er blieb vor Barry stehen und drückte kurz seine Schulter. „Es kann losgehen.“

    „Okay.“ Barry zwang sich zu einem Lächeln und holte tief Luft. Er wartete, bis Len sich, wie besprochen, hinter die in einer Ecke gestapelten mannsgroßen Transpostkisten zurückgezogen hatte, dann schaltete er den Projektor ein und kontaktierte Cisco über Funk. „Er ist da. Schalt das Feld hier unten aus.“

    „Okay, Mann“, bestätigte Ciscos Stimme direkt in seinem Ohr. „Denk‘ aber bloß dran, er muss innerhalb der Markierung sein, damit es funktioniert.“

    „Schon klar“, erwiderte Barry knapp. Besagte Markierung waren unauffällige Klebestreifen am Boden, die ein etwa 10 Quadratmeter großes Areal mitten im hinteren Bereich des großen Raumes kennzeichneten. Der Köder stand exakt positioniert genau dort, in Parka und Schutzbrille, die Coldgun an der Hüfte und sein bestes sardonisches Grinsen auf den Lippen. Barry schluckte hart. Es konnte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen so viel schiefgehen.

    „Barry“, schallte Ciscos Stimme erneut für alle hörbar über den Lautsprecher. „Ich kann nicht mehr warten, okay? Das Feld bei euch unten ist inaktiv in drei, zwei, eins …“

    Im selben Moment spürte Barry, wie sich die Atmosphäre des Raumes änderte, wie das seltsame Spannungsgefühl, das ihn in den letzten Stunden wie unsichtbare Fesseln umgeben hatte, verschwand. Er konnte seine Kräfte wieder gebrauchen.

    Genauso wie Zoom.

    Nur Sekundenbruchteile später zischte ein bläuliches Leuchten an Barry vorbei, fegte quer durch den Raum und hielt schließlich an - knapp außerhalb des markierten Bereichs. Verdammt!

    „Sieh an, Captain Cold und seine Anti-Speedster-Waffe“, sagte Zoom herablassend und musterte Len. „Schon wieder? Ist das alles, was ihr gegen mich aufzubieten habt?“

    „Sicher nicht! Ich bin auch noch da“, rief Barry und schloss zu Zoom auf, stand jetzt nur ein paar Schritte neben ihm, Len gegenüber.

    „Du bist wie immer zu langsam, Flash“, sagte Zoom wegwerfend und machte keinerlei Anstalten sich auch nur ansatzweise von Barry wegzubewegen. Ein deutliches Zeichen, wie überlegen er sich fühlte. „Wäre ich an deiner Stelle, hätte ich ihn“, er machte eine abschätzige Kopfbewegung in Richtung Len „schon längst zu den anderen in Sicherheit gebracht. Du hattest eine Zehntelsekunde – eine Ewigkeit nach unseren Maßstäben - und du hast sie vergeudet.“ Zoom lachte leise. „Aber gut, ich spiele gern. Wie wäre es dann mit einem kleinen Wettrennen zwischen uns? Der Einsatz ist sein Leben. Er ist dir doch so wichtig, also gib dein bestes.“

    „Du wirst verlieren“, sagte Barry mit fester Stimme, obwohl ihm das Herz bis zum Halse schlug. Zoom schien den Köder tatsächlich zu schlucken. Er musste nur noch ein paar Schritte weiter, musste sich nur innerhalb der Markierung befinden und dann …

    Plötzlich zog Len die Coldgun in einer fließenden, eleganten Bewegung und zielte auf Zoom. Schnell, aber nicht schnell genug. Noch bevor Len den Abzug betätigen könnte, würde Zoom ihn haben.

    Blaue Blitze sprühten und Barry spürte und sah, dass Zoom lossprintete. Kaum, dass er die Markierung passiert hatte und kurz bevor er Len berühren konnte - und merkte, dass er ins Leere griff - aktivierte Barry sein Funkmikro: „Jetzt Cisco!“

    Ein hohes, singendes Pfeifen erfüllte den Raum. Unangenehm, wie Tinnitus, aber erträglich.

    Doch nicht für Zoom. Er kam abrupt zum Halten, taumelte und hielt sich mit einem Aufstöhnen den Kopf. Blaue Blitze zuckten um seinen Körper, als er vergeblich versuchte, wegzurennen. Mit einem Aufschrei sank er in die Knie, versuchte sich nochmals aufzurappeln, brach dann aber endgültig zusammen. Reglos blieb er liegen. Barry war sofort neben ihm und ließ eine Anti-Meta- Fessel um Zooms Handgelenk zuschnappen. „Wir haben ihn“, teilte er Cisco über Funk mit.

    Das Pfeifen verstummte.

    Len kam hinter den Kisten hervor, die Coldgun lässig auf der Schulter und warf einen Blick auf Zoom. „Nett“, kommentierte er das groteske Bild, das sich ihm bot: Captain Cold, der mit gezückter Coldgun aus Zooms Oberkörper ragte. Barry schaltete den Projektor aus. Das Captain Cold-Hologramm flackerte und verschwand.
    Erst jetzt atmete Barry tief durch, seine Knie plötzlich weich, angesichts der Erleichterung, die ihn durchströmte. Er schenkte Len ein rasches, erschöpftes Lächeln. „Bloß gut, dass er nicht erst einmal eine Runde gedreht, die Lage sondiert und dich dabei hinter den Kisten entdeckt hat.“

    „War nicht anzunehmen.“ Len ließ die Coldgun im Halfter verschwinden und trat zu Barry. „Er verlässt sich komplett auf seine Geschwindigkeit. Damit wird seine größte Stärke zu seiner Schwäche.“ Seine Miene wurde weich. „Wir haben ihn, Barry.“

    Es war geschafft. Barry nickte nur und sah Len an, der direkt vor ihm stand, lebendig, mit einem leichten Lächeln, das seine Lippen umspielte und einem warmen Funkeln in den Augen. Er konnte den Blick nicht von ihm losreißen und er wollte …

    „Hey, Barry, Zooms Taxi ist gerade vorgefahren“, ließ sich Cisco in dem Moment über Funk vernehmen. „Ich habe Lyla Bescheid gesagt, dass sie zwei Passagiere hat, anstatt einem. Sie wartet auf dem Parkplatz.“

    Okay, es war fast geschafft.

    „Ich bring‘ ihn direkt zu ihr“, bestätigte er, die Augen noch immer auf Len gerichtet. Er trennte die Funkverbindung und sagte mit einem Seufzen: „Ich schaff‘ ihn lieber hier raus, bevor er wieder zu sich kommt. Alles andere …“

    „Später“, ergänzte Len warm. „Tu das. Ich helfe, den anderen Bastard aus seiner Zelle zu eskortieren.“

    Barry nickte. Rasch vergewisserte er sich, dass Zoom noch immer bewusstlos war und – wichtiger – dass die Handfessel richtig saß. Dann packte er ihn und rannte los.

    --------------------------

    Ja, ich weiß, vermutlich hat niemand geglaubt, dass es hier noch weitergeht. Aber ich habe bisher jede meiner Geschichten beendet - es war immer nur eine Frage der Zeit *hust* - also auch diese hier! Das nächste und letzte Kapitel gibt es spätestens Montag.

  5. Danke sagten:


  6. #104
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    Kapitel 20 - Das letzte Kapitel

    Es dämmerte bereits, als Len nur wenige Minuten später zusammen mit den anderen den großen, fast leeren Parkplatz vor dem S.T.A.R. Labs Gebäude betrat. Zoom 1 lief, durch die Anti-Meta-Handfesseln seiner Kräfte beraubt und zusätzlich mit Fußfesseln gesichert, zwischen Joe und Cisco, Len direkt hinter ihm, die Coldgun im Anschlag. Iris, Caitlin und Harry hatten es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, mitzukommen und das hoffentlich letzte Kapitel um Zoom live mitzuverfolgen.

    Ein paar Meter entfernt stand ein unscheinbarer weißer Van. Barry wartete dort bereits auf sie, zusammen mit einer zierlichen dunkelhaarigen Frau – Lyla Michaels, die Leiterin von A.R.G.U.S. vermutlich – und einem durchtrainiert wirkenden, dunkelhäutigen Mann.

    „Wohin soll es denn gehen?“, fragte Zoom. Die ersten Worte, die der Bastard überhaupt sprach, seitdem sie ihn aus seiner Zelle geholt hatten. Auch jetzt klang er eher gelangweilt als beunruhigt, in seiner Stimme nach wie vor dieser arrogante Ton, so als hätte er noch ein As im Ärmel. Len grinste leicht. Er konnte sich in etwa vorstellen, woher Zoom sich Hilfe erhoffte. Vergeblich, wie er gleich selber merken würde.

    Jetzt, nur noch ein paar Schritte von dem Van entfernt, war das hochfrequente Summen des Eindämmungsfeldes deutlich zu spüren. Dieser Van war nicht einfach nur ein Auto, sondern ein mit allem technischen Schnick-Schnack ausgerüsteter Transporter für Metawesen. Etwas, das Zoom in dem Moment auch aufzufallen schien. Er wirkte plötzlich nervös und sah sich hektisch um.

    „Suchst du jemanden?“, fragte Barry, als Zoom direkt vor ihm stand. Er öffnete die Hecktür des Vans, und gab den Blick auf den Gefangenen im Innern des Transporters frei: Zoom2, der zusammengesunken auf der schmalen Bank saß. „Dein Zeitrelikt ist genau hier.“

    Zoom blieb abrupt stehen. Dann stieß er hervor: „Es ist noch nicht vorbei, Flash. Er ist nicht der einzige.“

    „Doch, Mann, ist er, wir haben’s überprüft“, warf Cisco ein und Joe versetzte Zoom einen unsanften Stoß in Richtung des Vans.

    Plötzlich war die Luft erfüllt mit einem eigenartig singendem Zischen, als würde sich ein riesiger Insektenschwarm nähern. Lens Kopf ruckte hoch, in Richtung der Geräuschquelle. Am Himmel, direkt über dem S.T.A.R. Labs Gebäude, war ein Wolkenwirbel zu sehen, aus dessen leuchtendem Zentrum zwei Wesen herausflogen, die perfekt in jeden Horrorfilm gepasst hätten.

    „Zeitphantome!“, stieß Cisco hervor, stolperte einen Schritt zurück und prallte fast gegen Len. Hinter ihm schnappte jemand hörbar nach Luft.

    „Was zum …?“, murmelte Len und versuchte diese Dinger, die aussahen, wie schwarz-graue Skelette, an denen noch Reste von Fleisch und Kleidung hingen, im Blick zu behalten. Sie zischten im Tiefflug über ihre kleine Gruppe und den Van hinweg und für Sekundenbruchteile füllten tote schwarze Augenhöhlen und knochige, krallenartige Finger Lens Gesichtsfeld. Er ging unwillkürlich, so wie Joe und Cisco neben ihm ebenfalls, in Deckung. Zoom war zu Boden gesunken, zerrte panisch an seinen Fesseln und versuchte vergeblich Vibrationen zu erzeugen, um sich zu befreien.

    „Barry, verschwinde“, rief Iris – und Len erinnerte sich: Natürlich, diese Biester hatten es auf Speedster abgesehen, die mit der Zeitlinie spielen. Eine von Barrys Spezialitäten. Sein Blick flog zu Barry, der bereits über den Platz schoss um Abstand zwischen sich und diese Dinger zu bringen. Doch wenn das stimmte, was Len über sie gehört hatte, dann hatte Barry keine Chance. Alles in Len wurde eiskalt. Das durfte nicht sein, es konnte nicht so enden. Er packte Cisco am Arm, riss ihn zu sich herum und sah in seine weit aufgerissenen Augen. „Tu was, Ramon!“

    „Seht doch, sie wollen gar nicht ihn“, rief Caitlin. Len sah in die Richtung, in die ihr ausgestreckter Zeigefinger wies. Langsam ließ er Ciscos Arm wieder los. Die Zeitphantome verschwanden mit einem hohen Kreischen, wie Triumphgeheul, in dem Van und tauchten kurz darauf mit Zoom 2, der strampelnd und schreiend zwischen ihnen hing, wieder auf. Bloße Materie war offensichtlich kein Problem für diese hässlichen Bastarde, denn die Fesseln des Zeitrelikts waren verschwunden. Sie zerrten ihn mit sich, schwebten mit ihm ein paar Meter über Len und den anderen, bevor sie Kurs auf den Wolkenwirbel nahmen. Zoom 2 schrie noch immer. Kein Wunder, er schien bei lebendigem Leib zu verfaulen, sich aufzulösen, um selber zu einem Phantom zu werden.

    Aus dem Augenwinkel sah Len plötzlich blaue Blitze. Zoom stand nur ein paar Schritte neben ihm, seine Hände mit den Anti-Meta-Fesseln zitterten, nein – verdammt! - vibrierten, wurden zu einem unscharfen Fleck, blaues Leuchten zuckte um seinen Körper und …

    Alles um Len herum schien den Atem anzuhalten und verschwamm. Er hörte nur das Rauschen des Blutes in seinen Ohren, war sich der schweren, vertrauten Kälte der Coldgun in seiner Hand überdeutlich bewusst. Alles woran er denken konnte, war die Verzweiflung in Barrys Augen, wann immer er über Zoom sprach. Der Scheißkerl durfte nicht entkommen, nicht noch einmal.

    Len reagierte wie auf Autopilot. Erst als Zoom eingehüllt von einem zerstörerischen Eisstrahl am Boden lag, wurde Len bewusst, dass er den Abzug noch immer auf voller Leistung hielt, obwohl Zooms Körper längst zu Eis geworden war, die blauverfärbten Lippen in einem lautlosen Schrei geöffnet, der Blick tot und leer.

    Len atmete aus, ließ den Abzug los und die Waffe sinken, taumelte ein paar Schritte zurück und in dem Moment brach die Realität wie eine Welle von Geräuschen und Bildern über ihn herein:

    Joe, der mit gezogener Pistole neben ihm stand, der Knall des Schusses, nur Sekundenbruchteile zu spät. Das dumpfe Splittern, als sich die Kugel hinter Zooms Körper in den Asphalt grub.

    Ciscos überraschtes Aufkeuchen.

    Barry, der plötzlich in einem orangeroten Blitz auftauchte, neben Zoom in die Knie ging und nach Lebenszeichen tastete, obwohl der bläuliche Frostschleier auf Zooms Augäpfeln eindeutig war.

    Caitlin, die sich die Hand auf den Mund presste, ihre Miene irgendwo zwischen Erleichterung und Entsetzen.

    Iris hingegen atmete einfach nur auf, ganz eindeutig heilfroh, dass Barry okay war.

    Es war Harry, der als erstes das Schweigen brach. „Nun, damit wäre meine Erde wirklich wieder sicher.“

    Lyla schloss die Tür des Vans, die mit einem satten Klicken einrastete und sagte: „Eigentlich ist das kein Leichentransport, aber wir sollten in diesem speziellen Fall eine Ausnahme machen. Dann nehme ich wohl einen toten, anstatt zwei lebendige Metas mit.“

    „Ja, sieht wohl so aus“, murmelte Cisco und fügte lauter hinzu: „Dann wollen wir mal.“ Die Worte waren wie ein Startsignal und es kam wieder Bewegung in die kleine Gruppe.

    Len hatte nur Augen für Barry, der inzwischen wieder aufgestanden war, näherkam, und ihn mit einem Stirnrunzeln fragte: „Warum hast du ihn getötet und nicht das Coldfield benutzt?“

    Len blinzelte. Das war alles, was Barry jetzt einfiel? Natürlich war es das. Barry war Flash, immer der Held.
    West, der gerade seine Kanone wieder eingesteckt hatte, drehte sich bei Barrys Worten mit einer steilen Falte zwischen den Augenbrauen zu ihnen um, schwieg aber. Nun, was wollte er auch sagen, das war schließlich die sprichwörtliche Glashaus-Steine-Situation. Die Kugeln aus seiner Waffe waren bestimmt nicht aus Zuckerwatte.

    Aber es ging hier nicht darum, dass Zoom tot war – Barry weinte ihm sicher keine Träne nach – es ging um etwas anderes.

    Barrys nächste Worte, die er leise sprach, bestätigten das. „Hast du es wegen mir getan? Weil du wusstest, dass ich ihn tot sehen wollte, es aber nicht … nicht tun konnte?“

    Len holte Atem und hoffte, dass seine Stimme ihm gehorchte. Da war etwas an diesem ganzen Szenario, das ihn aufwühlte und gleichzeitig zu lähmen schien, wie ein Eisblock auf seiner Brust.

    „Nein“, sagte er schließlich. „Ich habe es getan, weil er kurz davor war, sich zu befreien. Wieder einmal. Und ganz sicher nicht zum letzten Mal. Man kann aus jedem Gefängnis entfliehen, Barry.“ Er zwang den Hauch eines schmalen Lächelns auf seine Lippen. „Glaub mir, ich habe etwas Ahnung davon. Zoom wäre wieder entkommen und hätte versucht, dich zu zerstören – auf welche Weise auch immer. Ich konnte es verhindern, also hab ich es getan. Denn …“ Len stockte. Es war in gewisser Weise unfair, es ausgerechnet jetzt zu sagen und sicherlich absolut unromantisch, aber es war nun mal sein Motiv. „Ich beschütze die, die ich liebe.“

    Er sah die Bedeutung seiner Worte bei Barry ankommen, sah, wie sein Blick weich wurde und er mit einem unwillkürlichen Lächeln den Kopf senkte, um Len dann mit feucht schimmernden Augen wieder anzusehen.

    Etwas in Len entspannte sich, ließ ihn wieder freier atmen.„Und wenn das bedeutet, einen gewissenlosen, kaltherzigen Bastard töten zu müssen, dann tue ich das“, fuhr er leise fort. „Das sollte keine neue Erkenntnis für dich sein.“

    Nach einem Moment nickte Barry. „Ich weiß.“

    Len sah in seinen Augen, dass er genau wusste, wovon er gerade gesprochen hatte. Lewis, dieses Schwein, sein eigener Vater, den er getötet hatte, damit Lisa vor ihm sicher war. Etwas, das Barry ihm vermutlich noch im derselben Sekunde verziehen hatte. Aber das hier, das war etwas anderes, er hatte getötet, damit Barry sicher war und das war für den immer opferbereiten Speedster schwerer zu schlucken.

    Barry öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch da rief Lyla nach ihm und winkte ihn zu sich.

    „Sorry.“ Mit einem Seufzen griff Barry kurz nach Lens Hand und drückt sie. Die Berührung war zwar durch seine eigenen Handschuhe und Barrys hindurch kaum spüren, aber es war die Geste, die zählte. „Wir reden später, okay?“

    Len nickte nur, plötzlich erschöpft und sah Barry nach, wie er mit West zusammen zu der Leiterin von A.R.G.U.S. ging. Später - das war anscheinend ihr neues Motto.

    „Hey.“ Cisco schlenderte auf ihn zu. „Das waren übrigens die Zeitphantome.“

    Okay, etwas Smalltalk. Vielleicht genau das richtige jetzt. „Du hast nicht übertrieben: Sie sind hässlich.“

    „Ja, absolut.“ Cisco schauderte. „Wie die Dementoren bei Harry Potter.“

    Len hob fragend die Augenbrauen.

    „Okaaay, soll das heißen, du … du hast Harry Potter nicht gesehen?“ Cisco wirkte so entsetzt, als hätte Len ihm eben gestanden, dass er glaubte, die Erde sei eine Scheibe und werde von Elefanten getragen.

    „Exakt.“

    „Echt, Mann? Das bedeutet, wir brauchen dringend einen Filmabend. Harry Potter muss sein.“ Er strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und lächelte dann breit. „Hey, Lisa und ich wollten uns bei Gelegenheit ein paar der Klassiker, die sie noch nicht kennt, reinziehen. Wir machen einfach einen Potter-Abend draus und du kommst mit Barry dazu. Lisa hat sicher nichts dagegen.“

    „Natürlich nicht“, bemerkte Len mit einem Blick gen Himmel. Wie er seine Schwester kannte, wartete sie nur auf eine solche Gelegenheit: Einen ganzen Abend mit ihm und Barry, um ihn später gnadenlos damit aufzuziehen, wie eindeutig hoffnungslos verschossen er in ihn war.

    Offensichtlich wertete Cisco das als Lens Zustimmung, denn er zeigte ihm nur rasch seinen hochgereckten Daumen, zückte dann sein Handy und sagte, während er tippte: „Dann müssen wir uns nur noch auf einen Tag einigen. Ich frag Lisa, du Barry, okay?“

    „Klar doch“, bestätigte Len sarkastisch. „Steht ganz oben auf meiner To-Do-Liste.“

    „Super!“ Cisco strahlte ihn an, der Sarkasmus komplett an ihm verloren. Len fragte sich, was genau seine Schwester Cisco alles über ihn erzählt hatte. Sein über Jahre mühevoll aufgebauter Ruf als Superschurke war definitiv dahin.

    ***

    „Später“ hatte Barry gesagt und das war ein sehr dehnbarer Begriff, wie Len gerade bemerkte. Sie alle waren wieder im Cortex und Barry schien überall gleichzeitig zu sein und mit tausend Dingen beschäftigt. Er rannte mit Iris nach Hause, um sich zu vergewissern, dass Zoom bei der Suche nach Wally wenigstens das West’sche Haus in einem Stück gelassen hatte – was der Fall zu sein schien, wie Iris‘ offensichtliche Erleichterung bei ihrer Rückkehr zeigte.

    Dann holte er Pizza für alle – von Keystone natürlich - und befreite mit Ciscos Hilfe Zooms Gefangenen von Erde 2. Ein Mann, dessen Kopf komplett von einer an mittelalterliche Rüstungen erinnernden Maske bedeckt war, die aber anscheinend voller hochmoderner Technik steckte. Cisco und Harry waren dabei einen Weg zu finden, um sie zu öffnen, ohne selber ein paar Finger zu verlieren – oder der Mann in der Maske seinen Kopf.

    Len hatte sich mit seinem Stück Pizza in eine ruhige Ecke verzogen, saß auf dem Boden, den Rücken an die Wand gelehnt, die Beine von sich gestreckt. Alles, was er in den letzten Stunden von Barry gesehen hatte, war eine orangerote Leuchtspur. Mehr oder weniger.

    Und jetzt stand er etwas abseits von den anderen und redete mit Joe West. Besser gesagt, West redete mit ihm und diese Tatsache und der ernste Gesichtsausdruck der beiden, inklusive Wests Hand auf Barrys Schulter sah verdächtig nach dem Erteilen väterlicher Ratschläge aus. Len konnte sich in etwa denken, worum es ging, vor allem, da Wests Blick immer wieder zu ihm huschte.

    Die paar Bissen von seiner Pizza, die er bereits gegessen hatte, lagen plötzlich wie Steine in seinem Magen. Er legte den Rest auf seinen Teller zurück und stand auf. Ein Gespräch mit West würde zwar sicher nicht reichen, um Barry dazu zu bringen, diese Sache zwischen ihnen zu beenden, aber es konnte bereits vorhandene Zweifel verstärken. Vor allem nach dem, was er heute getan hatte. Und wenn Len irgendwann in Zukunft Mist baute – und das würde er, trotz aller guten Vorsätze, er kannst sich zu gut um sich diesbezüglich etwas vorzumachen, dann …

    „Geschafft!“, rief Cisco in dem Moment und die Maske öffnete sich mit einem vernehmbaren Klicken. Darunter erschien das bärtige Gesicht eines Mannes, der Len nicht unbekannt war.

    Barry hatte sich bei Ciscos Ausruf zu ihm umgedreht und seine Miene wechselte von Erstaunen zu verhaltener Freude. Er sagte noch kurz etwas zu West, dann ging er mit langen Schritten zu der kleinen Gruppe, die sich inzwischen um Zooms ehemaligen Gefangenen gebildet hatte und schüttelte ihm enthusiastisch die Hand.

    Lens Blick wanderte zu West, der wiederum Barry mit offenkundiger Zuneigung beobachtete. Dann, als würde er spüren, dass er beobachtet wurde, gab er sich sichtlich einen Ruck und kam auf ihn zu. „Snart.“

    „Detective West“, sagte Len ausdruckslos und wappnete sich für die eine oder andere Version von ‚Du hast Barry nicht verdient‘. Was ihm durchaus bewusst war, aber er konnte verflucht gut darauf verzichten, es insbesondere von Joe West zu hören.

    West blieb vor ihm stehen, rieb sich mit den Fingerspitzen die Stirn, setzte zum Reden an, zögerte und sagte dann schließlich: „Wegen vorhin, was du mit Zoom getan hast: Für mich war das ganz klar Notwehr.“ Er hob kurz die Schultern. „Wer weiß, ob das Coldfield ihn überhaupt aufgehalten hätte. Die Handfesseln haben es ja auch nicht.“

    „Ja, wer weiß“, sagte Len langsam und versuchte die Überraschung aus seiner Stimme herauszuhalten, denn damit hatte er absolut nicht gerechnet.

    West nickte und fixierte Len. „Als ich vorhin geschossen hab, hab ich nicht auf seine Knie gezielt, sondern auf seinen Kopf.“

    Okay, das war nicht wirklich neu, Len hatte es vermutet, angesichts der Position von Wests Arm, als er abgedrückt hatte. Aber West hätte es nicht sagen müssen. Er hätte es vor allem ihm nicht sagen müssen.

    Er sah Len noch immer an, schien auf eine Reaktion zu warten und als keine kam, fuhr er fort: „Das hab ich eben auch zu Barry gesagt. Falls du dich fragst, worüber wir geredet haben. Hab deine besorgten Blicke gesehen.“

    Len runzelte die Stirn. „Besorgt?“, wiederholte er und die Welt von Sarkasmus, die er in dieses eine Wort fließen ließ, kam ganz automatisch, ein Reflex als Reaktion darauf, so transparent zu sein. Er neigte den Kopf leicht zur Seite und sah West spöttisch an. „Weswegen sollte ich be…?“

    „Verschon mich mit dem Bullshit, Snart“, unterbrach West ihn, überraschend sanft und fast schon freundlich, trotz der harschen Worte. Er musterte Len und schüttelte schließlich mit einem Hauch Amüsement den Kopf. „Barry hat einen Narren an dir gefressen, aber ich hab‘ dich beobachtet. Du bist kein Stück besser dran, was deine Gefühle für ihn angeht.“ Um seine Lippen zuckte es. „Beruhigt mich tatsächlich.“

    Das war … Len schluckte nur und wusste in dem Moment wirklich nicht, was er sagen sollte, oder was seine Miene gerade preisgab. Anscheinend das richtige, denn West nickte ihm sichtlich zufrieden zu, bevor er sich zum Gehen wandte. Nach ein paar Schritten drehte er sich wieder zu ihm um. „Nächsten Samstag sehe ich euch beide zum Familienessen, Leonard. 19.00 Uhr.“ Er zielte mit dem Zeigefinger auf ihn. „Und ich verlass mich drauf, dass du es schaffst, meinen Sohn dazu zu bringen, pünktlich zu sein.“

    Len blinzelte und sah ihm nach, wie er langsam zu den anderen hinüberging, die sich noch immer angeregt mit Zooms ehemaligem Gefangenen unterhielten. Er blieb lieber wo er war, denn jetzt war ihm nicht nach Gesellschaft. Außer nach der Gesellschaft einer bestimmten Person. Er setzte sich einfach wieder, schloss die Augen, lehnte den Kopf an die Wand in seinem Rücken und hing seinen Gedanken nach. FamilienessenLeonard. Ein Lächeln zuckte um seine Lippen. Das sollte sich nicht so gut anfühlen, wie es das tat.

    Es dauerte nur ein paar Minuten, bis er hörte, dass Barry auf ihn zukam. „Hey.“

    Len öffnete die Augen und sah zu ihm hoch. „Hey.“

    „Alles okay?“ Barry wirkte nervös, erschöpft und trotzdem auf eine Weise entspannt, wie schon lange nicht mehr. „Wegen Joe, meine ich. Weil ihr eben geredet habt.“ Das erklärte zumindest die Nervosität.

    „Alles bestens. Ich schätze, er hat uns irgendwie seinen Segen gegeben.“

    Barry errötete etwas, senkte lächelnd den Kopf und rieb sich den Nacken. „Ja, ich glaub‘ er kommt so langsam damit klar.“ Mit einem müden Seufzen ließ er sich ebenfalls zu Boden sinken, setzte sich neben Len, so dass ihre Schultern sich berührten, die langen Beine von sich gestreckt. „Was für ein Tag. Und ich kann noch nicht hier weg. Wir müssen Harry noch verabschieden, er will wieder zu Erde 2 zurück.“ Er warf Len einen raschen Seitenblick zu, fuhr sich kurz durch die Haare und begann dann zögernd: „Wegen Zoom … Ich bin froh, dass er … fort ist. Für immer. Ich wünschte nur, die Umstände wären anders gewesen, dass nicht du ihn hättest töten müssen.“

    „Dann hätte Joe es getan.“

    „Ja. Hat er mir gerade gesagt.“ Barry seufzte. „Auch nicht ideal.“

    „Ideal wäre ein Ende, in dem der Böse sich selber richtet, einen tödlichen Unfall hat oder von einer dritten Seite erledigt wird, die plötzlich nur zu diesem Zweck auftaucht“, sagte Len ironisch. „Wie im Film. Es gibt keine Gefahr mehr, aber die Helden haben nichts von ihrem Glanz verloren. Die Realität sieht meist anders aus.“

    Barry sah auf seine Hände, die auf seinen Oberschenkeln lagen und nickte. „Ich weiß“, sagte er leise, rutschte ein wenig und lehnte sich schwerer an Len. Barry war warm, sein Haar kitzelte Lens Hals und er spürte jeden seiner Atemzüge.

    Es war ein seltsam zeitloser Augenblick, ein Moment der Ruhe, er und Barry, aneinander gelehnt auf dem Boden im Cortex von S.T.A.R. Labs, während alles um sie herum irgendwie weiterlief und der Rest der Truppe keine Notiz von ihnen nahm. Harry war verschwunden – Packen, vermutlich – die anderen waren noch immer hauptsächlich mit dem Neuankömmling beschäftigt.

    „Wer ist der Masken-Mann?“, fragte Len schließlich, auch wenn es ihm leidtat das Schweigen zu brechen.

    „Der Flash von Erde 3. Jay Garrick. Der echte Jay Garrick.“ Barrys Lächeln war in seiner Stimme zu hören. „Verrückt, oder? Zoom hat seine Identität gestohlen und ihm diese Maske verpasst, um seine Kräfte zu unterdrücken.“

    Diese Parallel-Universen-Sache war doch immer wieder für Überraschungen gut. „Er sieht aus wie dein Dad.“

    „Ihr kennt euch?“, fragte Barry und hob den Kopf von Lens Schulter um ihn anzusehen. „Aus Iron Heights?“
    „Kennen ist zu viel gesagt. Wir sind uns über den Weg gelaufen, vor ein paar Jahren, mehr nicht. Er hatte den Ruf, der einzige in dem ganzen Haufen zu sein, der wirklich unschuldig ist. Deswegen hab‘ ich sein Gesicht nicht vergessen. Dass er sich an mich erinnert, glaub‘ ich nicht.“ Len hatte schon immer darauf geachtet, im Knast die Füße stillzuhalten und alles daranzusetzen, schnell wieder rauszukommen.

    „Okay.“ Barry wirkte erleichtert. „Seitdem mein Dad wieder draußen und rehabilitiert ist, hat er sich in seine Hütte im Wald zurückgezogen. Ich hab ihn eine Weile nicht gesehen. Wenn ich ihn das nächste Mal besuche – würdest du mitkommen? Ich möchte, dass ihr euch kennenlernt.“

    Oh, natürlich, das gehörte auch zu einer Beziehung – die Familie kennenlernen. Was Neuland für ihn war und daher auf ungewohnte Weise verunsichernd und aufregend zugleich. Er sollte bei Gelegenheit Mick einladen und ihm Barry vorstellen. Bisher kannte er nur Flash, genauso wie Barry in erster Linie Heatwave kannte.

    Er spürte Barrys fragenden Blick auf sich und sagte warm: „Lässt sich sicher einrichten.“

    „Super, danke.“ Barry nickte erleichtert, griff nach seiner Hand und verschränkte ihre Finger miteinander.
    A propos Familie … „Cisco plant anscheinend einen Harry-Potter-Filmabend mit uns beiden und mit meiner Schwester.“

    Barry wirkte dezent entsetzt. „Eine Art … Doppel-Date?“

    „Hm.“

    „Cisco ist mein bester Freund und ich mag Lisa, aber wollen wir das wirklich?“

    „Nein“, erwiderte Len trocken. „Aber wie’s aussieht, hat Lisa schon Wind davon bekommen und jetzt wird sie nicht mehr locker lassen. Also müssen wir.“

    „Okay“, sagte Barry schicksalsergeben und ließ sich wieder gegen Len sinken.

    „Wir sind auch bei deinen Leuten zum Essen eingeladen“, bemerkte Len und streichelte mit dem Daumen selbstvergessen über Barrys Fingerknöchel.

    „Samstag 19.00 Uhr, ich weiß.“

    „Irgendetwas, was ich vorher wissen sollte?“

    „Iris wird dich interviewen wollen, Wally findet dich mit Sicherheit total cool und da Joe es war, der dich eingeladen hat, besteht höchstens die Gefahr, dass er nach dem zweiten Bier anfängt, dir peinliche Kinderfotos von mir zu zeigen.“

    Len grinste. „Kann’s kaum erwarten.“

    „Übrigens, da fällt mir gerade etwas ein. Es ist …“, Barrys Lächeln wurde plötzlich schelmisch, als er sich aufrichtete und Len zuwandte. In seinen Augen funkelte nicht nur Lachen, sondern die inzwischen nur zu gut bekannten rot-gelben Blitze, die …

    Len schnappte nach Luft, als der Ausgang des Cortex auf ihn zuraste. Als er wieder ausatmete fand er sich in einem komplett anderen Raum wieder, mit dem Rücken an der Wand. Barry stand direkt vor ihm, die Hände links und rechts von Lens Kopf flach an der Wand und lächelte. „Später“, beendete er seinen Satz.

    Es war das kleine Labor, in das Barry ihn erst vor ein paar Tagen geführt hatte, wie Len feststellte, nachdem das leichte Gefühl der Desorientierung verschwunden war. „Und wir sind alleine“, bemerkte er und hob vielsagend die Augenbrauen.

    „Genau.“ Barrys Lächeln wurde sanft, dann nahm er Lens Gesicht zwischen die Hände und küsste ihn – tief und leidenschaftlich, keineswegs sanft und absolut nicht für Publikum bestimmt. So als wolle er all das nachholen, was sie die letzten Tage versäumt hatten und noch etwas mehr. Eine verdammt gute Idee! Len ließ seine Hände auf Barrys Hüften fallen und zog ihn enger an sich, während er den Kuss in gleicher Weise erwiderte.

    „Das“, sagte Barry als er seine Lippen nach einem langen Moment von Lens löste, „wollte ich schon eine ganze Weile tun.“ Seine Brust hob und senkte sich unter raschen Atemzügen, seine Pupillen waren geweitet, seine Stimme rau.

    „Nicht nur du und nicht nur das. Wie viel Zeit haben wir?“, wisperte Len gegen Barrys feuchte, vom Küssen knallrote Lippen.

    „Jetzt? Nur noch ein paar Minuten, leider.“ Barrys Lachen war atemlos. Er stahl einen weiteren Kuss, bevor er sich etwas von Len löste, um ihm besser in die Augen sehen zu können und sagte dann, einen Hauch ernster: „Aber ganz allgemein – für immer?“

    Es war eines dieser Versprechen, die niemand halten konnte, denn nichts war wirklich für immer, was Barry sicher auch bewusst war – aber egal. Len würde es versuchen. Sie würden es versuchen. Gemeinsam.

    Len lehnte seine Stirn gegen Barrys. „Für immer klingt genau richtig.“

    ~Ende~

  7. Danke sagten:


  8. #105
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Kapitel 20

    Ich kann Barry verstehen, dass er Len, bzw. niemanden aus dem Team als Köder für Zoom2 einsetzen möchte. Ist doch egal, was Joe denkt, wenn sie sich umarmen. Sie brauchen einfach die Nähe des Partners. Tut unter dem ganzen Stress einfach nur gut.

    Ich finde, die Zeitphantome hätten sich ruhig mal beeilen können, um Zoom2 abzuholen.

    Das mit dem Schall ist eine gute Idee und scheint zu funktionieren, bin gespannt, wie lange sie Zoom2 so gefangen halten können.

    Kapitel 21

    Len reagierte wie auf Autopilot. Erst als Zoom eingehüllt von einem zerstörerischen Eisstrahl am Boden lag, wurde Len bewusst, dass er den Abzug noch immer auf voller Leistung hielt, obwohl Zooms Körper längst zu Eis geworden war, die blauverfärbten Lippen in einem lautlosen Schrei geöffnet, der Blick tot und leer.
    Gut gemacht Len, super!
    „Hast du es wegen mir getan? Weil du wusstest, dass ich ihn tot sehen wollte, es aber nicht … nicht tun konnte?“
    Es ist doch egal aus was für Gründen Len in getötet hat. Hauptsache er stellt keine Gefahr mehr für alle, vor allem für Barry da.

    „Glaub mir, ich habe etwas Ahnung davon. Zoom wäre wieder entkommen und hätte versucht, dich zu zerstören – auf welche Weise auch immer. Ich konnte es verhindern, also hab ich es getan. Denn …“ Len stockte. Es war in gewisser Weise unfair, es ausgerechnet jetzt zu sagen und sicherlich absolut unromantisch, aber es war nun mal sein Motiv. „Ich beschütze die, die ich liebe.“
    Das hat er wirklich sehr schön gesagt, wenn es auch ein etwas unpassender Moment ist. Aber endlich hat er es gesagt.

    „Nächsten Samstag sehe ich euch beide zum Familienessen, Leonard. 19.00 Uhr.“ Er zielte mit dem Zeigefinger auf ihn. „Und ich verlass mich drauf, dass du es schaffst, meinen Sohn dazu zu bringen, pünktlich zu sein.“
    Oh man, das wurde aber auch Zeit, dass West mehr oder weniger offiziell seinen Segen zu der Beziehung gegeben hat. Barry fühlt sich damit viel besser und auch Len braucht das, auch wenn er es nie zugegen würde.

    Es ist schön, dass Barry Len seinen Vater vorstellen möchte, ebenso dass Len ihm Mick vorstellen möchte.


    „Übrigens, da fällt mir gerade etwas ein. Es ist …“,
    „Später“, beendete er seinen Satz.
    Das hat Barry toll eingefädelt.

    Wie viel Zeit haben wir?“, wisperte Len gegen Barrys feuchte, vom Küssen knallrote Lippen.
    „Jetzt? Nur noch ein paar Minuten, leider.“ „Aber ganz allgemein – für immer?“
    „Für immer klingt genau richtig.“
    Sie würden es versuchen. Gemeinsam.
    Ach ja *seufz*, ich hoffe, sie bekomme es für immer hin. Sie haben es mehr als verdient, endlich glücklich zu sein.

    Das war eine tolle Geschichte, schade, dass sie nun vorbei ist. Sie hat mir sehr gut gefallen, Dankeschön dafür.
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  9. Danke sagten:


  10. #106
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Danke Antares, John's Chaya und Saffier für eure Dankes.

    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Ist doch egal, was Joe denkt, wenn sie sich umarmen. Sie brauchen einfach die Nähe des Partners. Tut unter dem ganzen Stress einfach nur gut.
    Das stimmt! Es macht sich auch keiner der beiden wirklich einen Kopf, was Joe denkt (Len sowieso nicht *g*) - Barry ist halt nur amüsiert, dass Len es offensichtlich nicht lassen kann Joes Blutdruck durch ein Demonstrieren ihrer Beziehung in die Höhe zu treiben.

    Das mit dem Schall ist eine gute Idee und scheint zu funktionieren, bin gespannt, wie lange sie Zoom2 so gefangen halten können.
    In der Serie hatten sie ja die ganzen Erde-2-Metawesen durch diese Schallwaffe ausgeschaltet, nur Zoom war in letzter Sekunde durch ein Portal zu Erde 2 geflohen (wobei, wenn ich mich recht erinnere, nicht einmal erklärt wurde, wie Zoom ein Portal öffnen konnte )

    Es ist doch egal aus was für Gründen Len in getötet hat. Hauptsache er stellt keine Gefahr mehr für alle, vor allem für Barry da.
    Barry sieht es eben nicht ganz so. Er hätte ein Problem damit, wenn Len quasi für ihn die "Drecksarbeit" erledigen würde, bzw. in dem Fall erledigt hätte. Lens Motiv überzeugt ihn dann aber.

    Das hat er wirklich sehr schön gesagt, wenn es auch ein etwas unpassender Moment ist. Aber endlich hat er es gesagt.
    Ich habe nach einer passenden Gelegenheit gesucht, ihn das sagen zu lassen.
    Oh man, das wurde aber auch Zeit, dass West mehr oder weniger offiziell seinen Segen zu der Beziehung gegeben hat. Barry fühlt sich damit viel besser und auch Len braucht das, auch wenn er es nie zugegen würde.
    Ja, das stimmt! Wobei ich denke, dass Len es vor allem deswegen wichtig ist, weil er weiß, dass Barry es braucht. Ich denke, Len ist es (zu diesem Zeitpunkt zumindest noch) relativ egal, was irgendwer außer Lisa, Barry, Mick und vielleicht Sara und die anderen Legends (außer Rip) von ihm denkt. Aber Barry ist nunmal ein Familienmensch und ihn - und damit auch die Beziehung zwischen Barry und Len - würde es auf Dauer sehr strapazieren, wenn Joe aktiv gegen die Beziehung wäre.

    Es ist schön, dass Barry Len seinen Vater vorstellen möchte, ebenso dass Len ihm Mick vorstellen möchte.
    Familie ist eben wichtig.
    Ach ja *seufz*, ich hoffe, sie bekomme es für immer hin. Sie haben es mehr als verdient, endlich glücklich zu sein.
    Ja, das finde ich auch!

    Das war eine tolle Geschichte, schade, dass sie nun vorbei ist. Sie hat mir sehr gut gefallen, Dankeschön dafür.
    Das freut mich sehr! Vielen lieben Dank für's Dranbleiben und für dein Feedback. *knuddel*

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