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Thema: Stargate - ...Until You Reach the Gates of Hell

  1. #1
    Senior Airman Avatar von Mix
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    Standard Stargate - ...Until You Reach the Gates of Hell

    Titel: Stargate - ...Until You Reach the Gates of Hell
    Autor: Mix
    Serie:SG-1, ein wenig SGA
    Genre: Drama, Action
    Charakter(e)/Pairing(s): Diverse Charaktere aus dem SG Universum, sowie eigene
    Rating/Warnings: Ab 16, Character Death
    Staffel/Spoiler: Spielt nach SGA Staffel 5, es kann also durchaus Bemerkungen über alles, was davor passiert, geben
    Disclaimer: Alle bekannten Charaktere etc. gehören MGM. Ich schreibe diese Geschichte nur aus Spaß an der Freude.
    Anmerkung des Autors: Dies ist meine erste Stargate Fanfiction und auch die erste, die im Science Fiction Bereich liegt. Sie spielt in einiger Zukunft nach SGA Staffel 5, wobei Atlantis wieder in der Pegasus-Galaxie liegt. In wie weit SGU eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten. Möglich, dass es mal erwähnt wird, mehr aber sicher nicht.
    Aktueller Status: Fertiggestellt
    Feedback: Nehm ich gern Egal ob positiv oder negativ, immer her damit.

    Und jetzt viel Spaß!



    Prolog

    Müde schleppte sich Colonel Steven Caldwell durch die Gänge der Daedalus. Nach einem anstrengend monotonen Arbeitstag war er nun auf den Weg in sein Quartier, um sich seinen wohlverdienten Schlaf zu gönnen. Das Erdenschiff, über das er die Befehlsgewalt hatte, befand sich wieder einmal auf einem Flug nach Atlantis. Etwa drei Wochen dauerte die Reise von der Erde dorthin und währenddessen gab es meist nicht viel zu tun. In mancher Hinsicht war dies ebenso anstrengend wie die Bewältigung eines folgenschweren Zwischenfalls. Denn eingesperrt in diesem Schiff, gab es keinen Rückzugspunkt für die Psyche, keinen Ort an dem sich der Geist von der tristen Monotonie erholen konnte, denn diese war überall. Einziger Lichtblick war die Ankunft in Atlantis. Dort konnte Steven nach draußen treten, entspannt die Augen schließen, die angenehme Seeluft einatmen und spüren, wie ihm der Wind sanft durch sein spärliches Haar wehte.

    Endlich hatte er die Tür zu seinem Quartier erreicht. Gerade hatte er seinen Arm erhoben, um dem Erkennungssensor mitzuteilen, dass er eintreten wollte, da hörte er plötzlich eine vertraute Stimme hinter sich.

    „Oh, Colonel, noch auf den Beinen, Sir?“

    „Nicht mehr lange, hoffe ich“, erwiderte Steven, während er sich umdrehte, um der Person ins Gesicht sehen zu können. Es war Dr. Lindsey Novak aus dem Maschinenraum.

    „Verstehe“, sagte Novak. Sie klang nervös, was den Colonel aber nicht wunderte. Die Wissenschaftlerin klang eigentlich immer nervös. „Auch Führungsoffiziere brauchen Schlaf, nicht wahr?“ Sie lachte verlegen.

    „Kann ich etwas für Sie tun, Doktor?“, fragte Steven höflich, aber bestimmt, um die Unterredung nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Er sehnte sich sehr nach seinem Bett.

    „Oh, nein, Sir“, entgegnete Novak rasch. „Ich wollte Sie nicht aufhalten. Ich kam nur gerade entlang des Weges und sah Sie und dachte, ich sage... ‚Hallo’...“

    Der Colonel hob erwartungsvoll eine Augenbraue.

    Die Wissenschaftlerin verstand dies offenbar als Zeichen, schnell das Weite zu suchen. „Gute Nacht, Sir.“ Dann verschwand sie.

    „Gute Nacht, Novak“, sagte Steven leise. Dann öffnete er endlich die Tür zu seinem Quartier, schloss sie hinter sich wieder und ließ sich erschöpft auf sein Bett fallen. Gerade überlegte er, dass er zumindest noch seine Arbeitsklamotten ausziehen und sein Funkgerät ablegen könnte, um anschließend geruhsam einzuschlafen, da meldete sich plötzlich letzteres.

    „Sir, wir haben hier etwas, das Sie sich ansehen sollten“, schallte Major Marks’ Stimme durch das Gerät an seinem Ohr.

    „Kann das nicht warten, Major?“, brummte Steven zurück, nachdem er sich dazu durchgerungen hatte, den Senden-Knopf seines Funkgeräts zu drücken.

    „Ich fürchte nicht, Sir“, war die entmutigende Antwort. „Wir haben hier ein paar Fehlermeldungen und... nun ja, Sie müssen sich das wirklich ansehen.“

    An der angespannten Stimme erkannte Steven, dass es dem Major tatsächlich wichtig war, dass der Colonel seinen wohlverdienten Schlaf bis aufs Weitere verschob und an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. „Bin schon unterwegs“, sagte er schließlich, wenn auch nicht gerade enthusiastisch.

    ----------

    Zehn Minuten später war er wieder auf der Brücke. „Was haben wir, Major Marks?“, fragte er, während er zielstrebig zu seinem Kommandostuhl ging. Er entschied sich jedoch, stehen zu bleiben. Von seiner Müdigkeit war plötzlich nichts mehr zu spüren. Vor seinen Untergebenen konnte er es sich nicht leisten, sich hängen zu lassen.

    „Einige Systeme verweigern den Dienst, Sir“, antwortete Marks rasch. Er saß an der Steuerkonsole. „Bis jetzt sind keine der wichtigeren Systeme betroffen, aber wir wissen nicht, was da los ist. Dr. Novak arbeitet bereits an dem Problem.“

    „Und was ist es, das ich mir genauer ansehen soll?“, wollte der Colonel jetzt wissen. Dass einige Systeme nicht korrekt arbeiteten, war zwar ungewöhnlich, er bezweifelte aber, dass dies allein etwas war, was den Major dazu bewogen haben könnte, ihn zurück auf die Brücke zu holen. Komplikationen dieser Art konnten die Techniker normalerweise ohne ihn beheben.

    „Sir, wir haben eine Nachricht bekommen, zeitgleich mit dem Versagen der ersten Systeme.“

    „Eine Botschaft?“, echote Steven.

    „Ja, Sir“, bestätigte Marks, „nur ein Text, sonst nichts.“

    „Auf den Schirm damit“, befahl der Colonel.

    Der Major betätigte ein paar Tasten an seiner Konsole und augenblicklich erschienen Wörter auf dem großen Kommunikationsbildschirm, deren Bedeutung Colonel Caldwell nicht zu entschlüsseln vermochte.


    Das Tor zur Hölle steht offen und das Böse ergießt sich daraus wie eine unaufhaltsame Flutwelle der Abscheulichkeit.
    Das Universum wird in einen Schleier des Todes getaucht und alles schweigt.
    Die Zukunft ist verdammt.
    Das Tor steht offen.


    Irritiert las der Colonel die Zeilen noch einmal, ohne dabei ihrem Sinn näher zu kommen. „Falls sich irgendjemand hier in der Lage sieht, mir mitzuteilen, was das bedeuten soll, so sollte derjenige jetzt sprechen“, sagte er nach einer Weile. Wie er jedoch erwartet hatte, antwortete niemand.

    „Oh oh“, sagte plötzlich Major Marks in die Stille, während derer die gesamte Besatzung der Brücke auf den Schirm gestarrt hatte.

    „Was ist los, Major?“

    „Sir, wir haben gerade ein weiteres System verloren. Unsere Waffen sind außer Gefecht.“

    „Was?“

    „Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte, Sir“, sagte Marks angespannt, während er hektisch auf einige Tasten an seiner Steuerkonsole hämmerte.

    Steven aktivierte sein Funkgerät. „Novak“, bellte er, „was ist da los?“

    „Ich weiß nicht, Sir“, ertönte die ängstliche Stimme der Wissenschaftlerin. „Es scheint, als würden nach und nach alle Systeme den Geist aufgeben, aber ich konnte immer noch nicht herausfinden, warum.“

    „Schilde und Lebenserhaltung?“

    „Noch nicht betroffen.“

    Wenigstens etwas, dachte Steven.

    „Sir!“, rief plötzlich Major Marks. „Wir treten gleich aus dem Hyperraum!“

    „Nicht der Hyperraumantrieb...“, stöhnte Steven.

    „Er ist nicht selbst betroffen“, erklärte der Major, während er konzentriert auf seinen Bildschirm sah. „Aber irgendetwas scheint den Schiffscomputer so programmiert zu haben, dass unsere Reise gleich endet.“

    „Wie ist denn das möglich?“, fragte der Colonel, der hilflos mit ansehen musste, wie sein Schiff nach und nach seiner Kontrolle entrissen wurde. Wieder sprach er in sein Funkgerät: „Novak, tun Sie etwas dagegen!“

    „Das versuche ich, Sir, aber ich kriege einfach keinen Zugriff.“

    Rasch setzte sich Steven auf seinen Stuhl und drückte eine Taste auf der Armlehne. Dadurch war seine Stimme nun aus allen Lautsprechern der Daedalus zu hören. „Hier spricht Colonel Caldwell. Volle Bereitschaft auf allen Decks. Das Schiff wird in wenigen Sekunden eigenwillig den Hyperraum verlassen. Unsere Waffen sind ausgefallen. Wir wissen nicht, was los ist, aber es könnte ungemütlich werden.“ Während er das sagte, warf er den Worten, die immer noch auf dem Bildschirm prangten, einen argwöhnischen Blick zu. „Ich hoffe, ich irre mich, aber falls nicht, weiß ich, dass ich mich auf Sie verlassen kann. Viel Glück!“ Dann sah er auffordernd zu Marks hinüber, der neben ihm saß.

    „Fünf Sekunden“, sagte der Major, der offenbar sofort begriffen hatte. Dann zählte er runter: „...Vier... drei...zwei ... eins... JETZT!“
    Geändert von Mix (04.06.2013 um 21:14 Uhr)


  2. #2
    On destinys way Avatar von Ferreti
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    Hört sich spannend an, ist flüssig geschrieben und macht Laune auf mehr. Wenns noch mehr davon gibt hast du vieleicht ein neues Sucht mittel eingeführt
    Spoiler 

  3. Danke sagten:

    Mix

  4. #3
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    Ich kann Ferreti nur zustimmen, es hört sich wirklich spannend an. Es gefällt mir und ich bin neugierig, wie es weitergeht.
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  5. Danke sagten:

    Mix

  6. #4
    Fischstäbchen mit Vanillesoße Avatar von Redlum49
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    Irgendwie bin ich im FF-Bereich aus Zeitmangel was das schreiben und lesen betrifft ziemlich rar gemacht. Aber ich glaub hier versuch ich mal wieder dran zu bleiben

    Flüssig geschrieben, dank der Absätze gut lesbar und vor allem: Die Story hört sich bis jetzt recht spannend an und macht Lust auf mehr
    Schön fand ich auch, dass Novak mal wieder einen Auftritt hatte


    Edit:
    Ganz vergessen Willkommen im Forum
    Geändert von Redlum49 (15.11.2011 um 10:23 Uhr)

  7. Danke sagten:

    Mix

  8. #5
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John´s Chaya
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    Herzlich Willkommen im Forum!

    Das fängt ja spannend an und ich bin neugierig wie es weitergeht. Aber es kann leider sein, dass ich das nächste Kapitel übersehe.
    Ich bin einfach zu schusselig, um mir alle zu merken die ich lesen möchte.
    Selbst Notizzettel verlege ich noch....

  9. Danke sagten:

    Mix

  10. #6
    Rated M Avatar von Maverick™
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    Ersteinmal - Willkommen im Forum

    Zu deiner FF (Einleitung):

    Wie die anderen schon zum Ausdruck brachten, ist es sehr flüssig zu Lesen, gut geschrieben und hat sinnvolle Absätze. Glaub mir, das bekommt echt nicht jeder hier hin

    Zur Story möchte ich noch nichts sagen, sowas bewerte ich nach 2 bis 3 Kapiteln, da man meiner Meinung nach erstmal abwarten sollte in welche Richtung die Story läuft

    Also - keep going on ...

  11. Danke sagten:

    Mix

  12. #7
    Senior Airman Avatar von Mix
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    Hallo zusammen!

    Zunächst einmal danke für das nette Feedback, das hat mich sehr gefreut. Dank auch an die Danksager

    Heute gibts das erste Kapitel. Es ist um einiges länger geworden als der Prolog. Ich hoffe, es gefällt


    1. Omen

    „Also, wie läuft es auf Chulak?“, fragte Colonel Cameron Mitchell.

    „Ziemlich gut“, antwortete Teal’c mit seiner gewohnt tiefen und ruhigen Stimme. Der Colonel und der Jaffa gingen durch die Gänge des Stargate Kommandos, auf dem Weg zu den Trainingsräumen, wo sie ein wenig Sparring betreiben wollten. „Mein Sohn ist dank Bra’tac zu einem stolzen Krieger herangewachsen und außerdem ein pflichtbewusster Ehemann, wie ich höre.“

    „Ich bin sicher, du hattest auch ein wenig damit zu tun“, erwiderte Cameron trocken.

    Der Jaffa nahm dies mit einem verschmitzten Lächeln zur Kenntnis. „Chulak ist frei von Goa’uld und Ori. Die Jaffa blicken in eine friedvolle Zukunft.“

    Der Colonel sah seinen Teamkollegen schräg von der Seite an. Dies war nicht das erste Mal, dass Teal’c vom gewonnenen Frieden und der hart erkämpften Freiheit Chulaks und aller Jaffa schwärmte. Kein Wunder, dachte Cameron, hatte er doch mehr als zehn Jahre für dieses Ziel gearbeitet.

    Dann sagte Teal’c jedoch etwas, womit der Colonel nicht gerechnet hatte: „Ich überlege außerdem, mir wieder den Kopf zu rasieren.“

    Überrascht ließ der Colonel seine Augen über die schwarzen Haare des Jaffa schweifen. „Im Ernst?“

    „O’Neill erwähnte kürzlich, er würde meinen schimmernden Schädel vermissen.“

    Cameron musste schmunzeln. „Tja, ich hab dich ja erst mit Haaren kennen gelernt. Aber du musst natürlich tun, was dich glücklich macht. Und wenn selbst General O’Neill dafür ist, deine Haarpracht zu stutzen...“

    Teal’c wollte gerade etwas erwidern, doch er wurde unterbrochen. Sergeant Harrimans elektronisch verstärkte Stimme hallte plötzlich durch die Gänge des Cheyenne Montains, während gleichzeitig der Alarm los ging: „Unplanmäßige Aktivierung von außen! Ich wiederhole: Unplanmäßige Aktivierung von außen!“

    Cameron und Teal’c sahen beide mit fragenden Gesichtsausdrücken zu den Lautsprechern an der Decke hinauf. Dann fragte der Colonel: „Sollen wir uns das ansehen?“

    Der Jaffa nickte und sie spurteten los.

    Wenig später kamen sie im vom blauen Ereignishorizont des Stargates erleuchteten Kontrollraum an, wo sich bereits General Landry aufhielt und ein angespanntes Gespräch mit einem kahlköpfigen Mann via Videoverbindung führte.

    „Was ist denn los, Sir?“, fragte Cameron an den General gewandt.

    Dieser antwortete mit finsterer Miene: „Mister Woolsey hier hat mir soeben mitgeteilt, dass die Daedalus vermisst wird.“

    „Was ist passiert?“, fragte Cameron, nun ebenfalls von Unruhe befallen.

    „Das wissen wir nicht“, sagte Richard Woolseys Kopf auf dem Bildschirm. „Unsere Langstreckensensoren in Atlantis hätten die Daedalus vor drei Stunden erfassen müssen, aber das haben sie nicht. Wir haben auch kein Notsignal empfangen. Das Schiff scheint einfach spurlos verschwunden.“

    „Das ist der Nachteil an intergalaktischen Reisen mit einem Schiff“, sagte Cameron, „die Kommunikation gestaltet sich schwierig.“

    „Was Sie nicht sagen“, entgegnete General Landry sarkastisch und sah den Colonel streng an.

    „Vielleicht ein Zwischenfall mit den Wraith“, meldete sich nun zum ersten Mal Teal’c.

    „Ein Zwischenfall ist das Letzte, was wir jetzt brauchen können“, erwiderte der General missmutig. Schließlich wandte er sich wieder an Woolsey. „Geben wir ihnen noch drei weitere Stunden. Vielleicht hatten sie nur eine Panne. Falls sie bis dahin nicht wieder aufgetaucht sind, schicke ich die Apollo auf einen Kurs nach Atlantis. Vielleicht kann sie etwas herausfinden. Das wird zwar dauern, aber im Moment sehe ich keine andere Option.“

    „Verstanden, General“, sagte Woolsey. „Ich melde mich dann in drei Stunden wieder. Atlantis, Ende.“

    Die Torverbindung wurde unterbrochen und das blaue Licht verschwand. Cameron, Teal’c und General Landry schwiegen sich an. Allen dreien war bewusst, dass dies der schlechtmöglichste Zeitpunkt für ein mysteriöses Verschwinden eines der Erdenschiffe war.

    Schließlich durchbrach der Colonel die Stille: „Tja, ich schätze, der Präsident wird sich freuen.“

    „Worauf Sie einen lassen können“, sagte der General, drehte sich auf dem Absatz um und stürmte die Treppe zum Besprechungsraum hinauf, zweifellos in der Absicht, in sein Büro zu gehen, um dort ein wichtiges und gleichermaßen unangenehmes Telefonat zu führen.

    ----------

    „Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich das hinkriege“, sagte Daniel Jackson missmutig. Er saß in seinem Büro und brütete über einem Textdokument, das er auf seinem Laptop geöffnet hatte.

    Cameron und Teal’c waren bei ihm. Sie hatten kurzerhand beschlossen, ihr Sparring zu verschieben und stattdessen dem Archäologen vom Verschwinden der Daedalus zu berichten. Das war es allerdings nicht, was Daniel beunruhigte, obwohl er es natürlich nicht gerne hörte.

    „Jackson, ich glaube, wenn es einen Menschen auf diesen Planeten gibt, der das hinkriegt, dann sind Sie das“, entgegnete Cameron.

    „Da bin ich mir nicht so sicher“, erwiderte Daniel langsam, „ich arbeite jetzt schon seit Wochen hier dran, aber ich weiß immer noch nicht, ob ich wirklich die richtigen Worte gefunden habe.“

    „Du verfügst über große Weisheit, Daniel Jackson“, mischte sich Teal’c ein. „Ich bin überzeugt, dass du dieser Aufgabe gewachsen bist.“

    „Danke, Teal’c“, sagte Daniel nebenbei, während er unverwandt auf seinen Laptop starrte und das Dokument rauf und runter scrollte, „aber ich glaube, Weisheit wird mir hierbei nicht viel weiter helfen.“ Er seufzte erschöpft. „Ich meine, wie vermittelt man einer ganzen Gesellschaft, die keine Ahnung von den Dingen hat, die da draußen im All passieren, dass sie nicht allein ist? Wie vermittelt man ihr, dass es tatsächlich Aliens gibt, dass viele von ihnen schon auf der Erde waren und dass einige von ihnen die Erde sogar angegriffen haben? Wie vermittelt man ihr, dass wir selbst eine Vorrichtung haben, mit der wir andere Planeten besuchen können? Wie soll das funktionieren, ohne eine Massenpanik auszulösen?“

    „Ich vermute, die Antwort findet sich in der Rede, die sie da geschrieben haben“, sagte Cameron leichthin, woraufhin Daniel verzweifelt den Kopf schüttelte. Offenbar wollte der Colonel nicht glauben, dass sein Teamkollege hier möglicherweise an seine Grenzen stieß.

    „Ist es nicht die Aufgabe des Präsidenten, die Öffentlichkeit über das Stargateprogramm aufzuklären?“, fragte Teal’c.

    „Ja, natürlich wird es der Präsident sein, der die erste Bekanntgabe macht“, stimmte Daniel zu. „Aber er und das IOA sind der Meinung, dass ich genau der richtige Mann bin, um anschließend die Wogen zu glätten, um alle Fragen zu beantworten und die ganze Nummer mit dem Stargate eingehend zu erklären.“

    „Ich schätze, damit hat er Recht“, sagte Cameron. „Sie waren es doch immerhin, der das Stargateprogramm überhaupt erst möglich gemacht hat.“

    Daniel ignorierte dies einfach. „Ich bin zu Dutzenden Interviews und Sondersendungen eingeladen. Ich soll quer um den ganzen Globus reisen und überall soll ich den Leuten erklären, dass das Stargate eine nette Sache ist und der Planet Erde in vollkommener Sicherheit. Aber wer wird das schon glauben, nachdem ich einmal von den Goa’uld erzählt habe?“

    „Sie müssen ja nicht alles erwähnen“, meinte der Colonel nach kurzem Zögern. „Es gibt bestimmt die eine oder andere Stelle, die Sie weglassen können. Falls Sie zum Beispiel auf diesen riesigen Asteroiden zu sprechen kommen, der vor einigen Jahren beinahe die Erde zerstört hätte... da könnten Sie ja zufällig vergessen zu erwähnen, dass der Brocken ursprünglich von Anubis geschickt worden war. Die Menschen müssen auch nicht unbedingt wissen, dass das Stargate einmal fast zur Todesfalle geworden wäre, als Anubis es mit irgendeiner komischen Antiker Technologie mit Energie gespeist hat, wodurch es schließlich in den Weiten des Alls in einer gigantischen Explosion zerstört wurde.“

    Nach dieser kurzen Ansprache hob Teal’c eine Augenbraue und Daniel fragte genervt: „Gibt es auch einen SG-1-Missionsbericht, den Sie nicht auswendig gelernt haben?“

    „Alles, was ich sagen will“, erwiderte Cameron, ohne auf Daniels Bemerkung einzugehen, „ist, dass Sie der Wahrheit ein bisschen Spielraum geben sollten.“

    „Vielen Dank, Mitchell“, sagte der Archäologe sarkastisch. „Was würde ich nur ohne Sie machen?“

    „Wann geht dein Flug nach Washington, Daniel Jackson?“, fragte Teal’c nun.

    „In zwei Tagen“, antwortete Daniel, der sich mittlerweile wieder über seinen Laptop gebeugt hatte und mit skeptischer Miene seine eigenen Worte betrachtete. „Bis dahin muss das hier fertig sein.“ Er seufzte wieder. „Der Präsident hat es mit dieser Sache viel zu eilig. Es soll seine letzte große Amtshandlung werden. Wenn er sich da mal nicht überschätzt...“

    „Hey“, sagte Cameron und seine Stimme vibrierte plötzlich vor Begeisterung, „ich hab gehört, es soll sogar dieser Film gezeigt werden, der hier im Stargate Center gedreht wurde. Ich hatte nie die Gelegenheit dazu, ihn mir anzusehen. Das wird bestimmt cool.“

    Resigniert sah Daniel erst zum Colonel, dann zu Teal’c, der wieder seine Augenbraue gehoben hatte, und schließlich wieder zurück zu seinem Laptop. „Ja, sehr cool“, sagte er und seufzte.

    ----------

    General Hank Landry stand mit einer Tasse Kaffee in der Hand an der Fensterscheibe des Besprechungsraums und starrte hinab auf das Stargate. Zwei Tage waren nun vergangen, seitdem ihn die unheilvolle Nachricht über das Verschwinden der Daedalus erreicht hatte. Die Apollo war längst auf ihrem Weg Richtung Atlantis, aber Hank rechnete nicht damit, allzu bald von Colonel Ellis, dem Kommandanten der Apollo, zu hören. Der Weg zur Verlorenen Stadt war immerhin ein drei Wochen Trip und wer konnte schon sagen, wo auf dieser Strecke die Daedalus abhanden gekommen war.

    Die Vermisstenmeldung eines der Erdenschiffe, war nicht das einzige, was den General beunruhigte. Die Bekanntmachung des Stargateprogramms war eine ganz große Sache, aber er war sich nicht sicher, ob die Zeit wirklich schon reif dafür war. Natürlich, sie hatten gewaltige Fortschritte gemacht, seitdem das Stargate vor sechzehn Jahren das erste Mal eine Verbindung zum Planeten Abydos hergestellt hatte. Aber die Frage war eigentlich nicht so sehr, was die Air Force und das IOA in all den Jahren erreicht hatten, sondern schlicht und ergreifend, wie die Menschen auf die Offenlegung des größten jemals gehüteten Geheimnisses reagieren würden. Und in dieser Hinsicht hatte Hank Zweifel. Menschen waren Kreaturen der Gewohnheit. Sie mochten das Vertraute, das Bekannte. Alles, was ihnen nicht bekannt war, was sie nicht verstanden, jagte ihnen Angst ein. Das Stargate war mit Sicherheit die größte Unbekannte, die den Menschen der Erde jemals begegnen würde.

    Hank hatte es einst selbst durchgemacht. Als er damals in das Stargateprogramm eingeweiht worden war, hatte er nächtelang nicht schlafen können. Zu ungeheuerlich war die Vorstellung gewesen, was ihn in der Weite des Alls alles erwarten würde. Er mochte gar nicht daran denken, was alles passieren könnte, wenn die sieben Milliarden Menschen des Planeten Erde kollektiv in Angst versinken würden.

    So viele Regierungen wie möglich waren bereits im Vorfeld informiert worden. Immerhin ging diese Sache alle Menschen an und nicht nur die der Vereinigten Staaten. Also musste die Bekanntmachung des Stargateprogramms mit so vielen Regierungsvertretern wie möglich abgesprochen werden. Ein Alleingang des IOA oder gar der USA war in diesem Fall keine Option. Zu viel stand auf dem Spiel.

    Hank bezweifelte allerdings, dass diese und alle anderen Vorbereitungen, die die Regierungsvertreter getroffen hatten, ausreichen würden, um die Offenlegung des Stargateprogramms herunter zu spielen. Tatsächlich bezweifelte er, dass es überhaupt genügend Vorbereitungen geben konnte. Das Stargate war einfach zu groß. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten die Katze erst einmal aus dem Sack gelassen hatte, dann würde das niemanden kalt lassen, dann würde es einen weltumspannenden Aufschrei geben. Die Welt würde sich verändern, da war sich der General sicher.

    Er blickte hinunter in seine Tasse. Sie war fast leer. Der letzte Rest Kaffee war kalt. Angeekelt verzog er die Mundwinkel. Wenn es eines gab, das er hasste, dann war es kalter Kaffee.

    Er wollte die Tasse gerade auf den großen Tisch im Besprechungszimmer stellen, doch das Stargate zog plötzlich seine Aufmerksamkeit auf sich. Es wurde aktiviert, von außen. Sergeant Harrimans durchdringende Stimme, die durch sämtliche Lautsprecher des Stützpunktes schallte, blieb allerdings aus. Hank sah auf die Uhr. Es war sechzehnhundert. SG-12 kehrte offenbar planmäßig zurück.

    Die Tasse immer noch in der Hand, ging er die Stufen in den Kontrollraum hinunter. Als er ankam, war das Wurmloch bereits etabliert.

    „Empfangen SG-12 Identifikationscode, Sir“, sagte Sergeant Harriman mechanisch.

    „Iris öffnen“, sagte der General schlicht. Gleichzeitig fragte er sich, wie oft er diesen Befehl eigentlich schon gegeben hatte. Allmählich musste er mit dem verstorbenen General Hammond gleichziehen.

    Sergeant Harriman legte seine Hand auf die Erkennungsfläche, über die die Iris gesteuert wurde, und sofort öffnete sich der unverzichtbare Schild, der die Erde vor den meisten Gefahren, die durch das Stargate treten konnten, abschirmte. Dadurch wurde der Kontrollraum wieder in blaues Licht getaucht.

    Wenige Sekunden vergingen, dann trat SG-12 durch das Tor. Sämtliche Teams waren vor der Bekanntgabe am nächsten Tag auf die Erde zurückberufen worden. SG-12 waren die letzten. Hank musste still in sich hinein grinsen. Das Stargateprogramm sollte offen gelegt werden und dadurch eine neue Ära eingeleitet werden, aber noch immer schickten sie Teams durch das Tor wie am ersten Tag, auf der Suche nach Handelspartnern, Technologie, Wissen und auch nach Weisheit. Das Tor schaltete sich wieder ab und das Erkundungsteam entschwand in die Gänge des Cheyenne Mountains.

    Hank seufzte. „Irgendwas neues von der Apollo oder der Daedalus?“, fragte er, obwohl ihm klar war, dass dem nicht so sein konnte. Andernfalls hätte ihm der Sergeant schon längst Bericht erstattet.

    „Nichts, Sir“, antwortete Harriman dennoch pflichtbewusst.

    „Nun gut, Walter“, sagte der General, „falls Sie mich brauchen, ich bin in meinem Büro.“ Er wollte sich noch durch ein paar Akten arbeiten und hatte sich bereits umgedreht, da wurde er zurückgehalten.

    „Äh, Sir“, sagte der Sergeant, „die Hammond nimmt Kontakt mit uns auf.“

    „Auf den Schirm“, befahl Hank geflissentlich, nachdem er sich wieder den Kontrollarmaturen zugewandt hatte. Auf einem Bildschirm, der von der Decke hing, erschien plötzlich Colonel Samantha Carters Gesicht. „Colonel, schön Sie zu sehen.“

    „Gleichfalls, Sir“, erwiderte Carter. „Wie befohlen halten wir uns gemeinsam mit der Odyssey im Erdorbit auf, Sir. Unsere Sensoren haben allerdings etwas aufgefangen. Die Odyssey kann das bestätigen.“ Sie schien beunruhigt.

    „Was ist es, Colonel?“, wollte Hank wissen.

    „Es ist die Daedalus, Sir“, antwortete Carter schließlich. „Sie nähert sich der Erde, und zwar deutlich schneller, als sie eigentlich in der Lage sein sollte.“


  13. #8
    Fischstäbchen mit Vanillesoße Avatar von Redlum49
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    Standard

    Der erste Teil geht weiter wie der Prolog aufgehört hat: Spannend, gut geschrieben und mit einem wunderbar aufkommenden Stargatefeeling

    Das Stargateprogramm soll also öffentlich gemacht werden. Ob das eine gute Idee ist, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Aber zumindest in einem Punkt stimme ich dem Präsidenten und Mitchell zu: Daniel ist genau der richtige Mann dafür, auch wenn er es selber nicht so sieht

    „Hey“, sagte Cameron und seine Stimme vibrierte plötzlich vor Begeisterung, „ich hab gehört, es soll sogar dieser Film gezeigt werden, der hier im Stargate Center gedreht wurde. Ich hatte nie die Gelegenheit dazu, ihn mir anzusehen. Das wird bestimmt cool.“
    Oh ja und im Anschluss ein paar Wiederholungen von Wormhole X-Treme

    „Es ist die Daedalus, Sir“, antwortete Carter schließlich. „Sie nähert sich der Erde, und zwar deutlich schneller, als sie eigentlich in der Lage sein sollte.“
    Immer diese Cliffhanger
    Dann bin ich mal gespannt wie's weitergeht und was es mit der schnelleren Daedalus auf sich hat (Übernahme durch Außerirdische? )

  14. Danke sagten:

    Mix

  15. #9
    Rated M Avatar von Maverick™
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    Also das Erste Kapitel finde ich recht gut. Dein Schreibstil gefällt mir, nur deine Cliffhanger nicht. Daran musst du arbeiten (böser Mix - pfui cliffhanger )

    Die Idee das Gateprogramm offen zu legen als Substory in einer FF gefällt mir, der "Ansatz" in Kapitel 1 ist auch sehr gut umgesetzt. Die Mainstory wird auch gut fortgeführt, und endet offen - was mich persönlich dazu anstiftet auch mindestens Kapitel 2 zu lesen

    Das einzige was ich zu bemängeln habe (und das ist jetzt Kritik auf hohem Niveau):

    Daniels Reaktion auf Mitchell Vorfreude bezüglich des Films müsste ausgebaut werden. Wenn man sich daran zurück errinert wie emotional Schwer zu Kompensieren der Verlust von ihr (Frazier) war, welcher in dem Film eingebaut wurde, reicht diese kurze (und meiner meinung nach unpassende) Reaktion von Jackson nicht.

    Soviel also dazu. Ansonsten - keep going on
    Geändert von Maverick™ (17.11.2011 um 18:20 Uhr) Grund: Handy T9 verunstaltet Beiträge

  16. Danke sagten:

    Mix

  17. #10
    Senior Airman Avatar von Mix
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    @Redlum49: Danke für dein Lob. Stargatefeeling ist doch immer nett Du wirst schon bald erfahren, was mit der Daedalus passiert ist

    @M-Force Maverick: Auch dir danke für dein nettes Feedback. Cliffhanger müssen aber sein, irgendwie muss ich meine Leser ja schließlich bei der Stange halten Zu der von dir geäußerten Kritik: Da magst du Recht haben. Als ich die Stelle geschrieben hab, war mir gar nicht so gegenwärtig, dass in dem Film ja auch Frasers Tod festgehalten ist. Es ging mir in der Szene eigentlich mehr darum, dass Mitchelll labert und Daniel genervt ist. Aber ja, vermutlich hätte Daniel bei einer so unüberlegten Bemerkung etwas anders reagiert. Danke für diesen Hinweis

    An alle, die es interessiert: Das nächste Kapitel kommt wahrscheinlich morgen oder übermorgen.

  18. #11
    Senior Airman Avatar von Mix
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    So, jetzt gibts das neue Kapitel. Dank übrigens auch an alle Danksager. Ihr dürft ruhig auch was schreiben


    2. Ankunft

    „Was soll das heißen: ‚schneller als sie eigentlich in der Lage sein sollte’?“, fragte Landry energisch.

    Für Sam Carter war es offensichtlich, dass der General keinesfalls amüsiert war. Sie saß auf ihrem Kommandostuhl auf der Brücke der U.S.S. George Hammond und schaute auf den Bildschirm, der ihr den sehr verärgert wirkenden General Landry zeigte. „Na ja, Sir“, sprach sie schließlich zögerlich, „die Daedalus ist eigentlich noch weit weg. Die Hammond oder die Odyssey würden für die noch zurückzulegende Strecke zwei Tage benötigen. Aber wenn die Daedalus ihr Tempo beibehält, wird sie in spätestens fünf Stunden hier eintreffen.“

    „Das ist inakzeptabel, Colonel!“, sagte General Landry. „Erst verschwindet dieses Schiff spurlos und dann rast es direkt auf uns zu. Ich will wissen, was da los ist!“

    „Tja, Sir, da können wir nur abwarten“, sagte Sam. „Solange die Daedalus nicht hier eingetroffen ist, können wir nicht herausfinden, was mit ihr passiert ist.“

    „Ich mag keine Überraschungen, Colonel“, erwiderte der General. „Wie schätzen Sie die Lage ein?“

    „Na ja, Sir, ich bin genauso ratlos wie Sie. Natürlich haben die Replikatoren in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Hyperraumantriebe verstärken können, aber die sollten eigentlich alle ausgelöscht sein, zumindest in der Milchstraße. Möglicherweise gibt es in anderen Galaxien noch Replikatoren. Niemand kann sagen, wie weit sie ins All vorgedrungen sind.“

    „Allein die zahlreichen Missionsberichte reichen mir, um diese Dinger zu hassen“, erwiderte Landry. „Sie glauben also, dass wir es wieder mit einer Käferplage zu tun haben?“

    „Ich weiß es nicht, Sir“, antwortete Sam wahrheitsgemäß. „Es gibt bestimmt noch tausend andere mögliche Erklärungen für den plötzlichen Kurswechsel der Daedalus und ihre erhöhte Geschwindigkeit. Gewissheit werden wir auf jeden Fall erst haben, wenn die Daedalus hier eingetroffen ist.“

    „Na gut, Colonel“, sagte Landry und nickte ihr zu, „ich werde Ihre Informationen weiterleiten. Behalten Sie dieses Schiff im Auge und melden Sie sich sofort, wenn sich etwas verändert!“

    „Ja, Sir!“

    „Hier unten drehen sowieso schon alle durch wegen dieser Stargatebekanntmachungsgeschichte“, sagte der General säuerlich. „Colonel Caldwell hat ein beschissenes Timing. Landry, Ende.“

    Der Bildschirm wurde schwarz. Verlegen sah Sam zu ihrem ersten Offizier. „Ich schätze, so kann man es ausdrücken.“

    Der Major grinste. „Ich bin ganz froh darüber, hier oben zu sein, und nicht da unten, wo ab morgen die Hölle los sein wird.“

    „Freuen Sie sich lieber nicht zu früh“, entgegnete Sam. „Was immer mit der Daedalus passiert ist, es ist sicher nichts gutes. Und wir hier oben sind die ersten, die sich damit auseinander setzen werden müssen...“

    ----------

    „Ein ziemlich großes Aufgebot, nicht wahr, General?“, sagte Major Davis gut gelaunt, nachdem er sich einen Schluck Sekt genehmigt hatte.

    „Allerdings“, stimmte General Jack O’Neill zu, während er seinen Blick über die Köpfe der Menge schweifen ließ. Er fühlte sich nicht gerade wohl in dieser Menschenansammlung. Er hatte es lieber ruhig.

    Anlässlich der Öffentlichmachung des Stargates hatte der Präsident alle möglichen wichtigen Personen aus allen möglichen Regionen der Welt ins Weiße Haus eingeladen. Da waren Generäle und Unteroffiziere, Staatsoberhäupter und Senatoren, Außenminister und natürlich die Leiter mächtiger Firmen, die ebenfalls bereits in das Stargateprogramm eingeweiht worden waren und die nun zweifellos nach lukrativen Geschäften mit der US-Regierung lechzten. Alles in allem war dies eine Menge, auf die Jack gut hätte verzichten können. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend jedoch musste er sich selbst daran erinnern, dass seine Beförderung zum General nicht nur eine dicke Gehaltserhöhung bedeutete. Dazu gehörte auch die Anwesenheit auf so wichtigen Anlässen wie den heutigen.

    „Wie ich höre, will sich der Präsident noch einmal offiziell bei Ihnen für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz für das Stargateprogramm bedanken“, sagte Major Davis nun.

    „Ja, das hab ich auch gehört“, antwortete der General abwesend. Die Dankesworte wichtiger Männer hatten ihm nie besonders viel bedeutet. In all den Jahren, die er nun schon bei der Air Force war, speziell seine acht Jahre im Cheyenne Mountain, hatten ihn gelehrt, dass andere Dinge deutlich wichtiger waren. Gerade hatte er unter den Anwesenden jemanden entdeckt... „Entschuldigen Sie mich, Major.“

    Davis nickte und verschwand. Jack seinerseits näherte sich langsam zwei der wenigen Menschen in diesem Saal, die er erfreut war, zu sehen. „Ein Archäologe und eine Außerirdische im Weißen Haus, wer hätte das gedacht?“, sagte er schließlich, als er hinter ihnen stand und nah genug war, sodass sie ihn hören konnten.

    Überrascht drehten sich beide zu ihm um. Ein Lächeln formte sich auf Daniel Jacksons Gesicht. „Jack“, sagte er zum Gruß. Sie reichten sich die Hand und umarmten sich freundschaftlich.

    „Hallo, General“, sagte nun die Frau an Daniels Seite und grinste keck.

    „Vala“, sagte Jack und reichte nun auch ihr die Hand, „wie immer eine Freude, dich zu sehen.“

    „Ja“, sagte Daniel, „ich habe überlegt, wer wäre besser dafür geeignet, etwas Schwung in diesen Laden zu bringen, als die Außerirdische, die bei ihrem ersten Kontakt mit den Menschen von der Erde eines ihrer Schiffe gekapert hat.“

    „Da ist was dran“, sagte Jack und prostete Vala zu.

    In ihrem schwarzen Kleid sah die Außerirdische umwerfend aus und ließ die beiden Männer, der eine in Paradeuniform, der andere in einem vornehmen Anzug, ziemlich blass erscheinen.

    „Und, schon nervös?“, fragte Jack nun direkt an Daniel gewandt.

    „Weshalb?“, fragte der Archäologe gespielt beiläufig. „Weil wir drauf und dran sind, das größte Geheimnis der Geschichte auf die Menschheit loszulassen und wir absolut nicht abschätzen können, was für Folgen das haben wird?“

    „Na ja“, erwiderte der General langsam, „ich dachte eigentlich eher wegen deiner Rede... und den ganzen Interviews zu denen du eingeladen wurdest.“

    Daniels Lippen bildeten einen schmalen Strich. „Ja, Jack, ich bin nervös.“

    „Also, ich finde es klasse hier“, meldete sich Vala. Gerade ging ein Kellner mit einem Tablett an ihr vorbei und sie schnappte sich ein weiteres Glas Sekt. „Euer Präsident weiß wirklich, wie man Partys schmeißt.“

    „Nun, das hört man doch gerne“, sagte plötzlich jemand hinter ihr.

    Erschrocken wirbelte die Außerirdische herum und sah dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Augen.

    „Miss Mal Doran“, grüßte Henry Hayes sie und reichte ihr die Hand.

    „Oh“, sagte Vala verlegen, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen, „guten Tag, Mr. President.“

    Daniel ergriff rasch ihren Arm und zog sie an seine Seite, um weiteren Dummheiten ihrerseits entgegenzuwirken.

    „Dr. Jackson, General O’Neill“, grüßte Hayes nun auch die beiden Männer und schüttelte ihnen die Hände.

    „Mr. President“, erwiderten beide gleichzeitig.

    „Wie gefällt es Ihnen bisher?“

    „Sie haben die Frau gehört, Mr. President“, sagte Jack. „Sie wissen, wie man Partys schmeißt.“

    Hayes lachte laut auf. „Das freut mich, das freut mich.“ Als er sich beruhigt hatte, wandte er sich an Daniel. „Sind Sie bereit für Ihren großen Auftritt morgen, Dr. Jackson?“

    „Ich denke schon“, antwortete der Archäologe und lächelte gekünstelt. Er wirkte nicht überzeugt.

    Der Präsident bemerkte dies jedoch nicht oder ignorierte es einfach. „Sehr gut. Ohne Sie würde diese ganze Sache nicht funktionieren. Ich verlasse mich auf Sie.“

    „Danke, Mr. President“, sagte Daniel höflich.

    „Und Sie, Jack“, fuhr Hayes fort, „wir zwei haben noch etwas zu erledigen. Auch Sie sind für dieses Unterfangen unverzichtbar, wenn man bedenkt, was Sie in der Vergangenheit geleistet haben. Ich würde Ihnen gerne vor diesen Menschen meinen Dank aussprechen.“

    „Ich hoffe, nicht für mein gutes Benehmen, Sir“, scherzte der General und erntete dafür ein Glucksen des Präsidenten. Dann fügte Jack ernster hinzu: „Sir, bevor wir das tun, würde ich gerne mit Ihnen sprechen.“

    „Nur zu, Jack, nur zu...“

    Jack überlegte, wie er die Sache am besten formulieren sollte. Er hatte ohnehin keine große Hoffnung, dass er erhört wurde. Schließlich entschied er sich jedoch dafür, dass der direkteste Weg der beste war. „Sir, ich bitte Sie, den Abbruch der Aktion in Betracht zu ziehen.“

    Hayes runzelte die Stirn. „Ich fürchte, ich verstehe Sie nicht.“

    Daniel und Vala sahen beide interessiert vom Gesicht des Generals zu dem des Präsidenten und wieder zurück.

    „Ich bitte Sie, zumindest in Erwägung zu ziehen, den Menschen morgen nicht mitzuteilen, dass es ein Stargate gibt“, sagte Jack mit Nachdruck. „Sie wissen über die Daedalus bescheid. Keiner kann vorhersagen, was passiert, wenn das Schiff hier eintrifft. Wenn Sie morgen die Bekanntmachung durchziehen, dann wird es Aufstände geben und wir kämpfen plötzlich womöglich an zwei Fronten. Sir, ich bitte Sie, diesen Schritt zu überdenken.“

    Der Präsident nickte und schien Verständnis zu signalisieren. Für einen Moment hatte Jack Hoffnung, doch Hayes’ Worte waren ernüchternd: „Es wird alles wie geplant stattfinden. Es wird keine Verzögerungen geben.“ Dann setzte er wieder ein freundliches Lächeln auf. „Nun kommen Sie, Jack. Ich möchte Ihnen endlich für ihre wertvolle Arbeit danken.“ Er fasste den General einladend an der Schulter.

    Jack sah ein, dass es keinen Sinn hatte, sich mit dem Präsidenten über das Thema zu streiten. Zu viel hatte dieser bereits in diese Sache investiert. Der General gab sich geschlagen und ließ sich von Hayes durch die Menge geleiten.

    Daniel und Vala blieben zurück.

    „Tja, wir sollten die Sache positiv sehen“, sagte der Archäologe. „Falls die Daedalus kommt, um uns alle mit fortschrittlicher Alientechnologie auf einen Schlag zu vernichten, müssen wir uns um einen Zwei-Fronten-Kampf keine Sorgen mehr machen. Dann gäbe es morgen keine Menschen mehr, denen man vom Stargateprogramm erzählen könnte. Und ich müsste meine Rede nicht halten.“ Er sah auf seine Armbanduhr. „Wenn Sam Recht behält, ist die Daedalus in drei Stunden hier.“

    ----------

    „Wir haben den Kurs der Daedalus berechnet und Position bezogen“, erklärte Colonel Carter. „Wenn sie hier ankommt, werden die Hammond und die Odyssey bereit sein. In fünfzehn Minuten ist es soweit.“

    Am anderen Ende der Leitung standen Teal’c, Colonel Mitchell und General Landry. Sie hatten sich im Kontrollraum des Stargatecenters zusammen gefunden, um die Ankunft der Daedalus abzuwarten.

    „Gut, Colonel“, sprach General Landry. „Falls das Schiff eine direkte Bedrohung darstellen sollte, werden Sie entsprechend handeln müssen.“

    „Ja, Sir“, sagte Carter und nickte. Sie wirkte keinesfalls erfreut über die Aussicht, möglicherweise eines der Erdenschiffe abzuschießen, auf dem sich vermutlich noch die Crew aufhielt.

    „Ich bin sicher, es wird nicht so weit kommen, Sam“, meldete sich nun Mitchell. „Wir müssen etwas positiver an diese Sache rangehen. In letzter Zeit waren wir immer so negativ, das muss aufhören. Das sind immerhin unsere Leute auf der Daedalus.“

    „Das kannst du nicht mit Sicherheit sagen, Colonel Mitchell“, sagte Teal’c ruhig, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er hatte den Colonel schon immer für seinen grenzenlosen Optimismus bewundert, aber manchmal, fand er, war dieser einfach nicht angebracht. „Keiner der menschlichen Wissenschaftler an Bord der Daedalus wäre in der Lage, den Hyperraumantrieb des Schiffes derartig zu manipulieren. Und Colonel Caldwell hätte niemals einfach den Kurs gewechselt. Wir müssen davon ausgehen, dass das Schiff übernommen wurde.“

    „Was hab ich gerade gesagt?“, erwiderte Mitchell entnervt. „Optimismus, Teal’c, Optimismus!“

    „Teal’c hat Recht, Colonel“, mischte sich General Landry ein. „Wir müssen mit äußerster Vorsicht vorgehen. Sollte Colonel Carters Spekulation über eine Übernahme durch Replikatoren richtig sein, haben wir es in zehn Minuten mit einer handfesten Krise zu tun.“

    „Ich habe ja nicht behauptet, dass wir das Schiff mit offenen Armen empfangen sollten…“, sagte Mitchell kleinlaut. Er seufzte und fügte leise hinzu: „Optimismus…“

    Sergeant Harriman meldete sich plötzlich: „Sir, die Odyssey nimmt Kontakt mit uns auf.“

    „Sie wissen, was Sie zu tun haben, Sergeant“, entgegnete Landry lediglich und augenblicklich erschien Colonel Davidsons Kopf auf einem weiteren Bildschirm.

    „Sir“, sagte er, „wir haben unsere Waffen aktiviert und die Schilde hochgefahren. Von uns aus kann es losgehen.“

    „Wir sind ebenfalls bereit, Sir“, sagte Colonel Carter.

    „Gut“, sagte der General, „Sie beide wissen, was ich im Zweifelsfall von Ihnen erwarten muss. Seien Sie vorsichtig! Viel Glück!“

    „Danke, Sir“, sagten die beiden Colonels auf den Bildschirmen gleichzeitig und die Geräte wurden schwarz.

    General Landry wandte sich nun an Teal’c und Mitchell. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich hoffe, dass es nicht die Replikatoren sind.“

    „In der Tat“, stimmte der Jaffa zu. Er erinnerte sich noch gut daran, wie es war, gegen die Metallkäfer zu kämpfen. Gegen übliche Energiewaffen immun, konnte man ihnen nur mit Projektilwaffen der Ta’uri oder fortschrittlicher Antikertechnologie beikommen. Letzteres war die effektivere Methode, stand aber nur begrenzt zur Verfügung. Gerade die Tatsache, dass die Antikerwaffe auf Dakara zerstört war, würde einen neuerlichen Kampf gegen eine Replikatorenarmee deutlich erschweren.

    Dennoch machte sich Teal’c keine allzu großen Sorgen wegen Replikatoren. Irgendetwas sagte ihm, dass sie es diesmal nicht mit den Blechkäfern zu tun bekommen würden. Vielleicht war es sein Jaffasinn, der ihm dies mitteilte.

    Er warf einen Blick zur Seite, zu Colonel Mitchell. Er teilte dessen Sehnsucht nach Optimismus. Aber glaubte er zwar, dass die Replikatoren sie nicht erneut angreifen würden, so war er auch der Meinung, dass dies noch kein Grund zum Aufatmen war. Etwas rollte aus den Tiefen des Alls auf sie zu und Teal’c glaubte nicht daran, dass es gutartig war.

    General Landry sah auf seine Uhr. „Es ist so weit…“

    ----------

    Hoch über ihren Köpfen, weit entfernt von ihnen, aber für die Hammond und die Odyssey ganz nah, begann ein farbenprächtiges Schauspiel für die Augen. Nur einen Bruchteil einer Sekunde hielt es an, dann war es auch schon wieder vorüber. Das Hyperraumfenster hatte sich geschlossen. Die Daedalus war eingetroffen.
    Meine Stargate Fan Fiction:


    °

    To be or not to be, that is a serious question.


  19. #12
    Staff Sergeant Avatar von Rainbow_sun
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    hat mir sehr gefallen!
    mach bitte weiter..

  20. #13
    Senior Airman Avatar von Mix
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    Hallöchen, heute gehts dann endlich mal weiter. Hat ne Weile gedauert, aber besser spät als nie

    Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!


    3. Roy

    Angespannt saß Sam auf ihrem Kommandostuhl auf der Brücke der Hammond und sah ins All. Die Daedalus schwebte friedlich daher, zeigte kein Zeichen von Aggression. „Empfangen wir etwas?“, fragte Sam Major Leys.

    „Bislang keine Kontaktaufnahme seitens der Daedalus“, antwortete der erste Offizier. „Unsere Scans haben ergeben, dass ihre Waffen inaktiv sind. Die Schilde sind allerdings hochgefahren.“

    „Was wird hier gespielt?“, flüsterte Sam. Dann fügte sie lauter hinzu: „Na schön, öffnen Sie einen Kanal, mal sehen, ob jemand zu Hause ist.“

    „Ja, Ma’am“, sagte Leys und drückte ein paar Tasten auf seiner Steuerkonsole. Plötzlich hielt er jedoch inne. „Wir empfangen ein Signal. Die Daedalus kommt uns zuvor, sie nimmt Kontakt auf.“

    „Auf den Schirm!“, befahl Sam sofort und wenig später erkannte sie dort eine nur allzu vertraut wirkende Person. „Colonel Caldwell?“ Aufgrund des merkwürdigen Gebarens der Deadalus hatte Sam nicht unbedingt damit gerechnet, mit dem Kommandeur des Schiffs zu sprechen.

    „Colonel Carter“, grüßte Caldwell ruhig. „Ich kann mir vorstellen, dass Sie verwirrt sind...“

    „Allerdings“, bestätigte Sam, „Sie sollten eigentlich in Atlantis sein. Und Sie sollten nicht in der Lage sein, eine Strecke, für die die Hammond, die Odyssey und die Apollo zwei Tage brauchen, in fünf Stunden zurückzulegen...“

    „Da haben Sie Recht, Colonel“, stimmte Caldwell zu. „Ich versichere Ihnen, dass der Kurswechsel der Daedalus nicht auf meinen Befehl hin geschah. Ich bin nicht der richtige, um es zu erklären. Meine Funktion ist lediglich, Ihnen zu versichern, dass sowohl ich, als auch die Crew wohlauf sind, zumindest, wenn man davon absieht, dass wir Gefangene sind. Hier ist jemand, der Sie gerne sprechen möchte...“

    „Danke, Steven“, sagte plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund. Der Colonel verschwand und an seiner statt trat ein Mann ins Bild, den Sam noch nie gesehen hatte. Er trug einen schwarzen Mantel, schwarzes Haar und einen ebenso schwarzen Drei-Tage-Bart. Sam schätzte ihn auf etwa vierzig Jahre. „Hallo, Samantha“, grüßte er und nickte ihr höflich zu.

    „Wer sind Sie?“, wollte Sam wissen.

    „Das ist nicht so wichtig“, erwiderte der Unbekannte, „aber wenn du willst, kannst du mich Roy nennen.“

    „Was wollen Sie?“

    „Ah, direkt zum Geschäft... keine Gepflogenheiten, kein unnötiges Austauschen von Höflichkeiten... So seid ihr beim Militär, nicht wahr? Steven hat sich ganz ähnlich verhalten.“ Der Mann, der sich selbst als Roy ausgab, kratzte sich gespielt nachdenklich am Kinn. „Also gut, was ich will...: Entgegen deiner Annahme – ich vermute zumindest, dass du es annimmst – bin ich nicht hier, um Schwierigkeiten zu verursachen. Ich bin hier, um dir und deinen Mitmenschen zu helfen.“

    „Tatsächlich...“, sagte Sam trocken. Sie war weit davon entfernt, dem Neuankömmling Glauben zu schenken.

    „Ja, Samantha, tatsächlich“, erwiderte Roy. „Mit eurer freundlichen Unterstützung möchte ich gerne das Tor zur Hölle schließen. Das müsste doch in unser aller Interesse liegen, nicht wahr?“

    „Tut mir Leid“, sagte Sam kühl, „ich kenne kein Tor zur Hölle.“

    „Es reicht, dass ich es kenne“, entgegnete Roy. „Ihr müsst nur tun, was ich euch sage, und die Bedrohung wird getilgt.“

    „Hören Sie... Roy...“, betonte Sam den Namen extra deutlich, „...Sie können sich Ihr Gerede sparen. So weit ich die Sache verstehe, haben sie die Crew der Daedalus als Geiseln genommen. Das macht Sie nicht zu unserem Freund. Wir haben außerdem einen recht einfachen Grundsatz im Umgang mit Terroristen: Es wird nicht verhandelt. Sie haben also die Wahl: Sie können sich ergeben, indem sie die Crew freilassen und Colonel Caldwell die Kontrolle über das Schiff zurückgeben oder Sie können so weiter machen wie bisher. Dann müssen Sie die Konsequenzen tragen...“

    „Ah, Samantha...“, sagte Roy theatralisch, „natürlich könntet ihr versuchen, die Daedalus zu stürmen, aber was für ein miserabler Geiselnehmer wäre ich, wäre ich nicht dazu bereit, jede einzelne von ihnen zu töten?“

    Ein Moment der Stille entstand, in dem sich der Colonel und der Geiselnehmer gegenseitig taxierten. Schließlich sprach wieder letzterer: „Willst du dir nicht erst einmal anhören, wie ich gedenke, das Tor zu schließen? Danach kannst du immer noch mit deinen Vorgesetzten darüber taktieren, wie ihr am besten vorgeht.“ Er lächelte einnehmend, aber Sam hatte nichts dafür übrig. „Es ist eine ganz einfache Angelegenheit. Alles, was ihr tun müsst, ist, darauf zu verzichten, den Menschen eures Planeten vom Stargate zu erzählen. Das gilt sowohl für den morgigen Tag, als auch für jeden weiteren. Wenn die Öffentlichkeit nichts vom Stargate erfährt, dann wird das Tor geschlossen und es gibt keine Bedrohung mehr. Meinst du nicht, das ist etwas, das ihr tun könnt?“

    ----------

    „Das ist vollkommen inakzeptabel“, sagte Hank. „Der Präsident wird sich niemals darauf einlassen.“ Erneut sprach er per Videoverbindung mit Colonel Carter, die gerade von der Forderung des mysteriösen Fremdlings berichtet hatte.

    „Tja, ich habe ihm schon mitgeteilt, dass wir nicht mit Terroristen verhandeln“, erwiderte Carter. „Das schien ihn aber nicht sonderlich zu beeindrucken. Er hat damit gedroht, sämtliche Geiseln zu töten, sollte die Offenlegung des Stargateprogramms wie geplant stattfinden.“

    „Konntest du feststellen, ob es sich um einen Replikator handelt, Sam?“, fragte Colonel Mitchell. Er und Teal’c waren ebenfalls im Kontrollraum des Stargatekommandos.

    „Nein“, antwortete Carter, „ich bezweifle aber, dass wir es hier mit Replikatoren zu tun haben.“

    Teal’c nickte zustimmend. „Replikatoren hätten kein Interesse daran, ob die Ta’uri vom Stargateprogramm erfahren oder nicht. Sie würden versuchen, sich zu vermehren, und dann mit der Invasion beginnen. Ich denke, wir haben es mit einem Menschen zu tun.“

    „Mit einem Menschen aus einer ziemlich fortschrittlichen Zivilisation, wenn er der Meinung ist, dass ein Asgard-Hyperraumantrieb zu langsam sei...“, ergänzte Mitchell und klang gar nicht erfreut.

    „In der Tat“, stimmte der Jaffa zu.

    „Es ist mir egal, woher dieser Kerl kommt“, sagte Hank aufbrausend. „Er hat eines unserer Schiffe gekapert und unsere Männer als Geiseln genommen. Ich will, dass dem ein Ende bereitet wird, haben Sie das verstanden?“

    „Nun“, sagte Colonel Carter, „die Scans zeigen, dass die Schilde der Daedalus hochgefahren sind. Aber wir können immer noch mit den Ringen auf das Schiff kommen. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie viele Männer er hat.“

    „Klingt nach einer Aufklärungsmission“, sagte Mitchell.

    „Es muss schnell gehen“, sagte Hank, der sich innerlich bereits darauf vorbereitete, dem Präsidenten über die neue Entwicklung zu berichten. „Wir haben nur die Nacht, um das Schiff wieder unter unsere Kontrolle zu bringen. Ich bin sicher, der Präsident wird die Sache erledigt haben wollen, bevor er den Menschen vom Stargate erzählt. Und ich neige dazu, ihm zuzustimmen, nicht zuletzt, weil dieser Wahnsinnige damit droht, die Crew der Daedalus umzubringen, wenn das Stargateprogramm publik gemacht wird.“

    „Teal’c und ich können die Erkundung des Schiffes übernehmen, Sir“, sagte Mitchell. „Es nützt nichts, dort mit einer ganzen Einheit aufzutauchen. Wir beide schaffen das allein.“

    „Heimlichkeit wird unser größter Verbündeter sein“, stimmte der Jaffa zu. „Wenn wir das radioaktive Isotop einnehmen, das die Tok’ra einst entwickelt haben, müsste das unseren implantierten Sender unterdrücken. Die Sensoren der Daedalus können uns dann nicht entdecken.“

    „Davon haben wir noch etwas übrig?“, fragte Mitchell überrascht.

    „Ja, das müsste funktionieren“, meldete sich Carter. „Daniel und Jonas konnten sich damit damals für acht Stunden unbemerkt auf Anubis Schiff bewegen. Es sollte uns auch diesmal helfen.“

    „Also gut, Colonel“, sagte Hank und fixierte Mitchell streng, „Sie haben eine Stunde Zeit sich vorzubereiten. Dann werden sie auf die Hammond gebeamt und von dort geht es mit den Ringen weiter zur Daedalus. Seien Sie extrem vorsichtig und vermeiden Sie jeglichen Feindkontakt. Bringen Sie uns die nötigen Informationen, dann können wir einen Plan entwickeln, wie wir das Schiff aus den Händen dieses Verrückten befreien.“

    „Ja, Sir“, sagte Mitchell, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand aus dem Kontrollraum. Teal’c folgte ihm.

    Der General sah ihnen mit gemischten Gefühlen nach, wandte sich dann jedoch wieder an Colonel Carter. „Ich muss dem Präsidenten Bericht erstatten. Melden Sie sich, falls sich etwas verändert.“

    „Ja, Sir!“ Der Bildschirm wurde schwarz.

    Hank seufzte und sah kurz zu Sergeant Harriman, der seinen Blick fragend erwiderte. „Ich frage mich, woher immer diese Typen kommen...“

    ----------

    „Cameron, Teal’c“, grüßte Sam, als die beiden Soldaten auf der Brücke der Hammond erschienen waren.

    „Hey, Sam“, grüßte der Colonel, während der Jaffa den Kopf neigte.

    „Schön, euch zu sehen, auch wenn ich wünschte, die Umstände wären etwas angenehmer“, sagte Sam und lächelte verschmitzt.

    Cameron tat es mit einer Handbewegung ab. „Es wäre doch langweilig ohne eine ordentliche Krise.“

    „Hat sich der Fremdling noch einmal gemeldet, Colonel Carter?“, wollte Teal’c wissen.

    Sam schüttelte den Kopf. „Wir haben seit dem ersten Kontakt nichts mehr von ihm gehört.“

    „Ich möchte wirklich gerne wissen, welches Interesse ein Außerirdischer daran haben könnte, dass wir unser Stargateprogramm geheim halten“, sagte Cameron nachdenklich. Fragend sah er in die Runde. „Und von euch weiß nicht zufällig einer, was er mit diesem Tor zur Hölle meint?“

    Sowohl Teal’c, als auch Sam schüttelten den Kopf. Als Cameron zum Ersten Offizier der Hammond blickte, tat dieser es seiner Vorgesetzten rasch gleich.

    „Wir sollten aufbrechen, Colonel Mitchell“, sagte schließlich der Jaffa.

    Cameron nickte zustimmend und Sam sagte: „Wir konnten den größten Teil der Crew in einer Lagerhalle auf der zweiten Ebene orten. Vermutlich wird sie dort gefangen gehalten. Der Ringtransporter befindet sich nicht weit entfernt davon. Ihr werdet schnell dort sein.“

    „Verstanden“, sagte Cameron.

    „Ein weiteres Lebenszeichen hält sich auf der Brücke auf. Das wird Colonel Caldwell sein. Er hat ja bereits mit mir gesprochen.“

    „Korrekt“, sagte Teal’c und nickte.

    „Also dann”, sagte wieder Sam, „bringt uns die nötigen Informationen. Passt auf euch auf und viel Glück!“

    Die beiden Soldaten verabschiedeten sich von der Befehlshaberin der Hammond und verließen die Brücke in Richtung Ringtransporter. Dort angekommen, traten sie in den Kreis und warteten darauf, dass die Ringe aktiviert wurden. Kurz bevor sie von ihnen erfasst wurden, schloss Cameron die Augen. Das hatte er sich angewöhnt. Als er sie wieder öffnete, schien sich nichts verändert zu haben. Dennoch wusste er, dass er nun nicht mehr auf der Hammond, sondern im Ringraum der Daedalus war.
    Teal’c sah sich bereits aufmerksam um, die beiden P90, die er zu tragen pflegte, erhoben, um für alles gewappnet zu sein. Der Colonel tat es ihm mit seiner eigenen Waffe gleich. Der Befehl lautete zwar, Feindkontakt zu vermeiden, aber natürlich konnte niemand garantieren, dass nicht plötzlich einer der Geiselnehmer um die Ecke kam.

    „Dann legen wir mal los“, sagte Cameron. Er wollte locker klingen, aber er bezweifelte, dass es ihm gelang. Sich auf eines der eigenen Schiffe zu schleichen, war ungewohnt, obwohl es natürlich den Vorteil mit sich brachte, dass sie sich hier bestens auskannten. Dennoch hatte der Colonel ein ungutes Gefühl. Etwas stimmte nicht...

    Sie setzten sich in Bewegung und marschierten in Richtung der Lagerhalle, von der sie annahmen, dass sie die Crew der Daedalus beherbergte. Vor jeder Ecke hielten sie inne und hielten ihre Waffen bereit, in der Erwartung irgendjemand oder irgendetwas würde sich auf sie stürzen. Aber sie begegneten niemandem.

    „Ganz schön wenig los“, flüsterte Cameron und neigte seinen Kopf über die Schulter, um zu sehen, ob etwas hinter ihnen herschlich.

    „In der Tat“, stimmte Teal’c zu, die Mundwinkel weit nach unten gezogen, als hätte etwas sein Missfallen geweckt. „Der Lagerraum befindet sich hinter der nächsten Ecke...“

    Beide waren sich sicher, dass sie dort endlich auf Wachen stoßen würden, doch als sie um die Ecke lugten, sahen sie unerklärlicherweise nichts. Niemand war da, weit und breit. Auch dieser Gang war wie ausgestorben. Vorsichtig näherten sie sich der breiten Tür zum Lagerraum.

    „Endlich hergefunden, was?“

    Erschrocken wirbelten Cameron und Teal’c herum, die Waffen angriffsbereit erhoben. Vor ihnen stand ein Mann in schwarzen Kleidern, die Hände in den Taschen seines Mantels verborgen.

    „Immer locker bleiben“, sagte der Fremde mit einem leichten Lächeln. „Ich kann euch nichts tun, ich zeige mich euch nur als Hologramm.“

    Der Colonel und der Jaffa hielten ihre Waffen weiter auf die Erscheinung gerichtet. „Die Daedalus verfügt nicht über Hologrammtechnologie“, knurrte Cameron.

    Das Lächeln ungebrochen, streckte der Mann seinen Arm seitlich aus, welcher dadurch in der Wand verschwand. Dann zog er ihn wieder heraus. „Ich habe das Schiff ein wenig aufgemotzt. Gewiss haben die Langstreckensensoren eurer anderen Schiffe bemerkt, dass die Daedalus sich ein wenig schneller genähert hat, als es ihr eigentlich möglich sein sollte. War mir ein Vergnügen...“

    „Du bist der, von dem Colonel Carter gesprochen hat“, stellte Teal’c fest.

    „Roy...“, ergänzte Cameron, wofür er ein Glucksen des Fremdlings erntete.

    „Ganz recht, ich bin Roy. Und ihr seid Cameron Mitchell, der Anführer von SG-1, oder zumindest, von dem, was davon übrig ist, und Teal’c, der Jaffa. Eine Freude, euch kennen zu lernen.“

    „Normalerweise würde ich jetzt ‚gleichfalls’ sagen“, erwiderte Cameron, „aber heute spare ich mir das mal...“

    „Wie konntest du uns aufspüren?“, wollte Teal’c wissen.

    Roy zuckte mit den Schultern. „Wie bereits gesagt: Ich habe die Daedalus etwas aufgemotzt. Sie kann jetzt so einiges, das sie vorher nicht konnte. Was immer ihr getan habt, um eure Anwesenheit auf diesem Schiff zu verbergen, es nützt euch nichts. Ich verfolge euch schon seit eurer Ankunft.“

    Cameron und Teal’c tauschten finstere Blicke miteinander aus. Sie waren gar nicht erfreut über diese Offenbarung.

    Die holografische Darstellung Roys lächelte unentwegt. „Eure Freunde befinden sich hinter dieser Tür. Ich habe den Öffnungsmechanismus auf der anderen Seite zerstört, deswegen können sie nicht hinaus. Aber ihr werdet keine Schwierigkeiten haben, hinein zu gelangen. Nur zu, niemand wird euch aufhalten.“

    Argwöhnisch sah Cameron erst zu seinem Teamkameraden und dann wieder zu Roy. „Du wirst uns verzeihen müssen, dass wir ein wenig misstrauisch gegenüber Geiselnehmern sind“. Er war sich nicht sicher, was ihn und Teal’c auf der anderen Seite der Tür erwarten würde.

    „Wenn ihr eure Kollegen, da drin lassen wollt, könnt ihr das natürlich gerne machen“, entgegnete Roy, „obwohl ich mir sicher bin, dass sie sich über etwas mehr Freiraum freuen würden. Nun denn, ich verschwinde mal wieder. Hat mich gefreut.“ Er verbeugte sich höflich und das Hologramm löste sich auf.

    Cameron und Teal’c waren wieder allein, verblüfft schweigend über diese sonderbare Konversation. „Glaubst du, wir sollten die Tür öffnen?“, fragte der Colonel.

    „Ich bin mir nicht sicher“, antwortete der Jaffa mit gehobener Augenbraue. „Wir wurden entdeckt. Wieso entledigt er sich unserer nicht?“

    Cameron wandte den Kopf in alle Richtungen, um sicher zu gehen, dass sie nicht plötzlich von heranstürmenden Truppen angegriffen wurden. Aber es war alles still, wie schon die ganze Zeit über, seitdem sie an Bord der Daedalus gekommen waren. „Du glaubst, das ist alles nur ein Bluff?“

    „Das kann ich nicht sagen“, erwiderte Teal’c langsam. „Ich weiß nur: Wäre ich der Geiselnehmer, ich würde jeden Eindringling gnadenlos verfolgen und unschädlich machen.“

    Der Colonel seufzte. „Also gut. Wir finden nie etwas heraus, wenn wir hier Wurzeln schlagen. Schauen wir nach, was hinter dieser Tür ist. Vielleicht haben wir Glück und die Crew kann uns sagen, was hier gespielt wird.“

    Teal’c neigte zustimmend den Kopf und trat an den Öffnungsmechanismus der Tür. Cameron stellte sich auf die andere Seite. „Bereit?“, fragte der Jaffa.

    Cameron hob seine Waffe und nickte. Teal’c drückte ein paar Tasten und die Tür glitt offen. Beide Soldaten lugten hindurch und erhaschten Blicke auf dutzende überraschte Gesichter.

    „Colonel Mitchell?“, hörten sie eine vertraute Stimme sagen. „Teal’c?“

    Sie sahen genauer hin und erkannten Major Marks, der der Tür am nächsten stand. Hinter ihm quetschte sich dicht an dicht der Rest der Schiffscrew.

    „Major Marks?“, sagte Cameron. Vorsichtig trat er in den Lagerraum, die Waffe immer noch erhoben, falls etwas unerwartetes passieren sollte.

    „Sie können die Waffe senken, Sir“, sagte Marks beruhigend. „Hier ist niemand außer uns.“

    „Ist das die komplette Crew?“, fragte Teal’c, der hinterdrein gekommen war.

    „Nur Colonel Caldwell fehlt“, antwortete der Major. „Ich vermute, er ist auf der Brücke bei diesem Roy.“

    „Gibt es Verletzte?“, wollte Cameron jetzt wissen.

    „Nein, Sir. Es geht allen gut.“

    „Was ist hier passiert, Major?“, fragte der Colonel weiter. Dies war die wesentliche Frage, so dachte er, und die Antwort interessierte ihn brennend. „Wie konnte die Daedalus übernommen werden?“

    „Es fing damit an, dass wir auf unserem Weg nach Atlantis eine Textnachricht erhielten“, erzählte Marks. „Gleichzeitig fielen die ersten Systeme aus.“

    „Was für eine Nachricht?“, fragte Teal’c.

    „Darin stand etwas von einem Tor zur Hölle, das offen steht...“

    „Davon haben wir schon gehört...“, murmelte Cameron.

    „Wenig später fielen auch Waffen und Hyperraumantrieb aus“, fuhr Marks fort. „Als wir zwischen den Galaxien gestrandet waren, versagten auch noch die letzten Systeme, die Schilde eingeschlossen. Und dann tauchten plötzlich Schiffe auf und dieser Roy nahm Kontakt mit uns auf. Er verlangte unsere Kapitulation. Da wir völlig wehrlos waren, stimmte Colonel Caldwell zu. Dann wurden wir geentert. Die Crew wurde in diese Kammer gesperrt, Colonel Caldwell sollte auf der Brücke bleiben.“

    „Konnten Sie die fremden Schiffe von der Brücke aus sehen?“, fragte Teal’c.

    „Ja, aber keines davon kam mir bekannt vor. Ich habe noch nie solche Schiffe gesehen.“

    „Wir können uns später darum kümmern, mit wem genau wir es zu tun haben“, erwiderte Cameron ungeduldig. „Major, wissen Sie, wie viele feindliche Soldaten sich noch auf der Daedalus befinden?“

    „Nein, Sir“, antwortete Marks sofort, „es waren ziemlich viele, die uns alle zusammengetragen und hier eingesperrt haben. Wie viele tatsächlich an Bord geblieben sind, kann ich nicht sagen.“

    Der Colonel seufzte wieder. „Das ergibt alles keinen Sinn. Wir sind vollkommen ungehindert bis hier her vorgedrungen. Bevor wir die Tür geöffnet haben, hat uns dieser Roy per Hologramm freundlich versichert, dass niemand etwas dagegen unternehmen würde. Und tatsächlich finden wir hier nicht mal so etwas wie eine Falle vor.“

    Marks runzelte überrascht die Stirn. „Seit wann, kann die Daedalus Hologramme erzeugen?“

    „Roy sagte, er hätte das Schiff aufgemotzt“, antwortete Cameron beiläufig, wandte sich jedoch rasch an Teal’c. „Ich glaube, er spielt nur mit uns. Er blufft wirklich.“

    „In der Tat“, stimmte der Jaffa zu. „Wäre ihm tatsächlich daran gelegen, Geiseln zu nehmen, hätte er uns schon längst aufgehalten.“

    „Hat dieser Roy irgendetwas darüber gesagt, was er vorhat?“, fragte Cameron, jetzt wieder an den Major gerichtet.

    „Nein, Sir.“

    „Na schön“, sagte Cameron, „ich weiß, das hier soll eigentlich eine Aufklärungsmission sein, aber wozu unnötig lange warten, wenn wir es auch direkt beenden können. Major, Sie und zwei Marines werden Teal’c und mich zum nächsten Waffenschrank begleiten.“ Grimmig sah er zum Jaffa. „Wir gehen zur Brücke...“

    „Bist du dir sicher, Colonel Mitchell?“

    „Ja“, antwortete Cameron entschlossen, „ich weiß nicht, was dieser Typ genau will, also gehen wir zu ihm und fragen ihn. Es ist, wie du sagtest: Wäre ihm diese Geiselnahme-Nummer ernst, hätte er schon längst etwas gegen uns unternommen. Wenn er wirklich die Möglichkeit dazu hätte, hätte er niemals zugelassen, dass wir die Crew befreien. Ich bezweifle mittlerweile, dass sich auch nur ein weiterer Feind auf diesem Schiff aufhält...“

    Teal’c neigte den Kopf und signalisierte damit Zustimmung. Also gingen sie beide zusammen mit Major Marks und zwei Marines zum nächsten Waffenschrank, um für die bevorstehende Aufgabe gewappnet zu sein. Auf dem Weg dorthin aktivierte Cameron sein Funkgerät.

    „Sam, hier Mitchell“, sprach er hinein.

    „Ich höre, Cameron“, kam die rauschende Antwort.

    „Wir haben die Crew gefunden. Alle sind unverletzt. Teal’c, Marks, zwei Marines und ich sind auf dem Weg zur Brücke. Das ist alles nur ein Riesenbluff. Wir stellen diesen Typen und dann gehört das Schiff wieder uns.“

    „Bist du dir sicher, Cam?“ Ein Hauch von Skepsis war aus Sams Stimme herauszuhören. „Eure Befehle lauten, jeglichen Feindkontakt zu vermeiden...“

    „Ich bin mir absolut sicher“, erwiderte Cameron überzeugt. Mittlerweile hatten sie den Waffenschrank erreicht. „Ich hab jetzt keine Zeit, es im Detail zu erklären. Wir sind hier bald fertig.“

    „Na schön, Cam. Ich gebe General Landry bescheid. Viel Glück! Carter, Ende.“

    „Dann wollen wir diesem Roy mal einheizen“, sagte Cameron, nachdem sich Marks und die beiden Marines mit Schutzwesten und je einer P90 ausgerüstet hatten.

    Wenig später erreichten sie die Tür zur Brücke. Sie war geschlossen.

    „Major, bitte seien Sie so freundlich und öffnen Sie“, befahl der Colonel.

    Marks betätigte einige Tasten und die Tür glitt offen. Sofort liefen die Soldaten mit erhobenen Waffen hindurch, bereit auf jegliche Gegenwehr gebührend zu reagieren.

    Wie erwartet, befand sich aber niemand hier – niemand, bis auf Roy und Colonel Caldwell. Letzterer stand mit geknebelten Händen vor seinem Kommandostuhl und sah den Neuankömmlingen entgegen. Dicht bei ihm stand Roy, ein leises Lächeln auf seinen Lippen. Die linke Hand ruhte auf Colonel Caldwells Schulter, die rechte führte eine Pistole, die geradewegs auf des Colonels Schläfe gerichtet war. Cameron und seine Mitstreiter hielten inne.

    „Es hätte so einfach sein können“, sagte Roy, „so einfach, hättet ihr einfach getan, worum ich euch gebeten habe. Aber ihr wählt den Weg der Schmerzen, wie mir scheint...“

    Cameron ignorierte ihn einfach. „Colonel Caldwell, sind Sie in Ordnung?“

    „Es geht mir gut, danke der Nachfrage, Colonel“, antwortete Caldwell, „obwohl ich es vorziehen würde, dass man mir keine Waffe an den Kopf hielte...“

    Wieder ergriff Roy das Wort: „Wir können die Sache immer noch ganz zivilisiert regeln. Glaubt mir, die Geheimhaltung eures Stargateprogramms liegt in eurem eigenen Interesse. Die Alternative sähe nicht sehr nett aus. Wollt ihr es euch nicht noch einmal überlegen?“

    „Nein, danke“, antwortete Cameron langsam, mit seiner P90 auf Roys Kopf zielend. Er wagte es jedoch nicht, abzudrücken, aus Furcht, er könnte den Colonel treffen.

    „Steven hier war mir eine gute Gesellschaft während des Fluges“, sagte Roy und gab dem Colonel mit seiner Waffe einen sanften Stups an den Kopf. „Es schien mir fast, dass eure Art klug und einsichtig genug wäre, sich selbst vor der Vernichtung zu retten. Eure Haltung jedoch legt nahe, dass diese Einschätzung falsch war. Sagt mir, wollt ihr denn sterben?“

    „Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst“, erwiderte Cameron, „und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht. Dein Bluff ging daneben, du hast verloren. Also leg deine Waffe nieder, dann können wir das hier blutfrei über die Bühne bringen.“

    „Sehr verlockend“, sagte Roy, „du verstehst es, zu verhandeln, das muss ich dir lassen Colonel Mitchell.“ Einen kurzen Moment hielt er inne, als würde er über seinen nächsten Zug nachdenken. „Aber wie wäre es hiermit?“

    Plötzlich schien alles in Zeitlupe zu verlaufen. Cameron starrte gebannt auf die rechte Hand von Roy, jene Hand, welche die Waffe auf Caldwell gerichtet hatte, sah, wie sie sich anspannte und wie der Zeigefinger jene vertraute Bewegung machte, die er selbst schon unzählige Male vollführt hatte. So unscheinbar war sie, und doch brachte sie den Tod mit sich. Roy drückte ab.
    Meine Stargate Fan Fiction:


    °

    To be or not to be, that is a serious question.


  21. #14
    Airman
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    bin gerade auf die Story gestoßen-
    super zu lesen, macht Lust auf mehr.
    Wohin geht das Tor zur Hölle? Was hat das mit der Veröffentlichung des Stargateprogramms zu tun??
    Bitte auf jeden Fall fortsetzen und auch beenden!!

  22. Danke sagten:

    Mix

  23. #15
    Fischstäbchen mit Vanillesoße Avatar von Redlum49
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    „Ich möchte wirklich gerne wissen, welches Interesse ein Außerirdischer daran haben könnte, dass wir unser Stargateprogramm geheim halten“, sagte Cameron nachdenklich. Fragend sah er in die Runde. „Und von euch weiß nicht zufällig einer, was er mit diesem Tor zur Hölle meint?“
    Die Antwort(en) auf diese beiden Fragen würden mich auch brennend interessieren
    Schön wie du die beiden Handlungsstränge miteinander verwebst - vor allem macht dass das Ganze ziemlich mysteriös …

    Also in diesem Sinne: Ich mit gespannt auf die Fortsetzung

  24. Danke sagten:

    Mix

  25. #16
    Senior Airman Avatar von Mix
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    Moin Moin und ein frohes neues Jahr

    @enna: Danke für dein Lob. Freut mich, dass du hergefunden hast Ich werd versuchen dranzubleiben und die Geschichte zu beenden

    @redlum49: Danke für dein Feedback. Antworten wird es noch geben

    Dank auch an die Danksager!

    Jetzt gibts die Fortsetzung. Viel Spaß!



    4. Klick

    Stille.

    Klick, klick, klick.

    Mit einem Ausdruck verhaltenen Interesses begutachtete Roy seine Waffe. „Wer hätte das gedacht? Sie ist nicht geladen...“

    Erleichterung durchströmte Teal’c, bis in jede Faser seines Körpers drang sie vor. Als der Fremde abgedrückt hatte, dachte der Jaffa wirklich, Colonel Caldwells Leben wäre beendet. Aber er stand noch immer neben Roy, völlig unversehrt. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, verstand er jedoch noch nicht ganz, was soeben passiert war.

    Colonel Mitchell fand als erster seine Stimme wieder: „Okay, das reicht jetzt.“ Die Waffe erhoben, ging er auf Roy und Caldwell zu. „Das Spiel ist vorbei, dein Bluff hat nicht funktioniert.“

    „Ja, sieht ganz so aus“, sagte Roy leichthin und warf seine Pistole zur Seite. „Ihr habt gewonnen.“

    Teal’c trat rasch an Mitchells Seite und richtete seine Waffe ebenfalls auf den gescheiterten Geiselnehmer. „Alles in Ordnung, Colnel Caldwell?“, erkundigte er sich.

    Der Colonel verharrte noch immer an Ort und Stelle, scheinbar völlig regungslos. Als er angesprochen wurde, wandte er sein Gesicht jedoch dem Jaffa zu. „Ich denke schon.“ Dann sah er zu Roy, welcher seinen Blick mit einem Lächeln erwiderte. Blitzschnell holte Caldwell aus und rammte seinem Peiniger einen Ellbogen ins Gesicht.

    „Whoa“, rief Mitchell, offenbar erschrocken über diese plötzliche Verhaltensänderung des Colonels „ganz ruhig!“

    Roy war einen Schritt zur Seite gestolpert, richtete sich jetzt aber wieder auf. Eine Hand wanderte zu jener Stelle, an der er getroffen wurde, und berührte sie sanft. „Ich schätze, das hab ich verdient...“

    „Bitte verzeihen Sie mir, Colonel“, wandte sich Caldwell an Mitchell, der ihn misstrauisch beäugte, als fürchtete er, der Kommandeur der Daedalus könnte erneut ausholen, „ich mag es nicht, wenn man mein Schiff kapert, meine Crew einsperrt und mich mit einer Waffe bedroht, sei sie nun geladen oder nicht.“

    Caldwell schien sich beruhigt zu haben und wollte offenbar nicht noch einmal auf Roy einschlagen. Auch Mitchell schien dies bemerkt zu haben, denn er sagte nun wesentlich gelassener: „Kann ich verstehen.“

    Roy räusperte sich. „Und was gedenkt ihr jetzt zu tun?“

    „Ich bin sicher, im Stargate Center gibt es noch den ein oder anderen Verwahrungsraum für dich“, antwortete Colonel Caldwell prompt.

    „Korrekt“, stimmte Teal’c zu.

    Mitchell indessen aktivierte sein Funkgerät. „Sam, Mitchell hier. Die Lage ist unter Kontrolle. Colonel Caldwell ist befreit und Roy in unserer Gewalt. Bitte richte General Landry aus, dass wir einen neuen Gast für das Stargate Center haben.“

    „Verstanden, Cam“, kam die rasche Antwort.

    Caldwell ging zu seinem Kommandostuhl hinüber und betätigte den Knopf, der es ihm ermöglichte, von überall auf dem Schiff gehört zu werden. Er gab die Nachricht an die Crew, dass die Daedalus wieder ihnen gehörte und dass sie sich in kleinen Gruppen zusammenfinden sollten, um auf die Erde gebeamt zu werden, sobald das O.K. vom Stargate Center kam.

    „Wir müssen sicher gehen, dass hier nicht doch noch irgendwo Komplizen von diesem Typen rumlaufen“, sagte Mitchell währenddessen. „Wir brauchen ein paar Suchteams.“ Rasch ging er zur Steuerkonsole neben Colonel Caldwell, um die Erde zu kontaktieren, und überließ Teal’c allein die Bewachung des Gefangenen. Major Marks und die beiden Marines behielten die Tür zur Brücke im Auge.

    „Wieso arbeitest du für die Menschen?“, wollte Roy plötzlich wissen, seine blauen Augen unverwandt auf den Jaffa gerichtet.

    Teal’c war nicht darauf erpicht, sich von seinem Gegenüber in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Dennoch antwortete er knapp: „Es sind meine Freunde.“

    „Natürlich“, entgegnete Roy, „obwohl sie das wohl kaum schon immer waren, nicht wahr? Ich frage mich bloß, wie jemand, der so alt und so weise ist wie du, sich mit solch niederträchtigen Kreaturen einlassen kann. Ist es dir in all den Jahren, die du nun schon bei ihnen lebst, niemals aufgefallen? Ist dir niemals der Gedanke gekommen, dass es vielleicht besser wäre, in deine Heimatwelt zurückzukehren?“ Er lächelte geheimnisvoll. „Du und ich, Teal’c, wir haben keinen Konflikt miteinander...“

    „Ich denke, das haben wir sehr wohl“, erwiderte Teal’c mit finsterem Blick, „und nun schweig!“

    „Wie du wünschst“, sagte Roy und neigte den Kopf, ähnlich wie es sonst immer der Jaffa tat.

    Colonel Mitchell trat zu den beiden: „Okay, es ist alles geregelt. Wir haben die Schilde runtergefahren, die Crew wird runtergebeamt und Suchteams hinauf.“ Er sah zu Roy. „Und wir werden direkt ins Stargate Center transportiert. Wir haben einige Fragen an dich...“

    Roy schwieg.

    ----------

    „Was können Sie mir über ihn sagen, Colonel?“, fragte Hank bevor er die Tür öffnete, hinter der sich der Gefangene befand.

    „Nicht viel, Sir“, antwortete Mitchell. „Er mag es gern theatralisch. Er tut so, als wäre er ganz locker und als würde ihn nicht interessieren, was mit ihm passiert.“

    Mehrere Stunden war es nun her, dass sie Roy gestellt und ins Stargate Center gebracht hatten. Nun wollte Hank sich endlich selber ein Bild von dem Geiselnehmer machen. „Glauben Sie, es ist ihm tatsächlich egal?“

    „Schwer zu sagen, Sir. Sein Bluff kam mir halbherzig vor. Ich weiß nicht, was wirklich in seinem Kopf vorgeht.“

    „Versuchen wir, es herauszufinden...“, sagte Hank und öffnete die Tür.

    Nacheinander traten sie über die Schwelle, der General vorweg, und befanden sich anschließend in einem spärlich beleuchteten Raum, dessen einzige Möbelstücke ein Tisch und ein Stuhl waren. Auf letzterem saß Roy bequem zurück gelehnt, die verbundenen Hände in seinen Schoß gelegt. Er sagte nichts, als er die Neuankömmlinge erkannte, doch seine Augen schienen neugierig aufzublitzen.

    Auch Hank zog es vor, zunächst zu schweigen. Er nahm den Gefangenen ins Visier und versuchte alle Einzelheiten zu erfassen. Groß gebaut war er, die schlanke Figur unter einem schwarzen Anzug und einem schwarzen Mantel verborgen. Die Haare waren schwarz, der Drei-Tage-Bart ebenfalls. Im Grunde sah er gar nicht aus wie ein Außerirdischer. Seine Anziehsachen machten den Eindruck, als könnten sie aus einem feinen Bekleidungsladen in New York oder sonst wo stammen.

    Schließlich ergriff Hank das Wort: „Mir wurde mitgeteilt, dass man dich Roy nennt... Ist das dein richtiger Name?“

    „Nein, Sir“, antwortete Roy ohne zu zögern.

    „Wie lautet dein richtiger Name?“

    „Ist das wichtig?“, fragte Roy munter. „Mein Name wird dir nicht von Nutzen sein.“

    „Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, möchte ich gerne wissen, wer mein Gegenüber eigentlich ist“, hielt Hank dagegen. „Ich bin sicher dir geht es genauso. Ich bin General Hank Landry, Leiter des Stargate Centers.“

    „Jetzt hast du aber etwas vertracktes von dir gegeben, General“, sagte Roy. „Weder dein Name, noch deine Funktion sagen etwas darüber aus, wer du bist; genauso wenig, wie mein Name dir Aufschluss darüber geben könnte, wer ich bin. Ich werde also einstweilen bei Roy bleiben... Sir.“

    Finster blickte Hank zu dem Fremdling, der offenbar nichts von sich preisgeben wollte. Er beschloss, dass es sich nicht lohnte, ihn weiter auf seinen wahren Namen zu bedrängen. Stattdessen stellte er seine nächste Frage: „Wieso hast du die Daedalus entführt und die Crew als Geiseln genommen?“

    „Oder zumindest so getan...“, murmelte Mitchell, der etwas abseits an der Wand lehnte.

    „Weil ich eine zahme Natur bin, General“, antwortete Roy, der bei den Worten des Colonels kurz gegrinst hatte. „Siehst du, ich wollte euch die Gelegenheit geben, selbst zu handeln. Immerhin geht euch die Sache in hohem Maße an, also dachte ich, ihr würdet das Tor zur Hölle gerne selber schließen.“

    „Richtig, das Tor zur Hölle...“, sagte Hank und warf Mitchell einen fragenden Blick zu, den dieser aber nur ebenso ratlos erwiderte. „Was hat es damit auf sich?“, fügte der General hinzu, als er sich wieder Roy zugewandt hatte.

    „Es muss geschlossen werden“, antwortete Roy, „oder das Universum wird großes Leid erfahren.“

    „Weil sonst der Teufel kommt und uns alle verschlingt?“, fragte Mitchell und schnaubte verächtlich.

    „Ich würde sagen, so kann man es ausdrücken, Colonel“, sagte Roy. Er ließ sich offenbar durch nichts aus der Ruhe bringen.

    „Und was hat unser Stargateprogramm damit zu tun?“, wollte Hank wissen. „Wieso sollte seine Geheimhaltung dafür sorgen, dass dieses ominöse Tor geschlossen wird?“ Für ihn klang das alles ziemlich verrückt, aber natürlich war er dazu verpflichtet, jeder möglichen Bedrohung für die Erde nachzugehen.

    Roy setzte sich nun aufrecht hin und legte dabei die Hände auf den Tisch. „Ich habe das Tor zur Hölle lange studiert und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Geheimhaltung eures Stargateprogramms es schließen kann. Wie genau das funktioniert, muss euch nicht interessieren... denn ich vermute, es ist bereits zu spät, nicht wahr?“

    Das war es in der Tat. Hank sah auf seine Uhr. „Es ist 10:23 Uhr. Genau in diesem Moment hält der Präsident eine Rede, die in alle Regionen des Planeten übertragen wird. Die Welt weiß vom Stargate.“

    „Das ist sehr bedauerlich...“, sagte Roy, sah jedoch überhaupt nicht so aus, als würde er es wirklich so meinen. Er schien zu bemerken, dass der General und der Colonel dies erkannt hatten. „... bedauerlich für euch“, fügte er hinzu. „Euch erwartet die Vernichtung.“

    „Und dich nicht?“, fragte Mitchell milde verwundert.

    Roy zuckte mit den Schultern und sagte, als wäre es selbstverständlich: „Nein.“

    „Und wieso nicht?“

    „Wenn ihr vernichtet werdet, bin ich schon lange fort“, antwortete Roy gelassen.

    „Wenn wir in Betracht ziehen, dass du hier eingesperrt bist“, sagte Hank, dem allmählich die Geduld verging „dann denke ich, können wir davon ausgehen, dass du nirgendwohin verschwinden wirst. Vorausgesetzt auch nur ein Wort von dem, was du sagst, ist wahr, hast du also die Wahl: Du kannst uns ganz genau erklären, was es mit diesem Tor zur Hölle auf sich hat und was wir dagegen unternehmen könnnen... oder du kannst gemeinsam mit uns draufgehen.“ Dann drehte er sich um und stürmte aus dem Raum, Mitchell kam hinterdrein. „Colonel, kümmern Sie sich darum, dass diese Tür maximal bewacht wird. Ich will kein Risiko eingehen. Dieser Kerl darf auf gar keinen Fall entkommen!“

    „Ja, Sir.“

    ----------

    „Uns haben Berichte erreicht, wonach die Menschen in einigen Städten auf die Straße gegangen sind“, sagte Daniel Jackson, der über eine Videoverbindung in den Besprechungsraum des Stargate Centers zugeschaltet war. „Es gab Krawalle und die Polizei vor Ort hat alle Hände voll zu tun.“

    „Das war ja zu erwarten...“, murmelte Cameron, der am Tisch saß. Außerdem waren noch General Landry, Teal’c, Sam und Vala zugegen. Letztere war am frühen Morgen zurück zum Cheyenne Mountain geflogen, weil sie Daniel auf seiner Weltreise nicht begleiten wollte.

    „Das ist richtig“, sagte der Archäologe jetzt, welcher sich mittlerweile auf einem Flugzeug in Richtung Europa befand. „Tatsächlich sind diese Berichte aber ziemlich rar. Wie es scheint, bewahren die meisten Menschen die Fassung. In den meisten Städten ist es ruhig.“

    „Sieht so aus, als hätten Sie mit Ihrer Rede ganze Arbeit geleistet“, sagte Cameron zufrieden. Ein leichtes Schmunzeln konnte er sich nicht verkneifen, denn er musste daran denken, wie sehr sich Daniel vor dieser Rede gesträubt hatte.

    „Es scheint so“, war alles, was der Archäologe darauf erwiderte.

    „Was ist Ihr nächster Termin, Dr. Jackson?“, fragte Landry.

    „Eine Sondersendung zum Stargate in Madrid“, antwortete Daniel. „Von dort geht es weiter nach Frankreich, Italien, Deutschland, Skandinavien... Ich werde noch einige Tage beschäftigt sein.“ Er lächelte auf eine Weise, die deutlich machte, dass er darüber nicht erfreut war.

    „Vielleicht hätte ich doch mitkommen sollen“, meldete sich Vala und grinste schelmisch. „Mit mir würde dir ganz bestimmt nicht so schnell langweilig werden...“

    „Vermutlich“, sagte Daniel trocken, „umso schneller würde ich aber auch den Verstand verlieren.“

    „Ich bin sicher, Sie haben noch eine Menge Vorbereitungen zu treffen“, ging Landry rasch dazwischen, zweifellos um zu verhindern, dass dies kleine Wortgefecht ausuferte. „In der Zwischenzeit haben auch wir unsere Probleme. Zum Glück müssen Sie sich darum aber nicht kümmern, Doktor, solange Sie auf Ihrer Europatournee sind. Danke für Ihren Zwischenbericht. Stargate Center, Ende.“

    „Viel Glück, Daniel“, sagte Sam noch, bevor die Verbindung unterbrochen wurde.

    Landry wandte sich von der Leinwand ab und dem Tisch, an dem alle saßen, zu. „Nun also zu anderen Dingen. Colonel Caldwell berichtet, dass die Suchteams an Bord der Daedalus nichts gefunden haben. Wir können davon ausgehen, dass Roy diese Aktion alleine durchgezogen hat.“

    „Vielleicht sollte ich mich mal mit ihm austauschen“, sagte Vala grinsend. „Bestimmt können wir noch viel voneinander lernen...“

    „Zwar kann ich nicht behaupten, dass die Air Force damals sehr erfreut darüber gewesen wäre, dass du die Prometheus gekapert hast, Miss Mal Doran“, sagte Landry streng, „aber die heutige Lage ist etwas ernster. Dieser Kerl hat immerhin unsere Vernichtung angekündigt.“

    „Ist schon mal jemandem der Gedanke gekommen, dass es sich bei Roy nur um einen verwirrten Spinner handeln könnte?“, fragte Cameron in die Runde.

    Der General sah ihn mit unbewegter Miene an. „Ich denke, dieser Gedanke ist uns allen schon mal gekommen, Colonel.“

    „Er spricht in Rätseln“, ergriff nun Teal’c zum ersten Mal das Wort, „aber wie ein Verrückter kommt er mir nicht vor. Major Marks hat berichtet, dass eine ganze Flotte von Schiffen aufgetaucht ist, nachdem die Daedalus aus dem Hyperraum gefallen war. Ich bezweifle, dass ein Verrückter solch geballte Macht hinter sich vereinen könnte.“

    „Tja, da ist was dran“, erwiderte Sam, „aber wenn ihm die Schließung des... Tors zur Hölle“, sie hob die Hände und setzte den Begriff in imaginäre Anführungsstriche, „... wichtig genug war, um die Daedalus zu kapern und uns eine Geiselnahme vorzugaukeln, wieso ist er nicht einfach sofort mit allen ihm zur Verfügung stehenden Schiffen gereist und hat uns damit bedroht? Wenn seine Zivilisation wirklich so fortschrittlich ist, wie sie scheint, dann hätten wir wahrscheinlich nur wenig entgegenzusetzen gehabt. Das wäre doch deutlich effektiver gewesen als diese halbherzige Geiselnahme.“

    „Nur weil wir sein Vorgehen nicht verstehen, bedeutet das nicht, dass er verrückt ist, Colonel Carter“, wandte Teal’c ruhig ein, die Fingerkuppen aneinandergepresst. „Obwohl es ein Leichtes war, die Crew der Daedalus zu befreien und Roy gefangen zu nehmen, halte ich diesen Mann für gefährlich. Wir sollten uns nicht mit der Annahme zufrieden geben, dass er verrückt ist und auf keinen Fall sollten wir ihn unterschätzen.“

    „Demnach glaubst du ihm also sein Gerede über ein Tor zur Hölle, Großer?“, fragte Vala.

    „Ich glaube nicht an die Hölle“, erwiderte der Jaffa. „Ich bin der Meinung, dass Roy diesen Begriff als Umschreibung für etwas anderes benutzt.“

    „Und für was?“, wollte Vala wissen.

    Teal’c fixierte sie scharf. „Kann ich nicht sagen.“

    „Das kann aktuell niemand“, mischte sich Landry ein, „das ist unser Problem. Und Roy scheint nicht gewillt zu sein, uns in dieser Angelegenheit zu erleuchten. Wir wissen nichts über ihn oder dieses Tor. Verzeih mir, Teal’c, aber für mich sieht es im Moment sehr danach aus, als hätten wir es mit einem Verrückten zu tun.“

    „Ich denke, er hat etwas vor“, beharrte der Jaffa. Seine Miene war wie versteinert, wie immer, wenn ihm eine Entwicklung nicht gefiel. „Ich bitte darum, den Gefangenen verhören zu dürfen. Vielleicht kann ich etwas aus ihm rauskriegen.“

    Der General zögerte einen Moment, stimmte schließlich aber zu. „Einverstanden. Bis Roy sich entschließt, zu reden, können wir nur spekulieren. Und ich hasse es, spekulieren zu müssen. Berichten Sie sofort, wenn Sie etwas herausgefunden haben!“

    Der Jaffa nickte entschlossen und erhob sich. Just in jenem Augenblick ging plötzlich der Alarm los. Noch während alle Anwesenden verwirrte Blicke austauschten, hörten sie rasch aufeinanderfolgende Schritte die Treppe zum Besprechungsraum hinaufkommen. Von dieser kurzen Strecke völlig außer Atem platzte Sergeant Harriman in den Besprechungsraum.

    „Sir“, wandte er sich an den General und holte tief Luft, „uns erreichte soeben die Meldung, dass die Tür zum Gefangenen aufgebrochen wurde. Die Soldaten, die sie bewacht haben, liegen bewusstlos am Boden. Er ist entkommen.“

    Sofort sprang Landry aus seinem Stuhl und rief wutentbrannt: „Wie ist das möglich?“

    „Wissen wir nicht, Sir.“

    Landry wandte sich an die anderen: „Das Verhör wird warten müssen bis Sie ihn wieder eingefangen haben. Beeilen Sie sich, er darf den Stützpunkt nicht verlassen!“

    ----------

    Der ganze Stützpunkt war in Bereitschaft. General Landry hatte eine Durchsage gemacht, wonach der Flüchtige um jeden Preis wieder einzufangen war, und zwar lebendig.

    Ein kluger Hinweis, dachte Sam, während sie zusammen mit Cam und einigen anderen Soldaten Position an einer leer stehenden Kreuzung bezogen, wussten sie doch immer noch nicht, was Roy eigentlich im Schilde führte, sofern er überhaupt irgendetwas vor hatte.

    Sie spekulierten darauf, dass Roy durch das Stargate wollte, denn nur auf diese Weise konnte er ihnen entkommen. Und der kürzeste Weg von seiner Zelle dorthin führte durch den Gang, auf den sie nun alle ihre Waffen richteten.

    Sam umklammerte ihre P90. Für sie war es vertraut und ungewohnt zugleich, hier mit einer Waffe in der Hand zu stehen und auf einen Feind zu warten, um ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen; vertraut, weil sie zehn Jahre ihres Lebens Teil von SG-1 gewesen war und in dieser Zeit viele Feuergefechte hinter sich gebracht hatte, sowohl in den Gängen des Stargate Centers, als auch auf anderen Planeten oder Raumschiffen; ungewohnt, weil dies nun schon so lange her war. Nachdem sie nach Atlantis versetzt worden war, hatte sie nicht ein einziges Mal mehr eine Waffe abgefeuert. Und nun da sie hier stand und auf einen Flüchtigen wartete, der scheinbar mühelos eine massive Stahltür aufgebrochen und vier Soldaten außer Gefecht gesetzt hatte, sehnte sie sich plötzlich wieder zurück auf ihr Schiff, die Hammond.

    „Colonel Mitchell“, ertönte plötzlich eine zittrige Stimme aus ihren Funkgeräten, „er ist unterwegs zu Ihnen. Wir konnten ihn nicht aufhalten.“

    Sam und Cameron wechselten angespannte Blicke. Im ganzen Stützpunkt waren Einheiten postiert, um Roy den Weg abzuschneiden. Die erste hatte er offenbar überwunden.

    „Verstanden“, sprach Cam in sein Funkgerät und sah grimmig zum Ende des Ganges, wo schon bald der Flüchtige auftauchen sollte. „Wie macht dieser Kerl das...“, brummte er.

    Sam hatte darauf keine Antwort. Also tat sie es Cameron gleich und richtete ihre Konzentration auf das Ende des Ganges, bereit zu feuern, falls es nötig werden sollte.

    „Bereit halten, Leute“, sagte Cam leise, „gleich ist es soweit...“

    Und tatsächlich dauerte es nach diesen Worten nicht mehr lange, bis sie einen fahlen Schatten erspähten, der um die Ecke zu kommen schien. Nur einen Augenblick später trat Roy in ihr Blickfeld, unbewaffnet wie es schien. Als er sie erkannt hatte, hielt er einen Moment inne, näherte sich ihnen dann jedoch ruhigen Schrittes, bis er schließlich in etwa fünf Metern Entfernung stehen blieb.

    „Samantha, Colonel Mitchell“, begrüßte er sie mit einem Kopfnicken, „ich nehme an, ihr wollt mich nicht passieren lassen?“

    „Worauf du einen lassen kannst“, knurrte Cam, mit seiner P90 auf Roy zielend.

    „Nur ungern möchte ich mit euch das gleiche anstellen, wie mit euren Freunden“, erwiderte Roy gelassen. Zur Verdeutlichung seiner Worte hob er seine rechte Hand.

    Jetzt erst erkannte Sam, dass er doch eine Waffe trug: Ein Messer, das er offenbar einem Soldaten abgenommen hatte. Blut tropfte von der Klinge.

    „Du hattest die Wahl zwischen einem Maschinengewehr und einem Messer, und du entscheidest dich für letzteres?“, fragte Cam spöttisch.

    „Ich mag es gern altmodisch“, entgegnete der Flüchtige unbeeindruckt. Er ließ seine Hand wieder senken. „Nun, letzte Chance...“

    „Du kommst hier nicht vorbei“, beharrte Cameron. „Wirf das Messer weg und ergib dich!“

    „Aber Colonel, sei doch vernünftig...“, begann Roy und machte einen Schritt auf die Soldaten zu.

    Doch Cam hatte offenbar genug. Er richtete seine Waffe ein Stück nach unten und drückte ab. Natürlich sah keiner der Anwesenden die Kugeln, die der P90 entwichen waren, aber nur allzu deutlich konnten sie die Löcher in Roys Kleidern erkennen. Cam hatte ihm geradewegs ins rechte Bein geschossen.

    Abrupt blieb Roy wieder stehen und sah milde überrascht zu seinem Bein hinunter, wo seine Kleidung in Fetzen hing. Kein Schmerzensschrei war ihm entwichen, kein Blut tropfte zu Boden. Er sah wieder nach vorne, Cameron direkt ins Gesicht. „Du bist nicht der erste, der heute auf mich schießt.“ Er deutete auf weitere Löcher in seiner Kleidung, die sie zuvor nicht bemerkt hatten. „Großer Fehler.“

    Plötzlich passierte alles ganz schnell. Roy warf sein Messer auf einen der Soldaten und es bohrte sich tief in dessen Schulter. Und dann war der Schwarzgekleidete auch schon mitten unter ihnen. Er zog das Messer aus dem Soldaten und rammte es dem nächsten in den Oberschenkel. Cameron feuerte auf ihn, doch es zeigte keine Wirkung. Und dann stand Roy plötzlich direkt vor Sam und ehe sie etwas unternehmen konnte, hatte er ihr seinen Ellbogen ins Gesicht gerammt. Von der Wucht des Schlages wurde sie umgerissen und fiel zu Boden. Während ihr langsam die Sinne schwanden, hörte sie noch Schreie und Schüsse. Dann war alles schwarz.

    ----------

    Vorsichtig lugte Vala um die Ecke. Sie ging stark davon aus, dass Roy schon bald hier lang kommen würde. Systematisch hatten ihm die Einheiten des Stargate Centers den Weg zum Stargate abgeschnitten, aber bis auf einen einzigen Funkspruch, der an Colonel Mitchell gerichtet gewesen war, hatte sie nichts mehr von den Einsatzkräften, die sich Roy bereits in den Weg gestellt hatten, gehört. Ein schlechtes Zeichen.

    „Okay, Jungs“, wandte sie sich an die Soldaten, die gemeinsam mit ihr den Gang bewachten, „ich schätze, der Typ wird gleich hier sein. Mal sehen, ob er mit uns fertig wird.“ Sie drehte sich wieder nach vorne und spähte um die Ecke.

    Ihre Gedanken drifteten ab. Sie verstand nicht, was diesen Roy überhaupt antrieb. Er liebte es offenbar, von einem gewissen Tor zur Hölle zu faseln, das unbedingt geschlossen werden sollte. Und das wiederum hatte aus irgendeinem Grund mit der Geheimhaltung des Stargateprogramms zu tun, was für Vala nicht einmal annähernd Sinn ergab. Außerdem wusste sie nicht, wieso sich Roy überhaupt dafür interessierte. Er hatte die Vernichtung der Menschheit angekündigt, jetzt, wo das Tor scheinbar nicht mehr geschlossen werden konnte. Aber was hatte er mit der Menschheit des Planeten Erde zu tun? Konnte es ihm nicht egal sein, wenn sie ausgelöscht wurde? Einfach nichts in dieser Angelegenheit ergab Sinn. Vielleicht war Roy wirklich verrückt, auch wenn Teal’c anderer Meinung war...

    Plötzlich nahm Vala einen etwa faustgroßen Gegenstand wahr, der durch die Luft flog, genau auf sie und die Soldaten zu. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, weil sie dachte es handelte sich um eine Handgrante. Als der Gegenstand auf den Boden schlug, wurde klar, dass diese Einschätzung nur fast richtig war. Weißer Rauch stieg daraus hervor und hüllte langsam den ganzen Korridor ein.

    „Verdammter Mistkerl“, keuchte Vala. Sie wich zurück, die Waffe erhoben, bereit auf alles zu feuern, was plötzlich zwischen den Nebelschwaden auftauchte und sie angriff. Rasch blickte sie über ihre Schulter nach hinten. Ihre Mitstreiter konnte sie kaum noch ausmachen. Sie sah wieder nach vorne. Ihre Augen huschten hektisch hin und her in dem verzweifelten Versuch, den Angreifer zu erkennen. Aber durch den Rauch war es hoffnungslos.

    Und dann hörte sie plötzlich ein ersticktes Keuchen, das von rechts zu kommen schien. Nur einen Augenblick später ertönte ein dumpfer Aufschlag, als wäre jemand zu Boden gegangen. Schüsse hallten durch den Gang, aber Vala wagte es nicht mit einzustimmen, aus Angst, sie würde einen der eigenen Leute treffen. Jetzt schrie jemand, gefolgt von einem schwachen Röcheln. Mehr dumpfe Aufschläge. Und die Außerirdische wusste immer noch nicht, wohin sie sich überhaupt wenden sollte.

    Dann war alles still. Während Valas Augen immer noch hektisch auf der Suche nach einem Ziel umherschweiften, schien sich ihr plötzlich ein Schatten zu nähern. Immer deutlicher wurden die Konturen dieses Schattens, je näher er kam, und Vala zielte sofort mit ihrer Waffe darauf, wagte es aber noch nicht abzudrücken. Schließlich erkannte sie den großgewachsenen Mann in den schwarzen Kleidern, der zweifelsohne Roy war.

    Er hielt inne und verschränkte lässig die Arme vor der Brust. In einer Hand hielt er ein Messer, an dem frisches Blut klebte. „Hallo, meine Schöne“, sprach er und verneigte sich höflich. „Vala, nicht wahr? Ich glaube, wir hatten noch nicht das Vergnügen.“

    „Hast du sie umgebracht?“, fragte Vala mit zittriger Stimme. Sie konnte ihre Gefährten in all dem Nebel nicht erkennen, befürchtete aber das Schlimmste.

    „Ich weiß nicht genau“, antwortete Roy leichthin. „Ich würde sagen, sie leben noch. Aber ohne medizinische Hilfe...“

    „Sieht so aus, als wäre mit dir nicht zu spaßen, was?“, sagte Vala und versuchte dabei furchtlos zu klingen. Tatsächlich aber war ihr gar nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie gerade einem Mann gegenüberstand, der offenbar kein Problem damit hatte, sich nur mit einem Messer bewaffnet in den Kampf gegen das gesamte Stargate Center zu stürzen, und damit auch noch Erfolg hatte. Das Blut, das nun von der Klinge in seiner Hand auf seine verschränkten arme tropfte, zeugte davon.

    „Eigentlich bin ich immer für einen Witz zu haben“, erwiderte Roy lächelnd. „Im Moment habe ich allerdings dringlichere Angelegenheiten. Ich habe eine Nachricht für deine Vorgesetzten. Ich will sicher gehen, dass sie sie diesmal verstehen. Deswegen möchte ich, dass du die Nachricht überbringst. Ich denke, das ist deutlich effektiver, als wenn ich sie persönlich überbringe.“

    „Was für eine Nachricht?“ Vala war das Gebaren ihres Gegenübers nicht geheuer.

    „Das ist das ironische daran“, sagte Roy und löste seine Arme aus der Verschränkung. „Obwohl du die Überbringerin der Nachricht bist, wirst du die letzte sein, die die Nachricht hört.“ Mit zwei raschen Schritten war er bei ihr.

    Vala wusste nicht wie ihr geschah. Er schlug ihr die P90 aus der Hand und griff ihr an die Kehle, um sie zu würgen. Verzweifelt versuchte sie, seinen Griff zu lockern, doch er war zu stark. Jetzt hob er sie auch noch hoch, sodass sie hilflos in der Luft baumelte. Ihre Beine zappelten, traten aus, aber Roy ließ sich davon nicht irritieren.

    „Bevor du die Nachricht überbringen kannst“, sprach er bedrohlich, „müssen wir dich dieser Kleider entledigen. Aber keine Sorge“, fügte er hinzu, während sich wieder ein sanftes Lächeln auf seinen Lippen bildete, „ich erspare dir den Schmerz und die Demütigung.“ Mit einem Ruck warf er sie gegen die rückwärtige Wand.

    Vala spürte einen pochenden Schmerz im Hinterkopf und danach nichts mehr. Bewusstlos sackte sie zu Boden.

    ----------

    Teal’c keuchte, sein Schädel dröhnte. Er kroch auf allen Vieren und versuchte, sich mühselig aufzurichten. Roy durfte auf keinen Fall entkommen.

    Leider war dies gar nicht so einfach. Er hatte Teal’cs ganze Einheit regelrecht auseinander genommen und dabei nur ein Messer als Waffe gehabt.

    Der Jaffa blickte sich um. Er und die anderen Soldaten seiner Gruppe hatten die letzte Barriere für Roy dargestellt. Sie hatten den Kontrollraum bewacht. Nun aber lagen Teal’cs Gefährten quer durch den Raum verteilt. Einige waren bewusstlos, andere hatten tiefe Schnitt- und Stichwunden erlitten und konnten sich nicht mehr regen.

    Der Jaffa wollte ein medizinisches Notfallteam rufen, doch ein Blick durch die Fenster in den Gateraum ließ ihn erstarren. Das Sternentor war aktiviert. Und nun trat ein geradezu entspannt wirkender Roy durch die Feuerschutztür an der Seite, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er durfte nicht entkommen...

    Teal’c ignorierte seine Schmerzen und sprintete los; die Treppe hinunter, durch den Gang und schließlich in den Gateraum. Roy war dem Tor bereits ganz nahe und schien für nichts anderes Augen zu haben. Der Jaffa rannte hinter ihm her und stürzte sich auf ihn. Beide fielen zu Boden und rangelten miteinander, wobei es Teal’c gelang, die Oberhand zu gewinnen. Er kniete über dem Flüchtigen, drückte ihn mit einer Hand an der Kehle nach unten und hielt ihn fest.

    „Es ist vorbei!“, knurrte Teal’c.

    Roy schloss die Augen und seufzte. Trotz seiner misslichen Lage schien er nicht sonderlich beunruhigt. „Ich habe dir doch schon gesagt, dass wir keinen Konflikt miteinander haben, Teal’c“, sprach er klar und deutlich, als würde er die Hand an seiner Kehle gar nicht spüren. „Du kannst mich also gehen lassen.“

    „Ich bin anderer Meinung!“, erwiderte der Jaffa grimmig und drückte noch etwas fester zu.

    Wieder seufzte Roy, als wünschte er, sein Gegenüber wäre weniger begriffsstutzig. „Du hast keine Ahnung, wer ich bin, Teal’c. Du weißt nichts über mich. Wie sollte es auch anders sein, ich habe dir nie etwas über mich anvertraut. Ich erwarte also nicht, dass du mir Glauben schenkst. Dennoch, es wäre besser für dich, du tätest es. Letzte Chance, mich gehen zu lassen...“

    Teal’c machte sich nicht einmal die Mühe, zu antworten. Er verwendete all seine Kraft und all seine Konzentration darauf, Roy am Boden festzuhalten, denn er hatte selbst erst wenige Momente zuvor erfahren müssen, wie stark dieser war.

    Roy indessen hatte sein Schweigen offenbar als ein ‚Nein’ gedeutet. Und dann ging alles ganz schnell. Ehe sich Teal’c versah, war er es plötzlich, der auf dem Rücken lag und Roy derjenige, der über ihm kniete und ihm die Kehle zudrückte.

    „Keine Bewegung!“, ertönte plötzlich eine bellende Stimme durch die Lautsprecher.

    Teal’c erkannte sie sofort. Es war General Landry. Rund ein Dutzend Soldaten stürmten plötzlich den Gateraum, darunter Colonel Mitchell und Colonel Reynolds. Alle zielten sie mit ihren Waffen auf Roy.

    Dieser jedoch hatte keine Zeit verschwendet. Kaum hatte General Landry ausgesprochen, da stand er ruckartig auf und riss den Jaffa mit in die Höhe und brachte dessen Körper zwischen sich und die Maschinengewehre. Das Messer, das er die ganze Zeit über nicht losgelassen hatte, schnellte zur Kehle seines Opfers.

    Teal’c spürte den Druck des Messers an seinem Hals und glaubte, dass sich ein wenig von seinem eigenen Blut mit dem an der Klinge klebenden vermischte.

    „Schaltet das Tor ab und er stirbt“, rief Roy den Soldaten und General Landry zu.

    Teal’c wollte ihnen zurufen, dass sie nicht auf Roy hören sollten, aber die Klinge schnitt immer tiefer in seinen Hals und Blut quoll in immer größeren Mengen daraus hervor. Er konnte nicht sprechen. Er erkannte jedoch die versteinerten Gesichter seiner Kameraden und ahnte, dass sie nachgeben würden.

    „Ausgezeichnet“, murmelte Roy, der offenbar zu dem selben Schluss gekommen war. Er neigte sich nun ganz dicht zu Teal’cs Ohr und flüsterte: „Nun hör mir gut zu: Ich wiederhole, ich habe keinen Zwist mit dir. Ich gebe dir den gutgemeinten Rat, in deine Heimatwelt zurückzukehren. Glaub mir, du willst nicht hier sein, wenn ich das Tor zur Hölle schließe... Adieu.“ Er nahm das Messer von Teal’cs Hals und stieß ihn von sich. Dann wandte er sich dem Stargate zu und nach drei schnellen Schritten war er durch den Ereignishorizont verschwunden.

    Teal’cs Hände wanderten zu seiner Kehle, um das Blut aufzuhalten. Auch er drehte sich nun zum Sternentor um und sah gerade noch wie es sich abschaltete. Dann hörte er Colonel Mitchell, der zur nächsten Sprechanlage gerannt war, und endlich ein medizinisches Notfallteam beorderte.
    Geändert von Mix (02.01.2012 um 00:29 Uhr)
    Meine Stargate Fan Fiction:


    °

    To be or not to be, that is a serious question.

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  27. #17
    Airman
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    Bin immer noch dabei und sehr neugierig, wie's weitergeht. Die Story ist supergut zu lesen, spannend und alle wichtigen SG Charaktere sind dabei. Hoffentlich klären sich die Zusammenhänge bald, im Moment kann ich mir aber auch gar nicht vorstellen.
    Weiter so- bin gespannt insbesondere bei diesen fiesen Cliffhangern.

  28. Danke sagten:

    Mix

  29. #18
    Senior Airman Avatar von Mix
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    Hey zusammen,

    es ist zwar schon ne Weile her, dass es hier ein Update gab, aber ich dachte mir, ich schreib die Geschichte wenigstens noch zu Ende. Zwei Kapitel gibts noch, beide sind schon fertig, beide sind zusammen etwa so lang wie alles zuvor. Heute gibts das erste der beiden, in den nächsten Tagen dann das zweite und insgesamt letzte.

    Also an alle, die es noch, wieder oder ganz neu interessiert: Enjoy^^



    5. Auftakt

    „Nein“, sagte Daniel Jackson ruhig, ein Bein über das andere geschlagen, die Augen konzentriert auf die Augen der Moderatorin gerichtet, „nein, das ist so nicht richtig, zumindest heute nicht mehr. Das Stargate selbst ist nicht gefährlich und daher erfüllt auch eine Diskussion über seine mögliche Schließung keinen Zweck.“ Einen Augenblick hielt er inne, um zu überlegen, wie er fortfahren sollte. Seine Stirn war feucht von Schweiß, und er hoffte inständig, dass man dies zu Hause vor den Fernsehern nicht erkennen konnte. Das Gespräch hatte eine unangenehme Richtung eingeschlagen. „Ich gebe zu, früher, als das Stargateprogramm noch am Anfang stand, da flammte dieses Thema das eine oder andere Mal auf. Heute ist sich jeder Beteiligte darüber im Klaren, dass eine Schließung keine Option ist. Wir müssen bedenken, dass die Welt dort draußen, diese Welt, die wir womöglich niemals ganz begreifen können, ganz unabhängig davon existiert, ob wir das Sternentor benutzen oder nicht. Und ich muss klar sagen, dass wir uns in den vergangenen sechzehn Jahren in viele Angelegenheiten eingemischt haben. Ob das immer richtig war, darüber lässt sich gewiss streiten, doch es ist passiert. Wir haben dabei sowohl Freunde, als auch Feinde gewonnen. Wir sind in dieser Galaxie - und teilweise auch darüber hinaus - ein bekanntes Gesicht, wir sind involviert, wir spielen eine gewichtige Rolle in der Entwicklung dieser Galaxis, und diese Rolle können wir nicht einfach aufgeben. Die Torreisen abzubrechen, schützt uns nicht vor Feinden. Wie bereits gesagt: Man kennt uns. Eine Abschaltung des Tores würde nicht nur nichts bewirken, wir würden uns auch im schlimmstmöglichen Fall einer äußerst effizienten und vielseitigen Verteidigungsmöglichkeit berauben. Deswegen möchte ich noch einmal betonen: Die Welt dort draußen birgt gewiss viele Gefahren, das Stargate selbst jedoch nicht. Eine Abschaltung des Tores schützt uns nicht vor diesen Gefahren.“

    „Verzeihen Sie, Dr. Jackson“, sagte die Moderatorin, Sophie Pablo, die ihm mit ebenfalls übereinandergeschlagenen Beinen in einem roten Sessel gegenüber saß, „diese Torreisen finden bis zum heutigen Tage statt, nicht wahr? Immer wieder werden Teams durch das Stargate geschickt, um fremde Planeten zu erforschen. Ist es nicht möglich, dass sie dabei in Kontakt mit etwas geraten, das unserer Erde zum Verhängnis werden könnte, beispielsweise einer fortschrittlichen Technologie, die unser Verständnis übersteigt, oder einer tödlichen Seuche? Ist es in Anbetracht solcher Möglichkeiten nicht verständlich, dass sich viele Menschen sorgen machen und eine Weiterführung des Programms in Frage stellen?“

    Daniel presste seine Fingerkuppen aneinander und wünschte sich sehnlichst, das Thema zu wechseln, doch er musste hierauf antworten. Genau deswegen wurde er schließlich um den Globus geschickt: um den Menschen die Angst vor dem Stargate zu nehmen. Erschwert wurde dieses Unterfangen jedoch durch die Vielzahl an Kameras und Scheinwerfern, die auf ihn gerichtet waren. In Madrid war es um diese Jahreszeit ohnehin schon sehr warm, doch in diesem Studio hatte er das Gefühl, er könne jeden Moment von der Hitze erschlagen werden. Dennoch musste er ruhig und gelassen bleiben. Die Millionen Fernsehzuschauer würden ihm keinen Fehler verzeihen.

    „Natürlich kann ich es nachvollziehen, wenn sich die Menschen Sorgen ob etwaiger Gefahren aus dem All machen“, erwiderte er schließlich. „Jedoch befinden sich im Stargate Center die besten Wissenschaftler unseres Planeten, und bislang kam es noch zu keinem Zwischenfall, bei dem ein Mitglied des Stargateprogramms etwas durch das Sternentor gebracht hat, das anschließend für eine Katastrophe gesorgt hätte.“ Den Gedanken an das Orivirus schob er rasch beseite. Vor seiner Abreise war ihm verboten worden, über derartige Dinge zu sprechen. Alles natürlich in der noblen Absicht, eine Massenpanik zu vermeiden, dachte Daniel sarkastisch. Er fuhr fort: „Außerdem möchte ich klarstellen, dass diese möglichen Gefahren nichts im Vergleich zum Nutzen sind, den wir aus den Torreisen ziehen können. Im All verbergen sich womöglich Lösungen auf Probleme, die hier auf der Erde ganz akut sind. Denken Sie an für uns unheilbare Krankheiten, an Hunger, unter dem nach wie vor zahlreiche Menschen leiden müssen, an Energievorräte, die immer knapper werden, an unsere Atmosphäre, die stark belastet ist. Es ist sehr gut möglich, dass wir dort draußen Möglichkeiten finden, diese Probleme zu lösen. Dabei sind schon erste Ansätze zu erkennen. So sind wir zum Beispiel auf ein Element namens Naquadriah gestoßen, das über ein unglaubliches Energiepotential verfügt. Mit ihm könnte es gelingen, den gesamten Planeten mit Energie zu versorgen. Energiegewinnung durch Öl, Gas und Kernspaltung wäre nicht mehr nötig. Konflikte um Erdöl- und Gasvorkommen würden entfallen und unsere Atmosphäre würde entlastet. Und das ist nur ein Beispiel.“ Er rückte seine Brille zurecht, die auf seiner feuchten Nase ein Stück weit hinunter gerutscht war. Endlich konnte er über die positiven Aspekte des Stargateprogramms reden und dabei ganz offen sein. Ihm war gleich ein wenig wohler zumute. „Nicht zuletzt offenbart uns das Stargate natürlich eine Möglichkeit, von der die Menschheit schon seit Anbeginn der Raumfahrt träumt: die Möglichkeit, andere Planeten zu besiedeln. Der Gewinn von Lebensraum ist einer der größten Vorteile, den uns das Sternentor bietet. Die Menschheit wächst unaufhaltsam weiter, inzwischen zählen wir mehr als siebenmilliarden Mitglieder unserer Rasse auf der Erde. Über kurz oder lang dürfte es hier also recht eng werden. Durch das Stargate können wir unseren Planeten entlasten und territorialen Konflikten vorbeugen.“

    „Kommen wir zu einem anderen Thema, Dr. Jackson“, sagte Sophie Pablo, während Daniels Blick zu der Kulisse huschte, vor der sie saßen, nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Dort prangte ein Pappstargate in Originalgröße und dahinter ein schwarzer, mit Sternen besprenkelter Hintergrund. Daniel hatte den Eindruck, diese Kulisse würde besser zu einem Science Fiction Film passen. „Dr. Jackson, Sie selbst sind jahrelang immer wieder durch das Sternentor gegangen und haben fremde Planeten erforscht. Wir haben heute Abend bereits über viele Dinge gesprochen, doch mir selbst fällt es immer noch schwer, das ganze Ausmaß dieser Angelegenheit zu begreifen. Vielleicht könnten Sie etwas von Ihren eigenen Erfahrungen schildern, um mir und den Zuschauern, denen es ähnlich ergeht, einen besseren Einblick zu vermitteln? Vielleicht gibt es das eine oder andere Ereignis, das Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben ist und das Sie gerne mit uns teilen möchten?“

    „Ja“, sagte Daniel, der seine Aufmerksamkeit rasch wieder auf die Moderatorin richtete, „da gibt es natürlich einiges, das mir in Erinnerung geblieben ist. Niemals werde ich meine erste Reise durch das Stargate vergessen. Wir sind damals auf einem Planeten namens Abydos gelandet, einem Wüstenplaneten, und wir wussten kaum wie uns geschah. Ich habe dort jemanden getroffen, der mir sehr wichtig wurde...“ Für einen Moment verschleierte sich sein Blick, während er seinen eigenen Gedanken nachhing. Dann überlegte er es sich jedoch anders. Er wollte nicht vor laufender Kamera über Sha’re sprechen. „Das Stargateprogramm wie es heute existiert wurde erst ein Jahr nach dieser Reise ins Leben gerufen. Ich selbst war Mitglied des SG-1 Teams und ich habe viele gute Erinnerungen an diese Zeit. Wir waren zum Beispiel einmal auf einem Planeten namens...“

    Doch Sophie Pablo und die Zuschauer zu Hause erfuhren niemals, auf welchen Planeten es das SG-1 Team einst verschlagen hatte, denn just in jenem Augenblick wurde Daniel Jackson plötzlich in ein grelles Licht getaucht und war verschwunden. Nur ein schwacher Abdruck auf seinem roten Sessel zeugte davon, dass er Teil dieser Sendung gewesen war.

    ----------

    „Er hatte wohl Recht“, sagte Vala schwach, die Augen auf den Spiegel gerichtet, den Dr. Lam hoch hielt. Die Außerirdische saß aufrecht auf ihrem Bett in der Krankenstation, das Nachthemd, das sie trug, ein Stück nach oben gezogen, um ihren Rücken zu entblößen. Hinter ihr stand eine Krankenschwester, die ebenfalls einen Spiegel trug. „Ich bin die letzte, die von der Nachricht erfährt, obwohl ich die Botschafterin bin.“ Erschöpft fuhr sie mit ihren Händen über ihr Gesicht. Ihr Kopf schmerzte, doch der Rücken war schlimmer. Erst vor wenigen Minuten war sie erwacht, und hatte sofort wissen wollen, was passiert war. „Dieser verdammte Mistkerl“, sagte sie wütend, „dieser verdammte...“ Ihre Hände verkrampften, sie wollte aufspringen und etwas zerschlagen, doch sie war noch zu schwach. Sie hatte eine Menge Blut verloren.

    „Glauben Sie mir“, sagte Dr. Lam, „Sie sind nicht die einzige, die sich das denkt. So voll hab ich die Krankenstation nicht mehr gesehen, seitdem das Orivirus ausgebrochen ist. Einige Soldaten haben nur leichte Verletzungen abbekommen, hier und da ein kleiner Stich mit dem Messer, andere hat es noch übler erwischt als Sie. Insgesamt zählen wir siebenundfünfzig Verletzte und zwei Tote.“

    „Sie können die Spiegel wieder wegpacken“, sagte Vala, die die Worte, die der Wahnsinnige in ihren Rücken geritzt hatte und inzwischen von Dr. Lam zusammengenäht worden waren, nicht mehr sehen wollte. „Was ist mit den Soldaten, die gemeinsam mit mir den Korridor verteidigt haben?“, erkundigte sie sich.

    „Liegen alle noch auf der Krankenstation. Captain Gaetas Zustand ist kritisch. Er hat zahlreiche Wunden davongetragen, eine besonders tiefe in der Nähe des Halses. Ich weiß nicht, ob er es schaffen wird. Der Rest ist vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Sie werden die Krankenstation schon morgen verlassen können.“

    „Teal’c, Mitchell und Sam?“, wollte Vala nun wissen.

    „Ihnen geht es gut. Teal’c hat einen Schnitt an der Kehle erlitten, aber ich konnte ihn bereits wieder entlassen. Colonel Carter hat eine blutige Nase davon getragen, Mitchell blieb unverletzt.“

    „Und der General?“

    „Ebenfalls unverletzt.“

    „Ihnen scheint es auch gut zu gehen“, bemerkte die Außerirdische.

    „Ja“, erwiderte die Ärztin, „ich bin keine Soldatin, also musste ich mich Roy auch nicht in den Weg stellen. Obwohl ich durchaus Interesse daran habe, zu erfahren, wie er es geschafft hat zu entkommen. Wie man mir sagte, war es praktisch unmöglich ihn zu verletzen. Sämtliches Maschinengewehrfeuer schien einfach an ihm abzuprallen. Höchst seltsam für jemanden, der ein einfacher Mensch zu sein scheint.“

    „Vielleicht ist er dann kein einfacher Mensch“, meldete sich plötzlich Colonel Carter, die nun an das Bett ihrer ehemaligen Teamkollegin trat. Sie wirkte mitgenommen, ihre Nase war geschwollen, doch ansonsten schien sie wohlauf. „Wie geht es dir?“, wandte sie sich an Vala.

    „Ging mir schon besser“, antwortete die Außerirdische. „Was meinst du mit: Vielleicht ist er dann kein einfacher Mensch?“

    „Nun ja“, sagte Sam und lächelte auf eine Weise, die keine Freude bereitete, „ein einfacher Mensch wäre durch das Maschinengewehrfeuer zerfetzt worden. Es ist also offensichtlich mehr an diesem Roy dran als das Auge sieht. Tut mir Leid, mehr wollte ich dazu gar nicht sagen. Ich glaube, mein Kopf brummt noch zu sehr.“

    Vala und Dr. Lam nickten verständnisvoll und die Ärztin sagte: „Bitte entschuldigen Sie mich. Ich muss mich um meine anderen Patienten kümmern.“ Rasch entschwand sie und ließ die beiden anderen zurück.

    „Wie geht es deinem Rücken?“, wollte Sam wissen.

    „Er schmerzt und sieht scheußlich aus“, antwortete Vala missmutig. Mit einem Blick durch die gefüllte Krankenstation fügte sie hinzu: „Wie konnte es nur so weit kommen?“

    „Ich befürchte, es wird noch viel schlimmer kommen“, erwiderte Sam. „Roy hat zu Teal’c gesagt, dass er wiederkommen würde, um das Tor zur Hölle zu schließen. Leider wissen wir nicht wann und was er mitbringen wird.“

    Vor Valas geistigem Auge tanzten blutige Wörter zu einer unheilvollen Musik.

    ----------

    Jack stand mit verschränkten Armen im Türrahmen und sah seinem Freund eine Weile dabei zu, wie dieser den Sandsack bearbeitete. Er dachte im Stillen, dass er nicht mit dem Trainingsutensil tauschen wollte, denn Teal’c drosch erbarmungslos darauf ein, als sei der Sandsack persönlich für alles Leid verantwortlich, das dem Jaffa jemals widerfahren war.

    Der General war vor einer halben Stunde im Cheyenne Mountain angekommen. Nachdem er gehört hatte, was sich im Stargate Center abgespielt hatte, hatte ihn in Washington nichts mehr halten können. Insgeheim war er froh, den ganzen Trubel, den die Bekanntgabe des Stargateprogramms verursachte, für eine Weile hinter sich zu lassen. Das war für ihn aber nur eine erfreuliche Randerscheinung. Viel wichtiger war es ihm, sich zu erkundigen, wie es seinen Kollegen erging, und sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Nach seinen Informationen hatte Roy ein ziemliches Gemetzel angerichtet.

    Als er dachte, die Kette, an der der Sandsack hing, würde den unerbittlichen Schlägen nicht mehr lange standhalten, machte er sich schließlich bemerkbar: „Du siehst sauer aus, Teal’c.“ Langsam trat er in den Fitnessraum, unsicher, ob der Jaffa in der Stimmung für eine Unterhaltung war.

    „O’Neill“, sagte Teal’c und hielt den Sandsack fest, damit er aufhörte zu schwingen. Dicke Schweißperlen rannen sein Gesicht hinunter. Er neigte den Kopf zum Gruß.

    „Störe ich?“, erkundigte sich Jack.

    „Ganz und gar nicht, O’Neill“, antwortete der Jaffa, wenn auch nicht begeistert.

    Dem General fiel der Verband auf, der um Teal’cs Hals gewickelt war. Er war blutig. „Ich könnte wetten, du hast noch Sportverbot.“ Zaghaft deutete er auf den rotgefärbten Verband.

    „Das ist nichts“, sagte Teal’c unwirsch. Jack hegte den Verdacht, dass ihm längst klar war, dass er blutete.

    „Wie ich höre, hattet ihr hier eine verdammt abgefahrene Party...“

    „Das ist eine äußerst euphemistische Bezeichnung für das, was passiert ist“, entgegnete Teal’c, die Mundwinkel weit nach unten gezogen.

    „Da hast du Recht“, sagte der General, und beschloss fortan keine Witze mehr zu machen. „Wieso erzählst du mir nicht, was passiert ist?“ Natürlich wusste er bereits, wie genau sich die Sache zugetragen hatte, doch er war an Teal’cs perönlicher Sichtweise interessiert.

    Für einen Moment schwieg der Jaffa, vielleicht weil er überlegte, ob er nicht lieber weiter den Sandsack weichprügeln wollte, doch schließlich begann er zu sprechen: „Als Jaffa bin ich um ein Vielfaches stärker als ein Ta’uri. Aber auch ich bin in der Vergangenheit auf Wesen getroffen, die noch stärker waren. Menschenform-Replikatoren waren mir überlegen. Doch ich schwöre dir, O’Neill...“, und nun machte sein Gesicht einen Ausdruck, den Jack nur selten bei ihm beobachtet hatte, „...ich bin noch nie auf jemanden gestoßen, der so stark ist wie Roy.“ Der General glaubte, Verletzlichkeit in den Augen des sonst so gefestigten Jaffa zu erkennen. „Vor dem Ereignishorizont habe ich mich auf ihn geworfen und ihn mit aller Kraft zu Boden gedrückt, doch es schien ihn nicht einmal zu stören. Ich befand mich in der überlegenen Position, und doch konnte ich nichts tun, als er mich plötzlich packte und herum warf und schließlich ich derjenige war, der zu Boden gedrückt wurde. Ich konnte... nichts... tun. Ich war vollkommen... wehrlos.“

    „Und die Wunde?“

    „Nachdem unsere Soldaten den Torraum gestürmt hatten, hat er mich hochgerissen und mit seiner Klinge gedroht mich zu töten, sollte General Landry das Tor abschalten. Erneut konnte ich nichts gegen ihn ausrichten. Ich wollte ihnen zurufen, dass sie nicht auf ihn hören sollten, doch meine Stimme versagte unter dem Druck der Klinge. Dann hat er mir noch einmal zugewispert, dass er keinen Zwist mit mir habe und dass ich die Erde verlassen solle. Dann ging er durch das Sternentor.“

    Eine Phase des Schweigens brach über sie herein, während der sie sich gegenseitig ansahen. Schließlich erhob Jack das Wort: „Nun, es klingt nicht so, als hätte in der Situation irgendjemand eine bessere Figur machen können als du.“

    „Darum geht es nicht, O’Neill“, sagte Teal’c missmutig.

    „Ich weiß“, entgegnete der General sofort. „Es geht darum, dass dieser Typ nach Belieben mit uns rumspringt und wir ihm bislang nichts entgegenzusetzen haben. Und das gefällt mir überhaupt nicht.“

    Teal’c begann wieder, den Sandsack zu bearbeiten.

    ----------

    Das Tor seid ihr“, zitierte Hank und sah eindringlich in die Runde. „Das sind die Worte, die Roy in Valas Rücken geschnitzt hat. Ganz abgesehen davon, dass ich es nicht mag, wenn jemand mit einem Messer ganze Sätze in die Haut meiner Leute ritzt, gefällt mir die Richtung, in die sich die Ereignisse entwickeln, ganz und gar nicht. Möchte einer von Ihnen einen Deutungsversuch unternehmen?“

    Hank hatte sich gemeinsam mit Colonel Mitchell, Colonel Carter, Teal’c und General O’Neill um den großen Tisch im Besprechungsraum gesetzt. An der Wand gegenüber der Fensterscheibe, durch die man hinunter in den Gateraum blicken konnte, hing ein Bildschirm, auf dem eine Liveübertragung der Infosendung zum Stargate aus Madrid zu sehen war. Dr. Jackson saß dort einer attraktiven Frau gegenüber und beantwortete ihr vermutlich eine ganze Reihe von Fragen. Da es im Moment jedoch dringlicheres zu besprechen galt, war die Sendung stumm geschaltet.

    „Nun ja“, wagte Carter einen Versuch, „wir wissen nach wie vor nicht, wer Roy eigentlich ist, doch ich würde sagen, sein Vorhaben ist einigermaßen eindeutig: Er will uns vernichten.“

    „Er mag uns wohl nicht besonders“, sagte O’Neill in seiner gewohnten Art und sprach damit das Problem an, dass keiner Roys Motive kannte.

    Colonel Carter fuhr fort: „Er hat bereits vor seiner Flucht gesagt, dass wir vernichtet werden, nun da das Stargateprogramm bekannt gemacht wurde und wir dadurch das Tor zur Hölle nicht mehr schließen können. Dann hat er zu Teal’c gesagt, dass er es selber schließen will. Wenn wir das Tor sind, dann fürchte ich, dass es nicht gut für uns aussieht...“

    „Die Frage ist, was er bezweckt“, mischte sich Teal’c ein, welchem inzwischen ein neuer Verband um den Hals gewickelt worden war. „Sowohl durch die fortgesetzte Geheimhaltung des Stargateprogramms, als auch durch unsere Vernichtung scheint er sein Ziel erreichen zu können. Aber wie können diese beiden grundverschiedenen Dinge den selben Effekt haben?“

    „Tja, keine Ahnung“, entgegnete Carter. „Wir wissen einfach zu wenig über Roy. Wir können ihn überhaupt nicht einschätzen und nicht einmal mutmaßen, warum er sich so verhält, wie er es tut.“

    General O’Neill räusperte sich und fragte mit einem gespielt ahnungslosen Gesichtsausdruck: „Wie lauteten noch gleich die Worte, die die Daedalus auf ihrem Weg nach Atlantis empfangen hat?“

    Wäre die Situation nicht so vertrackt, Hank hätte über Jacks Miene lachen können. Doch durch diese Bemerkung bewies der General erneut, dass er deutlich klüger war als er es vorzog seinen Mitmenschen zu vermitteln.

    Hank blätterte rasch durch seine Akten und fand schließlich die Notiz. Laut las er vor: „Das Tor zur Hölle steht offen und das Böse ergießt sich daraus wie eine unaufhaltsame Flutwelle der Abscheulichkeit. Das Universum wird in einen Schleier des Todes getaucht und alles schweigt. Die Zukunft ist verdammt. Das Tor steht offen.“ Kurz hielt er inne, dann fügte er hinzu: „Dieser Roy ist mir eindeutig zu theatralisch.“

    „Mag sein, Sir“, sagte Carter, „doch es bestätigt die Vermutung. Wenn wir das Tor sind, dann glaubt Roy offenbar, dass wir... böse sind, dass wir eine Bedrohung für das Universum darstellen. Und er will diese Bedrohung offenbar beseitigen.“

    „Ja, aber er kennt uns doch gar nicht“, erwiderte O’Neill trocken. „Er könnte sich doch zumindest erst einmal von uns zum Essen einladen lassen, bevor er entscheidet, dass wir der Todfeind des Universums sind.“

    „Ich glaube nicht, dass er darauf warten wird, O’Neill“, sagte Teal’c mit erhobener Augenbraue.

    Erneut war Hank nach Lachen zumute, doch angesichts der ernsten Situation gelang es ihm nicht einmal zu schmunzeln. „Gut, Roy will uns also vernichten, weil er glaubt, dass wir böse sind“, sagte er, „aber ich verstehe immer noch nicht, wieso er sich zunächst mit der Geheimhaltung des Stargateprogramms begnügen wollte.“ Zu seiner Enttäuschung wirkten die Gesichter, in die er sah, vollkommen ratlos. „Colonel Mitchell, Sie haben sich noch gar nicht zu Wort gemeldet. Wie denken Sie darüber?“

    Mitchells Blick war jedoch starr auf den Bildschirm an der Wand gerichtet und es dauerte eine Weile bis er antwortete. „Ich denke, wir haben soeben ein Problem mehr bekommen.“

    Nun wandten alle die Köpfe zu der laufenden Sendung aus Madrid. Die Moderatorin saß noch auf ihrem Sessel, doch ihr Gesicht zeugte von purem Entsetzen. Dr. Jackson schien spurlos verschwunden.

    ----------

    „...Orban...“ Daniel blinzelte einige Male, um sicher zu gehen, dass er nicht träumte. Er befand sich nicht mehr im Fernsehstudio in Madrid, sondern, so konnte er durch das breite Fenster direkt vor ihm erkennen, im Erdorbit. Sofort wusste er, dass er in Schwierigkeiten steckte, denn natürlich sollte er gar nicht hier sein. Zunächst dachte er, eines der Erdenschiffe hätte ihn aus ihm noch unbekannten Gründen an Bord gebeamt, doch schnell begriff er, dass dies nicht sein konnte. Die Wände zu beiden Seiten des Fensters kamen ihm nicht vertraut vor.

    Und dann hörte er hinter sich plötzlich ein einsames Klatschen und hindurch sprach eine Stimme: „Bravo, Daniel Jackson, eine bewundernswerte Leistung, die du da gezeigt hast.“

    Das Klatschen erstarb und der Archäologe wandte sich um. So offenbarte sich vor seinen Augen das, was die Brücke dieses Schiffes sein musste. Die Wände waren übersäht mit holografischen Darstellungen und diversen Apparaturen, die sie generierten. Bedient wurden diese Maschinen von einigen wenigen Menschen, die sich offenbar damit auskannten. In der Mitte der Brücke stand ein einzelner, komfortabler Kommandostuhl, der über einige Eingabemöglichkeiten zu verfügen schien. Auf diesem Stuhl saß jener Mann, der zuvor geklatscht und die Worte gesprochen haben musste.

    „Sei gegrüßt, Daniel, und willkommen auf meinem Schiff“, sagte der Mann und lächelte breit. „Man nennt mich Roy, und ich hoffe, du verzeihst mir die Unterbrechung deines Sendeauftritts. Wir hier oben haben alle deine Antworten mit Spannung verfolgt und wir konnten es kaum erwarten, dich endlich persönlich zu treffen. Leider ist keiner von uns sehr in Geduld geübt und so fürchte ich, haben wir dich ein wenig zu früh aus deiner Sendung gerissen. Bitte vergib uns.“

    Daniel war äußerst argwöhnisch. Offensichtlich war im Stargate Center irgendetwas schief gelaufen. Nach seinem Stand der Dinge sollte Roy eigentlich sicher in einer Zelle hocken. Er machte sich nicht die Mühe, die förmliche Begrüßung zu erwidern, sondern stellte stattdessen eine Frage, deren Antwort ihn brennend interessierte: „Was willst du von mir?“

    „Ah“, sagte Roy, „du verhältst dich ganz ähnlich wie deine Kollegen, obwohl du nicht dem Militär entstammst, faszinierend. Auch deine Kollegen scheinen eine Vorliebe fürs Geschäft zu haben. Nun gut, wie du wünschst.“ Er räusperte sich. „Nachdem ich dir eine Weile in deiner Sendung zugehört hatte, habe ich beschlossen, dass ich es mir nicht entgehen lassen kann, mit dir persönlich zu sprechen. Du hast dort unten einige sehr interessante Antworten gegeben und ich möchte gerne mehr über deine Ansichten hören. Wer weiß, vielleicht gelingt es dir ja sogar, mich von meinem Vorhaben abzubringen...“

    Daniel hatte nichts für diesen Mann übrig, und seine Antwort fiel denkbar knapp aus: „Das bezweifle ich.“ Zwar konnte er sich nicht absolut sicher sein über Roys Pläne, doch nach allem, was er zuvor aus dem Stargate Center gehört hatte, hatte er eine ziemlich gute Vorstellung.

    „Ich würde sagen, du bezweifelst zurecht“, erwiderte Roy. „Ich bin nicht den langen Weg gekommen, um unverrichteter Dinge wieder umzukehren. Dennoch würde mich interessieren, was du zur Verteidigung der Menschheit zu sagen hast. Stell dir vor, du würdest vor einem Richter stehen und müsstest ihm erklären, warum die Menschheit des Planeten Erde es verdient hat zu überleben. Welche Worte würdest du wählen?“

    Der Archäologe schnaufte verächtlich. „Und du bist der Richter?“

    „Ja“, erwiderte Roy gelassen, „außerdem bin ich auch noch Ankläger und Henker. Du bist der Verteidiger. Also, deine Worte?“

    „Es spielt keine Rolle, was ich sage“, erwiderte Daniel, „denn du hast dein Urteil längst gefällt. Und ich als einzelner kann dich weder von etwas anderem überzeugen, noch kann ich dich auf andere Weise aufhalten. Dort unten auf dem Planeten gibt es jedoch vielleicht ein paar Menschen, die das vermögen.“

    „Darauf solltest du dich nicht verlassen“, entgegnete Roy. Sein Lächeln war inzwischen verschwunden, wofür der Archäologe dankbar war, doch er wirkte immer noch äußerst ruhig und gelassen, als würde nicht die geringste Gefahr für ihn bestehen. „Ich habe sicher gestellt, dass nichts, das ihr mir entgegenwerft, mich aufhalten kann. Das Tor zur Hölle muss geschlossen werden, und ich bin wild entschlossen, genau das zu tun.“

    „Natürlich...“, murmelte Daniel, der endlich begriff, „du benutzt diesen Begriff als Metapher für die Menschheit, das hätte mir auch sofort auffallen können, als mir davon berichtet wurde...“ Er hoffte inständig, dass seine Kollegen im Stargate Center bereits dahinter gekommen waren und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen. „Verstehen tue ich es trotzdem nicht. Nach allem, was ich gehört habe, wolltest du uns zunächst dazu bringen, das Stargate weiter geheim zu halten, und jetzt, wo das nicht mehr möglich ist, willst du uns stattdessen vernichten?“

    „Das ist korrekt.“

    Daniel sah sein Gegenüber verwirrt an. „Wieso? Ich meine, ich habe verstanden, dass du uns offenbar nicht sehr magst, uns vielleicht sogar für eine Bedrohung hältst, aus welchen Gründen auch immer, aber wieso wolltest du zunächst eine anhaltende Geheimhaltung des Sternentors erreichen? Was genau versuchst du zu verhindern?“

    „Also gut“, sagte Roy. Ein sanftes Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. „Also gut, ich will es dir erklären. Du bist mir sympathisch, da möchte ich dich nicht unwissend lassen.“ Wieder räusperte er sich. „In wenigen Sätzen kann ich dir Folgendes sagen: Ich bin ein Zeitreisender. Ich komme aus der Zukunft, aus einer sehr, sehr fernen Zukunft, und ich bin hier, um das Universum von der Plage namens Menschheit zu befreien.“

    Daniel hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Er zog es vor, nicht auf diese Offenbarung zu antworten, und hoffte, dass Roy sich noch zu weiteren Worten herablassen würde.

    Und der Zeitreisende erfüllte ihm seinen Wunsch. „Nun versteh mich nicht falsch, ich bin selbst ein Mensch“, fuhr Roy fort, „ich verdamme mich mit diesem Unterfangen also selbst. Dennoch ist es etwas, von dem ich glaube, dass es wert ist, getan zu werden. In der Zeit, aus der ich komme, hat sich die Menschheit über die Grenzen dieser Galaxis hinaus verbreitet. Unter einem Banner vereint, strebt sie nach totaler Dominanz im Universum. Immer mehr Macht muss es sein, immer mehr Reichtum, auf Kosten anderer Spezies, die nur als Arbeiter geduldet werden. Wenn sie sich weigern, werden sie vernichtet, vielleicht kommt dir das bekannt vor. Planet um Planet wird annektiert und zu Profit gemacht. Auf die Natur wird dabei nicht geachtet. Inzwischen wurden so viele Ökosysteme zerstört, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann. Und es gibt niemanden, der die Menschen aufhalten könnte, denn zu meinem Bedauern muss ich sagen, dass in meiner Zeit ein technisches Niveau erreicht wurde, das selbst das der edlen Antiker übertrifft.“

    „Dann dürftest du noch untertrieben haben, als du sagtest, du kämest aus einer ‚sehr, sehr fernen Zukunft’“, erwiderte Daniel, dem nicht gefiel, was er hörte. Fortschrittlichere Technologie als die der Antiker? War so etwas denn überhaupt möglich?

    Roy quittierte Daniels Bemerkung mit einem Schmunzeln. „Vielleicht hast du Recht..., obwohl es wohl eine Sache des Standpunktes ist. Für dich mag meine Geschichte unglaublich klingen, für mich ist sie bittere Realität. Ich führe eine Gruppe von Menschen an, die genug hat von der Gier und der Verkommenheit ihrer eigenen Rasse. Zwar verfügen wir über ebenso fortschrittliche Technologie wie jene, die wir verachten, doch wir sind hoffnungslos in der Unterzahl. Bislang haben wir einen Guerillakrieg geführt, haben im Verborgenen agiert und zugeschlagen, wann immer sich die Möglichkeit bot. Doch trotz unserer Bemühungen hat die Menschheit bereits mehrere fremde Galaxien besiedelt. Wir haben eingesehen, dass wir mit herkömmlichen Methoden nichts mehr erreichen können. Deswegen haben wir uns entschieden, das oberste Gesetz von allen zu brechen, jenes Gesetz, das selbst uns Gesetzesbrechern heilig ist, oder zumindest einmal war: Reise niemals durch die Zeit!“ Roy erhob sich von seinem Stuhl, als wolle er seinen Worten dadurch größere Bedeutung verleihen. „Wir sind hier, um die Menschheit aufzuhalten, bevor sie sich ausbreiten kann.“

    Daniel beäugte sein Gegenüber misstrauisch. Er war sich nicht sicher, ob er folgen konnte. „Du hast mir immer noch nicht erklärt, was das mit der Geheimhaltung des Stargateprogramms zu tun hat.“

    Roy blieb in seiner aufrechten Position und verschränkte die Arme vor der Brust. „Die Offenlegung des Stargateprogramms ist die bedeutendste Wende in der Geschichte der Menschheit. Kein Ereignis, vorher oder nachher, kann sich damit messen. Und das aus einem einfachen Grund: Dem Stargate ist gelungen, woran zuvor zahlreiche Herrschaften - oftmals größenwahnsinnige Vollidioten mit Minderwertigkeitskomplexen - gescheitert sind: die Vereinigung der Menschheit. Wisse, Daniel Jackson, dass all die netten Dinge, die du deiner Fragestellerin erzählt hast, in meiner Zeit eingetroffen sind. Der Hunger ist besiegt, Krankheiten gibt es keine mehr, genauso wenig wie Energieprobleme, und von Kriegen untereinander lesen die Menschen nur noch in Geschichtsbüchern. Du siehst also, das Sternentor hat geschafft, was die Menschheit nicht allein zu bewältigen wusste. Deswegen sind wir in diese Zeit gekommen. Wir dachten, wenn es uns gelingen würde, die Bekanntgabe des Stargateprogramms zu verhindern, dann würdet ihr euch nicht einen, würdet ihr euch weiter gegenseitig zerfleischen, bis die Erde nur noch ein nuklear verseuchtes Ödland wäre. Damit hätte sich unser Problem erledigt, die Zukunft wäre verhindert.“ Er verzog Nase und Mundwinkel, als hätte er einen üblen Geschmack auf der Zunge. „Doch wir beide wissen natürlich, wie dieses Vorhaben ausgegangen ist. Ihr habt euch mir nicht gebeugt. Deswegen sind wir jetzt zurückgekommen, um die Sache ein für alle mal zu erledigen.“

    Daniel hatte Schwierigkeiten, mit der Situation zurecht zu kommen, doch er bemühte sich, ruhig zu bleiben. „Dir ist klar, dass dieses Unterfangen völliger Wahnsinn ist?“, sagte er, weil er das dringende Gefühl hatte, dass es an der Zeit für ihn war, zu sprechen. Wie bereits zu Anfang des Gesprächs war er sich sicher, dass er sein Gegenüber nicht von dessen Plan abbringen können würde, aber er konnte nicht einfach nichts tun. „Du kannst nicht sieben Milliarden Menschen umbringen für etwas, das sie nicht getan haben.“

    „Ich kann und ich werde, Daniel Jackson“, entgegnete Roy, noch immer mit verschränkten Armen, „ich muss. Hättest du mehr Zeit, würdest du es begreifen. Die menschliche Natur ist mit solcher Harmonie, wie ich sie beschrieben habe, überfordert. Es wird die Menschen immer nach Blut und Gewalt dürsten. Und wenn sie dieses Bedürfnis nicht mehr an sich selbst ausleben können, dann müssen andere Völker herhalten. Das kann und will ich nicht länger dulden. Wir werden heute die Zivilisation des Planeten Erde auslöschen, und dadurch das Universum retten.“

    Daniel überlegte fieberhaft, was er tun sollte, doch ihm fiel nichts ein. Stattdessen versuchte er, weiter Zeit zu schinden, in der Hoffnung, dass die Aussichten unten auf dem Planeten besser waren. „Aber du kannst unmöglich Erfolg haben, das ist dir klar, oder? Allein dass du hier bist, beweist das.“

    Roy runzelte die Stirn. „Was meinst du?“

    „Nun ja“, erwiderte Daniel, „du sagst, du kämest aus der Zukunft und wolltest deine eigenen Vorfahren vernichten. Dass du hier bist, zeigt, dass es dir nicht gelingen wird, denn würdest du es doch schaffen, könnte ich gar nicht diese Unterhaltung mit dir führen.Wieso ersparst du uns allen also nicht einfach den Ärger und kehrst wieder in deine Zeit zurück?“

    „Ein klassisches Zeitreise-Paradoxon“, sagte Roy ruhig. Er schien keineswegs beeindruckt von dieser Überlegung. „Zeit ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit, die komplett zu durchschauen ausgesprochen schwierig ist. Da gibt es sehr vieles, das möglich ist, und nur sehr wenig, das vom Universum verhindert wird. Ob du Recht behältst, können wir schon sehr bald herausfinden. Vielleicht möchtest du dich einmal umdrehen.“

    Er drückte auf einen Knopf seines Kommandostuhls und der Archäologe tat wie geheißen. Das Fenster, durch das Daniel zuvor weit unter sich die Erde hatte beobachten können, war in Wirklichkeit ein Display, und was er nun darauf erkennen konnte, gefiel ihm gar nicht. „Eine schematische Abbildung der Horizon-Plattform...“, murmelte er, während sich seine Augen entsetzt weiteten. „Woher habt ihr das?“

    „Wir waren so frei und haben uns einige eurer Waffen geborgt“, antwortete Roy. „So ein Asgard-Beamstrahl ist schon etwas Feines. Selbst da, wo wir herkommen, gibt es keine bequemere Transportmethode. Wir haben jetzt eine dieser Waffenplattformen an Bord und trotz ihrer hoffnungslosen Rückständigkeit verfügen wir über die Möglichkeit, sie abzufeuern. Im Erdorbit befinden sich noch vier weitere meiner Schiffe, alle jeweils bewaffnet mit einer Plattform. Schon in Kürze werden wir die Erde damit bombardieren. Wir haben natürlich selber Waffen mitgebracht, ich finde es allerdings sehr passend, dass ihr durch eure eigenen Kreationen vernichtet werdet. Immerhin vernichtet sich die Menschheit heute gewissermaßen selbst. Mit insgesamt fünfzig von euren Mark IX Raketen, auf Kurs gebracht durch die Horizon-Plattformen, wird ein Großteil eurer Bevölkerung auf der Stelle ausgelöscht. Die Übrigen, die das Pech haben, nicht von Druck und Hitze zu Staub verwandelt zu werden...“

    „... werden verstrahlt“, beendete Daniel schockiert den Satz und wandte sich wieder zu Roy um. Sein Gehirn raste. Er wollte nicht glauben, dass dies tatsächlich das Ende war. Seine Reise um den Globus, um das Stargateprogramm anzupreisen, war bis in die hinterste Ecke seines Geistes verdrängt, die Offenlegung des größten Geheimnisses der Geschichte bedeutungslos im Angesicht der totalen Vernichtung. „Was ist mit unseren Schiffen?“, fragte er. „Wieso haben sie noch nicht den Kampf gegen euch aufgenommen?“

    „Du denkst, sie könnten es mit uns aufnehmen?“ Roy löste seine Arme aus ihrer Verschränkung. Er schien belustigt. „Sie können uns nicht einmal sehen. Wir sind getarnt. Gewiss werden sie nach einem Feind suchen, wenn die Bomben fallen, doch sie werden keinen finden... nur den Tod.“ Er neigte seinen Kopf schief und sah den Archäologen mit einem Gesichtsausdruck an, der Mitleid zu suggerieren schien. „Und das bedeutet natürlich auch, dass deine Freunde auf dem Planeten nichts gegen uns ausrichten können, denn niemand weiß, dass wir hier sind. Die ganze Aktion dürfte nicht lange dauern. Jedoch versichere ich dir, dass wir sehr gründlich sein werden.“

    „Nein...“, wisperte Daniel, der sich der aufdrängenden Wahrheit versperrte, „es wird dir nicht gelingen...“

    Roy ignorierte ihn. „Noch etwas habe ich von der Planetenoberfläche hochbeamen lassen.“ Er griff in eine Innentasche seines Mantels und zog etwas hervor, das ganz offensichtlich eine Pistole war. „Erst ein einziges Mal habe ich solch eine primitive Waffe in meiner Hand gehalten, und da war sie nicht einmal geladen. Das ist diesmal anders.“

    Daniel sah argwöhnisch auf den Lauf der Waffe, erwiderte jedoch nichts.

    „Daniel Jackson“, sprach Roy, „ich habe dich an Bord geholt, damit du die Menschheit mit Worten verteidigen kannst. Was du zu sagen hattest, war enttäuschend. Das Tor muss geschlossen werden. Sei nun der erste, der am heutigen Tage sein Leben lässt.“

    Daniel sah, wie Roy die Waffe anhob und auf seinen Kopf zielte. Unmittelbar darauf hörte er einen lauten Knall, und mit ihm versank alles in einem schwarzen Strudel des Grauens. Das Ende der Menschheit hatte begonnen.
    Meine Stargate Fan Fiction:


    °

    To be or not to be, that is a serious question.

  30. Danke sagten:


  31. #19
    Senior Airman Avatar von Mix
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    So, jetzt gibts das Finale. Hoffe es gefällt und danke an alle, die hier reingeschaut haben!


    6. Kataklysmus

    „Was haben Sie für mich, Novak?“, fragte Steven, als die Wissenschaftlerin die Brücke der Daedalus betrat, und wandte sich von dem Frontfenster, durch das er zuvor die Erde beobachtet hatte, ab.

    „Nun, Sir“, sagte Dr. Novak, während sie sich dem Colonel näherte, ein Tablet-PC in der Hand, „wir sind immer noch damit beschäftigt, uns durch die Datenmenge zu wühlen, die Roy hinterlassen hat. Er hat viele der Subroutinen umgeschrieben, aber keiner weiß weshalb. Vermutlich kann das Schiff nur dadurch auf seine neuen Funktionen zugreifen, doch leider konnten wir immer noch nicht dahinter kommen, was genau das alles für Funktionen sind.“

    Steven hob eine Augenbraue. „Wir wissen, dass der Hyperraumantrieb verstärkt wurde. Und Sie selbst haben mir versichert, dass wir nach wie vor auf ihn zugreifen können, so wie zuvor.“

    „Das ist richtig, Sir“, erwiderte Novak nervös, „als Roy die Kontrolle über das Schiff hatte, sind wir unbehelligt in den Hyperraum getreten. Trotzdem können wir nicht ausschließen, dass daran etwas manipuliert wurde. Wer weiß, was passieren könnte, wenn wir ein Hyperraumfenster öffnen. Womöglich haben wir etwas entscheidendes übersehen. Die Generatoren könnten plötzlich durch eine veränderte Subroutine überlasten und das ganze Schiff in einen leuchtenden Feuerball verwandeln, der Computer könnte den berechneten Kurs plötzlich verändern und uns geradewegs in eine Sonne oder ein schwarzes Loch steuern, oder...“

    „Doktor“, unterbrach Steven die Wissenschaftlerin, die sofort verstummte, „was konnten Sie herausfinden? Und bitte nur Fakten, keine Spekulationen.“

    „Ja, Sir“, sagte Novak und holte tief Luft, vermutlich in der Hoffnung, sich dadurch zu beruhigen. Der Colonel bezweifelte, dass es ihr gelingen würde. Im Umgang mit Vorgesetzten hatte die Wissenschaftlerin es seines Wissens noch nie geschafft, ihre Nervosität abzustellen. „Unsere Analysen haben ergeben, dass Roy neben dem Hyperraumantrieb auch die Schilde drastisch verstärkt hat, und zwar um fünfhundert Prozent. Wir können auch nach wie vor auf sie zugreifen, jedoch würde ich wie beim Hyperraumantrieb bis auf Weiteres davon abraten.“

    „Fünfhundert Prozent...“, wiederholte Steven milde beeindruckt. „Das klingt ambitioniert.“ Die Wissenschaftlerin hielt inne und sah den Colonel nervös und fragend an, offenbar nicht sicher, ob sie nun weiter sprechen durfte. „Fahren sie fort, Doktor“, sagte Steven rasch.

    „Lebenserhaltung, Manövrierfähigkeit, sowie Waffensysteme scheinen nicht angerührt worden zu sein. Zumindest dafür bekommen Sie von mir eine uneingeschränkte Freigabe. Darüber hinaus ist alles ausgesprochen schwierig zu durchschauen. Die Datenmenge wirkt sehr... chaotisch, und wir kratzen immer noch an der Oberfläche. Zum Beispiel haben Colonel Mitchell und Teal’c berichtet, dass sich Roy ihnen als Hologramm gezeigt hat, aber bislang haben wir keinen Hinweis darauf finden können, wie ihm das gelungen ist. Es ist also möglich, dass wir noch auf die eine oder andere Funktion treffen, die gar nicht für die Daedalus vorgesehen war.“

    „Dann finden Sie diese Funktionen“, befahl Steven. „Tun Sie alles, um Klarheit über die Subroutinen zu erhalten. Ich möchte bald wieder nach Atlantis aufbrechen.“

    „Wir arbeiten daran, Sir.“

    „Arbeiten Sie schneller!“

    Novak nickte, drehte sich um und verließ die Brücke. Steven seufzte. Er kam sich merkwürdig eingeengt vor, eingeengter noch als während einer dreiwöchigen Reise nach Atlantis. Solange die Wissenschaftler nicht geklärt hatten, was genau Roy mit der Daedalus angestellt hatte, galt der Befehl, das Schiff im Erdorbit zu halten. Zwar verstand Steven die Notwendigkeit, die hinter diesem Befehl steckte, doch er ärgerte sich auch darüber. Welchen Nutzen hatte schon ein Raumschiff, das zwar zu interstellaren oder in diesem Fall gar intergalaktischen Reisen fähig war, das aber daran gehindert wurde, diese Fähigkeit anzuwenden?

    Frustriert ließ sich der Colonel in seinen Kommandostuhl sinken, als Major Marks plötzlich seine Stimme erhob. „Sir, wir erhalten ein Kommunikationssignal aus dem Stargate Center. General Landry wünscht, Sie zu sprechen.“

    „Auf den Schirm“, befahl Steven routiniert. Einen Augenblick später erschien Landrys Gesicht in Übergröße auf dem Bildschirm, jedoch nicht allein. Der General musste sich das Bild mit Colonel Davidson und Major Leys, welcher die Hammond in Colonel Carters Abwesenheit befehligte, teilen.

    „Colonels, Major“, sprach Landry. Seine Miene wirkte grimmig. „Ich komme direkt zur Sache: Hat einer von Ihnen Dr. Jackson an Bord beamen lassen?“

    Colonel Davidson und Major Leys schauten verdutzt drein, und Steven konnte es ihnen nachempfinden. Alle drei Raumschiffkommandeure antworteten gleichzeitig: „Nein, Sir.“

    Die Miene des Generals blieb unbewegt. „Vor wenigen Minuten noch saß er in einem Fernsehstudio in Madrid und hat Fragen zum Stargateprogramm beantwortet. Dann wurde er plötzlich von einem Licht erfasst und war verschwunden. Von Ihnen kann sich das keiner erklären?“

    „Nein, Sir“, war die erneute, einstimmige Antwort, und Steven fügte hinzu: „Auf der Daedalus konnten wir keinen Materiestrom vom Planeten in den Orbit feststellen.“ Die anderen beiden Kommandeure nickten zustimmend.

    „Dann fürchte ich, haben wir ein Problem.“ Landry tat seinem Unmut durch ein langes Seufzen kund. „Hier läuft in letzter Zeit aber auch alles schief. Verzeihen Sie, Colonels, Major, ich wollte weder Ihre Loyalität, noch Ihre Kompetenz in Frage stellen, doch ich musste sicher gehen. Wenn Sie es nicht waren, dann bedeutet dass, dass sich im Erdorbit mindestens ein unbekanntes Schiff befindet. Wir haben Grund zur Annahme, dass es sich dabei um Roy und seine Anhänger handelt. Ich befehle Ihnen, dieses Schiff oder diese Schiffe ausfindig und gegebenenfalls unschädlich zu machen. Major Leys, beamen Sie Colonel Carter an Bord der Hammond, sie wird wieder das Kommando übernehmen.“

    „Ja, Sir“, sagte der Major und erhob sich sofort vom Kommandostuhl, um beiseite zu treten. Neben ihm musste in der Zwischenzeit jemand den Beamstrahl betätigt haben, denn wenige Momente später setzte sich Samantha Carter in den Kommandostuhl.

    „Colonels“, sprach sie und grüßte damit ihre beiden gleichrangigen Kollegen auf der Daedalus und der Odyssey. „Wir beginnen mit der Suche. Vermutlich hat Roy sein Schiff getarnt. Wenn die Technologie, über die er verfügt, tatsächlich so fortschrittlich ist, wie es den Anschein hat, könnte es eine Weile dauern bis wir ihn finden.“

    „Tun Sie, was nötig ist“, sagte General Landry. „Colonel Carter, Colonel Davidson, Sie haben Ihre Befehle.“ Die beiden Kommandeure nickten und beendeten die Übertragung, wodurch Landrys Kopf nun die volle Größe des Bildschirms einnahm. „Colonel Caldwell, wie ist der Status Ihres Schiffes?“

    „Durchwachsen“, antwortete Steven. „Die Wissenschaftler sind noch immer damit beschäftigt, herauszufinden, welche Systeme durch Roy verändert wurden und was er alles hinzugefügt hat. Ich werde Dr. Novak anweisen, ihr Hauptaugenmerk auf die Sensoren zu legen, damit wir schnellstmöglich bei der Suche helfen können.“

    „Tun Sie das, Col - “ Landry brach ab, denn just in jenem Augenblick ging plötzlich der Alarm im Stargate Center los. Verwirrt wandte der General seinen Kopf in alle Richtungen.

    „Sir, was ist los bei Ihnen?“, fragte Steven.

    „Wissen wir noch nicht genau“, antwortete Landry knapp, nun wieder den Colonel im Blick. „Jemand ist offenbar in den Stützpunkt eingedrungen. Kümmern Sie sich nicht darum. Finden Sie dieses Schiff! Landry, Ende.“ Der Bildschirm schaltete sich ab und gab nun wieder die Sicht auf den blauen Planeten preis.

    Steven konnte sich nur zu gut vorstellen, wer dieser Jemand war. Auch auf der Daedalus hatten sie inzwischen von der Nachricht erfahren, die Roy in Vala Mal Dorans Rücken geritzt hatte. Und nun war er offenbar zurückgekehrt. Das Tor steht offen..., dachte der Colonel in Erinnerung an die Textnachricht, die die Daedalus zwischen den Galaxien empfangen hatte und mit der diese Krise ihren Anfang genommen hatte. Rasch betätigte er sein Funkgerät, um Novak zu kontaktieren.

    ----------

    „Eine Schande.“ Roy ließ seine Pistole sinken und sah ausdruckslos zu der Leiche Daniel Jacksons hinab, von der aus sich nun langsam eine Blutlache ausbreitete. „Da siehst du, was in diesem Universum alles möglich ist, werter Vorfahr. Du liegst tot am Boden, und ich bin noch hier. Aber eine Schande bleibt es.“ Er verstaute die Waffe wieder in seiner Manteltasche und drehte sich zu seinem Stellvertreter um. „Na schön, es geht los. Radzinsky, beamen Sie mich in den Energieversorgungsraum des Stargate Centers.“ Noch einmal warf er dem toten Körper am Boden einen kurzen Blick zu. „Und sorgen Sie dafür, dass diese Schweinerei entfernt wird.“

    Der Angesprochene nickte griesgrämig und berührte das vor ihm schwebende Hologramm zur Steuerung diverser bedeutender Schiffsfunktionen. Sofort wurde Roy in grelles Licht getaucht, und einen Augenblick später fand er sich in einem karg eingerichteten Raum wieder, die Wände übersäht mit Metallkästen. Das Stargate Center hatte schon bei seinem ersten Besuch keinen einladenden Eindruck auf Roy gemacht. So trist wirkte hier alles, so eintönig, so primitiv. Auch jetzt kam er sich vor wie in einer anderen Welt, die abartig und abstrus war.
    Fairerweise machte er sich in seinem Kopf allerdings eine gedankliche Notiz, dass dies vermutlich weniger an der Gestaltung dieses Militärstützpunktes lag als an der simplen Tatsache, dass er sich in einer Zeit befand, die für ihn so weit zurücklag, dass er sich in die Gedankenwelt der hier lebenden Menschen nicht mehr hineinversetzen konnte.

    Es reichte ihm, sich in diesem Raum umzusehen. Die Kästen an den Wänden verbargen eine Technologie, von der er nichts verstand. So primitiv war sie für ihn, dass sie ihn paradoxerweise überforderte. Daher war er froh, dass es an Bord seines Schiffes Leute gab, die weit klüger waren als er. Zwar waren auch sie kaum in der Lage, zu begreifen, was sich die Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunders ausgedacht hatten, um das alltägliche Leben zu vereinfachen, doch ihre technologischen Spielzeuge - so nannte Roy gerne die Apparaturen, die ihm von seinen Wissenschaftlern vorgestellt wurden - sollten das Vorhaben des Zeitreisenden erheblich vereinfachen.

    Rasch trat Roy zum erstbesten Metallkasten und öffnete ihn, wodurch sich ihm ein für ihn vollkommen undurchschaubares Durcheinander von Schaltern und bunten Leuchten offenbarte. Als nächstes griff er in seine Manteltasche und kramte ein etwa wallnussgroßes Gerät hervor, das er an eine Stelle zwischen all den Schaltern und Leuchten heftete. Daraufhin passierte gar nichts, doch das beunruhigte den Zeitreisenden nicht. Der Effekt würde sich erst später bemerkbar machen.

    Mit einem Rümpfen seiner Nase schloss er den Kasten wieder und wandte sich ab. „Ich freue mich auf Atlantis“, murmelte er. „Die Antiker haben wenigstens Stil...“

    Sein nächstes Ziel war der Kontrollraum. Also zog er wieder seine Pistole aus der Tasche und ging zur Tür, durch die er die Korridore des Stargate Centers betreten wollte. Sie war verschlossen, doch das hinderte ihn nicht. Ein rascher Tritt, und sie flog aus ihren Angeln. Geräuschvoll fiel sie zu Boden, doch Roy war es egal. Es gab hier niemanden, der ihn aufhalten konnte.

    Raschen Schrittes ging er los, jenen Weg, den er vorher einstudiert hatte. Dazu musste er abwärts, immerzu abwärts, dem Kern des Berges entgegen, wo sich das Stargate befand. Noch stellte sich ihm niemand in den Weg, doch er wusste, dass sich dies früher oder später ändern würde. Die Frage war nur, wer es sein würde. Ein Soldat? Ein Techniker? Eine Krankenschwester?

    Irgendwann kam er um eine Ecke, und seine Frage wurde beantwortet. Sofort hob er seine Waffe und zielte auf das Individuum, das sich ihm offenbart hatte und nun erschrocken die Arme hob, um Wehrlosigkeit zu signalisieren.

    Doch er drückte nicht ab. Wie erstarrt stand er da, den Finger am Abzug, aber weiter kam er nicht.

    Vor ihm stand eine Frau mit schwarzen Haaren und einem Ärztekittel. Nachdem sie offenbar den ersten Schock, in den Lauf einer Pistole zu sehen, überwunden hatte, wirkte sie bemerkenswert ruhig. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie höflich, nachdem Roy keine Anstalten gemacht hatte, seinen Mund zu öffnen.

    Der Zeitreisende beäugte sie argwöhnisch. Er brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, weshalb er zögerte. Um sich selbst Zeit zu verschaffen, entgegnete er: „Wie heißt du, mein Kind?“

    Wenn sie überrascht war, auf diese Weise von einem Mann angesprochen zu werden, der nur ein paar Jahre älter sein konnte als sie, so ließ sie sich davon nichts anmerken, als sie antwortete: „Mein Name ist Dr. Carolyn Lam. Ich bin die Chefärztin des Stargate Centers.“

    Roy drückte immer noch nicht ab. Er konnte nicht fassen, dass er in diesem Korridor ausgerechnet der vermutlich einzigen Person begegnete, die ihn stoppen konnte. Und dabei war er noch wenige Augenblicke zuvor davon ausgegangen, dass es solch eine Person gar nicht gab.

    Natürlich hatte er von einer Dr. Carolyn Lam noch nie etwas gehört, doch sie hatte etwas an sich, das ihn innehalten ließ. Und inzwischen wusste er auch, was das war.

    „Du musst Roy sein“, sagte Dr. Lam schließlich, nachdem ein Moment des Schweigens über sie hereingebrochen war.

    Der Zeitreisende nickte flüchtig. Als Roy hatte er sich den Menschen des einundzwanzigsten Jahrhundert vorgestellt. In dieser Zeit war dies sein Name. Er versuchte sich zu sammeln. „Wie ich hier vor dir stehe“, sprach er, die Augen unablässig an diesem makellosen Gesicht klebend, „eine tödliche Waffe auf dich gerichtet..., verspürst du da Angst?“

    Die Arme nach wie vor erhoben, antwortete Dr. Lam nach kurzer Überlegung: „Du befindest dich auf einem Militärstützpunkt. Hier wird versucht, einem die Angst auszutreiben. Doch ich bin kein blinder Soldat, der sich auf die Befehle seines Vorgesetzten verlässt. Ich bin Ärztin. Ich habe noch Angst vor dem Tod.“

    „Wohl gesprochen“, sagte Roy, für den diese Antwort die Sache noch erschwerte, „und doch könnte ich mir vorstellen, dass meine eigene Angst die deine in diesem Augenblick übertrifft. Möchtest du wissen, weshalb?“

    Die Ärztin verzog ihre Mundwinkel. „Nur zu gerne möchte ich hören, wieso der Mann mit der Pistole Angst hat...“, entgegnete sie sarkastisch, und entlockte ihrem Gegenüber damit ein Lächeln.

    „Ich fürchte mich, weil ich zögere“, erklärte Roy. „Es ist diese vollkommen unerwartete Situation, die mir Angst einflößt. Erst vor kurzem habe ich einer ähnlich attraktiven Frau wie dir mit einer Klinge Worte des Grauens in den Rücken geritzt. Als Chefärztin dieser Einrichtung kennst du sie vermutlich. Erst vor wenigen Minuten habe ich einen wehrlosen Mann kaltblütig erschossen, und nun begegne ich dir, und meine Entschlossenheit ist erschüttert. Ich habe Angst, dass ich aufgebe.“ Er hatte es nicht vorgehabt, doch genau in jenem Augenblick, als wolle er seine eigenen Worte unterstreichen, ließ er seine Waffe sinken. „Denn du erinnerst mich an jemanden, den ich einmal kannte; eine Frau, ebenso schön wie du, und wie du war sie Ärztin und wusste den Tod zu respektieren.“

    „Sie hat dir etwas bedeutet“, folgerte Dr. Lam, und ließ nun, da keine Waffe mehr auf sie gerichtet war, langsam die Arme sinken.

    „Ich bin ein blutrünstiger Mensch, Carolyn“, erwiderte Roy. „Ich schrecke vor keiner noch so grausamen Tat zurück, um meine Ziele zu erreichen, und manchmal übertreibe ich. Sie war der einzige Mensch, der mich zu zügeln vermochte. Sie hat mir alles bedeutet, denn mit ihr wirkte die bittere Realität ein bisschen schöner, ein bisschen... süßer. Ich fürchte, seit sie mir genommen wurde, habe ich einen Pfad eingeschlagen, den sie nicht gutheißen würde. Und nun, da ich vor dir stehe, dir, die du ihr so ähnlich scheinst, gerate ich ins Stocken, denn ich spüre wieder die Sanftmut, die sie für meine Seele war, und ich beginne zu begreifen: Wenn ich dich und jeden anderen auf diesem Planeten vernichte, dann nehme ich mir jede Chance, diese Sanftmut noch mal zu fühlen, denn sie, meine Liebste, wird niemals geboren werden. Kann ich das wirklich akzeptieren?“

    Dr. Lam hielt dem intensiven Blick, den er ihr zuwarf, stand, sah dabei jedoch verwirrt drein, vermutlich, weil sie seine Bemerkung über die Geburt seiner Liebsten nicht verstand. Eine Weile sagte und tat keiner von beiden etwas, doch dann änderte sich das Gebaren der Ärztin schlagartig. Sie machte einen raschen Schritt zur Seite und betätigte einen großen, roten Knopf an der Wand, wodurch der gesamte Korridor in rotes Licht getaucht wurde und ein Alarmgeräusch durch den Stützpunkt hallte.

    Dr. Lam sah voller Sorge zu Roy, als fürchte sie, er würde sie augenblicklich für ihre Tat erschießen, doch als der Zeitreisende sich nicht regte, ihren Blick nur milde interessiert erwiderte, drückte sie noch einen weiteren Knopf und sprach in eine in die Wand integrierte Sprechanlage: „Achtung, hier Dr. Lam, rufe General Landry. Roy ist in den Stützpunkt eingedrungen, auf Ebene zehn.“ Dann entfernte sie sich wieder von der Wand und erhob vorsichtshalber wieder ihre Arme. „Tut mir Leid.“

    Roy musste erneut lächeln. „Tut es nicht“, erwiderte er.

    „Soldaten sind auf dem Weg hierher. Sie werden bald eintreffen.“

    „Ich weiß“, sagte Roy, „aber sie sind nicht das Problem. Das Problem bist du.“ Er war drauf und dran in diesen braunen Augen zu versinken, so vertraut kamen sie ihm vor, doch er riss sich zusammen. „Verstehst du, du musst sterben, ganz egal, ob durch eine Kugel oder eine sechsundzwanzig Gigatonnenbombe. Denn wenn du nicht stirbst, wird der ganze Plan obsolet. Doch in mir wehrt sich jede Faser dagegen. Ich will dich nicht töten, denn wie könnte ich, wo du mich doch auf so wundervolle Weise an meine große Liebe erinnerst?“

    „Dann lass es“, entgegnete Dr. Lam schlicht. Noch immer strahlte sie diese bemerkenswerte Ruhe aus. „Steck deine Waffe weg, kehre auf dein Schiff zurück und lass mich und die Menschheit in - “

    Ein Knall, und ein zusammenbrechender Körper. Roy hatte schließlich doch abgedrückt. Die Kugel hatte die Ärztin in den Kopf getroffen, das gleiche Schicksal, das auch Daniel Jackson ereilt hatte.

    Der Zeitreisende stand über der Leiche jener Frau, die ihn so sehr erschüttert hatte, und beobachtete, wie sich ihr Blut langsam auf dem Boden verteilte und ihm immer näher kam. „Frieden“, sagte Roy zu dem toten Körper, „ist etwas, was die Menschheit nicht mehr finden wird, jedenfalls nicht zu Lebzeiten. Jene verkommene Gesellschaft, die für den Tod meiner Liebsten und so vieler anderer Unschuldiger verantwortlich ist, verdient keinen Frieden.“ Er holte tief Luft. „Deswegen spielt es keine Rolle, ob ich dich töten will oder nicht, ob Zinia geboren wird oder nicht..., ob ich noch einmal die süße Sanftmut spüre oder nicht. Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Das Universum muss von dieser Plage befreit werden.“

    Nun, da sein Geist frei war von dem Dilemma, frei von allem, was ihn hätte aufhalten können, hörte er die gehetzten Schritte der Soldaten. Sie sollten angemessen begrüßt werden...

    Doch als Roy schon meinte, sie müssten am Ende des Korridors auftauchen, erstarb das Geräusch der schweren Stiefel plötzlich. Ganz offensichtlich wollten sie sich ihm nicht offen zeigen, vermutlich weil die Erinnerung an ihre letzte Begegnung mit ihm noch frisch war. Aber dann traten schließlich doch zwei Individuen aus ihrer Deckung, der eine bewaffnet mit einem Maschinengewehr, dessen Bezeichnung Roy nicht kannte, der andere mit einer Goa’uld-Stabwaffe. Eine solche hatte der Zeitreisende einmal in einem Museum gesehen.

    „Colonel Mitchell, Teal’c“, rief er den beiden Soldaten entgegen, während der rote Lebenssaft Dr. Lams seine Stiefel erreichte, „wie schön, euch zu sehen.“ Rasch stieg er über die Leiche hinweg und ging auf seine Widersacher zu.

    Diese eröffneten sofort das Feuer, doch weder Gewehr, noch Stabwaffe vermochten mehr als seine Kleidung zu zerfetzen. Als er nah genug war, hob er seine eigene Waffe und drückte mehrmals ab. Die meisten Kugeln trafen Mitchell im Brustbereich, wo er durch eine schusssichere Weste geschützt war, doch zwei bohrten sich in seinen Hals. Von der Wucht mitgenommen, fiel der Colonel zu Boden, und röchelte dort um sein Leben.

    Der Jaffa sah es mit weit aufgerissenen Augen, während Roy immer näher kam. Der Zeitreisende wusste, was nun kommen würde. In der Erkenntnis, dass seine Stabwaffe ebenso nutzlos war wie das Gewehr seines Kollegen, ließ Teal’c sie los. Roy konnte die Verzweiflung aus seinen Augen ablesen, und wappnete sich. Dann stürzte sich der Jaffa mit einem wilden Schrei auf ihn.

    Roy hätte ihn vorher erschießen können, doch er tat es nicht. Stattdessen wehrte er den ersten Schlag seines Gegners ab, und auch den zweiten und den dritten. Dann rammte er seine eigene Faust in die Magengrube des Jaffas, sodass diesem die Luft wegblieb. Es folgte ein leichter Schubser, sodass Teal’c mit seinem Kopf gegen die Wand prallte und benommen zu Boden sackte.

    Schon stürmten am Ende des Korridors die restlichen Soldaten aus ihrer Deckung, doch Roy war zu schnell für sie. Rasch bückte er sich, griff sich Mitchells Maschinengewehr und empfing die Störenfriede mit einem Kugelhagel. Sie alle gingen sofort zu Boden, einige mit geplatzten Schädeln, andere mit blutigen Hälsen, so wie der Colonel.

    Und als auch das letzte Röcheln erstarb, kehrte Stille ein.

    Roys Blick wanderte nach unten, und dort fand er die kalten, toten Augen von Colonel Mitchell, die ihm ausdruckslos entgegen starrten. „In den Geschichtsbüchern, die ich studiert habe, wurdest du als großer Held angepriesen“, sagte der Zeitreisende. „Es war mir eine Ehre...“

    Er bezweifelte, dass dies das letzte Hindernis auf seinem Weg zum Stargate gewesen war. Obwohl der General und seine Leute längst realisiert haben mussten, dass sie dem Zeitreisenden nicht gewachsen waren, schienen sie nicht gewillt zu sein, einfach aufzugeben. Roy war es egal. Der Weg war nicht mehr weit.

    Plötzlich ertönte ein Stöhnen, und er wandte sich in die entsprechende Richtung. Teal’c schien bereits wieder zu sich zu kommen. Einen Moment lang spielte der Zeitreisende mit dem Gedanken, den Jaffa doch zu erschießen, aber letztlich entschied er sich dagegen. Es blieb bei dem, was er seinem Widersacher gegenüber mehrmals geäußert hatte: Sie hatten keinen Konflikt miteinander. Das Volk der Jaffa war nur ein weiteres Opfer der Menschheit. Dass Teal’c mit den Menschen zusammen arbeitete, war nur der Tatsache geschuldet, dass er nicht wusste, wie die Zukunft aussah.

    „So stur“, murmelte Roy und seufzte, „so kurzsichtig, obwohl er schon so alt ist.“ Er wollte rasch verschwinden, in der Hoffnung, dass er den Jaffa abhängen würde. Denn dieser würde, da war er sich sicher, bald erneut einen Versuch unternehmen, ihn aufzuhalten. Und dann würde Roy womöglich doch noch zu drastischeren Maßnahmen greifen müssen.

    Er ging also schnellen Schrittes den Korridor entlang, hinweg über all die Leichen, die er hinterlassen hatte. Bei der letzten bückte er sich und tauschte Colonel Mitchells Maschinengewehr gegen das des toten Soldaten, denn dieses hatte noch volle Munition. „Das sollte reichen“, sagte der Zeitreisende und sah noch einmal zurück. Teal’c war noch nicht aufgestanden. Hoffentlich würde er noch eine Weile brauchen.

    Nach weiteren fünf Minuten hatte Roy endlich einen Fahrstuhl erreicht. Rasch trat er ein und drückte die Taste mit der achtundzwanzig, woraufhin sich die Türen schlossen und es abwärts ging. Während er beobachtete, wie der Etagenzähler sich immer weiter der gewünschten Zahl näherte, griff er erneut in seine Tasche und zog einen weiteren Gegenstand hervor. Der Moment war gekommen.

    Mit klarer Stimme sprach er hinein: „Radzinsky, beginnen Sie mit der Bombardierung. Aus diesem Stützpunkt wird niemand mehr entkommen...“

    Ein kurzer Augenblick verging. Dann kam die Antwort: „Verstanden.“

    Roys Blick wanderte nach unten und fiel auf seine Stiefel. Lebhaft erinnerte er sich daran, wie sie mit Dr. Lams Blut befleckt worden waren. „Keine Sanftmut mehr für meine Seele...“, murmelte er, „...und keine Vergebung. Niemals wieder.“

    ----------

    „Keine Spur von einem anderen Schiff“, sagte Major Leys, die Augen konzentriert auf seine Steuerkonsole gerichtet. „Da draußen ist nichts.“

    Sam saß auf dem Kommandostuhl der Hammond und starrte gebannt aus dem Frontfenster ins All. Halb hoffte sie, dass ihre Augen dort etwas erkennen würden, was den Sensoren des Schiffes entging, doch natürlich war ihr klar, dass die Chancen dafür äußerst gering standen. „Da draußen muss irgendetwas sein“, beharrte sie. „Irgendjemand muss Daniel hochgebeamt haben.“

    „Irgendjemand?“, sagte ihr erster Offizier und sah dafür kurz von seiner Konsole auf.

    Sam verzog ihre Mundwinkel. Auch die Hammond hatte inzwischen Bescheid über den Eindringling im Stargate Center erhalten. „Schön, Roy hat ihn hochgebeamt. Sein Schiff befindet sich irgendwo in der Erdumlaufbahn, und wir müssen es finden. Rekalibrieren Sie die Sensoren, wenn nötig.“

    „Ich tu, was ich kann“, entgegnete Major Leys rasch und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Aufgabe.

    Sam fuhr indessen mit einer Hand nervös durch ihr Haar. Sie hatte ein ungutes Gefühl. Zwar war sie froh, endlich wieder an Bord ihres Schiffes zu sein, doch die aktuelle Entwicklung der Ereignisse machte ihr Sorgen. Wer immer Roy war, er war ihnen offensichtlich überlegen. So schnell entwickelten sich die Geschehnisse um diesen mysteriösen Fremdling, dass bislang noch niemand wirklich verinnerlicht zu haben schien, was auf dem Spiel stand.

    Urplötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als ein durchdringendes Alarmgeräusch ertönte, und ihr erster Offizier angespannt meldete: „Wir haben etwas. Ein Objekt rast mit hoher Geschwindigkeit auf den Planeten zu. Entfernung:173,3 Kilometer und steigend.“

    „Ist es ein Schiff?“, wollte Sam wissen, nun wieder hoch konzentriert.

    „Negativ. Zu klein für ein Schiff. Erhalten Telemetriedaten.“

    Der Major betätigte einige Tasten und schon erschien eine Live-Aufnahme des Objekts auf dem Schirm. Sam wollte ihren Augen nicht trauen, doch für Zweifel blieben ihr keine Zeit. „Sofort zerstören“, befahl sie. „Abwehrrakete abfeuern!“

    Die Crew führte den Befehl so schnell es ihr möglich war aus, doch als endlich eine Abfangrakete auf Kurs gebracht worden war, hatte Major Leys niederschmetternde Kunde: „Das Objekt ist zu weit entfernt. Bevor unsere Rakete es erreicht, wird es bereits zu spät sein.“

    An Bord der Brücke war es plötzlich ganz still. Alle starrten gebannt auf den Schirm und beobachteten, wie die Horizon-Plattform der Erdoberfläche immer näher kam. Keiner von ihnen konnte wirklich begreifen, was gerade geschah. Sie alle hofften auf ein Wunder.

    Doch ihre Gebete wurden nicht erhört. Zehn Mark IX Raketen kapselten sich von ihrem Transportvehikel ab und verteilten sich über den Planeten, zehn gigantische Feuerbälle loderten in der Erdatmosphäre auf und brachten Tod und Zerstörung. Vom Anblick betäubt, fühlte Sam einzig Leere in ihrem Kopf, und in ihrem Herzen.

    Dann ein weiteres Alarmgeräusch. Davon aufgeschreckt, wandte Major Leys seine Augen rasch auf seine Konsole. „Weitere Objekte im Anflug auf die Erde. Vier Stück.“

    „Roy hat nicht nur Daniel an Bord gebeamt...“, hauchte Sam, „...das darf nicht wahr sein.“

    „Eines der Objekte ist ganz nah“, informierte sie der Major. „Möglich, dass wir es mit einer Rakete abfangen können.“

    „Keine Zeit“, entschied der Colonel. „Wir machen es selbst.“

    „Ma’am?“

    „Bringen Sie das Schiff auf Abfangkurs.“

    Einen Augenblick sah der Major sie zweifelnd an, doch dann besann er sich eines besseren. „Verstanden“, sagte er und kam dem Befehl nach.

    Sam wollte sich gar nicht ausmalen, was zehn sechsundzwanzig Gigatonnen Bomben mit dem Planeten anstellen würden. Ohnehin musste sie sich nun darauf konzentrieren, dass es nicht noch mehr wurden. Sie hoffte inständig, dass die Oddyssey und die Daedalus ihren Teil dazu beitragen würden.

    „Befinden uns auf Abfangkurs“, sagte der Major. „Volle Kraft. Kollision in siebzehn Sekunden.“

    Der Colonel betätigte einen Knopf auf der Armlehne ihres Kommandostuhls. „An alle Decks“, sprach sie, „bereithalten für Kollision mit Horizon-Plattform. Es wird ungemütlich.“

    Sie ließ den Knopf wieder los, und Major Leys zählte runter: „Kollision in vier... drei... zwei... eins...“

    Die Horizon-Plattform prallte auf die Schilde der Hammond, und von der geballten Wucht getroffen, wurde das ganze Schiff durchgeschüttelt. Funken sprühten, Crewmitglieder verloren ihren Halt, fielen zu Boden, wurden gegen Wände geschleudert, verletzten sich.

    Durch das Chaos schrie Majors Leys: „Schilde sind runter auf drei Prozent. Egal wovon wir jetzt noch getroffen werden, es wird unser Ende sein.“

    „Können wir eine weitere Rakete abfangen?“, rief Sam zurück. Sie dachte, es wäre besser, das Schiff und die Crew zu opfern als den ganzen Planeten.

    „Negativ“, erwiderte Leys hektisch, von dessen Konsole Rauch aufstieg. Sie schien jedoch noch zu funktionieren. „Die radioaktive Strahlung hat unsere Sensoren lahmgelegt.“

    „Wissen wir, von wo die Plattformen abgefeuert wurden?“, wollte der Colonel nun wissen.

    „Wir können den Kurs zurückverfolgen, aber da es sich hier um Schiffe handeln dürfte, werden sie inzwischen ihre Position verändert haben.“

    Sam biss sich auf die Unterlippe. Was sollte sie nun tun, welchen Befehl sollte sie geben?

    Bevor sie etwas sagen konnte, sprach erneut Major Leys: „Wir empfangen eine Nachricht von der Daedalus.“

    „Auf den Schirm!“

    Colonel Caldwell erschien auf dem Frontdisplay. „Sam, deaktivieren Sie Ihre Schilde, damit wir sie an Bord beamen können!“

    Sam war sich nicht sicher, ob sie ihren Kollegen richtig verstand. „Wir können das Schiff nicht einfach aufgeben“, begehrte sie auf. Sie wollte weiter sprechen, wollte sagen, dass die Hammond noch nicht am Ende war, dass sie zumindest noch für einen Kamikazeflug taugte, doch Caldwell schnitt ihr das Wort ab.

    „Es ist vorbei“, sagte er. „Wir sind hoffnungslos unterlegen. Die Oddyssey ist bereits zerstört. Nur hier auf der Daedalus sind Sie sicher. Unsere Schilde sind stärker als Ihre. Los, deaktivieren Sie sie!“

    Seine Miene wirkte eisern, und Sam erkannte den Wahrheitsgehalt seiner Worte. Sie wandte sich an ihren ersten Offizier: „Schilde deaktivieren!“ Dann drückte sie wieder den Knopf auf ihrer Armlehne und sprach an das gesamte Schiff: „Bereithalten zum Beam-Transfer auf die Daedalus. Wir geben das Schiff auf.“

    Augenblicke später wurden sie alle in weißes Licht getaucht, und die Hammond war auf sich allein gestellt.

    Sam wurde auf der Brücke der Daedalus rematerialisiert. Sofort trat sie neben den Kommandanten des Schiffes und fragte: „Wie ist die Lage?“ Während des Abfangmanövers hatte sie nicht mitbekommen, was sonst pssiert war, doch sie befürchtete das Schlimmste.

    Colonel Caldwell erwiderte ihren Blick und sah dann rasch wieder aus dem Fenster. „Sie haben tapfer gekämpft“, sagte er. „Immerhin eine Horizon-Plattform konnten Sie aufhalten. Die Oddyssey und wir hatten leider weniger Glück. Sie haben uns überrascht. Wir waren zu weit weg, um etwas auszurichten. Die Oddyssey wurde bei dem Versuch von feindlichem Waffenfeuer zerstört.“

    Auch Sam sah nun aus dem Fenster. Vor ihnen offenbarte sich der Planet Erde, einstmals Heimat von Milliarden von Menschen und anderen Lebewesen. Nun musste Sam mit ansehen, wie er in eine brennende Hölle verwandelt wurde, bombardiert mit Waffen, die seine Bewohner selbst erschaffen hatten. „Gnade uns Gott“, wisperte sie, während sich in ihrem Augenwinkel eine einsame Träne bildete.

    Plötzlich traf etwas auf die Schilde der Daedalus, und das ganze Schiff wurde durchgeschüttelt.

    „Feindliches Waffenfeuer“, meldete Major Marks, der seine Augen mühevoll von dem grausamen Schauspiel abgewendet hatte.

    „Bringen Sie uns hier weg“, befahl Colonel Caldwell. „Kurs auf Atlantis. Dort können wir unsere nächsten Schritte besprechen. Und unterwegs sammeln wir noch die Apollo auf...“

    „Sir“, sagte Major Marks, „Dr. Novak hat uns keine Freigabe für den Hyperraumantrieb erteilt.“

    „Es gilt das gleiche wie bei den Schilden, Major“, erwiderte der Colonel. „Wir haben nichts zu verlieren, und wenn wir hier nicht verschwinden, werden wir in unsere Einzelteile zerlegt. Los, bringen Sie uns in den Hyperraum!“

    „Was ist mit Überlebenden?“, wandte Sam ein, die Schwierigkeiten hatte, die bittere Realität zu akzeptieren.

    Caldwell schüttelte den Kopf. „Es gibt keine Überlebenden. Die Erde ist verloren.“

    Unter weiterem Waffenfeuer drehte die Daedalus ab und ließ ihren zerstörten Heimatplaneten hinter sich. Ein farbenprächtiges Hyperraumfenster öffnete sich, und sie war verschwunden.
    Jetzt kann ich es sehen..., dachte Sam geschlagen, das Tor steht weit offen...

    ----------

    Die Türen des Fahrstuhls öffneten sich, und an Teal’cs Augen drang eine Szenerie des Schreckens. Leichen bepflasterten den Boden des Korridors, der zum Kontrollraum führte. Einige von ihnen wiesen Einschusslöcher im Gesicht oder im Hals auf, waren blutüberströmt, die Mienen starr vor Entsetzen, anderen war einfach das Genick gebrochen worden, ihr Kopf merkwürdig verdreht.

    Teal’c hatte befürchtet, solch einen Anblick vorzufinden, hatte es erwartet, seitdem er auf Ebene zehn erwacht war und nur noch stumm den Verlust von Dr. Lam, Colonel Mitchell und den anderen Soldaten hatte betrauern können. Nun zog besonders ein Gesicht seine Aufmerksamkeit an...

    „O’Neill...“, raunte er und eilte herbei, zwischen den toten Körpern hindurch, und kniete sich neben seinen Freund von einst. Die Augen des Generals waren geöffnet, sein Antlitz frei von Blutspritzern. Er gehörte zu jenen, denen das Genick gebrochen worden war. „O’Neill...“, sagte der Jaffa abermals, fassungslos über dieses Bild des Grauens, das er sich nicht einmal in seinen wildesten Fantasien hätte vorstellen können.

    Was war nur geschehen, dass sie so schnell die Kontrolle über die Ereignisse verloren hatten? Wie hatte es soweit kommen können?

    Teal’c wollte bei seinem Freund bleiben, wollte um ihn weinen, ihn betrauern, doch er besann sich eines besseren. Noch war keine Zeit dafür. Roy konnte nicht weit sein. Ihn galt es, ausfindig zu machen, ihn galt es, zu stellen.

    Rache, dachte der Jaffa, Rache...

    Den Gedanken, dass Roy ihm bislang in allen Bereichen weit überlegen war, schob er beiseite. Er würde nichts unversucht lassen, diesen Dämon, dieses todbringende Unheil aufzuhalten und die Erde zu retten.

    Er stand auf und machte sich auf den Weg. Zum Kontrollraum ging er, denn dies war der einzige Ort im Stützpunkt, der für Roy von Interesse sein konnte. Zwar wusste der Jaffa nicht, was er eigentlich vor hatte, doch er ging stark davon aus, dass es mit dem Sternentor zu tun hatte.

    Auf seinem Pfad begegnete Teal’c immer wieder Leichen, manche furchtbar entstellt, andere fast klinisch sauber. Roy schien vor niemandem Halt gemacht zu haben. Sowohl Soldaten, als auch Techniker waren ihm zum Opfer gefallen. Selbst eine Krankenschwester war darunter, ihr Gesicht nur noch eine unförmige Masse, von zahlreichen Kugeln durchsiebt.

    Endlich erreichte der Jaffa die letzte Kreuzung und wollte schon die linke Abbiegung nehmen, doch ihm kam jemand dazwischen.

    „Teal’c“, sagte eine wohl vertraute Stimme, die aus der rechten Abzweigung kam.

    Teal’c wandte seinen Kopf in jene Richtung und erkannte Vala Mal Doran, gekleidet in eine Schutzweste und bewaffnet mit einer P90.

    „Zum Glück geht es dir gut“, sagte die Außerirdische und trat rasch näher, um ihren Teamkollegen zu umarmen. Anschließend fügte sie hinzu: „Als der Alarm los ging, konnte ich nicht mehr still in der Krankenstation sitzen.“

    „Du bist noch nicht bereit für einen Kampfeinsatz“, sagte Teal’c, der bezweifelte, dass die Krankenschwestern sie einfach hatten gehen lassen.

    „Vielleicht nicht“, erwiderte Vala, „aber dieser Schweinehund und ich haben noch eine Rechnung offen.“ Ihr Blick wanderte den Korridor entlang, den der Jaffa soeben gekommen war, und traf dabei auf die zurückgelassenen Leichen. Nun wurde sie ernst. „Wo ist Mitchell?“, wollte sie wissen. „Habt ihr ihm euch nicht gemeinsam entgegen gestellt?“

    „Haben wir“, bestätigte Teal’c traurig und senkte sein Haupt, „aber außer mir ist niemand mehr am Leben, der Roys Weg gekreuzt hat.“

    Valas Augen schienen starr. Sie schluckte schwer und hatte offenbar Schwierigkeiten, ihre Stimme wieder zu finden. „Wer... wer noch?“

    „Dr. Lam, General O’Neill und Colonel Reynolds gehören ebenso zu den Toten. Außerdem zahlreiche andere.“ Teal’c sah in das Gesicht der sonst so wortgewitzten Außerirdischen. Er brachte es kaum über sein Herz, ihr noch eine weitere schlechte Nachricht zu überbringen, doch sie musste wissen, was mit Daniel Jackson passiert war. Also erzählte er ihr von dem plötzlichen Verschwinden des Archäologen aus der spanischen Sondersendung zum Stargate, und dass niemand genau wusste, wohin es ihn verschlagen hatte. „Ich fürchte um ihn“, schloss der Jaffa.

    Für einen Moment sah es so aus, als würde Vala in Tränen ausbrechen, doch als sie sprach, war ihre Stimme ganz fest, und ihre Augen blieben trocken: „Wir können jetzt nichts für ihn tun, ebenso wenig wie für die Toten. Aber wir können uns an diesem Mistkerl rächen, und dieser Sache damit hoffentlich ein Ende bereiten.“

    „Einverstanden“, sagte Teal’c, und gemeinsamen Schrittes gingen sie zum Kontrollraum, wo sie ihre Nemesis vermuteten.

    Dort angekommen, wurden sie auch schon frohlockend von Roy begrüßt. „Ah, Vala, Teal’c, seid willkommen! Obwohl ich gestehen muss, dass ich gehofft hatte, dies ohne eine weitere Beteiligung eurerseits zu vollenden.“ Er saß auf dem Stuhl, auf dem man sonst Sergeant Harriman beim Bedienen des Stargates vorfinden konnte. Nun lag der Techniker tot zu Roys Füßen.

    Vala hob sofort ihre Waffe und zielte auf den Eindringling, doch Teal’c tat nichts. Er hatte seine Stabwaffe zurückgelassen, da er endlich eingesehen hatte, dass Roy durch keine Technologie, die er kannte, verletzt werden konnte. Er bemerkte jedoch, dass der Eindringling selbst ein Maschinengewehr in seiner Hand hielt, und damit auf einen weiteren Gast zielte.

    „General Landry, geht es Ihnen gut?“, erkundigte sich der Jaffa.

    „Das kann ich nicht behaupten“, erwiderte der General angesäuert. Stramm stand er dort am Fuße der Wendeltreppe, die hinauf in den Besprechungsraum führte, der einzige Überlebende von jenen, die im Kontrollraum darauf gewartet hatten, dass Teal’c, Colonel Mitchell und die anderen Soldaten sich des Eindringlings annahmen. Der Rest teilte sich mit Sergeant Harriman den Boden.

    „Gerade habe ich herausgefunden, dass die süße Dr. Lam General Landrys Tochter war“, sagte Roy an die Neuankömmlinge gewandt. „Eine Schande, dass ich sie umbringen musste. Noch nie habe ich mehr mit mir gerungen, doch die Notwendigkeit war erdrückend. Ich habe mich dafür bei dem General entschuldigt, aber er scheint nicht gewillt zu sein, mir zu verzeihen.“

    Teal’c ignorierte ihn und wandte sich direkt an seinen Vorgesetzten. „Es tut mir Leid, General Landry. Als Colonel Mitchell und ich den Korridor erreicht hatten, war sie bereits tot. Wir konnten nichts mehr für sie tun.“

    „Es tut mir auch Leid, Teal’c“, erwiderte Landry und schluckte schwer. „Ich fürchte, dass nur du und Vala hier seid, bedeutet, dass Mitchell wie alle anderen diesem Wahnsinnigen zum Opfer gefallen ist.“

    Der Jaffa nickte stumm und fragte sich abermals, wie es so weit hatte kommen können, und das gerade mal innerhalb einer halben Stunde.

    „Leider ist die Situation noch viel schlimmer als es für uns den Anschein hat“, fuhr der General fort. „Roy hat mich darüber aufgeklärt, dass sich im Erdorbit fünf seiner Schiffe aufhalten, bewaffnet mit unseren eigenen Horizon-Plattformen. Und sie haben bereits mit der Bombardierung des Planeten begonnen.“

    „Nein...“, hauchte Vala. Ihre Hände zitterten, ob vor Wut, Frustration oder Fassungslosigkeit, Teal’c wusste es nicht. Vielleicht war es eine Mischung von allem.

    „Doch“, erwiderte Roy gelassen und schlug nun ein Bein über das andere. „Ihr werdet durch eure eigenen Waffen vernichtet. Natürlich könnten wir euch auch mit den uns eigenen Errungenschaften aus dem Universum pusten, aber ich habe bereits Daniel Jackson erklärt, dass ich es schöner finde, wenn eure eigenen Kreationen das übernehmen.“

    „Was hast du mit ihm gemacht?“, wollte Teal’c sofort wissen, seine Stimme ein bedrohliches Knurren.

    Roy ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und antwortete ohne ein Zeichen von Reue: „Ich habe ihn natürlich getötet. Eine letzte Unterredung habe ich ihm noch gegönnt, habe ihn aufgefordert, mir zu erklären, weshalb ich die Menschheit verschonen sollte. Eine Weile hat er mich ganz gut unterhalten, aber dann wurde es langweilig. Also habe ich ihn erschossen.“

    Des Jaffas Kiefer mahlten. Eine unbändige Wut stieg in ihm auf, die brüllend nach einem Ventil verlangte.

    Aber Roy war offenbar nicht entgangen, was sich in Teal’cs Innerem abspielte, denn er richtete nun das Maschinengewehr auf ihn und sprach: „Wirklich, Teal’c, es wäre mir lieber, du würdest mich nicht dazu zwingen, dich umzubringen. Wenn du ruhig bleibst, verspreche ich dir - “

    Ein Kugelhagel hämmerte auf ihn ein, abgefeuert von Vala, die sein Gerede scheinbar nicht mehr ertragen konnte.

    Roy seufzte. „Normalerweise würde ich jetzt sauer werden“, begann er trocken, „aber mein Anzug ist ohnehin schon ruiniert.“ Damit hatte er Recht. Bereits vor Valas Attacke waren seine Kleider an zahlreichen Stellen durchlöchert gewesen oder hatten in Fetzen gehangen. Außerdem waren sie blutverschmiert. „Dennoch, meine Liebe, auch du müsstest allmählich einsehen, dass du mich nicht verletzen kannst. Nimm dir ein Beispiel an Teal’c. Er ist unbewaffnet zu mir gekommen, zweifellos in der Absicht, sich wieder einmal auf mich zu stürzen und mich in einen Faustkampf zu verwickeln.“

    Die Wut des Jaffas strömte immer noch in heißen Wellen durch seinen Körper, doch seine Entschlossenheit schwand. Wie sollte er diesen Gegner bezwingen? Er hatte es selbst gegenüber O’Neill zugegeben: Roy war ihm so weit überlegen, dass er keine Hoffnung auf einen Sieg hatte. Was, wenn sie endgültig verloren hatten? Konnte man dem Eindringling glauben, so fielen die Bomben bereits...

    Wie in Ohnmacht ließ Vala ihre P90 zu Boden gleiten, und ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als sie voller Entsetzen fragte: „Was bist du?“

    Roy musste schmunzeln. Der ehrfürchtige Tonfall der Außerirdischen schien ihm zu gefallen. „Ich bin der Geist, der stets verneint!“, sprach er. „Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ Er sah seine drei Gäste der Reihe nach eindringlich an. „Ein herrliches Zitat, findet ihr nicht? Es hat selbst bis in meine Zeit überdauert, und aus eurer Sicht ist es sehr treffend, oder? Denn so nehmt ihr mich doch wahr: als Teufel, als Dämon, der gekommen ist, um zu zerstören. Aber ihr irrt euch. Ich will nicht zerstören. Ich will... bewahren, retten. Indem ich euch vernichte, kann ich dem Universum Frieden schenken. So viele Leben werden durch euren Tod gerettet... Ist es nicht wert, dafür zu sterben?“

    „Wenn man die freie Entscheidung trifft, sich zu opfern, um andere zu retten“, erwiderte General Landry unwirsch, „dann ist es das bestimmt wert. Aber das, was du hier tust, ist nichts anderes als Massenmord. Und ohnehin versteht keiner, wovon du überhaupt sprichst. Weshalb sollte unser Tod, herbeigeführt durch einen Wahnsinnigen, das Universum retten?“

    Roy ignorierte die Beleidigung einfach, und seufzte. „Plötzlich wünschte ich, ich hätte Dr. Jackson noch nicht erschossen, und ihn stattdessen mit hier hergebracht. Er hätte es euch erklären können. Aber nun muss ich es wohl noch einmal erzählen, was?“

    Und dann setzte er an zu einer ausschweifenden und unglaublichen Geschichte darüber, wer er war, woher er kam und weshalb er hier war. Teal’c hatte Schwierigkeiten seinen Worten zu folgen, und wollte ihm kaum glauben, als Roy von der Zukunft berichtete, aus der er angeblich stammte. Doch, so musste sich der Jaffa eingestehen, dies war nicht das erste Mal, dass er mit Zeitreisen konfrontiert war. Er selbst war bereits mehr als einmal durch die Zeit gereist. Dass sein Widersacher aus der Zukunft kam, war also nicht so abwegig, wie es zunächst den Anschein hatte. Dennoch konnte oder wollte er eines nicht begreifen, und als Roy geendet hatte, sagte er: „Du willst die gesamte Menschheit auslöschen, weil du glaubst, dass sie das Universum verdammen wird? Du willst Menschen töten, von denen du weißt, dass sie unschuldig sind? Sie haben noch nicht getan, was du ihnen vorwirfst. Und die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt...“

    „Natürlich ist sie das nicht“, erwiderte der Zeitreisende, „sonst könnte ich nichts verändern. Wenn die Zukunft in Stein gemeißelt wäre, hätte ich nicht meinen eigenen Vorfahren erschießen können. Nur deswegen bin ich doch hier, weil ich weiß, dass das Kontinuum aus Raum und Zeit eine Hure ist... eine äußerst launische und empfindliche und dazu noch sehr sehr teure Hure.“ Nun sah er Teal’c direkt an, mit einem Blick, der dem Jaffa nicht gefiel. „Du hast mich jedoch missverstanden. Ich habe keinesfalls vor, die gesamte Menschheit zu vernichten. Das wäre wohl ein Unterfangen, für das selbst ich nicht genug Zeit hätte. Nein, es geht mir einzig um die Zivilisation der Erde. Ich bin mir bewusst, dass jeder Mensch, der sich in den Weiten des Alls herumtreibt, letztlich von diesem Planeten abstammt, jedoch hege ich die Hoffnung, dass Jahrtausende der Trennung von ihren Artgenossen einen positiven Einfluss auf diese Menschen ausgeübt haben. Tatsächlich gehören sie in meiner Zeit zu jenen Völkern, die unterdrückt werden. Daher werde ich mich auf diese Zivilisation beschränken, das Volk der Erde. Ich werde den Planeten von seiner Plage befreien und mich danach um die jämmerlichen Reste kümmern. Eure Stützpunkte in der Milchstraße sind als nächstes an der Reihe, und dann geht es nach Atlantis...“

    General Landry schnaubte verächtlich nach dieser Erklärung. „Du bist eine kümmerliche Gestalt, Roy“, sagte er, „eintönig und engstirnig in deinem Denken, dumm, so würde manch einer sagen. Für den Rest meines Lebens, also für etwa fünf Minuten, schätze ich, werde ich mich stets dafür schämen, dass wir uns ausgerechnet von dir haben vernichten lassen. Ist dir nicht klar, wie sinnfrei dein Unterfangen ist? Es wird immer jemanden geben, der andere unterdrücken will, aus welchen Gründen auch immer. Wenn ich mich für einen Augenblick dazu herablasse, dir zu glauben, dass sich die Menschheit tatsächlich zu dem entwickelt hätte, was du behauptest, dann muss ich dir deutlich sagen, dass du durch deine heutigen Taten nichts gewonnen hast. Jemand anderes wird unseren Platz einnehmen, vielleicht sogar jemand schlimmeres. Wie wäre es mit der Luzianer Allianz?“

    Roy hatte ihm die ganze Zeit über aufmerksam gelauscht, nun jedoch war er derjenige, der verächtlich schnaubte. „Die Luzianer Allianz..., ich bitte dich, General,“ sagte er, ein schiefes, humorloses Lächeln in seinem Gesicht. „Die Luzianer Allianz ist ein erbärmlicher Haufen, nicht mehr wert als der Dreck unter meinen Schuhen. Solltest du tatsächlich Recht behalten, und jemand übernimmt eure Rolle, so versichere ich dir, dass es nicht diese unorganisierte Ansammlung von Amateuren sein wird.“ Nun wandte er sich Teal’c zu. „Und jetzt verstehst du auch endlich, weshalb ich stets darauf beharrt habe, dass wir beide keinen Zwist miteinander haben. Als Jaffa bist du kein Teil dieser herunter gekommenen Gesellschaft, und hast daher nichts vor mir zu befürchten; jedenfalls so lange du dich mir gegenüber friedlich verhältst. Du hast dich mir bereits oft widersetzt, wisse jedoch, dass selbst meine Geduld ihre Grenzen hat. Das gleiche gilt für dich, Vala Mal Doran. Zwar bist du zweifelsohne ein Mensch, aber auch du gehörst nicht hier her. Ich bin daher geneigt, dich zu verschonen, und ich möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich deinen Körper entstellt habe. Als ich meine Klinge gegen dich erhoben habe, da war es eine dieser Situationen, in der mein Verstand in weite Ferne gerückt war, und der Blutrausch mein Denken übernommen hat. Bitte verzeih mir.“

    Die Außerirdische kicherte, humorlos und kalt. „Niemand wird dir jemals verzeihen“, sprach sie, ihre Stimme wie eine Woge aus Eis, „niemand, und eines Tages wird jemand kommen, und dich für deine Taten zur Rechenschaft ziehen. Wenn ich es jetzt sofort tun könnte, würdest du längst auf dem Boden liegen, und ihn mit deinen Opfern teilen.“

    „Das hast du ja bereits bewiesen“, erwiderte Roy, der ihren Worten keine große Bedeutung beizumessen schien. „Fortschritt kann entnerven, nicht wahr? Ich habe gar nicht erst angefangen, die Kugeln zu zählen, die in diesem Stützpunkt auf mich nieder geprasselt sind. Es muss sehr frustrierend für euch sein, dass ihr mich nicht verletzen könnt.“

    In der Tat, dachte Teal’c, doch er sprach es nicht aus. Er wollte seinem Gegenüber nicht zu noch mehr Genugtuung verhelfen. „Warum können wir dich nicht verletzen?“, fragte er stattdessen. „Und wie kommt es, dass du so stark bist, obwohl du von dir selbst behauptest, ein Mensch zu sein?“

    „Ah, ein interessantes Thema“, sagte Roy, „und ein weiterer Grund für meine Anwesenheit. Seht ihr, es ist eine Mischung aus Evolution und technologischem Fortschritt, mit dem ich euch das Leben schwer mache. Dort, wo ich herkomme, hat sich der Mensch im Laufe der Zeit weiter entwickelt. Daher ist mein Körper ohnehin schon widerstandsfähiger als die euren. Doch natürlich kann für den normalen Menschen nichts schnell genug gehen, vor allem die Evolution nicht. Deswegen wurden Mittel und Wege erfunden, unsere Körper noch weiter zu verbessern, etwas, was ich von ganzem Herzen ablehne, obwohl ich natürlich einsehe, dass es mir bei meinem Unterfangen zu gute kommt. Dennoch, für mich ist diese Sache inakzeptabel, zumal den Eltern kaum eine Wahl gelassen wird. Entweder sie lassen zu, dass ihren Kindern direkt nach der Geburt die nötigen Injektionen verabreicht werden, oder sie sichern ihnen eine Zukunft in Isolation. Denn nur jene Menschen, die besser sind als der Rest, sind von Wert, nur jene haben eine Zukunft, für die es sich zu leben lohnt. Daher haben auch meine Eltern dafür gesorgt, dass ich die Injektionen bekam, und mich dadurch... entmenschlicht. Wenn es das Ziel menschlichen Lebens ist, den Aufstieg zu erreichen, dann würde ich sagen, dass wir in meiner Zeit weiter davon entfernt sind als jemals zuvor. Auch deswegen bin ich hier. Zwar führt die Menschheit keine Kriege mehr untereinander, doch sie tritt ihre Existenz immer noch mit Füßen. Daher erlaube ich mir, das Todesurteil über sie zu sprechen.“ Während er gesprochen hatte, hatte sich Roys Miene immer weiter verfinstert, doch nun hellte sie sich wieder auf. „Und so kommt es, meine Freunde, dass ihr erstmals einem Gegner gegenübersteht, der euch wahrhaft überlegen ist. Denn bislang ist euch doch noch immer eine Wunderwaffe in die Hände gefallen, mit der ihr euch vor der Vernichtung habt bewahren können, nicht wahr? Zwar bin ich weder unverwundbar, noch unbesiegbar, doch ich versichere euch: Diesmal wird euch kein Antikerzaubertrick helfen, diesmal erwartet euch das Ende.“ Er hielt inne und runzelte die Stirn, seine Augen stets auf Teal’c gerichtet. Dann jedoch wandte er sich an General Landry. „Verzeihung, bei meinen letzten Worten hätte ich dich ansehen sollen. Wie ich bereits angedeutet habe, haben die anderen beiden meine Erlaubnis, den Planeten zu verlassen, ihr Ende wird es also nicht sein.“

    Plötzlich ertönte ein leises Piepen, das direkt aus Roys Manteltasche zu kommen schien. „Ah, na endlich“, sagte er und kramte einen kleinen Gegenstand hervor. „Das wird Radzinsky sein. Sprechen Sie“, fügte er an das Gerät gewandt hinzu.

    Heraus tönte eine grimmige Stimme: „Der Planet brennt. Lange ist Ihre Position nicht mehr sicher. Zwei der drei Erdenschiffe wurden zerstört, die Daedalus konnte entkommen.“

    „Ausgezeichnet“, antwortete Roy, „ich melde mich, wenn ich hochgebeamt werden will.“ Er steckte das Gerät wieder weg und sah sich anschließend drei irritierten Blicken ausgesetzt. „Nun, ihr habt es gehört. Nicht alle eurer Mitstreiter sind heute gestorben. Natürlich ist das nicht unerwartet, immerhin habe ich die Daedalus mit Extras ausgestattet, die sie... nun, meinen Schiffen nicht unbedingt ebenbürtig machen, aber zumindest ist sie dadurch wettbewerbstauglich. Das Schöne ist, dass sich tief versteckt in ihren Subroutinen ein kleines Programm befindet, das ein stetes, aber kaum messbares Signal sendet. Nicht einmal die Sensoren von Atlantis sollten in der Lage sein, es zu erkennen. Meine Schiffe sind selbstverständlich fähig, es aufzufangen, und so können wir die Daedalus stets verfolgen. Zweifelsohne wird Steven mit ihr nach Atlantis wollen, der Stadt der Vorfahren. Sollten die Verantwortlichen jedoch entscheiden, dass die Stadt ihren Planeten gemeinsam mit der Daedalus verlassen soll, weil sie glauben, dass ihre derzeitige Position nicht mehr sicher ist..., nun, wir werden nicht weit hinter ihnen sein.“

    „Deswegen hast du die Daedalus entführt“, knurrte Teal’c, dem allmählich klar wurde, dass der Zeitreisende an alles gedacht hatte.
    „Unter anderem, ja“, erwiderte Roy gelassen, „aber wie ich bei meiner kleinen Geschichte bereits andeutete, ging es mir vor allem darum, euch dazu zu bewegen, das Stargate geheim zu halten. Das Programm habe ich für genau den Fall installiert, der inzwischen eingetreten ist: dass ihr euch mir widersetzen würdet.“

    Vala schüttelte langsam und kaum merklich den Kopf, als würde sie sich weigern, all das Gehörte anzunehmen, und General Landrys Miene war starr. Der Jaffa konnte nicht einmal erahnen, was in ihm vorging, nun da er seine Tochter verloren hatte, sein Volk zum größten Teil ausgelöscht war und er selbst sich vermutlich sehr bald zu ihnen gesellen würde.

    Teal’c indessen wusste nicht, was er tun sollte. Dieser Feind war anders als alles, womit er es jemals zu tun gehabt hatte, eben so, wie Roy selbst gesagt hatte: wahrhaft übermächtig, nicht einmal durch ein Wunder zu bezwingen. Das kühne Vorhaben, das Teal’c und Vala in die Tat hatten umsetzen wollen, die Rache für ihre Freunde, die Rettung der Menschheit, schien nicht mehr realisierbar. Was nun?

    „Also“, sagte Roy nun aufgeräumt, „ich glaube, wir haben alles geklärt, nicht wahr? Es gibt jedoch noch eine Sache, die ich gerne erledigen würde, bevor ich den Selbstzerstörungsmechanismus starte. General Landry, vielleicht könntest du mir dabei helfen, das Sternentor zu aktivieren? Diese altertümlichen Apparaturen überfordern mich ein wenig...“

    Aber der General war nicht in der Stimmung, ihm zu helfen. „Ich bin sicher, du kriegst das alleine hin. So vieles ist dir heute bereits alleine gelungen, da wird dich unser Wahlcomputer bestimmt nicht aufhalten.“

    „Ich besitze noch immer ein Maschinengewehr“, erinnerte ihn Roy. „Wenn ich es nun auf dich richten würde, wärest du dann eher geneigt, mir behilflich zu sein?“

    „Kein bisschen“, erwiderte Landry kühl. „Eine Lektion für den, mit der Waffe: Es ist effektiver, jemanden zu einer Gefälligkeit zu zwingen, bevor man dem Jemand klar macht, dass er sowieso sterben wird.“

    Der Zeitreisende nickte anerkennend und grinste. „Da hast du Recht, General. Oh, wie Recht du doch hast...“ Er hob seine Waffe, richtete sie auf Landry und drückte den Abzug.

    „Nein!“, rief Vala entsetzt, nachdem der General von mehreren Kugeln getroffen zu Boden sackte. Rasch eilte sie herbei und kniete sich neben ihn, wo sie versuchte seine Bauchwunden zuzudrücken. Doch alles, was sie erreichte, war, dass nun sein Blut an ihren Fingern klebte.

    Sein Mund stand offen, als wolle er noch ein letztes Wort sprechen, doch die Stille, die stattdessen daraus hervordrang, war markerschütternd. Und schließlich wurden seine Augen starr und glasig. Sein Lebensfunke war erloschen.

    Teal’c senkte traurig seinen Kopf. Viele Menschen auf der Erde glaubten an ein Leben nach dem Tod, aber ob Hank Landry zu ihnen gehört hatte, wusste der Jaffa nicht. Gab es tatsächlich ein Jenseits, so hoffte er, dass der General dort wieder mit seiner Tochter vereint wäre.

    Mit blutigen Händen stand Vala wieder auf, ihr Körper bebte, und sie warf dem Zeitreisenden einen abscheulichen Blick zu.

    Roy jedoch schien dies nicht zu interessieren. „Ihr wusstet, welch ein Ende dies nehmen würde. Ich konnte ihn nicht am Leben lassen, genauso wenig wie seine Tochter. Ich wundere mich jedoch, ob er mir vielleicht geholfen hätte, wenn ich einen von euch bedroht hätte...“ Er verzog skeptisch seine Mundwinkel und sah zu der Leiche des Generals hinab, unter der sich nun eine Blutlache bildete. „Einerlei. Er hatte Recht, ich sollte es auch ohne ihn hinkriegen.“
    Schwungvoll drehte er sich auf seinem Stuhl um, um sich dem Wahlcomputer zuzuwenden, und wieder zog er etwas aus seiner Manteltasche hervor. Diesmal war es ein Zettel, beschrieben mit Worten, die Teal’c von seiner Position aus nicht erkennen konnte. „Ah, Papier“, murmelte der Zeitreisende, „wie schön und sanft es sich zwischen meinen Fingern anfühlt...“ Nun begann er, den Computer zu bedienen, wobei er immer wieder auf den Zettel sah. Der Jaffa vermutete, dass es sich dabei um Instruktionen handelte. „Keine Sorge“, sagte Roy nun lauter. „Ich möchte nur kurz einen Anruf nach Atlantis tätigen. Anschließend könnt ihr euch selbst den Planeten aussuchen, auf den ihr flüchten möchtet.“

    „Du kannst Atlantis nicht anwählen“, wandte Teal’c ein. „Diese Einrichtung verfügt nicht über genügend Energie, um ein Wurmloch zu einem so weit entfernten Ort aufzubauen.“

    „Darum musst du dir keine Sorgen machen, mein Freund“, erwiderte Roy geflissentlich, ohne von seiner Arbeit aufzusehen. Unter Zuhilfenahme seines Zettels aktivierte er nach und nach die Chevrons. Sergeant Harriman oder sogar General Landry hätten es vermutlich wesentlich schneller hinbekommen. „Ich habe mich zuerst in euren Energieversorgungsraum beamen lassen und dort ein kleines Gerät angebracht, das das Stargate mit genügend Energie versorgen wird. Eine Verbindung nach Atlantis stellt kein Problem dar. Übrigens“, fügte er beiläufig hinzu, „sollte einer von euch ihnen von der Daedalus und meinem kleinen Sendeprogramm erzählen, werde ich euch selbstverständlich doch noch töten...“

    Teal’cs Augen ruhten auf dem toten General, und seine Miene verfinsterte sich. Rasch sah er zu Vala, die daneben stand und vollkommen sprachlos schien. Doch sie erwiderte seinen Blick. „Weshalb willst du Atlantis anwählen?“, verlangte der Jaffa zu wissen. „Du kannst nicht hindurch gelangen, das Sternentor der Stadt hat einen Schild.“

    „Ich weiß“, antwortete Roy unbeeindruckt. Inzwischen war es ihm gelungen, den fünften Chevron zu aktivieren. „Ich will nicht durch das Tor nach Atlantis, dafür habe ich meine Schiffe. Nein, ich möchte den Verantwortlichen der Stadt einfach nur ‚Guten Tag’ sagen. Bei meinem Eindringen in diesen Stützpunkt ging es mir in erster Linie darum, zu verhindern, dass jemand von euch durch das Stargate entkommt. Nun, da das gelungen ist, kann ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Sie sollen wissen, womit sie es zu tun haben. Sie sollen wissen, dass sie schon bald sterben werden...“

    „Womit du beweist, dass es dir hier nicht um irgendeine gerechte Sache geht“, entgegnete der Jaffa knurrend. „Es geht dir einzig um die Befriedigung deines Triebes nach Gewalt und Blut. Du bist nicht gekommen, um das Universum zu retten, sondern um grausame Vergeltung zu üben, und das auch nur, weil du in deiner eigenen Zeit nicht dazu in der Lage bist. Du bist ein Feigling.“

    Kurz bevor er den achten Chevron aktiviert hatte, hielt der Zeitreisende inne und wandte sich zu Teal’c um. „Ein interessanter Gedanke, einer, den deine Freundin bestimmt teilt.“ Seine Augen huschten rasch zu Vala, die noch immer wie versteinert dastand, und wieder zurück. „Ich habe nie behauptet, dass ich ein Engel bin, der gekommen ist, um Gottes Urteil zu vollstrecken. Ich bin ein Mensch, der gekommen ist, um sein eigenes Urteil zu vollstrecken. Und als Mensch bin ich mit Fehlern behaftet und von Trieben gesteuert, Evolution und technischer Fortschritt hin oder her. Ich habe meine Entscheidung getroffen, und bin gewillt, sie gegen alle Widerstände durchzudrücken. Was für eine Rolle spielen schon meine niederen Motive, welche Bedeutung hat es schon, dass ich bei diesem Gemetzel ein wenig Genuss empfinde, wenn ich durch meine Taten doch eine ewig andauernde Ära des Friedens einleite?“

    „Leere Worte“, sprach plötzlich Vala, die blutverschmierten Hände zu Fäusten geballt, „Lügen. So lange es dich gibt, wird es keinen Frieden geben. Denn du bist der Schlimmste von allen. Ich weiß nicht genau, was mit der Menschheit in deiner Zeit passiert ist, aber ich weiß, dass du der Schlimmste von ihnen bist. Und ich werde nicht ruhen, bevor du deine gerechte Strafe für deine Taten erhalten hast. Ich werde einen Weg finden, dich zu töten, und ich werde dich jagen, durch die gesamte Galaxis und darüber hinaus, und wenn es sein muss, auch durch die Zeit.“

    „Wenn das so ist, sollte ich dich vielleicht doch nicht verschonen“, erwiderte Roy und richtete sein Maschinengewehr auf sie, während er sie geringschätzig musterte. Er schnalzte mit der Zunge. Valas Miene blieb unbewegt, ließ keinen Schluss darüber zu, was in ihr vorging. „Jedoch... mein Leben ist mir nicht mehr besonders wichtig. Wer weiß, was das Universum mit mir anstellt, nachdem ich es so dermaßen durcheinander gebracht habe. Daher habe ich auch kein großes Interesse an deinem Tod, ganz gleich, wie deine Absichten aussehen mögen. Wenn du willst, kannst du mich jagen, und dann werden wir sehen, wer am Ende übrig bleibt. Nun entschuldigt mich, ich habe einen wichtigen Anruf zu tätigen.“ Er warf das Maschinengewehr achtlos auf den Boden und drehte sich wieder zum Wahlcomputer um, wo er einige Tasten drückte. Dann sprach er: „Chevron acht... fixiert.“

    Tatsächlich rastete in jenem Augenblick draußen am Sternentor die achte Koordinate ein, und eine blauleuchtende Woge schoss aus dem Ring hervor, um anschließend eine schimmernde, wassergleiche Fläche zu bilden, ein Wurmloch in die Pegasus Galaxie.

    „Siehst du, Teal’c?“, sagte der Zeitreisende leise. „Eine Verbindung ist kein Problem... Dann wollen wir sie mal rufen.“ Rasch warf er einen Blick auf seinen Zettel. „Hierdurch sollte eine Videoübertragung möglich sein.“ Er drückte eine weitere Taste, und wenige Augenblicke später erschienen Colonel John Sheppard und Richard Woolsey auf einem Bildschirm. „Ah“, sprach Roy zu ihnen, „seid gegrüßt, Menschen von Atlantis.“

    „Wer sind Sie?“, wollte Mr. Woolsey sofort wissen, in seinen Augen ein argwöhnisches Funkeln. Natürlich musste ihm bekannt vorkommen, was er im Hintergrund auf seinem Bildschirm sah.

    „Man nennt mich Roy“, antwortete der Zeitreisende. „Ich bin der, der für das Verschwinden der Daedalus verantwortlich war. Aber das ist nicht wirklich die Frage, die dich interessiert, oder? Gewiss hast du die Einrichtung, in der ich mich befinde, erkannt.“

    „Wo ist General Landry?“, mischte sich nun Colonel Sheppard ein.

    „Hinter mir, auf dem Boden“, antwortete Roy lässig. „Ich fürchte, die Kamera kann ihn nicht erfassen. Besser so, er gibt keinen hübschen Anblick ab. Teal’c und Vala sind bei mir, ihnen geht es gut.“ Er wandte seinen Kopf zur Seite und sah den Jaffa auffordernd an.

    Teal’c verstand und trat näher, um sich den beiden Anführern von Atlantis zu zeigen. „Mr. Woolsey, Colonel Sheppard“, sagte er zum Gruß.

    „Was ist los bei euch, Teal’c?“, fragte der Colonel.

    „General Landry ist tot, Colonel Sheppard“, antwortete der Jaffa mit betretener Stimme, „so wie die meisten Menschen auf der Erde.“ Er fuhr fort, und erzählte im Detail, was geschehen war, und ließ dabei auch nicht aus, weshalb sie überhaupt in der Lage waren, das Tor in Atlantis anzuwählen. Es war ihm lieber, er erklärte es selbst, als dass er die ganze Geschichte noch einmal aus Roys selbstgefälliger Perspektive mitanhören musste.

    „Die gesamte Bevölkerung wurde vernichtet?“, fragte Woolsey fassungslos.

    „Weitestgehend, ja“, antwortete Teal’c. „Ich fürchte, wer noch nicht tot ist, der wurde verstrahlt. Vala Mal Doran und ich sind die einzigen, denen Roy das Leben versprochen hat.“

    „Weshalb?“

    „Er sagt, wir gehören nicht zu dieser Gesellschaft, die er ausgelöscht sehen will.“

    „Das hast du wunderbar erklärt, danke, Teal’c“, sagte nun Roy, der ein Bein über das andere geschlagen und die Hände zusammengefaltet hatte, und dadurch einen äußerst entspannten Eindruck machte. „Der Zweck meines Anrufs ist ein sehr simpler, und im Grunde auch sehr unnötiger, wenn nicht gar grausamer, wie mir meine beiden Gäste versucht haben, klar zu machen. Dennoch, trotz ihrer Proteste konnte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.“ Er räusperte sich und löste seine Beine, sodass sie nun fest auf dem Boden ruhten. „Ich möchte euch wissen lassen, dass ihr euren Artgenossen bald folgen werdet. Als sich die Verantwortlichen des Stargateprogramms mir verweigert haben, als sie beschlossen haben, meiner Forderung nicht Folge zu leisten und das Programm trotz meiner Einwände öffentlich zu machen, da war das ein direktes und sehr deutliches ‚Ja’ zur totalen Vernichtung. Auch euch wird es so ergehen. Ich hege jedoch die Hoffnung, dass ihr eine größere Herausforderung darstellen werdet. Immerhin nennt ihr die Verlorene Stadt euer Eigen. Vielleicht könnt ihr damit etwas gegen mich erreichen.“

    „Danke für die Warnung“, sagte Sheppard kalt, ohne preiszugeben, was unter seiner Oberfläche vorging.

    Woolsey hingegen schien sprachlos. Sein Mund öffnete und schloss sich wieder, mehrere Male.

    „Schicken Sie Vala und Teal’c durch das Gate“, forderte der Colonel nun. „Wir nehmen sie bei uns auf.“

    Da fand der IOA-Vertreter seine Stimme wieder. „Das können wir nicht tun, Colonel. Wer weiß, was dieser Wahnsinnige ihnen hinterher schicken würde...“

    In jenem Moment musste Roy glucksen. „Es spielt keine Rolle. Ich rufe euch lediglich an, um euch auf meine Ankunft vorzubereiten. Teal’c und Vala kann ich nicht zu euch schicken. Sie verfügen über sensible Informationen, von denen ich nicht möchte, dass sie allzu schnell in eure Hände geraten. Ich werde sie auf einem anderen Planeten innerhalb der Milchstraße aussetzen, und wenn es ihnen dann gelingt, Kontakt zu euch aufzunehmen, nun, so sei es denn.“

    „Wovon spricht dieser Typ, Teal’c?“, wollte Sheppard wissen, aber der Jaffa antwortete nicht sofort.

    Er tauschte einen Blick mit Vala, und er wusste, dass sie sich einig waren. Trotz der Androhung des Todes sprach er: „Roy hat auf der Daedalus ein verstecktes Programm installiert, das es ihm ermöglicht, ihr zu jedem Ort zu folgen. Das Schiff wird schon in Kürze bei euch eintreffen. Entweder ihr findet das Programm und vernichtet es, oder ihr müsst die Daedalus aufgeben.“

    Der Zeitreisende seufzte schwer und drehte sich zum Jaffa um. „Was habe ich dir nur angetan, Teal’c, dass du dich mir ständig widersetzen musst? Selbst im Angesicht des Todes bist du nicht davon abzubringen. War es diese kleine Information denn wert, dein Leben und das von Vala aufs Spiel zu setzen?“

    Teal’c ignorierte ihn einfach. „Schalten Sie das Tor ab, Mr. Woolsey. Roy hat Ihnen nichts mehr zu sagen. Vala und ich sind bereit, zurück zu bleiben und die Konsequenzen zu tragen. Jetzt habt ihr eine Chance.“

    „Seht zu, dass ihr da raus kommt, Teal’c“, sagte Colonel Sheppard energisch. „Wir werden euch finden.“

    Aber der Jaffa glaubte, dass Roys Geduld nun endgültig ihr Ende erreicht hatte. Wie zur Bestätigung kam der Zeitreisende den Verantwortlichen in Atlantis zuvor, drückte eine Taste und brach die Verbindung dadurch ab. Dann stand er auf und näherte sich Teal’c bedrohlich.
    „Ich habe dich gewarnt“, sprach er, „immer wieder habe ich dir gesagt, dass wir keinen Zwist miteinander haben, doch du trittst meine Großzügigkeit mit Füßen. Wieso, Teal’c? Wieso?

    „Du weißt nichts über diesen Planeten und seine Bevölkerung“, erwiderte der Jaffa eisern. „Es mag sein, dass Menschen das Potential für Gewalt, Zerstörung und Blutvergießen in sich tragen, aber in ihnen verbirgt sich auch ein Kern, den du niemals verstehen wirst, ein Kern, der sie zu Liebe befähigt, zu Freundschaft, Loyalität und Gutherzigkeit. Darin sind Vala und ich ihnen ähnlich, und wenn du geglaubt hast, wir würden nicht alles versuchen, um unseren Freunden zu helfen, dann hast du dich geirrt. Dafür sind wir bereit zu sterben.“

    Und da schnellte plötzlich Roys Arm vor, griff nach Teal’cs Kehle und drückte zu, und zwang den Jaffa dadurch auf die Knie. „Nein!“, rief Vala und rannte herbei, um ihrem Freund beizustehen, doch der Zeitreisende blockte ihren Ansturm mit seiner freien Hand einfach ab, packte sie am Kragen und warf sie durch das Fenster hinaus in den Gateraum. Durch das Klirren der tausend Scherben, in die das Fenster dabei zerbrach, konnte Teal’c noch einen abgehackten Schrei und unmittelbar darauf einen stumpfen Aufprall hören.

    Dann war es still, bis Roy schließlich das Wort erhob: „Menschen sind verachtenswürdige Kreaturen, habe ich dir das noch nicht ausreichend klar gemacht? Und ich weiß, dass ich selbst dabei keine Ausnahme darstelle.“ Er drückte Teal’cs Kehle noch ein bisschen fester zu, sodass diesem allmählich die Luft weg blieb. „Möchtest du etwas wissen? Etwas, von dem ich dachte, dass du es inzwischen begriffen haben solltest, doch ich möchte Missverständnisse zwischen uns vermeiden. Als ich sagte, dass die Menschheit in meiner Zeit anderen Völkern keinen Respekt entgegen bringt, sie entweder versklavt oder vernichtet, da war das mein Ernst. Deine liebgewonnene Jaffa Nation ist zerschlagen worden, lange bevor ich überhaupt geboren wurde. Zunächst durftet ihr den Menschen dienen, denn sie glaubten, was ihr einmal gut konntet, das würdet ihr rasch wieder erlernen. Aber nach mehreren blutigen Aufständen haben sie realisiert, dass ihr zu stolz seid, und die Mühe nicht wert. Sie haben euch vernichtet. Du siehst also, was ich hier tue, das tue ich auch für dich und dein Volk. Anstatt dich mir zu widersetzen, solltest du den Boden küssen, auf dem ich wandle.“

    „Nein“, knurrte Teal’c durch seine zugedrückte Kehle, „du lügst...“ Er wollte sich aus Roys Würgegriff befreien, doch der Zeitreisende ließ es nicht zu. „Menschen und Jaffa sind verbündet, unser Band gestärkt durch den gemeinsamen Kampf gegen Goa’uld und Ori...“

    „Menschen sind nicht so loyal wie du es dir einredest, mein Freund“, erwiderte Roy. Sein Griff blieb unbarmherzig hart. „Im Übrigen ist Verdrängung eine sehr einfache und meist sehr unkluge Art, sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. Obwohl ich es verstehen kann. Die Realität ist bitter. Daran ändert auch der heutige Tag nichts. Ich hoffe allerdings, dass die Zukunft nun etwas süßer wird, auch ohne meine Zinia...“

    Teal’c glaubte, dass ihm bald die Sinne schwinden würden, doch es gab eine Sache, die er noch wissen wollte. „Dein Name...“, würgte er hervor, „dein wahrer... Name. Wie lautet er?“

    „Mein Name...?“, sagte Roy und lockerte seinen Griff plötzlich ein wenig. Der Jaffa bemerkte, dass sein Blick glasig geworden war, als wären seine Gedanken in weite Ferne gerückt. Sekunden der Stille vergingen, in denen Teal’c nur seinen eigenen schweren Atem hören konnte. „Mein Name... ist von keiner Bedeutung“, sprach der Zeitreisende schließlich, „denn am Ende wird er vergessen sein.“ Nun sah er dem Jaffa direkt in die Augen. „Aber wenn dir ‚Roy’ nicht gut genug ist..., dann nenn mich Apophis, Mephisto, Morgoth... oder du nennst mich El, nach dem obersten Richter, denn mein Urteil ist gefallen. Du willst für deine Freunde sterben? Dann geh zu ihnen, und geh gemeinsam mit ihnen unter.“ Und dann beförderte er auch ihn mit einem Ruck aus dem Fenster.

    Teal’c spürte, wie der Druck von seiner Kehle wich, wie die Luft an ihm vorbei rauschte, und kurz darauf schlug er unsanft auf den Boden des Gateraums. Er neigte seinen Kopf sofort zur Seite und erkannte Vala, die neben ihm auf dem Rücken lag und sich bislang nicht erhoben hatte.

    „Teal’c...“, stöhnte sie mit schmerzverzerrter Miene.

    Dem Jaffa taten zwar von dem Aufprall die Knochen weh, doch ansonsten ging es ihm gut. Die Außerirdische hingegen schien den Sturz nicht unbeschadet überstanden zu haben. Sofort kroch Teal’c zu ihr, um ihr zu helfen, und als sie sich mit seiner Unterstützung aufsetzte, erkannte er, dass ihr Rücken blutverschmiert war. Die Nähte ihrer Wunden mussten aufgerissen worden sein. „Geht es dir gut, Vala?“, wollte er wissen.

    „Nein“, erwiderte die Außerirdische, ihr Gesicht noch immer eine Maske der Pein.

    Plötzlich vernahmen beide ein Geräusch und wandten ihre Köpfe in die Richtung, aus der es kam. Das Sternentor wurde aktiviert. Nach und nach rasteten die Chevrons ein, doch Teal’c war noch so verwirrt von seinem Sturz und von Valas blutendem Rücken, dass er weder darauf achtete, welche Symbole gewählt wurden, noch wie viele es waren.

    Und dann, ehe er sich versah, hatte das Gate ein stabiles Wurmloch aufgebaut, und Roy trat an das Fenster, um zu ihnen zu sprechen. „Geht hinfort und findet eure Freunde“, sagte er, „doch wisset, dass auch ich sie finden werde. Ich brauche die Daedalus nicht. Und wenn es soweit ist, werde ich keine Gnade walten lassen, nicht für die Menschen, und auch nicht für euch. Das Tor zur Hölle muss geschlossen werden, gegen alle Widrigkeiten. Überlegt euch also gut, wie loyal ihr sein wollt...“

    Teal’c half Vala dabei aufzustehen. Anschließend sah er zu Roy hinauf, dann zum aktivierten Stargate, und wieder zurück. Er erwiderte: „Du warst es, der das Tor aufgestoßen hat, Roy. Nur wegen dir haben wir in den tiefen Schlund geblickt, der sich dahinter offenbart. Du bist nicht besser als ein falscher Gott, jämmerlich, armselig. Und wenn wir die Menschheit auch nicht mehr retten können, so werden wir sie zumindest rächen. Wir werden einen Weg finden, dich zu vernichten. Wir werden dich jagen. Und am Ende wirst du es sein, der in den Abgrund der Hölle starrt.“

    Er drehte sich um und nahm Vala mit sich, die er stützte. Gemeinsam gingen sie langsamen Schrittes die Rampe zum Stargate hinauf. Er wusste nicht, wohin das Wurmloch führte, doch es spielte keine Rolle. Sie konnten nicht hier bleiben. Die Erde war verloren.

    „Wir finden einen Weg“, sagte der Jaffa, während sie dem Ereignishorizont immer näher kamen.

    „Wir finden einen Weg...“, wiederholte die Außerirdische schwach. Ein Bluttropfen löste sich von ihrer verschmierten Kleidung und besprenkelte die Rampe.

    Das Tor stand offen.


    -Ende-
    Geändert von Mix (08.06.2013 um 20:22 Uhr)
    Meine Stargate Fan Fiction:


    °

    To be or not to be, that is a serious question.

  32. Danke sagten:


  33. #20
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    Standard

    Hallo Mix

    Eine packende und interessante Geschichte ist dir da gelungen. Soso Roy ist Daniels Nachfahre. Die Erde verbrennt im radioaktiven Feuer und die Daedalus konnte entkommen. Teal'c sinnt auf Rache und Atlantis weiß von dem Programm in den Subroutinen der Daedalus. Eine gute Basis für eine Fortsetzung. Was geschieht hinter en Toren zur Hölle? Werden Roys Taten seine Zukunft erst auslösen oder eine viel schlimmere schaffen. Eine in der die Menschheit einem Feind nicht die Stirn bieten konnte und er dadurch viel mächtiger wurde.
    Ich hoffe du entschließt dich weiter zuschreiben. Du kannst Stolz auf dich sein, für das Werk, das du mit dieser Geschichte geschaffen hast.
    Mit den besten Grüßen
    Kwasir

  34. Danke sagten:

    Mix

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