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Thema: [Reverse Bang] Daniels Passion

  1. #1
    Major General Avatar von Kris
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    Standard [Reverse Bang] Daniels Passion

    Titel: Daniels Passion
    Serie: Stargate SG-1, Ende Staffel 5 bis Anfang Staffel 7
    Rating: PG-13
    Genre: Mystery, Abenteuer, Drama, Charakterstudie
    Charaktere: Daniel Jackson, Oma Desala, Jack O’Neill, Samantha Carter, Jonas Quinn, Anubis
    Pairing(s): nur Daniel/Jack friendship
    Warnungen: keine

    Kurzinhalt: Daniel macht nach dem Aufstieg in eine andere Daseinsform überraschende Entdeckungen und Erfahrungen, die ihn mehrfach an die Grenzen seiner Menschlichkeit führen und doch an das erinnert, was ihn vor allem auszeichnet: Sein Gewissen.

    Anmerkungen: Das Bild von Tina hat mich als erstes angesprochen und die Idee zur Geschichte entwickelte sich schnell. Allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Umsetzung so umfangreich werden würde, und solche Schleifen laufen würde. Auch das Thema hat sich im Laufe des Schreibens etwas verändert, was ihr aber auch keinen Schaden zugefügt hat. Vielen Dank an Evaine für das Betalesen.

    Schwierigkeiten hat mir diesmal der Titel bereitet und ich habe lange herum überlegt, bis ich auf ein Wort gekommen bin, dass laut Google wohl 10 Bedeutungen und gut 180 Synonyme kennt.
    „Passion“ steht hier also
    1. für seinen dornigen Weg als Aufgestiegener
    2. für seine Leidenschaft, seine menschlichen Ideale zu verteidigen
    3. für seinen Eifer und seine Besessenheit beim Aufspüren und Ergründen von Geheimnissen.
    4. für seine Begeisterung sich Neuem zu öffnen.

    Die Geschichte umfasst überschaubare sechs Kapitel und den Epilog, den ich mit dem letzten Kapitel posten werde. Wie immer freue ich mich natürlich sehr über Feedback, gerade, weil ich mich diesmal auf Neuland begeben habe, was die Charaktere und die Serie angeht. Denn ich weiß einfach nicht, ob ich Daniel wirklich richtig getroffen habe.

    Nun wisst ihr also, was mich in den letzten Wochen bei "Solitary Man no more" aufgehalten hat.


    Fanart von: TinaS

    Disclaimer:
    Stargate Atlantis und SG-1 und alle Stargate Charaktere sind Eigentum von MGM/UA, Double Secret Productions, Gekko Productions und dem SciFi Channel. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.






    +++o+++o+++o+++o+++o+++
    Erstes Kapitel
    Gefangen im Netz des Lichts
    +++o+++o+++o+++o+++o+++


    Ein Meer aus goldenen Flammen hüllte Daniel Jackson ein. In diesem Moment fühlte sich der Archäologe so hilflos und von Gott verdammt wie ein Ketzer auf dem Scheiterhaufen der Inquisition, denn er wusste: Wäre sein Leib noch dazu fähig gewesen, hätte er sich vermutlich in Agonie gewunden wie jemand, der in den Flammen eines Feuers starb.
    Sein Geist war den Schmerzen daher ganz alleine ausgeliefert. Auch wenn es ihn danach verlangte, den anderen Einhalt zu gebieten, so wenig vermochte er es nicht zu tun.
    Es gab keine Möglichkeit Dr. Fraiser oder den anderen zu signalisieren, dass sie den Schmerz nur noch vergrößerten anstatt ihn zu lindern, denn die radioaktive Strahlung hatte seine physische Hülle, seine Muskeln und Sinne, längst so weit zerfressen, dass eine willentliche körperliche Reaktion so gut wie unmöglich war.

    Obwohl längst nicht mehr Samantha Carter mit den Erinnerungsfetzen von Jolinar und dem Hauch Naquadah im Blut versuchte, mit dem Handgerät der Goa’uld den Zerfall der Zellen aufzuhalten, sondern ein erfahrener alter Tok’ra damit arbeitete, so war Daniel weit über den Punkt hinaus, bei dem es noch ein Wunder bewirken konnte.
    Ein Sarkophag war weder greifbar, noch wollte sich der Archäologe noch einmal dem verderblichen Einfluss seiner Strahlung aussetzen, nach dem er schon einmal süchtig geworden war und sich zum Schaden seiner Freunde verändert hatte. Niemals wieder wollte er sich dem stellen und so wie die Goa’uld werden - deshalb gab er sein Leben lieber freiwillig auf.

    Erneut umschlossen goldfarbene Zungen den astralen Leib seines Geistes und züngelten an ihm empor. Er verkrampfte sich unwillkürlich, spürte wie ein schmerzhaftes Aufbegehren durch das Abbild seines Körpers schoss. Selmak und Jacob Carter mochten zwar sehr behutsam bei der Heilung vorgeben, aber sie waren leider auch ziemlich hartnäckig und gaben nicht auf.

    Immer höher züngelten die Flammen und drohten ihn zu verschlingen. Daniel schlug nach ihnen, doch seine Hände fuhren ergebnislos durch das goldene Licht, erfüllten es nur noch mehr mit Gleißen und Schmerz. „So helft ihr mir nicht ... lasst mich doch endlich gehen!“, schrie er in seiner Qual hinaus.

    „Daniel.“ Kühl wie ein erfrischender Windhauch berührte ihn der Klang dieses Wortes und teilten die Flammen um ihn. Silberweißes Schimmern drängte die Flammen beiseite.

    Wie ein Cherubim im Fegefeuer trat ihm eine durchscheinende Gestalt entgegen. „Daniel, du kennst den Weg, um dich von dem Schmerz zu befreien.“ Oma Desala, die Lichtgestalt, die er auf dem Planeten Kheb kennengelernt hatte, sah ihn auffordernd an und streckte die Hand aus. „Du weißt schon lange, was ich dir anbiete.”

    Der Archäologe nickte und atmete befreit auf. “Seit damals auf deiner kleinen Welt und dem abgeschiedenen Tempel, als du meinen Geist das erste Mal berührt und dich mir offenbart hat.” Er erwiderte ihren Blick. “Damals hast du es mir zum ersten Mal angeboten, nur war ich noch nicht bereit dazu. Doch warum fragst du gerade mich?”
    “Weil du bereits den nächsten Schritt getan hast, anders als viele Angehörige deiner Rasse. Du öffnest dich dem Neuen bereitwillig und erkundest es, ohne es gleich zu verurteilen und vielleicht sogar zu verdammen oder nach deinen Wünschen formen zu wollen. Du folgst den Idealen, die mir und vielen anderen von uns dabei geholfen haben, sich von der irdischen Welt zu lösen.” Ihre geisterhafte Hand berührte seinen Arm. “Spürst du nicht, dass du schon längst dazu bereit bist? Gerade in diesem Moment?”

    Daniel schloss die Augen. Er spürte keinen Schmerz mehr, nur noch eine tiefe Ruhe und grenzenlose Freiheit. Bilder, die er mit seinem Verstand noch nicht zur Gänze erfassen konnte, huschten durch seinen Geist.
    Oma Desala gab ihm in diesem Moment den Hauch einer Ahnung von dem, was ihn erwarten würde, wenn er ihrem Angebot folgte. Sie zeigte ihm die Wunder, die er mit menschlichen Augen niemals sehen würde. Dann versiegte der Strom der Wahrnehmungen wieder, hinterließ aber dennoch eine leise Sehnsucht.

    „Vieles wirst du davon vermutlich selbst entdecken und erkunden wollen. Ich weiß, dass wird dir sehr gefallen.“ Sie lächelte ihn sanft an. „Denn eines solltest du wissen: Der Aufstieg verändert nicht unsere Persönlichkeit. Du warst in deiner irdischen Existenz ein Gelehrter und Erforscher von Geheimnissen - und genau das wirst du auch als einer von uns immer sein.“

    Daniel sah sie zweifelnd an. „So gut kennst du mich bereits? So oft haben wir uns noch nicht gesehen. Und vielleicht habe ich dich damals auch nur getäuscht.“

    „Nein, das wüsste ich. Denn deine Seele kann nicht lügen, nicht die deine. Selbst wenn du etwas vor mir zu verbergen versuchst, es wird die widerstreben, mir eines Tages nicht alles zu offenbaren.“
    Oma Desala wurde wieder ernst und ein nachdenklicher Schimmer glomm in ihren astralen Augen. „Außerdem hat Shifu dich auf meine Bitten hin einer wichtigen Prüfung unterzogen, ehe er mich ganz verließ.“

    Beschämt senkte Daniel den Kopf. Auch daran erinnerte er sich nur all zu gut. Mit einem Schaudern erinnerte er sich an das Geschenk, dass ihm der Harsesis – Sha’res Sohn – gemacht hatte. Die Vision stand wieder deutlich vor seinen Augen, der die bittere Selbsterkenntnis gefolgt war, dass auch er sich von der Macht korrumpieren lassen würde.
    Diese Begegnung mit seinem innersten Ich hatte ihm deutlich vor Augen geführt, dass auch er nur ein schwacher und fehlbarer Mensch war, selbst wenn er anfangs aus guten, aus moralischen und ethisch zu rechtfertigenden Gründen gehandelt hatte, um die Menschheit vor Gefahren von außen und vor den Abgründen in sich selbst zu beschützen. Er hatte immer nur das Beste gewollt, aber das Schlimmste getan, was er anderen zufügen konnte: Ihnen die Freiheit des Willens genommen und noch schlimmer...

    Daniel hielt plötzlich in seiner Selbstanklage inne, denn eine andere Erinnerung verdrängte die Schuldgefühle: Jack war in der Vision bis zuletzt sein Gegenpol gewesen, derjenige, der ihm immer wieder ins Gewissen geredet hatte, der Mahner, der nicht zu schweigen bereit war - nicht einmal im Angesicht des Todes.
    Natürlich war auch Jack nicht ohne Fehler und Unzulänglichkeiten, hatte seine Schwächen und Vorurteile. Wie oft hatten sie sich gestritten, wenn sie unterschiedlicher Meinung gewesen waren und ihren Dickkopf gegeneinander ausgespielt. Wie oft waren sie dabei nicht an ihre Grenzen geraten und hatten sich fast entzweit?
    Aber sie beide waren an ihren Konflikten gewachsen, hatten auch gelernt, dem Gespür des anderen zu vertrauen und dessen Rat nicht ganz in den Wind zu schlagen, sondern in den eigenen Überlegungen und Entscheidungen zu berücksichtigen. Genau so oft hatten sie ihr Leben in die Hand des anderen gelegt.

    Daniel lächelte. Deshalb wusste er jetzt, was er zu tun hatte ...

    Er wandte sich wieder an Oma Desala. „Ich muss mit einem von meinen Freunden reden. Sonst werden sie mich weiter hier festhalten wollen und vor allem nie damit aufhören.“ Er blickte auf die goldenen Flammen, die sich ihm wieder langsam näherten.

    „Ja, da gebe ich dir recht. Aber sie kämpfen um dich, weil sie dich lieben.“ Die Antikerin lächelte sanft, als habe sie seine Überlegungen mitbekommen. „Stelle dir deinen Auserwählten an einem euch beide sehr vertrauten Ort vor. Ich werde ihn holen. Dann sprecht miteinander. Auch wenn ich die Illusion um euren Geist aufrecht erhalte, werde ich euch dennoch nicht zuhören.“

    „Ich wähle Jack“, erwiderte Daniel entschlossen, ohne lange darüber nachdenken zu müssen. „Der Torraum wäre der beste Ort für ein Treffen.“


    +++o+o+o+++o+o+o+++


    Daniel straffte seine Schultern, als Jacks Gestalt verblasste und er alleine in dem imaginären Gateraum zurückblieb. An den Wänden tanzten goldene Flammen und erinnerten ihn daran, dass noch nicht alles vorbei war.
    Dennoch fühlte er sich wie von einer schweren Last befreit, denn Jack hatte ihm die Gewissheit gegeben, dass jede Entscheidung, die er nun traf, richtig sein würde, weil es die seine war .
    Der Freund hatte zudem nicht nur versprochen Jacob Carter zu sagen, dass er die Heilung aufgeben solle, sondern auch deutlich gemacht, dass er ihn frei gab und sich um den Rest seiner Freunde kümmern würde, selbst wenn sie ihn alle schrecklich vermissen würden.

    Das half Daniel nun selbst von seinem früheren Leben und den Menschen, die er über alles liebte, Abschied zu nehmen. Es schien, als habe Oma Desala nur auf diesem Moment gewartet, denn als das goldene Licht an den Wänden verschwand, verstärkte sich dafür das Wabern des Tores.
    Sie selbst stand vor dem Ereignishorizont und streckte wiederum die Hand aus. „Bist du bereit mit mir zu kommen?“
    „Ja!“ Daniel lächelte. „Irgendwie erscheint mir das Gate passend, denn schon in vielen unserer alten Kulturen symbolisierte ein Tor den Übergang in einen neuen Abschnitt des Daseins und war der Zugang in eine andere Welt.“
    Oma Desala wirkte amüsiert. „Das ist nicht nur in den Kulturen deines Volkes so. Nun habe keine Furcht und komm mit mir. Der Schmerz wird ein Ende haben.“

    Daniel schritt ihr entgegen und gemeinsam mit ihr durch das Tor. Das erste Mal bekam er bewusst mit, wie sich sein Körper in reine Energie verwandelte, Zellen in Moleküle und Atome zerfielen und sich neu bildeten, auch wenn am anderen Ende des Wurmloches kein zweites Tor folgte, sondern nur die Unendlichkeit des Alls. Und Oma Desala hatte nicht gelogen. Es gab keinen Schmerz mehr. Nur noch tiefe Ruhe und Freude.

    Für einen Moment durchdrang ihn das Licht der Sterne. Es waren keine menschlichen Augen mehr, die das Universum in nie gekannter Pracht erblicken durften und unzählige Welten sahen, auf denen sich das Leben in all seiner Vielfalt tummelte; kein sterblicher Körper, der sich neu formte – und als er die Arme ausstreckte in der einen Hand das funkelnde vielfarbige Juwel der Erde hielt, in der anderen das unscheinbare kleine Staubkorn des Mondes.

    Sein Blick richtete sich auf ferne Sonnen und deren Planeten, auf denen die Sklaven in den Waffenschmieden der Goa’uld neue Raumschiffe erbauten und ausrüsteten, bewacht von grimmigen Jaffa, um die Fackel des Krieges weiter hinaus zwischen die Sterne zu tragen. Er spürte die Gier nach Macht, die ihm aus den Palästen der Systemlords entgegen schlug ... und dort lauerte nicht zuletzt ein dunkler Schatten, den er noch nicht richtig erfassen konnte, der ihm selbst in dieser neuen Gestalt einen Schauder über den Rücken rinnen ließ.

    Neue Kraft erfüllte ihn. Sie kam direkt von den Sternen und würde erst verlöschen, wenn auch das Universum starb. Er glaubte jetzt zu wissen, was es bedeutete, aufgestiegen zu sein. Es würde keine Grenzen mehr für ihn geben, keine Bande aus Raum und Zeit, die ihn halten würden. Er konnte verhindern, dass seine Freunde, nein, die ganze Menschheit, die Erde einer neuen Gefahr zum Opfer fallen würden ...

    Unwillkürlich dachte er an Jack, Sam und Teal’c, und fühlte sich in diesem Moment in das Stargate-Center zurückversetzt. Die Freunde standen an einem der Aufzüge. Sie wirkten nachdenklich, die Trauer sprach aus ihrem Gesicht und ihren Gesten - außer bei einem. Jack lächelte still in sich hinein, und für einen kurzen Moment hatte Daniel das Gefühl, dieser könne ihn spüren.

    War das nicht ein geeigneter Zeitpunkt, um deutlich zu machen, dass er immer noch da und mit seinem alten Team sein würde?

    Unwillkürlich streckte Daniel die Hand aus und wollte Jack berühren, wollte sich ihm offenbaren, und auch die anderen damit trösten. Doch bevor er dazu kam, wurde er den Freunden entrückt und fand sich erneut zwischen den Sternen wieder.

    „Nein, genau das wirst du nicht tun! Du bist keiner mehr von ihnen.“ holte ihn Oma Desalas ernste Stimme in sein Hier und Jetzt zurück. Sie forderte all seine Aufmerksamkeit, als sie nun eindringlich weiter sprach: „Und genau das ist die erste Regel, die ich dich lehren muss. Du musst all das loslassen, was du in deinem irdischen Leben geliebt hast. Sterbliche Belange sind für dich nun nicht mehr länger von Bedeutung Und die zweite ist, dass du dich von nun nicht mehr in diese einmischen darfst. Die Sterblichen müssen ihre Probleme alleine lösen. Du darfst ihnen nicht helfen.“

    Daniel erstarrte. Regeln? Davon hatte sie zuvor nicht gesprochen. Ebenso wenig wie von dem Preis, den er für seine weitere Existenz zahlen musste, und den er noch nicht bereit war zu zahlen. Denn welchen Sinn hatte es dann überhaupt aufgestiegen zu sein. Womit sollte er nun die Ewigkeit verbringen? Nur untätig herum zu sitzen lag ihm nicht.
    Er hielt in seinem Gedankengang inne, denn plötzlich hatte er das Gefühl, nicht mehr mit Oma Desala allein zu sein. Es war so als blickten Myriaden imaginärer Augen in diesem Moment auf sie beide.

    Die Lichtgestalt vor ihm nickte verhalten und bestätigte seinen Verdacht, dann sprach sie leise weiter: „Aufzusteigen bedeutet nicht nur seinen physischen Körper aufzugeben, sondern auch der stofflichen Welt zu entsagen. Nicht mehr länger soll es dich kümmern, was den sterblichen Völkern widerfährt, so sehr es dich auch schmerzen mag, wenn deine eigenen Freude und Gefährten darunter sind. Denn das ist der Preis für die Macht, über die du nun gebietest.“
    „Aber, was...“ Er wollte protestieren, doch sie gebot ihm mit einer harschen Geste, den Rest seines Widerspruchs nicht auszusprechen.

    „Daniel, du selbst hast erlebt, wie Macht auch die reinste Seele mit den besten Absichten korrumpieren kann. Denn wer sie zu oft in Anspruch nimmt, der wird bald selbst zu ihrem Sklaven. Erinnere dich an deine Prüfung ... und an andere Dinge, die dir widerfahren sind“, ermahnte sie ihn eindringlich.
    „Aus diesem Grunde haben wir uns und denen, die bereit sind, uns zu folgen, die Pflicht auferlegt nur zu beobachten und andere Wesen dann auf unseren Pfad zu geleiten, wenn sie es wirklich wollen - mit allen Konsequenzen und auch das ist schon ein schmaler Grat auf dem wir wandeln.“

    Daniel hob trotzig den Kopf. „Auf Kheb haben wir tote Jaffa gefunden, als wir ankamen. Später hast du uns sogar vor Apophis’ Armee beschützt und dabei auch vielen Männern das Leben genommen. Nennst du das etwa nicht Einmischung?“ stellte er sie zur Rede. „Du hast deine Macht eingesetzt, um sie zu töten.“
    „Das war etwas anderes“, entgegnete die Oma Desala. Ihr sonst so gütiges Gesicht nahm einen ganz anderen Ausdruck an. Für einen Moment wirkte sie seltsam entrückt, so als hielte sie stumme Zwiesprache mit den unsichtbaren Beobachtern.

    „Gilt das als Selbstverteidigung? Als Maßnahme, um denen, die sich unter deinen Schutz stellen, das Leben zu retten?“ fragte Daniel scharf. „Ich würde nicht mehr und nicht weniger als das Gleiche tun!“
    Seine Augen wurden schmal. auch diese Diskussionen hatte er oft genug mit Jack geführt. Denn auch wenn dieser sein Handeln moralisch rechtfertigen konnte ... so blieb es ethisch gesehen doch die Auslöschung eines anderen Wesens.
    Er schürzte die Lippen.
    Es war absurd - nun führte er die selbe Diskussion mit einem Lichtwesen, bei dem er gedacht hätte, es stünde in seiner Entwicklung so weit über den Menschen.

    Oma Desala wirkte ertappt. „Manchmal gibt es auch Ausnahmen von der Regel“, sagte sie nachdenklich. „Aber genau diese Fälle lasse ich selbst nur sehr ungern eintreten und bin mir der Gefahr bewusst. Das aber unterscheidet uns voneinander. Du musst erst noch lernen, deine Kräfte verantwortungsvoll einzusetzen.“
    „So? Glaubst du, das würde ich nicht tun?“
    „Ich bin mir sicher, du würdest dein Bestes versuchen. Doch in unseren Augen bist du ein Kind, das gerade erst zu Bewusstsein kommt. Deshalb machen diese strengen Regeln Sinn, helfen sie dir doch dabei, deine Grenzen zu erkennen. Denn du musst noch so vieles lernen, weil du noch zu sehr der materiellen Welt und ihrem Denken verhaftet bist.“ Sie seufzte. „Die Gefahr ist zu groß, dass du den selben Weg wie die Goa’uld gehst...“
    “... und mich zu einem falschen Gott aufschwinge“, ergänzte Daniel ernüchtert den Satz. Shifus Prüfung erinnerte ihn schmerzhaft daran, dass er damals selbst in diese Falle getappt war und er von Glück sagen konnte, dass nichts davon wirklich gewesen war.

    „Das ist dann wohl nicht der Sinn der Sache. Aber dennoch habe ich ....“, er widerte er und fröstelte im nächsten Moment. Plötzlich schlug ihm von überall her imaginäre Kälte entgegen, als wollten ihn die stummen Beobachter deutlich machen, dass Oma Desala die Warnung nicht ohne Grund aussprach.
    Der Forscher ihn ihm horchte auf. Unsterblichen und der physischen Welt schon so lange entrückten Wesen war es unangenehm, dass er - der gerade erst in ihre Mitte aufgestiegen war - Fragen über Moral und Ethik stellte? Konnte es sein, das sie doch nicht so erhaben über allem standen, wie er immer angenommen hatte.

    Zum ersten Mal bereute er seine Entscheidung, Oma Desalas Angebot angenommen zu haben. Aber ein anderer Teil in ihm war neugierig geworden - sehr neugierig...
    Diese Regung beschloss er jedoch erst einmal zu verbergen, sofern das möglich war. Sein Instinkt verriet ihm, dass es besser war, jetzt erst einmal artig einzulenken, denn noch wusste er zu wenig über seine jetzige Daseinsform und was ihn hier alles an Möglichkeiten, Erkenntnissen und Erfahrungen erwartete.

    Er würde dem Wunsch der Anderen gehorchen, aber das hieß nicht, dass er bereits aufgegeben hatte, sich gänzlich in sein Schicksal zu fügen. In der Hinsicht wollte er gerne ein trotziges Kind bleiben.
    Denn jetzt, wo er Oma Desala schon mit diesen wenigen Fragen in ein moralisches Dilemma getrieben hatte, jetzt wusste er, dass es auch in diesem neuen Leben die selben Schlupflöcher gab wie in seinem irdischen Dasein.

    „Ich glaube, ich verstehe dich jetzt besser. Ich werde diese Regel beherzigen und meine Macht nicht missbrauchen“, sagte er dann mit einem nachdenklichen Klang in der Stimme.

    „Ich freue mich über dein Einsehen.“ Für einen Moment zuckte ein hintergründiges Lächeln über das schimmernde Gesicht der Lichtgestalt. Daniel runzelte die Stirn. Hatte sie etwa auch ihn durchschaut?
    „Ansonsten steht es dir frei zu tun und zu lassen, was du willst. Erkunde die Wunder des Universums und der Zeit. Wenn du mich brauchst, dann rufe und ich werde bei dir sein, um dir Antworten zu geben...“, sagte sie noch und verblasste.

    Im nächsten Moment verschwand auch die Ahnung, beobachtet und sondiert zu werden. Zum ersten Mal, wer weiß, wie lange, war Daniel wieder völlig allein. Und diesmal tat es richtig gut.

    Er atmete auf und schloss die Augen. Dann widerstand er dem Impuls, zu seinen Freunden zurückzukehren und wenigstens im Geiste bei ihnen zu sein. Denn das war jetzt vermutlich der größte Fehler, den er begehen konnte, würde es ihn einerseits doch nur in Versuchung führen, seine Kräfte einzusetzen, und andererseits die Erwartungen und Vorurteile der Lichtwesen bestätigen.

    Stattdessen zwang er sich zur Ruhe und blickte in sich.

    Oma Desala hatte ganz recht: Der Aufstieg hatte seine Persönlichkeit nicht verändert. Er war noch immer ein Forscher, der nicht lange von Geheimnissen fern bleiben konnte. Und nun hatten sich vor ihm neue und viel größere Rätsel aufgetan, die er lösen wollte.

    Also begann er mit dem Ältesten, an das er sich erinnern konnte. Wie lange hatte er nicht davon geträumt, Antworten und Beweise für die Theorien zu finden, die er im Laufe der Jahre aufgestellt hatte. Wie oft gehofft mit eigenen Augen zu sehen, wie die Menschen gelebt hatten, die ...

    - to be continued -
    Geändert von Kris (27.08.2011 um 11:03 Uhr)
    Kolya, der Trust und ein irrer Serienkiller in:Im Grau der Schatten, Double Trouble & In den Händen des Schicksals. Ungekannte Abenteuerer von John Sheppard & Co in "Stargate Atlantis - Die verborgenen Szenen": Aufbruch in eine neue Welt und Das erste Jahr und Die Specials.

    John Sheppards Schicksal im Vegasverse :"Solitary Man" no more

    *Neu:* Kapitel 22 seit Okt 2016: Wenn der schlafende Tiger erwacht (Star Trek Into Darkness Prequel)
    * NEU* Doktor Who: Die Saat des Zorns * Der Schatten des Doktors * Drabbles


  2. #2
    First Lieutenant Avatar von Zeson
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    Da hast Du ja ein echt tolles Thema gewählt. Dieses erste Kapitel macht wahnsinnig Lust auf mehr ...

    Ich finde, Du hast Daniel einfach klasse getroffen. Genau so würde er sich verhalten (hat er sich verhalten?). Neugierig und trotzdem besonnen genug, um nicht gleich die Vorurteile und Bedenken der anderen Aufgestiegenen zu bestätigen. Erst einmal seine Neugier als Forscher befriedigen und erst später die Antiker aus der Reserve locken. Zuerst einmal mit seiner neuen Daseinsform zurecht kommen und dann ...
    Ja, genau so ist Daniel. Ich bin mal echt gespannt auf die nächsten Kapitel.
    Danke!

    Das Bild ist wirklich sehr eindrucksvoll. Wunderschön. Mein Lob an TinaS.
    Ich kann verstehen, dass es Dich inspiriert hat. Wäre ich nicht gerade in Gedanken auf Atlantis, wer weiß ...?
    Geändert von Zeson (24.08.2011 um 08:43 Uhr)
    "It is better to have loved and lost than never to have loved at all"

    Möge alles, was Ihr mir wünscht, tausendfach auf Euch zurückfallen.

    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Letzte Veröffentlichung: Eine Ergänzung für das Team [ARROW]

  3. Danke sagten:


  4. #3
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John´s Chaya
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    Da hast Du ein interessantes Thema gewählt und Daniel gut getroffen.
    Genauso würde er reagieren, so ist seine Art.
    Es ist gut, dass er nach außen hin erstmal den Folgsamen spielt und sich an die Regeln hält.
    So kann er sich an die neue Situation gewöhnen und erstmal Sachen erforschen die er schon immer mal erforschen wollte.
    Bin neugierig wie es weitergeht und wann Daniel zum erstenmal gegen die Regeln verstößt.

    Danke für das interessante erste Kapitel!

    @tTinaS
    Da hast Du ja mal wieder eine tolle Fan-Art gemacht, einfach schön!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein!

  5. Danke sagten:


  6. #4
    Turbo-Denker/Seher alias Beamter Avatar von Dakimani
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    wie schon meine Vorposter sagten, du hast ein sehr interessantes Thema ausgewählt und es im 1. Kapitel super rübergebracht, so dass man Lust auf mehr verspürt

    und auch Daniel hast du bestens getroffen, genau so wie wir unseren Dany-Boy kennen
    ich bin schon gespannt, wie es in den nächsten Kapiteln weitergeht!

    @TinaS - ein echt geniales Pic von dir, das inspiriert total

  7. Danke sagten:


  8. #5
    Grace Sherman Avatar von Helen Magnus
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    ich schließe mich meinen Vorpostern an, interessantes Thema, dass du dir ausgesucht hast und du hast Daniel gut getroffen

    Ich freue mich schon aufs nächste Kapitel und bin neugierig wies weiter geht

    @TinaS - tolles Bild

    lg Sandra

  9. Danke sagten:


  10. #6
    Ägypten-Fan Avatar von Valdan
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    Das ist ein vielversprechender Anfang einer Geschichte, die uns ja anscheinend durch die Welt der Aufgestiegenen führt. Ich bin gespannt, wie Daniel damit umgehen und was er alles erfahren wird.

    Auf jeden Fall hast du die Folge von Daniels Aufstieg schön eingebettet - man merkt, dass du gerne missing scenes schreibst - und ich bin neugierig, ob und wie du die noch folgenden Teile berücksichtigst, die die sechste Staffel enthält und die sich mit Daniel beschäftigen.

    Danke für diese interessante Sichtweise.

    LG Val

    Edit: Schon wieder so ein klasse WP - es fängt die Szene total gut ein. Wirklich toll.
    Geändert von Valdan (24.08.2011 um 11:57 Uhr)
    "Der Mensch fürchtet die Zeit, doch die Zeit fürchtet die Pyramiden."
    arabisches Sprichwort

    ***


  11. Danke sagten:


  12. #7
    Spooky :) Avatar von Saffier
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    Standard

    Ein wirklich sehr schönes erstes Kapitel, das mich von Anfang an gefesselt hat!
    Es gefällt mir wirklich sehr gut, wie du immer wieder ins Detail gehst und die Situation in der sich Daniel befindet beschreibst. Also ich bin der Meinung du hast ihn sehr gut getroffen.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er mit sich hadert und seinen Freunden und Kollegen am liebsten mit seinen neuen Kenntnissen und Fähigkeiten die er fortan besitzt zur Seite stehen will, es aber nun einmal nicht darf.
    Ich hatte beim lesen auch sofort wieder die Szene vor Augen, wie sie alle um Daniels Bett herum standen und versucht haben ihm auf irgendeine Art noch helfen zu können und mit dem Heilungsgerät der Goa'uld hantiert haben.
    Ich bin gespannt, was in den weiteren Kapitel auf uns Leser wartet.

    @ Tina: Wieder ein sehr schönes WP, dass wirklich perfekt zu dem gerade gelesenen passt. Naja oder eher andersherum, das Gelesene passt perfekt zu dem WP, dass die Szene, in der Daniel aufsteigt noch einmal deutlich vor Augen führt

  13. Danke sagten:


  14. #8
    Chief Master Sergeant Avatar von Jolinar
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    Ich bin auch dabei! Wie immer schaffst du es, daß man sich in die Gedanken und Gefühle deiner Protagonisten hineinfühlen kann. Ich bin neugierig, wie es weitergeht, da Daniel es bestimmt nicht schafft, sich an die "Regeln" zu halten (siehe ja auch "Abyss" ). Ich hoffe, daß du dieses auch mit eingearbeitet hast.

  15. #9
    Major General Avatar von Kris
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    So, ich sehe heute mal zu, dass ich auf eure Kommentare antworte. Einen neuen Teil wird es am Samstag geben, da ich mich entschlossen habe, alle drei Tage zu posten. Immerhin ist ja schon alles fertig, so dass ihr nicht Ewigkeiten warten müsst. So lange pausiert dann auch Solitary Man noch.

    Vielen Dank jedenfalls für eure Kommentare und auch an die "Danke"-Sager.



    @ Zeson: Was das Thema angeht, war ich mir wirklich sehr unsicher, ob es gefallen könnte, gerade weil ich das mittlerweile unbeliebtere SG-1 ausgewählt habe und die Geschichte auch weder eine Romanze irgendeiner Art enthält oder viel Humor, sondern einfach so ist wie sie ist.
    Um so mehr freut es mich, dass sie dir gefällt und dass du auch Daniel getroffen findest. Von den SG-1-Charakteren liegt er mir wohl noch am meisten.


    @ John´s Chaya: Vielen Dank, dass du auch mit dabei bist. Ja, Daniel wird eine ganze Zeit mit den Regeln hadern und immer wieder das Gespräch suchen. Gerade im nächsten Teil wird er tatsächlich in Versuchung kommen, aber dennoch ... aber ich will nicht zu viel verraten.


    @ Dakimani & Sandra721: Auch ich freue mich, dass ihr beide mit dabei seid und hoffe, dass ihr auch bei den anderen Kapiteln mit dabei seid. Ja, ich habe noch einige Überraschungen und Rätsel vorbereitet und bin gespannt, wie sie bei euch ankommen werden.


    @ Valdan: Danke für deinen Kommentar. Ja, es hat mich wieder mit den Missing Scenes erwischt, und auf gewisse Folgen werde ich auch noch mal zurückkommen, da sie ja auch sehr wichtig für die Zeit als Aufgestiegener sind. Ich bin gespannt, wie dir ihre Einbettung gefallen wird!


    @ Saffier: Vielen Dank auch für deinen Kommentar. Beim Schreiben der Geschichte habe ich mich einerseits an den Folgen orientiert, in denen Daniel während der sechsten Staffel auftaucht aber nicht nur. Es gibt auch einige Begegnungen und Überraschungen, die sich für ihn am Ende zum Gesamtbild zusammenfügen werden. Und auch für euch Leser gibt es das ein oder andere zu rätseln.


    @Jolinar: Danke auch für deinen Kommentar. Ja, ich komme wohl nicht aus meiner Haut, wenn ich anfange, mich in die Figuren zu versetzen. Dann werden es auch wieder sehr intensive Innensichten.


    Ansonsten bin ich mal gespannt, ob noch jemand Lust hat mitzulesen und einen Kommentar zu hinterlassen. Im nächsten Kapitel beginnt jedenfalls eine Reise mit Überraschungen, die Daniel noch mehr grübeln lassen werden und gleichzeitig mit seiner eigenen Vergangenheit (und Zukunft konfrontieren)
    Kolya, der Trust und ein irrer Serienkiller in:Im Grau der Schatten, Double Trouble & In den Händen des Schicksals. Ungekannte Abenteuerer von John Sheppard & Co in "Stargate Atlantis - Die verborgenen Szenen": Aufbruch in eine neue Welt und Das erste Jahr und Die Specials.

    John Sheppards Schicksal im Vegasverse :"Solitary Man" no more

    *Neu:* Kapitel 22 seit Okt 2016: Wenn der schlafende Tiger erwacht (Star Trek Into Darkness Prequel)
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  16. Danke sagten:


  17. #10
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    So nun möchte ich mich auch mal zu Wort melden und muss sagen, dass du Kris, dich mit dieser Story wieder einmal selbst übertriffst. Und das schon im ersten Kapitel.

    Du hast Daniel sowohl von seinen Gedanken als auch seinem Verhalten so gut getroffen.
    Du hast ein Faible fürs Detail, das merkt man ganz deutlich.

    Genauso deutlich merkt man auch, dass Daniel arg mit sich hadert. Er hat die Möglichkeiten, seinen Freunden und Kollegen zu helfen und darf es einfach nicht. Naja wir wissen ja, wie es am Ende ausgegangen ist, aber bis dahin wird Daniel bestimmt einen anderen Weg finden, seinem Forscher- und Tatendrang nachgehen. Das hast du wirklich wunderbar eingefangen.


    @Alle:
    Nun möchte ich aber auch gerne bei allen für das Lob über das Cover bedanken. Ich freue mich, dass es Kris angesprochen hat und ihr diese tolle Story eingefallen ist.
    Demnächst:
    Meeting of Minds

    Rodney ist ein Guardian und trifft an einem hoffnungslosen Ort auf eine verlorene Seele. Sie zu retten stellt sich als seine bisher größte Herausforderung heraus …
    John ist ein Reader und hat sich dazu entschieden, sich ohne Guardian nützlich zu machen. Doch ganz so einfach soll es nicht sein …
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  18. #11
    Captain Avatar von Evaine
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    @ Kris:

    Im nächsten Kapitel beginnt jedenfalls eine Reise mit Überraschungen, die Daniel noch mehr grübeln lassen werden und gleichzeitig mit seiner eigenen Vergangenheit (und Zukunft konfrontieren).
    Ja, ich kann bestätigen dass das absolut zutrifft , eher noch tiefgestapelt ist... da kommt noch ein "Feuerwerk der Ideen" auf euch zu... und deshalb schweige ich lieber, um nicht zu viel zu verraten...

    Nur eins:

    Im Gegensatz zu mir, könnt ihr die Kapitel einzeln genießen... und das ist besser in diesem Falle ... Ich war einfach nur überwältigt beim Lesen ... Kris, das ist wieder einmal ein Meisterwerk von Dir!

  19. #12
    General im Vorruhestand Avatar von Jonathan J. O´Neill
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    Danke für diese FF aus Daniel' Sicht, als er diese furchtbare Strahlenkrankheit hatte, und dann mit Hilfe der Antikern Oma Desala aufgestiegen ist

    Hat sich sehr gut gelesen, sowie die Charaktere wurden perfekt getroffen, beschrieben und dargestellt

    lg JJO

  20. #13

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    Ein sehr interessanter Anfang - mit Daniel als Aufgestiegenen habe ich mich bisher noch gar nicht groß befasst.

    Es passt sehr gut zu der schönen Fanart und ich werde am Ball bleiben.
    Ich bin nett, höflich, liebenswert
    und zuvorkommend.
    Und garantiert nicht ironisch.
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  21. #14
    Major General Avatar von Kris
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    Ui, da ist ja doch noch einges zusammen gekommen an Kommentaren. Ich habe mich sehr gefreut. Diese will ich jetzt auch gleich beantworten und dann endlich auch wie versprochen den neuen Teil anfügen. Vielen Dank auch an die, die jetzt noch das Knöpfchen gedrückt haben sollten. Die Antworten packe ich jetzt aber am besten einmal in einen Spoiler.

    Spoiler 
    @ TinaS: Vielen Dank für deine lieben Kommentar und auch dein inspirierendes Bild, wie auch die Kapitelbilder, die du mir ja ketzt auch noch erstellst, Du bist wirklich ein Schatz.
    Ja, Daniel wird hin und her gerissen werden von der Neugier des Forschers und dem Menschen, der seine Freunde und Kameraden nicht im Stich lassen will, aber ich denke, das merkt man auch schon in den entsprechenden Folgen der Serie. Ich freue mich jedenfalls, dass du das so magst.

    @ Evaine: Upps, jetzt machst du mich ganz verlegen. Ich dachte ja schon, ich hätte dich mit der ganzen Geschichte völlig erschlagen. Auf jeden Fall freut es mich, dass du so mit dabei bist und dir die Geschichte gefällt. Immerhin gibt es ja nun auch noch ein paar neue Kleinigkeiten für dich.

    @ Jonathan J. O´Neill: Ich freue mich, dass du mit dabei bist und bin auch gespannt darauf, wie dir die nächsten Teile gefallen werden. Denn Daniel wird nun merken, dass das die Welt der Aufgestiegenen auch so manche Überraschung bietet. Gute wie schlechte.

    @ Aisling: Ich denke, mit Daniel als Aufgestiegenem haben sich kaum Autoren befasst, weil es auch ein schwieriges Gebiet ist. Deshalb ist auch meine Idee nur eine Variante, wie es hätte sein können, und ich habe mir da einiges einfallen lassen, zumindest ein paar interessante Hintergründe.
    Auf jeden Fall freut es mich, dass du dabei bist.


    So weit so gut.
    Im kommenden Teil habe ich mir eine Freiheit erlaubt, indem ich davon ausgehe, dass sich die Aufgestiegenen in einem zeitlosen Raum bewegen und daher auch ein wenig in der Zeit des Universums zurückreisen können - in die bereits geschriebene Geschichte eines der vielen Multiversen.
    Und eine andere Sache konnte ich ebenfalls nicht lassen...

    Vielen Dank auch an Tina für die wunderschöne Fanart, die nun das zweite Kapitel begleiten wird!




    +++o+++o+++o+++o+++o+++
    Zweites Kapitel
    Getrieben vom Wind der Zeiten
    +++o+++o+++o+++o+++o+++



    Daniel fühlte plötzlich warmen Sand unter seinen Füßen und öffnete die Augen. Ein voller und viel größer wirkender Vollmond als zu seiner Zeit schien auf die Wüste um ihn herum, umgeben von einem fremdartigen Himmel und fliegenden Objekten, die sich schneller als ein Vogel bewegten. Am besten waren sie im Osten zu sehen, wo die Dämmerung langsam die Sterne verblassen ließ und die wenigen Schleierwolken am Horizont in ein bizarres Farbenspiel tauchten.

    Dann hielt er die Luft an und drehte sich langsam um.

    Zum ersten Mal sah er die Bauwerke aus weißem Stein in ihrer wahren Pracht. Ein kalter Schauer lief über seinen Rücken, denn hier war der Beweis für die Theorien, für die er so lange verlacht worden war: Vor ihm befanden sich die Pyramiden des Ra.
    Bewacht wurden sie von den Dienern des lebenden- wenn auch falschen Gottes in offenen, sichelförmigen Gleitern, die er zuletzt in dieser Form bei seinem ersten Besuch auf Abydos gesehen hatte.
    Zu den Füßen der beeindruckenden Bauwerke standen die eher winzig wirkenden weiß verputzten Lehmziegelhäuser, der hohen Beamten, Priesterfamilien und Handwerker, die immer hier lebten. Davor befand sich eine Zeltstadt, in der das Leben langsam wieder zu erwachen schien, denn die Dämmerung weckte bereits die Frühaufsteher.

    Zwar konnte er sich mit einem Gedanken direkt in das bunte Treiben versetzen, wenn er wollte, aber Daniel bevorzugte die altmodische Weise und ging zu Fuß.

    Er war dabei nicht alleine, denn zwischen den Dünen entdeckte er kleine Lager, in denen sich ebenfalls erstes Leben regte und Menschen aufbrauchen, um bei Sonnenaufgang im Schatten der Tempel ihres Gottes zu sein.
    Offensichtlich kamen Pilger und Händler aus allen Landesteilen herbei geströmt um ihren Gott zu huldigen - Küstenbewohner, deren Abstammung von den Seevölkern sehr deutlich zu erkennen war, dann Bewohner der Ufer am Oberlauf des Nil, denen die Verwandtschaft mit den Stämmen aus den Dschungeln und Savannen Afrikas deutlich anzusehen war.

    Ein Gedanke genügte, um sich in der Kleidung den Männern und Frauen anzugleichen, doch Daniel wurde für sie trotzdem nicht sichtbar.
    Er zögerte davor, sein Glück herauszufordern, denn er hatte trotz allem wieder - oder vielleicht immer noch - das Gefühl, beobachtet zu werden. aus diesem Grunde wollte er nichts riskieren. So blieb er ein Schemen, abseits von dem bunten Treiben, dem vielstimmigen Gewirr an Sprachen, die kein Rätsel mehr für ihn waren.

    Gierig sog Daniel die Eindrücke um sich herum ein. Der Archäologe registrierte fasziniert die Lebensweise der Menschen des vordynastischen Ägypten, als er durch die weitläufige Zeltstadt schlenderte.
    Er sah und lauschte mit seinen ungleich schärferen Sinnen den Gesprächen zwischen Männern und Frauen, die sich fast immer um alltägliche Sorgen und Erlebnisse drehten. Hin und wieder las er in den Gesichtern der Menschen, wie in einem offenen Buch, wenn er nicht gerade von einer ganz besonders fein bemalten Keramik oder dem Schmuck eines Standes fasziniert war und diese genauer in Augenschein nahm.
    Diese Dinge hier im Gebrauch zu sehen, ihre Entstehung zu beobachten und nicht nur Scherben und vom Sand der Jahrhunderte verkrustetes Metall in den Händen zu halten, war etwas, was er sich immer gewünscht hatte.

    Das tröstete ihn ein wenig über die Grenzen hinweg, die man ihm auferlegte, die ihn jetzt davon abhielten, den Menschen die Wahrheit zu erzählen.
    Und hätte es viel genutzt?
    Die meisten Pilger schienen nicht einmal besonders unglücklich mit ihrem derzeitigen Leben zu sein und Ra nur als einen unbedeutenden Teil ihres Lebens zu betrachten. Sie dienten ihm zwar wie es Riten und Regeln verlangten, aber ihr Geist beschäftigte sich frei mit Glück und Freude in der Familie, den Eskapaden ihrer Kinder und Eltern oder dem alltäglichen Klatsch untereinander.

    So streifte er weiter über den Markt. An einem Stand war er fast versucht, ein Amulett an sich zu nehmen und genauer zu betrachten, das Catherine Langfords Anhänger bis auf die letzte kleine Gravur glich, hielt dann aber inne, als eine Gruppe gepanzerter Gestalten auf sich aufmerksam macht, die zielstrebig in seine Richtung kam.
    Daniel trat einen Schritt zur Seite und verhielt sich ganz still, so wie er es gewohnt war - auch wenn er nicht glaubte, dass sie ihn wahrnahmen. Aber konnte er sich da sicher sein? Die Goa’uld hatten die Menschen in den letzten Jahren doch immer wieder überraschen können, und deshalb musste er wachsam bleiben...

    Dennoch fühlte er sich sicherer als je zuvor. Er wusste, dass ein Gedanke ihn von hier fortbringen konnte, wenn es trotz allem in irgendeiner Form für ihn gefährlich werden sollte. In seiner Zeit als Mensch, hatte er sich das oft genug gewünscht.
    Die Menschen wichen derweil den Sendboten ihres Gottes aus. Fast alle fielen auf die Knie und berührten mit den Stirnen den Sand. Die, die es nicht taten, wurden aufmerksam von dem Anführer der Jaffa gemustert und senkten zumindest den Kopf.

    „Preiset Ra! Preiset das Licht der Sonne, dass euch behütet!“ rief der Jaffa mit der prächtigsten Rüstung mit donnernder Stimme, die vermutlich noch durch ein Gerät an seinem Halsschmuck verstärkt wurde, auf die Menschen dieser Zeit aber wie Magie wirken musste. „Und wisset, dass jene, die ihn frevelten nun ihre Strafe erhalten sollen. Versammelt euch zur Stunde des Speeres am Fuße der Tempel und erfahrt von der großen Gerechtigkeit eures allmächtigen Gottes! Denn das Licht seiner Gesetze wird diejenigen, die ihn schmähen zu Asche verbrennen.“

    Daniels Augen wurden schmal. Wieder verschmolzen seine Erinnerungen mit dem, was er sah und ließen ihn an den Moment auf Abydos denken, als er selbst einen solchen Schiedsspruch dieses falschen Gottes an seinen Kameraden hatte ausführen sollen.
    Auch damals hatte Ra die Frevler zum Tode verurteilt. Und ihn dabei zu seinem Henker machen wollen.
    Und damit hatte alles erst einmal angefangen.
    Wut und Hass stiegen ihn ihm hoch, ehe er es verhindern konnte und schalteten die mahnende Stimme seines Verstandes aus.
    Ich muss etwas tun. Es kann nicht so weiter gehen!, sagte sich Daniel, als er in die großen angstvollen Augen eines Kindes auf der anderen Seite des Platzes blickte, in die verzweifelten und furchtsamen Gesichter vieler anderer Menschen sah. Aber in den Augen von einigen stand genau wie bei ihm Wut und blanker Hass.

    Aus einem Impuls heraus hob Daniel die Hand und tat einen Schritt in die Richtung der Jaffa. Eine unbändige Kraft erfüllte ihn.
    Er hatte die Macht, den Menschen zu beweisen, dass ihr Gott und seine Diener falsch waren, dass sie diese nicht fürchten mussten, indem er sie mit seiner Kraft aus dem Nichts zu Boden schmetterte und ihrer Rüstungen entledigte.
    Vielleicht war es jetzt genau an der Zeit, die Flamme der Rebellion in denen zu wecken, die noch zögerten und die Hinrichtung in einen Aufstand zu verwandeln!


    Doch plötzlich hielt Daniel wie vom Blitz getroffen in der Bewegung inne.

    Es war nur ein Wispern, der Hauch von Worten, der an sein Ohr drang, aber es genügte, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen. „Du solltest dir das nicht ansehen. Es ist nicht an der Zeit für dich, zu erfahren, was dort geschieht. Noch nicht.“

    Der Mann der dies sagte, stand seitlich von ihm. Er wirkte fiebrig und erschöpft, denn er musste sich zitternd auf die Schultern eines anderen stützen, der sich nun vorbeugte und besorgt auf ihn einredete.
    Trotz seiner deutlich sichtbaren Schwäche wehrte der von Schmerz geschüttelte seinen Begleiter ab und schien genau zu wissen, was er wollte, auch wenn er sich nicht ganz sicher zu sein schien, ob die Richtung, in die er sprach stimmte.

    Dann rutschte durch die heftige Drehbewegung des Kopfes der grob gewebte Stoff, der Haar und Gesicht verhüllt hatte, ein Stück zur Seite, gab für einen Moment ein blasses. von Entbehrungen und Fieber gezeichnetes Gesicht, verunstaltet von einem struppigen Bart und kaum verheilten Wunden preis.

    „Verschwinde sofort von hier!“ stieß der Mann noch einmal hervor. „Du kriegst das noch alles früh genug mit!“

    Daniel wich entsetzt einige Schritte zurück. Er kannte den Unterschied zwischen einer Sprache, die jetzt oder erst in vielen tausend Jahren gesprochen werden würde. Helle Augen verstärkten die Bitte, nein, den Befehl, zu gehen und ließen ihn erneut schaudern ... denn es waren seine eigenen.

    „Um Jack und der anderen willen - Geh!“


    +++o+o+o+++o+o+o+++


    Noch gelähmt von der Überraschung sich selbst hier und in diesem Zustand zu sehen und Englisch sprechen zu hören, handelte Daniel und floh mit einem Gedanken.

    Die Umgebung verschwamm zu einer diffusen Mischung aus Farben und Licht. Als sie wieder klar wurde, fand er sich auf Treppenstufen an den Ufern des Nils wieder. Er befand sich also immer noch im alten Ägypten.

    Aber das war ihm jetzt egal.

    Erschöpft ließ sich Daniel mit dem Rücken gegen eine Säule sinken, die das Dach des Bauwerks stützte und versuchte das Erlebte noch einmal zu rekapitulieren und überhaupt erst zu begreifen, denn es war noch immer - unfassbar.
    Gleichzeitig verfluchte er sich, dass er nicht geblieben und „den Anderen“ zur Rede gestellt hatte, auch wenn er gleichzeitig wusste, dass er vermutlich weder sofort noch freiwillig eine Antwort erhalten hätte - dafür kannte er sich selbst und seinen Dickkopf zu gut.

    Nur eines wusste er ganz sicher: Er hatte geglaubt, dass ihn nichts mehr erschrecken würde, dass er nun für immer gegen gewisse menschliche Regungen gefeit sei - aber weit gefehlt - sie trafen ihn nur noch schlimmer als zuvor.
    Es nahm ihn ziemlich mit, sich selbst in menschlicher Form gesehen zu haben - und dann auch noch in einer Zeit, von der er bisher nur in alten Aufzeichnungen gelesen, sie aber nicht wissentlich mit eigenen Augen gesehen hatte. Ras Herrschaft war bisher nicht mehr als ein Mythos aus alten Inschriften und Büchern gewesen, eine Legende, die 1929 nur durch den Fund des Sternentores im Sand der Wüste erstmals belegt worden war.
    Deshalb blieb die Frage offen: Wie war das möglich, dass er dort sein anderes Ich getroffen hatte? Wie war dieser überhaupt dorthin gelangt? Und vor allem - konnte er es überhaupt sein?

    Die einzige Zeitreise, an die er sich erinnerte, war durch eine Sonneneruption geschehen und hatte ihn zusammen mit Jack, Sam und Teal’c in das Jahr 1969 nach Christus verschlagen. Er war aber niemals bewusst in das vierte vorchristliche Jahrtausend gereist. Nicht als Mensch. Es war auch schlichtweg nicht mehr möglich, dass er das später noch einmal tun konnte, denn er hatte sein körperliches Wesen für immer und ewig aufgegeben.
    Und nicht zuletzt: Was hatte die kryptische Aussage aus dem Mund seines anderen Ich zu bedeuten, dass er um Jacks und der anderen Willen sofort verschwinden und nicht eingreifen sollte? Was steckte wirklich dahinter?

    Daniel rieb sich über das Gesicht um seiner Verwirrung Herr zu werden. Die Geste half zwar dabei den leichten Schmerz in seinem Kopf zu vertreiben, schaffte es aber nicht innere Unruhe und Aufregung zu mildern. In diesem Moment wünschte er sich Samantha Carter an seine Seite, sie hätte sicherlich einige interessante Theorien der Astrophysik zum Besten gegeben, die er nur zum Teil hätte nachvollziehen können.
    Jack hätte mit den Schultern gezuckt und die Begegnung als „verrückt“ hingenommen und sich nicht mehr länger mit dem „Was wäre, wenn“ beschäftigt, um sich daran zu erinnern, wenn ein paar Sachen klarer geworden waren.

    Daniel holte tief Luft. Vielleicht war auch das erst einmal der einfachste Weg, um mit der Situation fertig zu werden. Schließlich stand er erst am Anfang seines Weges, da musste er nicht gleich alles verstehen. Auch Inschriften enthüllten nicht immer beim ersten Versuch sie zu übersetzen, ihr Geheimnis, sondern mussten von mehren Seiten her betrachtet werden.

    Er starrte auf das im Sternenlicht glitzernde und träge dahin strömende Wasser des Nil um seine Gedanken zu sammeln und klarer zu werden. Dabei stellte er mit einem leisen Lächeln fest, dass er auch diese vertrauten, menschlichen Gesten und Gewohnheiten wohl nicht so schnell würde aufgeben können.

    Wieder legte er die Hand an die stützende Säule und strich nachdenklich über den Sandstein, drehte sich dann erstaunt direkt zu ihr hin. Ein Band aus Hieroglyphen zog sich über den Stein, ergänzt von einigen Bildern. Und diesmal waren es nicht nur einfache Piktogramme, die sich erst noch zu einer Sprache ausbilden würden, sondern die Schrift, in der das Volk vom Nil über die kommenden Jahrhunderte der Nachwelt all sein Wissen und seinen Glauben hinterlassen würde.

    „Im-ho-tep“, las er leise vor und stutzte. Dann studierte er die Inschrift genauer. „Hier lebt Imhotep, Gesandter des Thot, Stimme der Weisheit, Gebieter der Magie, geliebt von Medjedu Medjed-er-Nebti Chufu ...“

    Hätte er noch ein Herz besessen, hätte es vermutlich schneller geschlagen, denn nun wo er die Treppen hinauf schaute, sah er erst, wie groß das Haus war - der Palast, der nur einem so hohen Würdenträger des König gebühren konnte, wie dem Wesir des Landes.
    Diesen Rang hatte Imhotep lange Zeit seines Lebens inne gehabt. Als treuer Berater und Baumeister des zweiten Königs aus der vierten Dynastie, den der Geschichtsschreiber Herodot als Cheops überliefert hatte, war er in die Geschichte eingegangen.
    Hier lebte also der Mann, den unzählige Legenden auch noch viereinhalb Jahrtausende später als maßgeblichen Erbauer der Großen Pyramide kannte, die noch heute das Plateau von Gizeh dominierte. Als den Weisen, der die Grundlagen für die Hohe Mathematik geschafften hatte.
    Andere Geschichten sahen Imhotep als Gelehrten und Magier, den spätere Generationen zu einem Gott erhoben, da er das Volk vom Nil viele Dinge gelehrt hatte, mit denen sie sich gegen Feinde von innen und außen schützen und Bauwerke errichten konnten, die zum Ruhme des Landes und ihrer Herrscher die Zeit bis in alle Ewigkeit überdauern würden.

    Daniel hob erstaunt den Kopf. Er glaubte nicht an einen Zufall. Warum hatte ihn seine Flucht gerade an diesen Ort geführt und nicht zurück in seine Zeit? Hatte auch das eine Bedeutung, die er jetzt noch nicht ermessen konnte, sondern erst wenn er bereit war, das Rätsel zu lösen?

    Fasziniert und neugierig zugleich schritt Daniel die Treppen hinauf zu einer Terrasse, um wenigstens einen Blick auf den Mann zu werfen, der einen so nachhaltigen Eindruck auf seine Mitmenschen hinterlassen hatte.

    Vielleicht fand er ja dann auch heraus, was so besonders an Imhotep war?

    Im goldgelben Schein einiger Öllampen saß ein Mann auf einer dicken Matte aus Papyrus und Stroh. Seine Kleidung war schlicht, aber von erlesener Qualität - feingewebtes und sorgfältig gefälteltes Linnen verhüllte seinen Körper, ein Mantel aus blau gefärbtem Stoff schützte ihn vor der Nachtluft. Unter ihm blitzte ein prächtiger Brustschmuck hervor, golden, rot und blau wie die Armschienen.
    Auch die Perücke, die sein vermutlich kahles Haupt zierte, war von erlesener Qualität, vermutlich aus dem Haar junger Frauen geflochten. Dennoch erinnerte der schlanke hellhäutige Mann nicht gerade an einen Priester, der er hätte sein müssen.

    Unter all dem Putz wirkte Imhotep zunächst eher unscheinbar und durchschnittlich - vielleicht war er größer als die meisten Ägypter seiner Zeit, aber auch das musste nichts zu sagen haben - denn schon im Alten Reich galten für die Pharaonen und die Oberschicht andere Gesetze als für das einfache Volk. Aber bei genauerem Hinsehen gab es Dinge, die nicht zueinander passten.

    Daniel trat wie gebannt näher um den Mann genauer in Augenschein zu nehmen, denn etwas irritierte ihn an der Tafel, die dieser in den Händen hielt. Sie glich weder den Tontafeln, die die Schreiber Ägyptens zu dieser Zeit für Vorschriften oder Entwürfe zu benutzen pflegten, noch stützte sie ein Blatt Papyrus.

    Stattdessen war sie aus blanken, dunklem Metall. Auf der glatten und dem Schreiber zugewandten Fläche bewegten sich Linien und Schriftzeichen hin und her. Das, was er für einen normalen Griffel gehalten hatte, war ein ziselierter Stift mit feiner Spitze, auf die die Oberfläche reagierte. Gerade betrachtete er ein Model der Pyramide von allen Seiten.

    Der Archäologe in ihm schrie vor Faszination und Überraschung auf, denn das war Technik, die nicht in diese Zeit und an diesen Ort gehört hatte. Und sie glich auch nicht dem, was die Goa’uld benutzten, denn schon allein die Form des Datenkristalls, der an einer Stelle aus der Tafel heraus ragte war gänzlich anders.

    Daniel, der in den letzten Jahren schon genug an Relikten der Vergangenheit auf anderen Planeten gesehen hatte, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
    Die Schriftzeichen auf dem Bildschirm, der bald die ganze Fläche der Tafel einnahm, waren ihm wohlbekannt - wenn auch weder Hieroglyphen, Asgard-Runen oder die Zeichen der Goa’uld, sondern die der ersten Rasse - die die Sternentore geschaffen hatte.

    Zwar hatte er die Zeichen durch die Unterstützung und Hilfe der Tok’ra bereits zu großen Teilen entziffern können, er stand allerdings noch ganz am Anfang, wenn es darum ging, die dahinter stehende, komplexe Sprache und die Gedankengänge dieses schon lange aus der Galaxis verschwundenen Volkes zu verstehen.

    Daniel kauerte sich neben den Mann, der ihn immer noch nicht zu bemerken schien und beobachtete die Bewegung auf dem, was er wohl am ehesten mit einem modernen Tablet-PC vergleichen konnte.
    Imhotep ging wie selbstverständlich mit dem Gerät um. Wenn er die Bruchstücke, die er im Kopf übersetzen konnte, richtig deutete, wandelte der Mann die Mathematik, die benötigt wurde, um ein Bauwerk wie die Pyramiden zu schaffen in ein für die Menschen dieser Zeit verständliches System um.
    Dabei verzog er immer wieder das Gesicht und schmunzelte vor sich hin. Irgendwann zog er sich auch die Perücke vom Kopf und gab schweißfeuchtes, kurz geschnittenes Haar von der Farbe des Wüstensandes preis.

    Daniel schüttelte fassungslos den Kopf: Das machte das Rätsel, dem er hier auf der Spur war noch größer und unverständlicher, auch wenn das, was er sah einige Vermutungen bestätigte, die auch andere Wissenschaftler schon gehabt hatten, ohne ihre Theorien wirklich beweisen zu können. Es gab tatsächlich Lehrmeister der Menschheit, die nicht auf der Erde geboren worden waren.

    Wo auch immer er herkam, und wie er den Untergang oder das Verschwinden seiner Rasse überlebt hatte: Imhotep war ein Außerirdischer - ja er gehörte vielleicht sogar der alten Rasse an, die die Sternentore erbaut und viele andere Artefakte hinterlassen hatten ... und er mischte sich ganz offensichtlich mit sehr viel Freude und Vergnügen, in die Entwicklung der Menschheit ein.

    - to be continued -
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  22. #15
    Chief Master Sergeant Avatar von Jolinar
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    Kein Wunder, daß Daniel verwirrt ist. Er ist ja auch erst später in diese Zeit zurückgereist. Aber er scheint genau den Zeitpunkt erwischt zu haben, wo Jack, Teal'c und Sam von Ra hingerichtet werden.

    Und Imhotep ist also ein Antiker (jedenfalls deiner Meinung nach). Dieser Schachzug gefällt mir auch sehr gut.

    Und muß ich es noch sagen? - Deine Geschichten sind immer erstklassig und machen Lust auf mehr.

  23. #16
    First Lieutenant Avatar von Zeson
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    Könnte sich hinter Ihmotep vielleicht sogar Janus verstecken? Ich denke da an das, was Du in "Solitary Man" über Janus geschrieben hast ... Wäre ein genialer Schachzug.
    Die Geschichte gefällt mir immer besser. Daniels Reaktion auf die Wachen Ras und sein Erschrecken, sich selbst in dieser Zeit zu sehen, hast du echt toll beschrieben. Daniel, wie er leibt und lebt.
    Ich bin echt gespannt darauf, wie es weiter geht.
    "It is better to have loved and lost than never to have loved at all"

    Möge alles, was Ihr mir wünscht, tausendfach auf Euch zurückfallen.

    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

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  24. #17
    General im Vorruhestand Avatar von Jonathan J. O´Neill
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    Ein sehr interessantes 2. Kapitel, Kris

    So Daniel hat einen Ausblick in die Zukunft erhalten , obwohl er in die Vergangenheit gereist ist *g*, und trifft dabei sich selbst und einen schwerverletzten Jack. Zum Glück kann ihn niemand sehen

    Imothep, das ist doch ein Goa'uld, oder ?
    Hier scheint er aber ein Antiker zu sein, vielleicht war er davor auch einer - doch diese Beschreibung, hm.

    Bin gespannt, was Daniel als nächstes erlebt

    lg JJO

  25. #18
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John´s Chaya
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    Imhotep ist also einer aus meiner Verwandtschaft... soso. Davon weiß ich ja gar nichts.

    Ach, ich würde Daniel so gerne begleiten. Ägyptische Geschichte ist ja so was von interessant, vor allem wenn man sie erleben darf und bei Gefahr wieder verschwinden kann.

    Hmmm.... Daniel war doch mal im alten Ägypten, mit Sam, Jack und Teal´c. Sie sind doch mit der Zeitmaschine dorthin gereist. Hat es damit zu tun, dass er sich dort getroffen hat? *überleg*
    Ach nee, das war ja glaub ich in der achten Staffel... wenn ich mich recht erinnere oder?
    Ich muss dringend mal wieder SG-1 schauen....!

    Das war wieder ein tolles, spannendes Kapitel, super!
    Bin sehr neugierig wie es weitergeht!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein!

  26. #19
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Daniel ist ja nun ganz in seinem Elemet und kann das alte *originale* Ägypten erforschen. Da konnte er wohl nicht widerstehen...keine Wunder bei seinen neuen Möglichkeiten.

    Und prompt trifft er auf sich selbst. Ich weiß nicht wie es mir gehen würde, würde ich auf einmal mir selbst gegenüber stehen...
    Und dann noch dieser Imotep...sehr mysteriös.

    Du wartest mal wieder mit Spannung und dem wunderbaren Gefühl fürs Detail auf, dass das Lesen dieser Story doch wieder zu einem Genuß werden lässt.

    Weiter so!
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  27. #20
    Turbo-Denker/Seher alias Beamter Avatar von Dakimani
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    ja, es geht wieder spannend und interessant weiter

    Imotep ein Antiker? ein sehr interessanter Gedankengang von dir....
    hihi, Daniel kommt ja kaum aus dem staunen raus

    freue mich schon auf die fortsetzung

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