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Bildnachweis: © BBC 1986

Review: Doctor Who – Sechster Doktor Vol. 3
Die Abenteuer des sechsten Doktors auf DVD sind komplett

Doctor Who – Sechster Doktor Vol. 3

Original: Doctor Who (Season 23), GB 1986
Produzenten: John Nathan Turner

Regisseur(e): Nicholas Mallet, Ron Jones, Chris Clough
Format: Dolby, PAL, Codefree
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 1,33:1 / 4:3
Anzahl Disks: 5
Verpackung: Amaray-Case, Softbox
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Pandastorm (Edel)
Erscheinungstermin: 29. Juli 2016
Spieldauer: ca. 315 Minuten (15 Folgen à 25 min)
Extras: insgesamt 365 Minuten, unter anderem: Booklet mit Vorwort von Colin Baker und Nicola Bryant, Featurettes (z. B. über Cliffhanger in Doctor Who und die ursprüngliche Season 23), Makings-Ofs, Damals und Heute, Deleted & Extended Scenes, Audiokommentare etc.

Figur: Darsteller
Der Doktor: Colin Baker
Peri Brown: Nicola Bryant
Melanie Bush: Bonnie Langford
Richterin: Lynda Bellingham
Der Ankläger: Michael Jayston
Der Meister: Anthony Ainley
König Yrkanos: Brian Blessed
Sabalom Glitz: Tony Selby

Nicht erst mit der neuen Serie aus dem Jahr 2005 tauchte die britische Kultserie "Doctor Who" im deutschen Fernsehen auf, sondern bereits 15 Jahre früher. Der Privatsender RTL Plus zeigte die drei Staffeln des siebten Doktors und ließ einige Jahre später noch die Episoden des sechsten Doktors folgen, wenn auch mit mäßigem Erfolg, hatten amerikanische Serien doch schon längst andere Maßstäbe in Sachen Tricktechnik und Erzählweise gesetzt. Den Fernsehfilm aus dem Jahr 1996, der den achten Doktor vorstellte, gab es dann nur noch auf Video.

Im Zuge der Begeisterung, die das 50-jährige Jubiläum der Serie auch in Deutschland auslöste, beschloss man bei Pandastorm Pictures, dem Publikum nun auch das bereits synchronisierte Material der "klassischen Serie" nahezubringen. "Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 3" schließt nun die Herausgabe der damaligen Fernsehausstrahlungen ab. Es fehlt im Prinzip nur noch der "TV Movie", den man aber auch hofft veröffentlichen zu können, um damit den Kreis der deutschen Veröffentlichungen endgültig zu schließen.

Die hier vorliegende Box mit den finalen Geschichten um die sechste Inkarnation des Doktors ist aber in gleich mehrerer Hinsicht besonders, doch dazu später mehr.


Inhalt:

Völlig überraschend und für ihn absolut unverständlich wird der Doktor aus dem Zeitstrom gerissen und findet sich an Bord einer großen Raumstation wieder. In einem Gerichtssaal sieht er sich Mitgliedern seines eigenen Volkes gegenüber.

Er muss erfahren, dass gegen ihn Anklage erhoben wurde, weil er wieder einmal gegen die obersten Gesetze der Zeit verstoßen und in das Schicksal anderer Völker eingegriffen habe; ein Vergehen, für das es, der Ansicht des fanatischen Anklägers nach, nur eine Strafe geben kann: den Tod.

Auch wenn er das zunächst nur für einen schlechten Scherz hält, entziehen kann sich der Doktor den Vorwürfen nicht. Denn mittels der Matrix, der unbestechlichen Datenbank der Timelords, werden ihm seine Vergehen vor Augen geführt, sei es nun auf dem Planeten Ravalox, der erschreckende Ähnlichkeiten zur Erde aufweist und dabei mehr als nur ein düsteres Geheimnis birgt.
Oder bei seinem letzten Abenteuer, in dem er noch mehr Chaos in die angespannte Situation bringt, die zwischen einem primitiven Kriegervolk unter König Yrkanos und seinem alten Widersacher Sil tobt, der mit seinem Volk der Mentoren einen Teil der Bevölkerung versklavt hat.

Da das Ganze in einer Tragödie endet, gerät der Doktor in eine noch schwierigere Lage und versucht durch ein weiteres Abenteuer, das in seiner nahen Zukunft und auf einem Raumschiff spielt, seine Unschuld und die Manipulation der Matrix durch jemanden, der ihn ausgelöscht sehen will, zu beweisen.

Doch kann er das noch, jetzt wo sich die Schlinge um seinen Hals bereits eng zusammengezogen hat? Ist vielleicht das unerwartete Eingreifen seines ältesten Erzfeindes die einzige Möglichkeit, auf die er jetzt noch setzen kann?


Meinung:

Anders als die beiden Vorgängerboxen des sechsten Doktors umfasst das dritte Volume tatsächlich eine komplette Staffel, quasi den Schwanengesang dieser Inkarnation, allerdings ohne die übliche Regenerationsszene, durch die der nächste Schauspieler eingeführt wurde. Der Eindruck bleibt bestehen, dass die Showrunner schon noch damit rechneten, mit Colin Baker als Doktor weitermachen und ein paar ergänzende Geschichten erzählen zu können.

Eine weitere Besonderheit ist die Struktur der Staffel. Denn die drei eigenständigen Abenteuer sind mehr oder weniger in eine Rahmenhandlung – nämlich die der Gerichtsverhandlung – eingebettet und fügen ihre Hinweise zur Handlung hinzu, die in den beiden abschließenden Folgen alle Fäden zusammenführt und dabei nicht nur die Gründe für die Anklagen gegen den Doktor erhellt, sondern auch noch weitere Machenschaften im Hintergrund.

Gerade Mitte der 1980er Jahre war diese Struktur für Serien außerhalb des Soap-Genres noch gar nicht üblich und daher ungewohnt. Zwar gab es schon einmal bei der Suche des vierten Doktors nach den "Keys of Time" eine Reihe locker verbundener Geschichten, diese konnte man aber auch unabhängig voneinander ansehen. Hier allerdings sollte man keine der Episoden verpassen, da alles aufeinander aufbaut.

Andererseits führt das aber auch dazu, dass der Erzählfluss der eigentlichen Abenteuer immer wieder durch das Treiben im Gerichtssaal unterbrochen und man immer wieder aus der Handlung gerissen wird, was der Spannung auf Dauer nicht gerade förderlich ist.

Weiterhin ungewohnt ist, dass der Wechsel zwischen den Begleitern recht unverhofft kommt. Peri Brown scheidet auf fast schon brutale Art und Weise aus, die vermutlich so manchen jungen Zuschauer erschreckt haben dürfte; ein Eindruck, der zum Ende der Staffel dann noch einmal halbherzig relativiert wird, um die feinfühligeren Fans zu beruhigen.

Melanie Bush ist dagegen sofort in die Handlung eingebunden und pflegt sofort einen vertrauten Umgang mit dem Doktor, als ob sich beide schon eine ganze Weile kennen würden, was gerade am Anfang etwas verstörend und unpassend wirkt.

Man bemerkt insgesamt einen deutlichen Unterschied zu den Episoden des modernen "Doctor Who". Und das liegt nicht allein an den weitaus einfacheren Kulissen und teilweise sogar recht primitiven Tricks, die eingesetzt werden. Natürlich macht die Optik einen eher billigen Eindruck, das ist aber auch dem geringen Budget, das der Serie zu diesem Zeitpunkt zugestanden wurde, geschuldet. Die Macher haben zumindest das Bestmögliche herausgeholt, auch wenn das manchmal improvisiert wirkt.

Was moderne Zuschauer aber noch mehr irritieren dürfte, ist die ungewohnt langsame Erzählweise. Dialoge sind meistens ausführlicher, das verbale Geplänkel zwischen den Figuren wird bewusst in die Länge gezogen, um Zeit zu schinden, auch wenn die Gespräche nicht immer Informationen enthalten.
Action gibt es zwar auch reichlich – bedrohlich kann man diese aber nicht gerade nennen, vor allem wenn die Hauptdarsteller involviert sind. Und auch sonst wurden die Bedrohung durch die Aliens und die Kämpfe mit diesen eher auf das Niveau gesenkt, das man in den 1980er Jahren für Kinder und Jugendliche angemessen hielt.

Es braucht natürlich einiges an Geduld, um sich in die Handlung einzufinden, wenn man anderes gewohnt ist. Kann man sich aber darauf einlassen, wird man am Ende schon mit schrägen Dialogen und skurrilen Ideen belohnt, die man heute nicht mehr in dem Maße findet, wenn auch auf einem naiven, harmlosen Niveau.
Gerade zu dieser Zeit hatte die Serie viel von dem Biss früherer Jahre verloren, ist zu sehr auf die vermeintliche Zielgruppe zwischen acht und vierzehn Jahren ausgerichtet. Vieles ist plakativ dargestellt und Intrigen wurden deutlich vereinfacht – nur selten sind für erfahrenere Zuschauer noch subtile Untertöne und Anspielungen zu entdecken.

So schlecht wie sie auf den ersten Blick wirken mag, ist die deutsche Synchronisation aber auch nicht. Bis auf die ein oder andere seltsame Übersetzung von Begriffen, als Beispiel sei nur "Zeitenwanderer" als Synonym für "Timelords" genannt, entspricht sie in Inhalt und Tonfall ziemlich genau dem, was man in der Originalfassung vorfindet. Michael Schwarzmair kann zwar nicht verhehlen, dass der siebte Doktor sein Doktor ist, schafft es aber dennoch, Colin Baker eine etwas andere Stimme zu geben. Allein bei der ein oder anderen Nebenfigur, die nur wenige Dialoge hat, fällt auf, dass eher schwache und unerfahrene Sprecher eingesetzt wurden, die etwas holprig oder steif klingen.

Vom Charakter her wirkt der sechste Doktor diesmal wesentlich weniger arrogant und herablassend als in den Geschichten zuvor, so als hätte man bewusst einen Wandel eingeleitet. Auch wenn manche Wortwechsel anderes vermuten lassen, sein Umgang mit Peri Brown hat sich verändert, ist freundlicher und vertrauensvoller geworden, was nicht zuletzt dem Zusammenspiel der Schauspieler geschuldet ist.
Allerdings erlauben die Episoden es nicht, die Bindungen zu vertiefen oder Gefühle zu zeigen, dazu stehen andere Inhalte wesentlich mehr im Vordergrund. Das sorgt leider auch dafür, dass die Freundschaft zur neuen Begleiterin Melanie Bush durchweg oberflächlich bleibt und nicht sonderlich glaubwürdig daherkommt.

In die Erinnerung graben sich zudem eher einige der Gaststars ein – wie Brian Blessed, der wie eine polternde Urgewalt als König Yrkanos durch die Folgen fegt und das Leben von Peri Brown durcheinanderbringt, oder Tony Selby als schleimiges, aber doch charmantes Schlitzohr Sabalom Glitz, den einige sicherlich noch von Abenteuern des siebten Doktors her kennen. Sie trösten durch ihr extrovertiertes und amüsantes Spiel über kleine Längen in der Handlung hinweg.

Pandastorm bietet zusätzlich zur deutschen Synchronisation das komplette Material der englischen Fassung. So kommen Zuschauer auch noch in den Genuss des ausführlichen Bonusmaterials, das neben gelöschten und erweiterten Szenen noch viele weitere Infos bietet, wie etwa die Inhalte der Geschichten, die ursprünglich für diese Staffel geplant waren, oder einen amüsanten Blick auf die gelegentlich recht schrägen Cliffhanger der Serie.

Bild und Ton sind bearbeitet, so dass man beides in einer Qualität erhält, die sich auch heute noch sehen lassen kann, weil sie besser als die DVD-Veröffentlichung so manch anderer Serie aus den 1980er Jahren ist.

Alles in allem wurde ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ob dadurch das Interesse der deutschen "Doctor Who"-Zuschauer im Allgemeinen geweckt werden kann, bleibt sicherlich offen. Aber gerade die bisher sieben Boxen, auch diese, könnten vielleicht bei dem ein oder anderen Fan die Neugier wecken, Neuland zu betreten und die Abenteuer früherer Inkarnationen des Doktors zu erkunden, denn trotz vieler Abstriche lohnt sich das durchaus.


Fazit:

Es ist schon ein eher nostalgischer Blick auf "Doctor Who", wenn man gerade diese Silberscheiben einlegt, denn vor allem diese Staffel gehört nicht unbedingt zu den besten der klassischen Serie; aber dennoch strahlen die Inhalte und die Schauspieler immer noch die Aura aus, die die Serie so groß und bei Jung und Alt beliebt gemacht hat.
Obwohl sich die Storys dem Budget anpassen mussten und BBC den Produzenten immer mehr Auflagen gab, die für den zeitreisenden Außerirdischen typischen Botschaften schimmern durch – unbändige Lust und naiv-kindliche Neugier das Unbekannte zu erkunden, dabei jedoch niemals den Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Kampf gegen verlogene, repressive Regime und ebenso machtgierige wie intrigante Finsterlinge zu verlieren.

 

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